15. April 2014
April 201415

Nachtrag zu #StopWatchingUs

Noch eine Bemerkung zur Demo letzten Samstag in Köln: Zwar sind ein paar hundert Leute gekommen, aber von einer »Großdemonstration« kann man leider nicht reden. Ich finde das ziemlich schade. Der Kölner Raum, zusammen mit dem Ruhrgebiet, umfaßt etliche Millionen Bürger, und dann kommt nur so eine kleine Schar. Gerade in Köln, wo wegen so eines Schrotts wie Karneval oder CSD Zehntausende auf die Straße gehen, ist das bedauerlich. In Berlin bei der letzten »Freiheit-statt-Angst«-Demo ist wenigstens eine vierstellige Zahl an Leuten zusammengekommen. Gut, man kann natürlich argumentieren, daß die Veranstaltung nicht genügend beworben wurde, daß das Wetter zu gut oder zu schlecht war oder daß das Problembewußtsein bei den Leuten einfach nicht da ist, weder nach der NSA-Affäre, noch nach dem jüngsten Heartbleed-Bug. Aber irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, daß die Ruhrgebietler noch weniger politisch und an ihren Bürgerrechten interessiert sind als anderswo in der Republik.

11. April 2014
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Big Brother Award 2014 verliehen

Der deutsche Big Brother Award 2014 ist vergeben. In dem Bereich Politik hat Merkel ihn für die zweifelhafte Rolle des Bundeskanzleramts in der Überwachungsaffähre und Merkels mangelnden Aufklärungswillen bekommen.

Im Bereich Technik hat ihn übrigens die Automobilindustrie bekommen für die zunehmende Datensammlung und Überwachung im Auto (inklusive eCall), unter der Überschrift »Spione im Auto«. Ich habe ja schon mehrfach darüber berichtet.

Ausführliche Artikel zum Award bei Heise.de und Zeit. Weitere Pressemeldungen bei Golem.de und Stern.

11. April 2014

#StopWatchingUs

Nicht vergessen, morgen, am 12.4.2014, ist in Köln am Heumarkt von 14:00 bis rund 17:00 Uhr eine Großdemonstration gegen Überwachung.

Als zusätzliche Motivation sei erwähnt, daß natürlich die SPD anfängt, den Bürgern in Sachen Vorratsdatenspeicherung in den Rücken zu fallen, wie Heise.de berichtet. Irgendwo habe ich die Hoffnung, daß der Heise.de-Forist mit den Details aus dem EuGH-Urteil recht hat, die Pappköpfe der SPD und CDU das noch nicht verstanden haben und es ihnen einer, auf den sie hören, nochmal erklärt (vielleicht ist das ja mit »Sorgfalt« gemeint).

10. April 2014
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Dies & Das

9. April 2014
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EuGH-Urteil zur Vorratsdatenspeicherung: Ein Pyrrhus-Sieg?

Wie in diversen Medien zu lesen war (exemplarisch Spiegel), hat der Europäische Gerichtshof die Vorratsdatenspeicherung als weitestgehend unvereinbar mit den Grundrechten in Europa erklärt. Das ist zwar schön, aber ein paar kleine Hintertürchen bleiben offen. So wird weiterhin erklärt, daß die Vorratsdatenspeicherung ein probates Mittel zur Verbrechensbekämpfung sei, was aber bislang nicht bewiesen wurde, beziehungsweise dem die bisher durchgeführten Studien genau widersprechen. Auch wird nicht ausgeschlossen, daß eine Vorratsdatenspeicherung unter Einschränkungen prinzipiell möglich wäre.

Die Vorratsdatenspeicherung gilt nach dem BVerfG-Urteil von 2010 und eben diesem EuGH-Urteil nun zwar als praktisch tot. Das hindert nun aber die Demokratie- und Freiheitsfeinde in der deutschen Politik und Gesellschaft leider nicht, weiterhin die Vorratsdatenspeicherung zu fordern, allen voran de Maizière, wie Heise.de berichtet. Auch andere Betonköpfe machen von sich ähnlich reden, wie CDU-Hardliner Wolfgang Bosbach oder Marco Wanderwitz, zu dessen unsäglichem Tweet häufig verlinkt wurde. Aus der Polizei-Ecke war auch nichts besseres zu erwarten: Das BKA fordert natürlich auch weiterhin die VDS, die Terrorstaat-Lobbyisten der Polizeigewerkschaft GdP haben sogar die Cuzpe, das Urteil als »Grünes Licht« für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung umzudeuten!

Und was macht die SPD? Justizminister Maas hat mit seiner Äußerung bislang lediglich den Druck aus Diskussion genommen, ein klares »Nein« zur Vorratsdatenspeicherung war dies nicht. Von dem Rest dieses Mehrheitenbeschaffervereins der CDU hört man bislang nichts. Und genau da liegt die Crux: Zwar gibt es in der SPD bekanntlich viele VDS-Gegner, vermutlich sogar in der Überzahl, aber nachdem die SPD eine jahrzehnte-, fast schon jahrhundertelange Tradition darin hat, dem Bürger und Wähler in den Rücken zu fallen und umzukippen, wenn man Courage bräuchte, müssen wir wohl damit rechnen, daß die SPD wieder einmal vor der CDU kuschen wird.

Bei Netzpolitik.org findet sich noch eine gute Zusammenfassung aus Sicht der VDS-Gegner.

Nachtrag: Heise.de hat einen Artikel über die Geschichte der Vorratsdatenspeicherung. Bei Digitalcourage beleuchtet einer der Kläger im BVerfG-Verfahren von 2010 das EuGH-Urteil.

7. April 2014
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Dies & Das

Überwachung

Sonstiges

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7. April 2014

Bundesregierung will Demokratie unterwandern

Wer ein bißchen in der Schule aufgepaßt hat, weiß, daß die repräsentative Demokratie nicht allein aus dem aktiven und passiven Wahlrecht besteht, sondern daß auch die Gewaltenteilung ein wesentliches Merkmal ist. Die Macht soll geteilt sein, die legislative, judikative und exekutive Gewalt sollen sich gegenseitig in Schranken halten und somit dafür sorgen, daß die Demokratie auch eine Demokratie bleibt. Im Englischen gibt es dazu den schönen Begriff Checks and Balances.

Wer glaubt, in unserer Regierung gäbe es nur lupenreine Demokraten (nicht nach Schröders Definition), der sollte sowieso mal zum Doktor gehen, aber für den gibt es jetzt mal wieder eine Möglichkeit zur Selbstdiagnose:

Die Zwangsdemokraten de Maizière und Schäuble – sicher mit Rückendeckung der Staatsratsvorsitzenden Merkel – haben sich laut FAZ mit Staatsrechtlern getroffen, um dem dank EU-Verträgen eh schon schwächelnden Bundesverfassungsgericht den Garaus zu machen. Anlaß sind die Urteile zu der Hürde für Parteien bei der EU-Parlamentswahl, bei dem die Regierung und das Parlament in ihre Schranken gewiesen wurden. Diesen in ihren Augen Affront wollen die Regierigen nicht so einfach hinnehmen und die Einflußnahme für die Zukunft am liebsten eliminieren.

In diesem Zusammenhang bin ich übrigens auf eine interessante Bemerkung bei Wikipedia gestoßen. Demnach sind wir jetzt schon lange von dem Ideal der Gewaltenteilung entfernt.

2. April 2014
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Toleranz ist keine Einbahnstraße

Mozilla, der Entwickler des Open-Source-Browsers Firefox, sieht sich gerade im Shitstorm der Gender-Politisch-Korrekten. Hintergrund ist, daß die Meute herausgefunden hat, daß der Erfinder von JavaScript, langjährige Mitarbeiter und neugewählte CEO von Mozilla, Brandon Eich, vor ein paar Jahren zweimal 1000 Dollar an die Organisatoren einer Volksabstimmung gegen die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien gespendet hat. Daraus baut man jetzt einen Homophobie-Vorwurf und verlangt die Absetzung. Das ist doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Was, bitteschön, hat denn eine Ablehnung der Homo-Ehe mit einer Angst vor Homosexuellen zu tun, was seine private Meinung, die er offenbar für sich behalten hat, mit dem Unternehmen?

Ich finde es schon sehr bedenklich, daß hier eine kleine Minderheit (ich habe mal von Schätzungen von maximal 5% Homosexueller in der Bevölkerung gelesen) für sich Toleranz über allem Maße in Anspruch nimmt, selber aber zusammen mit all den heterosexuellen Gutmenschen mittels ihrer Meinungsdiktatur die Soziale Todesstrafe über jeden verhängt, der ihnen nicht in allen Punkten zustimmt. Damit sind sie in ihrem Verhalten gar nicht so weit weg von den Islamisten, die jeden Vorteil unserer Demokratie und unseres Sozialstaats ausnutzen wollen, aber gleichzeitig jeden »Ungläubigen« wegbomben möchten.

Statt den Herauswurf von Eich zu fordern, sollte die Meute lieber Unterschriften für den Herauswurf von dem Mozilla-Mitarbeiter Eric Rescoria sammeln. Der hat in seinem früheren Job bei RSA dafür gesorgt, daß in einem Verschlüsselungsalgorithmus im Auftrag der NSA eine Hintertür eingebaut wurde. Das besonders Schlimme dabei ist, daß er auch bei Mozilla noch für Verschlüsselungsalgorithmen (im Bereich SSL/TLS) zuständig ist. DAS ist unhaltbar!

Ergänzung (4.4.2014): Die Meute hat gewonnen, Brandon Eich ist zurückgetreten.

Ergänzung (7.4.2014): Gerade mal 10 von rund 1000 Mozilla-Entwicklern haben sich negativ zu Eich geäußert, wobei keiner von ihnen ihn persönlich kennt. Auch ist herausgekommen, daß einer der Gründer der Dating-Plattform, die den Protest gegen Eich initiiert und gefördert hat, selbst $500 an einen erzkonservativen und bekannt homosexuellen-hassenden republikanischen Abgeordneten gespendet hat…

2. April 2014

Auf der nach unten offenen Skala

Wenn man glaubte, man habe schon das unterste Niveau in Sachen USA-Geheimdienste erreicht, dann kommt bestimmt eine Meldung, die das Niveau noch unterbietet.

Vor ein paar Wochen war entdeckt worden, daß die CIA einen Ausschuß des US-Senats bespitzelte, der gerade einen Bericht über sie anfertigte. Jetzt ist ans Tageslicht gekommen, was in diesem Bericht drinsteht. Wie Spiegel und Heise berichten, hat die CIA die amerikanische Regierung massiv über das Folterprogramm belogen. Erfolge wurden übertrieben, das Ausmaß und Art und Weise der Folterungen untertrieben.

Ähnlich mußte die NSA nun zugeben, daß sie natürlich auch gezielt US-amerikanische Bürger ohne richterlichen Beschluß ausgeschnüffelt haben. Siehe dazu Slashdot und Heise. Interessant ist auch die im Heise-Artikel erwähnte Argumentationslinie: Das Sammeln von Daten ist deren Meinung noch keine Überwachung, und daher legal. Aber wenn das Sammeln legal ist, dann muß doch auch das Suchen darin legal sein.

Überrascht? Nicht wirklich. Die amerikanischen Geheimdienste glauben, über allem zu stehen. Deshalb sind auch die Rechtfertigungen so dürftig.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es natürlich höchstgradig naiv zu glauben, daß das Terrornetzwerk NSA in Erwägung ziehen könnte, den Fragenkatalog der Bundesregierung zu beantworten. Da passiert absolut nichts (Heise & Netzpolitik.org). Na ja, so wirklich scheint zumindest die Große Koalition auch nicht interessiert zu sein. Im frisch gegründeten Untersuchungsausschuß bremst sie erst einmal aus, wie die Süddeutsche Zeitung gerade berichtet.

1. April 2014
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EU will April-Scherze verbieten

Eine zehnköpfige Arbeitsgruppe der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist nach einer dreimonatigen Studie zu dem Ergebnis gekommen, daß die in Europa weitverbreiteten Scherze am 1. April jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden zuletzt von rund 530 Millionen Euro verursachten, Tendenz steigend. Einerseits investierten viele Firmen, insbesonders Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen erhebliche Ressourcen in die Erstellung von April-Scherzen, andererseits seien am 1. April viele Arbeitnehmer von ihrer Arbeit abgelenkt, da sie im Internet, Zeitschriften und Zeitungen nach Scherzen suchten, oder, falls gefunden, diese mit ihren Kollegen austauschten. Dies führe auch zu einem meßbaren Anstieg des Unfallrisikos an diesem Tag – die durch die krankheitsbedingten Ausfälle und durch Heilung entstehenden Kosten seien mit in die Berechnungen eingeflossen. Weitere Kosten entstünden bei den Opfern der April-Scherze, z.B. durch Nachfragen von Personen, die die Scherze als solche nicht erkannten.

Dies nimmt nun die Europäische Kommission zum Anlaß, Mittel und Wege zu finden, dieses kostspielige Brauchtum abzuschaffen, das auch durch seine häufige Subversivität bei den Mächtigen in der Kritik steht. Die Kommissare für Inneres, Cecilia Malmström, für Unternehmen und Industrie, Antonio Tajani, sowie für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, László Andor, planen dazu eine neue Richtlinie. Sie soll die EU-Mitgliedsländer bereits ab 2015 dazu verpflichten, eine Vergnügungssteuer von anfangs 10 Cent pro potentiellen Rezipienten zu erheben, zu zahlen von den Initiatoren und Verbreitern der April-Scherze. Bis 2025 soll diese Steuer schrittweise auf 4€ angehoben werden. Damit soll, ähnlich wie beim Tabakkonsum, ein Abgewöhnungseffekt eintreten. Für das Internet sei auch eine Überwachung von Webseiten und des E-Mail-Verkehrs vorgesehen, so Malmström, damit die April-Scherze nicht in den digitalen Untergrund abwandern könnten. Datenschutzrechtliche Bedenken gebe es nicht, die Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, habe auch schon ihr Placet dazu gegeben.