13. Januar 2014
Januar 201413

Online-Wahlen

Aarg! Wenn man denkt, die Leute hätten es kapiert, kommt irgendeine Pflaume um die Ecke und bringt ein eigentlich geklärtes Thema wieder auf den Tisch. Seit ein paar Tag geistert ein Vorschlag von CSU-Söder herum, eine Online-Wahl für die nächste Landtagswahl zu ermöglichen, z.B. in der Süddeutschen Zeitung.

Warum rege ich mich auf? Deshalb: 2009 hat das Bundesverfassungsgericht über den Einsatz von Wahlcomputern geurteilt und sehr, sehr hohe Hürden gesetzt, die nach Stand der Wissenschaft nicht heute und auch nicht in absehbarer Zukunft übersprungen werden können. Kernforderung ist,

daß die wesentlichen Schritte der Wahlhandlung und der Ergebnisermittlung vom Bürger zuverlässig und ohne besondere Sachkenntnis

überprüfbar sein müssen. Im klassischen Urnengang wird das durch die Möglichkeit der durchgehenden Beobachtung und durch die strikte Handhabung der Ausgabe des Wahlzettels bis zum Einwurf in die Urne gelöst.

Nun läßt sich die Arbeit von Computern nicht beobachten – das wäre selbst zu Zeiten mechanischer Zählwerke oder Relais-Rechnern schon schwer gewesen, aber bei heutigen Computern mit Abermilliarden Transistoren und ebenso viel abgearbeiteten Befehlen pro Sekunde unmöglich. Computer sind also von Haus aus nicht nur für Leute ohne besondere Sachkenntnis schwarze Kästen, sondern auch für Experten: Selbst sie können, wenn sie vor dem Wahlgerät stehen, genauso wenig sicherstellen, daß das Gerät genau das und nur das macht, was ihnen versprochen wurde. Und das ist einfach zu wenig.

Bei der Online-Wahl wird dieses Problem noch verschärft: Der »Wahlcomputer« wird dabei letztendlich aufgeteilt; Zum einen in einen irgendwo in irgendeinem unbekannten Rechenzentrum (neudeutsch »Cloud«) stehenden Server, bei dem der Wähler nicht einmal wie bei einem Wahlcomputer kontrollieren kann, ob der mechanisch verplombt ist, auch wenn das eh Hokuspokus ist. Zum anderen wird der eigene – oder noch schlimmer, ein fremder – Rechner, Tablet oder Mobiltelefon zum Wahlcomputer, und die sind durch Viren, Trojaner, staatlichen und privatwirtschaftlichen Schnüfflern ein Minenfeld für die Datensicherheit und -integrität. Dazu kommt in Zeiten der Totalüberwachung noch die Kommunikation, was aber eher zu den beherrschbaren Problemen gehört.

Man könnte jetzt einwenden, es würde doch reichen, wenn man nachträglich das Ergebnis validieren kann. Bei öffentliche Wahlen kann man Listen aller Wähler mit der jeweils abgegebenen Stimme veröffentlichen, jeder kann nachprüfen, ob seine Stimme so gezählt wurde, wie er abgestimmt hat. Es lassen sich auch die Stimmsummen prüfen und Phantom- und Nichtwähler erkennen. Das Risiko aufzufliegen ist relativ hoch, wenn genügend Wähler das prüfen.

Dummerweise hat aber bislang niemand für geheime Wahlen ein solches einfaches Prinzip erfunden. Man kann es auch nicht mit Technik erschlagen, denn das wäre dann ja wieder ein Widerspruch zu der Kernforderung. Aber selbst wenn man es finden würde, wäre zwar das Problem der Nachvollziehbarkeit gelöst, nicht aber das Problem der Anonymität: Es gäbe selbst dann keine Garantien, daß die Anonymität im Inneren der Gesamtsystems gewahrt bleibt und der Wähler wirklich Vertrauen darin haben kann, daß er frei wählen kann.

Wer sich bis hierher durch meine Ausführungen vorgekämpft hat, wird hoffentlich mit mir einer Meinung sein, daß Söder diesen Vorstoß ohne jegliches Verständnis für die Thematik gemacht hat. Er ist wohl auch von einer Meute von Fördergeldsaugern umgeben, die mit Buzzwörtern nur so um sich schmeißen, wie heise.de berichtet. Ein Fortschritt in der Lösung der Probleme ist nicht zu erkennen. Hat er es trotz Sachkenntnis vorgeschlagen, dann betrachtet er offenbar nicht nur die Nicht-Existenz der Online-Wahl als Anachronismus, sondern auch gleich die Demokratie als solche.

Bei golem.de gibt es einen guten Artikel über die Reaktionen, u.a. auch vom CCC, dessen Arbeit nicht unwesentlich zu dem Bundesverfassungsgerichtsurteil beigetragen hat. Auch die Piraten geben mal wieder ein Lebenszeichen von sich.

10. Januar 2014
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Dies & Das

9. Januar 2014
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Umgang mit Andersdenkenden

Ich will inhaltlich zu der sogenannten »Petition gegen Homosexualität im Unterricht« gar nicht Position beziehen, mich interessiert das Thema auch nicht wirklich. Aber weil seit Tagen in den Überschriften und Teasern der Online-Medien der Petent niedergemacht und gleichzeitig das Outing des einen Fußballers so hochgelobt wird, wollte ich mir doch mal meine eigene Meinung bilden – wie gesagt, nicht zum Thema selbst, sondern ob die Petition wirklich so homophob ist, wie sie dargestellt wird: Name des Petenten in Google eingegeben, schnell ist die Petition gefunden.

Die Petition ist lang, rund 1000 Wörter, der Petent beschreibt sehr genau, worum es ihm geht und worum nicht – es wirkt nicht oberflächlich. Keine der angesprochenen Personengruppen wird angegriffen und beleidigt, deren Lebensweise wird nicht mißbilligt. Man kann dem Petenten nicht einmal richtig nachsagen, daß er eine konservative Wertevorstellung (im Sinne von CDU/CSU z.B.) habe.

Es ist somit eine Meinung, nicht mehr und nicht weniger.Das Grundgesetz gibt jedem das Recht, seine Meinung öffentlich zu machen, und dieses Recht hat der Petent auch. Man muß nicht dieser Meinung sein, aber man muß sie respektieren.

Was die Medien, aber auch die hinter dem Lehrplan stehenden Politiker und Parteien hier exerzieren, ist daher unredlich. Sie nehmen sich heraus, die einzig gültige Weltanschauung zu definieren, und jeden, der dieser Political Correctness nicht entspricht, auf’s Schlimmste zu diffamieren. Es ist schon pervers, denn sie tun letztendlich genau das, was sie dem Petenten vorwerfen, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Aber das ist ja alles nichts neues. Es passiert laufend. Erstmalig habe ich das bewußt bei der Rechtschreibreform erlebt. Aktuell kann man das – neben dem obigen Themengebiet – auch bei bei den Themen »Klimawandel«, »Religion« im allgemeinen und »Islam« im speziellen, »Nahost«, »amerikanische Freundschaft« und »Europäische Union« beobachten. Bei letzterem wird jeder, der die Entdemokratisierung, Entrechtung, Zentralisierung und Bürokratisierung in der EU aufzeigt, der gegen die Mißgeburt Euro und die billionenschweren Rettungsversuche ist, als Europafeind (als wären die EU und Europa ein und dasselbe), Nationalist oder gar Rechtsradikaler diskreditiert. Das stinkt mir gewaltig.

9. Januar 2014

Dies & Das

Mal etwas zur Entspannung:

8. Januar 2014
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CSU will der SPD den Ruf als Verräterpartei abringen

Da bleibt mir die Luft weg:

Die Großmäuler im eigenen Land gerieren sich als internationale Ar…kriecher und Verräter erster Kajüte: Die CSU lädt den US-Botschafter Emerson zu ihrer Partei-Klausur nach Wildbad Kreuth ein! Und läßt sich von ihm auch noch bedrohen, falls Snowden im zukünftigen Untersuchungsausschuß angehört werden würde!

Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, daß sich der amerikanische Kongreß das sehr genau anschaut.

Und was macht der US-Kongreß bitte dann? Kann das Herr Emerson bitte etwas weiter ausführen? Boykott ausrufen? Atombomben auf Deutschland werfen lassen, oder was?

Aber selbst solche, durch die diplomatische Verpackung sehr vagen, dennoch unbestreitbaren Drohungen reichen schon aus, damit CSU kuscht. Die »transatlantische Partnerschaft«, was immer das jenseits der Worthülsen auch sein mag, ist also der CSU wichtiger als die Bürgerrechte, als das Grundgesetz.

Lustig, in Anführungszeichen, ist auch das, was Emerson sonst noch zu den Abhöraktionen sagt, z.B.

Ja, wir haben Kommunikationsgeräte auf dem Dach unserer Botschaft … Wir sind eine Kommunikationsorganisation. Botschaft bedeutet Botschaft.

Ich hätte den Kerl achtkantig herausgeschmissen, muß ich sagen. Verarschen kann ich mich nämlich selber.

8. Januar 2014

Dies & Das

7. Januar 2014
07

Dies & Das

6. Januar 2014
06

Wichtig: Kurzvideo zum Transatlantischen Handelsabkommen (TTIP)

Es gibt ein neues animiertes Aufklärungsvideo zum geplanten Transatlantischen Handelsabkommen zwischen USA und EU (TTIP). Bitte unbedingt anschauen und weiterverbreiten. Und wer bei Campact noch nicht mit unterzeichnet hat, kann es hier tun. Mehr als 290.000 besorgte Menschen haben es schon gemacht! Dort gibt es auch detailliertere Information dazu.

6. Januar 2014

Dies & Das

5. Januar 2014
05

Vorratsdatenspeicherung auf Eis

Die gute Nachricht:

Die Vorratsdatenspeicherung ist weiterhin auf Eis (und hier auf netzpolitik.org).

Die schlechte Nachricht:

Auch wenn Maas’ Äußerungen etwas nach einem Sinneswandel klingen, glaube ich das nicht. Entgegen ihres propagierten Antlitzes ist die SPD traditionell bürgerrechtsfeindlich und fällt dem Bürger nicht selten in den Rücken (Stichwort »Verräterpartei«). Es ist wohl eher einem Rest an Verstand geschuldet, daß man jetzt eine Neuregelung nicht über’s Knie brechen muß, wenn Änderungen sicher sind.

Aber selbst das geht den verstandlosen Wadenbeißern der CDU und CSU (z.B. Uhl, Bosbach, Krings) natürlich schon mal gar nicht in den Kopf, denn sie wollen Fakten schaffen für ihre ebenso dumbe Klientel, und sie bellen schon wieder herum.

Da die Wahrscheinlichkeit, daß der EuGH die VDS in Gänze ablehnt, ähnlich groß ist wie die, daß die NSA mit ihrer globalen Schnüffelei aufhört, wird es daher eh nur ein kleiner Aufschub sein.

Update: mehr Reaktionen auf heise.de.