Die Medien überschlagen sich. Pofalla soll 2010 maßgeblich an der
Besetzung des Aufsichtsratsvorsitzenden der DB AG beteiligt gewesen
sein. Erwartet er jetzt ein Dankeschön von diesem? Zudem macht er den
Wulff: Was er für andere fordert, gilt natürlich nicht für ihn selbst. 2005
hat Pofalla Schröder scharf wegen seines Wechsels zu Gazprom
kritisiert.
Und Mandatsaufgabe, wozu? Da gibt es doch keine Interessenkonflikte,
oder? Einem Fernsehbericht zufolge sollen die Wähler und die
CDU-Lokalpolitiker in seinem Wahlkreis Kleve stinksauer sein. Gönne ich
denen aber irgendwie. Wer es nach der Bosbach-Beleidigung und seinem NSA-Erklärungsdebakel nicht kapiert
hat, wie charakter- und kompetenzlos der Mensch ist, und weiterhin
Wegbereiter für ihn spielt, hat es nicht besser verdient.
Wenigstens gibt es kleine Hoffnung: Die Stimmung im Aufsichtsrat, der ja
ihn bestellen muß, ist wohl auch nicht so gut. Andererseits wird, so
schätze ich mal, Merkel den Aufsichtsratsmitgliedern mit Konsequenzen
drohen, damit sie es sich noch in ihrem Sinne überlegen. Wobei Pofalla
mittlerweile politisch so verbrannt ist, daß es eigentlich relativ egal
ist, wie das alles endet.
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Nichts neues: Die Republikaner glauben zum größten Teil an die göttliche
Schöpfung. Gut, sie haben ja sonst nichts, mit dem sie sich von den
Affen abgrenzen könnten. Leider sieht es aber bei vielen CxU-Anhängern
nicht viel besser aus.
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Langsam holt uns die Euro-Krise wieder ein. Griechenlands Außenminister
Venizelos fordert, Deutschland müsse »…das Recht auf einen anderen Lösungsansatz« akzeptieren.
Welchen Lösungsansatz meint er? Den, auf Kosten der Geberländer wie eine
Made im Speck1 zu leben? Na klar: »Es gibt nun einmal eine
klare Aufteilung in Geber und Nehmer in der EU«, und er möchte den
Gebern am liebsten die Kontrolle entziehen. Und dann die Drohgebärden:
mit einem »Grexit« wären die bereits gezahlten 240 Mrd. Euro weg. Nun ja,
nur wer an den Weihnachtsmann und den Osterhasen glaubt, der glaubt auch
noch, daß die noch nicht längst futsch sind. Eins kann man auf jeden Fall
konstatieren: Die Griechen sind immer noch nicht einmal im Ansatz
gewillt, ihr Problem zu lösen.
1 ich weiß, vielen Griechen geht es momentan saudreckig.
Aber es ist nicht nur das Handeln der oberen Zehntausend, das zu dem Status
Quo geführt hat. Korruption, Steuerhinterziehung und Erschleichung von
unrechtmäßigen Staatsleistungen waren und sind offenbar ein Volkssport quer
durch alle Schichten.
Der Spiegel berichtet über den immer größer werdenden Einfluß der
Al-Qaida in Syrien und Irak. Das ist also das Ergebnis
jahrzehntelanger Bemühungen der USA in der Region. Unter Saddam Hussein und
Baschar al-Assad hat es bestimmt viel Tyrannei, Folter und Morde gegeben.
Was jetzt aber nach der »Befreiung« Iraks und der Unterstützung der
Aufständischen in Syrien entstanden ist, scheint jedoch um Größenordnungen
schlimmer zu sein. Man kann nur hoffen, daß wenigstens Ägypten, Tunesien
und Libyen noch die Kurve kriegen. Afghanistan habe ich aber schon
aufgegeben.
In der FAZ gibt es einen Artikel über die langsame Abschaffung von Bargeld in Schweden, aber auch in Dänemark.
Vielerorts kann man dort nicht mehr mit Bargeld bezahlen, etliche
Bankfilialen geben auch kein Bargeld mehr heraus.
Leider arbeitet der Artikel die negativen Effekte zuwenig heraus. Die
Abschaffung des Bargelds wird zwar wohl nicht vom Staat gefördert, aber ist
sicherlich auch nicht unerwünscht: Gerade die Schweden haben bisweilen eine
spezifische Sicht auf das gesellschaftliche Zusammenleben, und die
Privatsphäre gehört wohl eher nicht dazu. Anonym bezahlen zu können, ist
ein wichtiger Bestandteil der Privatsphäre, auch wenn es in der Regel im
öffentlichen Raum passiert. Beim elektronischen Bezahlen wird gespeichert,
wann, bei welchem Unternehmen und an welchem Ort man kauft, und es werden
natürlich die Waren und Dienstleistungen mit dem Käufer assoziiert. Bei der
fleißigen Zusammenarbeit der Schweden mit der NSA dürfte klar sein, daß die
Buchungsdaten lange gespeichert (Stichwort
»Vorratsdatenspeicherung«) und ausgiebig genutzt werden. Die Firmen
freuen sich natürlich auch, soetwas wie »Payback«-Karten braucht man dann
nicht mehr, um Kundenprofile erstellen zu können.
Neben der Privatsphäre steht auch ein Stück Eigentum und Freiheit auf dem
Spiel. Mit ein paar Mausklicks kann jemand mit einem Schlag seines
Barvermögens enteignet und vor allem handlungsunfähig gemacht
werden. Er kann sich keine kleine finanzielle Sicherheit im Safe oder unter
dem Kopfkissen anlegen – außer mit ausländischen Devisen oder Edelmetallen,
mit denen er jedoch relativ wenig anfangen kann. Verwandte und Freunde
können ihm nicht einmal Geld leihen, sie könnten ihm das ja höchstens
überweisen! Das weckt auch Begehrlichkeiten, z.B. sich bei einer hohen
Staatsverschuldung an den Privatvermögen zu bedienen. Um Bank-Runs braucht
sich der Staat keine Sorgen mehr zu machen.
Schlußendlich habe ich auch noch meine Zweifel, daß durch die Abschaffung
die Kriminalität zurückgeht. Vielleicht temporär, aber die Kriminellen
werden sich neue Wege suchen: Im Bösen, seien es Krieg oder Verbrechen,
sind die Menschen leider am kreativsten.
Also man muß schon grenzenloses Vertrauen in Staat und Banken haben und
ein großes Stück Naivität, um das gut zu finden.
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Lacher des Tages: Die CDU ist auch für einen NSA-Untersuchungsausschuß. Das ist
einerseits absolut scheinheilig in Hinblick auf ihre bisherige
Vertuschungstaktik, andererseits dient es vermutlich nur dazu, bei der
Bildung negativen Einfluß auf die Aufgaben des Ausschusses zu nehmen. Wir
werden sehen…
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Die FAZ bringt Bitcoins und NSA zusammen: Die Verschwörungstheorie lautet, daß Bitcoins ein von der NSA
gefördertes Projekt sei, um die zivile Forschung und Entwicklung von
leistungsfähigerer kryptographischer Hardware anzuregen, um letztendlich
selber davon für das Knacken von Schlüsseln zu profitieren. Nun, klingt
etwas abwegig, aber wer will das heute noch ausschließen?
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Irgendwie hört die »Zeit« den Schuß nicht mehr: Sie findet den Pofalla-Wechsel zur DB AG völlig o.k. Wie neulich
rudern sie jetzt wieder mit einem Gegenkommentar zurück.
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Gruselig: Kim Jong Un soll seinen Onkel und fünf weitere lebendig an 120
hungrige Hunde verfüttert haben.
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Langsam wachen auch die Amerikaner auf, was Gen-Food für ein Müll ist.
Ein bekannter Frühstücksflocken-Hersteller will anfangen, auf
gentechnisch veränderte Zutaten zu verzichten.
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Wie gleichgeschaltet unsere Medien sind, manifestiert sich zur Zeit
darin, daß sie alle verbreiten, die alten Krankenkassenkarten seien ab
dem 1.1.2014 nicht mehr gültig. Wer im Internet sucht, findet schnell
heraus (notfalls über
Wikipedia), daß das eine Lüge der Verfechter der eGK ist, um den
Widerstand zu brechen.
Die New York Times und der Guardian rufen die USA dazu auf,
Edward Snowden eine Amnestie zu
gewähren. Es sind ja nicht die ersten, die das fordern, und werden auch
nicht die letzten bleiben. Aber meines Erachtens wird daraus nichts, und
zwar aus höchst gewichtigen Gründen, z.B. Gesichtswahrung oder dem üblichen
Intrigenspiel in dem Zweiparteienstaat.
Allerdings fällt es mir momentan schwer abzuschätzen, ob sich in
Deutschland oder in den USA ein größerer Druck aus der Zivilgesellschaft
auf die Politik aufbaut. Ich habe manchmal den Eindruck, daß den US-Bürgern
langsam breitflächig, zumindest bei den gebildeteren Schichten, auffällt,
wie die schönen Ideale ihrer Verfassung zu leeren Hüllen verkommen sind.
Bei uns ist die Erkenntnis vermutlich deutlich weiter, der Effekt wird aber
wieder durch die deutsche Apathie und Lethargie (»ach, da können wir
doch eh nichts ausrichten«) kompensiert – Teflon-Merkel macht sich das
ja gerade zunutze.
Nachtrag: ein Artikel in der Zeit zu dem Aufruf.
Laut diverser Meldungen, z.B. im Spiegel, soll Ronald Pofalla Mitglied im Vorstand der DB AG werden,
und das für grob geschätzte 1.500.000 Euro/Jahr…
In diversen Foren ruft die Vorstellung doch Häme hervor, z.B. daß er wohl
als erste Amtshandlung die Verspätungen und Zugausfälle der Bahn für
beendet erklären werde. Oder, daß er nur deshalb bei der Bahn auf’s
Abstellgleis geschoben werde, weil selbst bei der EU ihn niemand haben
wolle. Ein anderer meint ironisch – wohl in Hinblick auf seine
fachspezifischen und auch sonstigen Fähigkeiten: »Keine Angst, der tut
nichts«. Nun, wenn man nach den Fähigkeiten geht, dann wäre doch ein
Job bei McDonald’s richtig – den passenden Vornamen hat er ja schon!
Die offizielle Aufgabe als Lobbyist hat natürlich ein ziemliches
Geschmäckle, Transparency International regt sich zu recht darüber auf. Es
werden auch sofort Erinnerungen zu dem Skandal um Eckart von Klaeden wach.
Aber ich sehe das nicht als CDU-spezifisch, ich denke da nur an
Gazprom-Schröder. Die Parteien haben es seit 10 Jahren (!) nicht geschafft,
die UN-Konvention gegen Korruption umzusetzen und zu ratifizieren, und
damit befindet sich unsere Interessendemokratie in Gesellschaft mit
Syrien, Sudan und Nordkorea.
Der US-amerikanische Zoll steht sowieso schon heftig in der Kritik,
angefangen von dem Begrabschen kleiner Kinder bis hin zum
verdachtsunabhängigen Durchsuchen von Notebooks, Mobiltelefonen und anderem
elektronischen Equipment (was gerade erst mal wieder als »legal«
bestätigt wurde). Jetzt ist ein
weiterer Vorfall bekannt geworden: Der Zoll hat dreizehn Flöten beschlagnahmt und zerstören lassen,
weil sie landwirtschaftliche Produkte seien, die nicht eingeführt
werden dürften. Diese waren von dem Besitzer, ein wohl bekannterer
Künstler, über Jahre hinweg selber aus seltenem Schilfrohr gebaut worden.
Da kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und hoffen, daß
die nie eine Stradivari in die Hand bekommen…
Leider war ich nicht schnell genug weg, so mußte ich mir gestern abend
doch Teile der Merkelrede in den Nachrichten eines der Propagandasender
anschauen. Meine Quintessenz: »Gebt der Kaiserin, was der Kaiserin
gebührt« und »hilf Dir selbst, dann hilft Dir Mutti«.
Im Gegensatz zu mir hat sich Sascha Lobo wohl durch den Text der Rede gequält: Die Merkel fand
im Rückblick auf 2013 die NSA-Affäre für nicht erwähnenswert.
Nun, das beruht dann wohl auf Gegenseitigkeit: Der Spiegel und die FAZ
fanden die Ansprache wohl auch so uninteressant und unwichtig, daß man
jetzt im Moment am Neujahrsmorgen auf deren Startseiten keine Links zu
Artikel, geschweige denn Aufmacher zu der Rede findet. Und das ist gut
so.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Je mehr ich über die grenzenlose
Schnüffelei und der damit zusammenhängenden Agitation der US-Amerikaner und
Briten lese, desto mehr neige ich dazu, das als nicht ausgesprochene
Kriegserklärung der US-Amerikaner und Briten gegenüber der Welt zu
betrachten. Sie haben das Internet, den virtuellen Raum, zu dem
gemacht, was zwischen Steinzeit über Altertum bis zum Mittelalter der
reale Raum war: ein Welt, wo man nicht nur Dieben, Halsabschneidern
und anderen Verbrechern ausgesetzt war, sondern wo auch Herrscher im
rechtsfreien Raum agierten und wo man durch sie sein Hab und Gut, seine
Freiheit und sein Leben in Sekunden verlieren konnte.
Das Verhalten unserer Bundesregierung – alt wie neu – kann man eigentlich
nur noch mit den Worten erbärmlich, feige,
verräterisch, insubordinativ beschreiben. Wie die drei Affen,
die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, entzieht sie sich ihrer
verfassungsmäßigen Verantwortung, ihrer Verpflichtung, ihres Eides, die
Bürger Deutschlands zu verteidigen. Und das könnte sie. Alleine und mit
anderen Staaten könnte Deutschland genügend Druck aufbauen, wenn die
Regierung es nur wollte. Beide, USA und Großbritannien, sind abhängiger von
dem Rest der Welt als umgekehrt.
Ich kann garnicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte.