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Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus: Der Lohn von 1,60€ pro Stunde, den ein Anwalt seinen Angestellten
bezahlt, sei nicht sittenwidrig, urteilt ein Wald- und Wiesengericht.
Ich finde, die sollten noch etwas zahlen müssen, um dort zu arbeiten.
Schließlich können die ja damit protzen… – Ich hoffe, das geht durch die
Instanzen, so eine Sauerei!
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Ist das FAZismus? Zwei Kommentatoren der FAZ nörgeln in
unglaublich bräsiger Art und Weise an dem EuGH-Urteil zur Vorratsdatenspeicherung und der Reaktion von Justizminister Maas herum. FAZ, wie tief bist Du
gesunken, Dich zum Handlanger der Feinde von Demokratie und Freiheit zu
machen? Schäm Dich!
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Noch bevor ich Zeit hatte, darüber zu bloggen, ist die ganze Schose
schon vorbei. Ich bringe es aber trotzdem, wegen der Charakterstudie: Der
immer unerträglicher werdende Innenminister de Maizière wollte wieder
Passagierflugzeuge vom Himmel holen und dazu das Grundgesetz ändern
(FAZ, Spiegel)… Wartet mal… War da nicht etwas…? – Ach ja, das
Bundesverfassungsgericht hatte das für verfassungswidrig erklärt! Und das u.a. mit Artikel 1 und 2
begründet, die durch die
Ewigkeitsklausel geschützt sind. Das heißt, auch durch legale
Grundgesetzänderungen ließe sich das nicht hinbiegen! Zum Glück haben
Mutti und Papi den kleinen Tommilein erstmal auf die Stille Treppe
gesetzt – sicher nicht, weil das so lupenreine Demokraten sind,
sondern weil ihnen einfach das Thema momentan zu heiß ist. Da braucht man
schon noch einen passenden Terroranschlag dazu, um das wieder auf die
Agenda zu setzen.
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Die Europaparlamentarierin Nadja Hirsch (FDP) behauptet: eCall soll von außen aktiviert werden können, um so die Autos orten
zu können. Das wäre ein klarer Widerspruch zu den ständigen
Beteuerungen. Ob das stimmt? Es würde mich zumindest in keinster Weise
überraschen bei dieser Lügenbande. Denn ohne »hidden agenda« wäre
das alles ein viel zu teures Spielzeug.
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Unabhängig von der oberen Meldung hat Golem.de einen interessanten
Artikel über die zunehmende Bevormundung des Autofahrers durch die
Vernetzung und Überwachung des Autos veröffentlicht.
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Habe ich das nicht vorhergesagt? Ein paar Wochen sind wieder herum, und man lanciert
die nächste PR-Aktion, um uns mit
Zwangsfiltern im Namen des Jugendschutzes zu beglücken (siehe auch
Golem.de). Denkt doch an die armen Kinder! Jagt diese
selbsternannten Zensoren zum Teufel!
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Schock für die Bertelsmann-Stiftung: Die Deutschen mögen das Transatlantische Handelsabkommen (TTIP)
nicht, insbesonders nicht die tollen amerikanischen, lobbygetriebenen
»Standards«. Bei dieser Neocon-Organisation werden bestimmt die
Zahlen geschönt, die Realität sieht vermutlich noch schlimmer aus.
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Schavan gibt den Kampf um ihren Doktortitel auf, dafür bekommt
sie einen weiteren H.C. von der Uni Lübeck als Gegenleistung für ihre
Rettung durch Schavan. Nein, Korruption gibt es in Deutschland nicht.
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Wer mehr Unschönes über das deutsche Wikipedia lesen will, der findet
hier in Englisch etwas (via Slashdot). Ich gebe zu, ich hab's nur angelesen, ich finde es nur
noch peinlich, was da abgeht.
Wie in diversen Medien zu lesen war (exemplarisch Spiegel), hat der Europäische Gerichtshof die
Vorratsdatenspeicherung als weitestgehend unvereinbar mit den Grundrechten
in Europa erklärt. Das ist zwar schön, aber ein paar kleine Hintertürchen
bleiben offen. So wird weiterhin erklärt, daß die Vorratsdatenspeicherung
ein probates Mittel zur Verbrechensbekämpfung sei, was aber bislang nicht
bewiesen wurde, beziehungsweise dem die bisher durchgeführten Studien genau
widersprechen. Auch wird nicht ausgeschlossen, daß eine
Vorratsdatenspeicherung unter Einschränkungen prinzipiell möglich wäre.
Die Vorratsdatenspeicherung gilt nach dem BVerfG-Urteil von 2010 und eben
diesem EuGH-Urteil nun zwar als praktisch tot. Das hindert nun aber die
Demokratie- und Freiheitsfeinde in der deutschen Politik und Gesellschaft
leider nicht, weiterhin die Vorratsdatenspeicherung zu fordern, allen voran
de Maizière, wie Heise.de berichtet.
Auch andere Betonköpfe machen von sich ähnlich reden, wie CDU-Hardliner
Wolfgang Bosbach oder Marco Wanderwitz, zu dessen
unsäglichem Tweet häufig verlinkt wurde. Aus der Polizei-Ecke war
auch nichts besseres zu erwarten: Das
BKA fordert natürlich auch weiterhin die
VDS, die Terrorstaat-Lobbyisten der Polizeigewerkschaft GdP haben sogar
die Cuzpe, das Urteil als »Grünes Licht« für die Einführung der
Vorratsdatenspeicherung umzudeuten!
Und was macht die SPD? Justizminister Maas hat
mit seiner Äußerung bislang
lediglich den Druck aus Diskussion genommen, ein klares »Nein« zur
Vorratsdatenspeicherung war dies nicht. Von dem Rest dieses
Mehrheitenbeschaffervereins der CDU hört man bislang nichts. Und genau da
liegt die Crux: Zwar gibt es in der SPD bekanntlich viele VDS-Gegner,
vermutlich sogar in der Überzahl, aber nachdem die SPD eine jahrzehnte-,
fast schon jahrhundertelange Tradition darin hat, dem Bürger und Wähler in
den Rücken zu fallen und umzukippen, wenn man Courage bräuchte, müssen wir
wohl damit rechnen, daß die SPD wieder einmal vor der CDU kuschen wird.
Bei Netzpolitik.org findet sich noch eine gute Zusammenfassung aus
Sicht der VDS-Gegner.
Nachtrag: Heise.de hat
einen Artikel über die Geschichte der Vorratsdatenspeicherung. Bei Digitalcourage beleuchtet einer der Kläger im BVerfG-Verfahren von
2010 das EuGH-Urteil.
Überwachung
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Erst kamen neue Snowden-Dokumente zum Vorschein, daß die Amerikaner die
komplette Kommunikation einiger Länder abschnorcheln, es war aber unklar,
welche das waren. Als dieser Tage dann herauskam, daß der Irak eines dieser Länder ist, war die Überraschung bei den
meisten sicherlich nicht groß – sie hatten ja genügend Zeit und Einfluß,
vor Ort die Technik zum Abgreifen zu installieren, und auch Interesse
(Soldaten und anderes Personal im Land).
Die jüngste Meldung ist da deutlich brisanter:
Auch Österreich gehört dazu! Mal
schauen, ob hier für die Bürger Österreichs eine rote Linie überschritten
wurde und eine Protestwelle entsteht, die in irgendeiner Form mal etwas
bewegt.
Nebenbei bemerkt: Ich halte es nun für sehr wahrscheinlich, daß auch
Deutschland dazu gehört, und daß genau wie in Österreich der
Regierungsapparat vollständige Kenntnis darüber hat. Mit so unglaubwürdigen Dementis wie bei dem von Ramstein aus gesteuerten
Drohneneinsatz, die an die drei Affen erinneren, kommen die dann
hoffentlich nicht mehr davon.
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In einem Atemzug die US-Überwachung kritisieren und die
Vorratsdatenspeicherung zu fordern, für so eine Bigotterie muß man schon
geboren sein. Innenminister de
Maizière ist zum Beispiel so einer.
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Lustig ist dagegen die Kritik der
Amerikaner am geplanten, sogenannten Schengen-Netz, das ihre
Schnorchelei wohl geringfügig schwieriger machen würde (und natürlich
noch für die Bürger in Europa neue Probleme aufwirft). Und wenn TTIP so
wie geplant durchkommt, könnten sie ja dann auch mit der Argumentation
(»Ausschluß oder […] Diskriminierung von ausländischen Firmen und
Lieferanten«) gegen die EU klagen! Toll, was?
Sonstiges
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EU will leise Autos verbieten: elektrisch fahrende Autos (inklusive
Hybrid) sollen für Fahrradfahrer und Fußgänger Lärm machen (via Engadget). Tüüütüüütüüütüüüt Beepbeepbeep, Pseudo-Motor-Geräusch?
Ein Grund weniger, sich soetwas zu kaufen.
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Da wiehert der Amtsschimmel: Keine
negativen Formulierungen in Zeugnissen. Ich als Arbeitnehmer finde
das ja prinzipiell gut, aber im konkreten Fall wurde meiner bescheidenen
Meinung nach der Bogen deutlich überspannt.
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Weil es die Political Correctness verbietet, daß es ein Deutscher sagt,
bedarf es einer Polizistin mit Migrationshintergrund: Straffällige Migranten, insbesonders Moslems, haben keinen Respekt
vor der Polizei (und vor dem Rest des deutschen Staats vermutlich
auch nicht…).
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Computerspiele sind plötzlich keine Software mehr, sondern
Spielfilme, und deshalb darf man sie auch nicht weiterverkaufen.
Selten einen so an den Haaren herbeigezogenen Blödsinn gelesen.
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Krisen haben ja oft Nebenwirkungen, vom Schauplatz weit entfernt:
Ukraine-Krise beflügelt Freihandels-Gespräche. Da kann Merkel
bald wieder ihr »Alternativlos« anbringen…
Wer ein bißchen in der Schule aufgepaßt hat, weiß, daß die repräsentative
Demokratie nicht allein aus dem aktiven und passiven Wahlrecht besteht,
sondern daß auch die Gewaltenteilung ein wesentliches Merkmal ist. Die
Macht soll geteilt sein, die legislative, judikative und exekutive Gewalt
sollen sich gegenseitig in Schranken halten und somit dafür sorgen, daß die
Demokratie auch eine Demokratie bleibt. Im Englischen gibt es dazu den
schönen Begriff Checks and Balances.
Wer glaubt, in unserer Regierung gäbe es nur lupenreine Demokraten
(nicht nach Schröders Definition), der sollte sowieso mal zum Doktor
gehen, aber für den gibt es jetzt mal wieder eine Möglichkeit zur
Selbstdiagnose:
Die Zwangsdemokraten de Maizière und Schäuble – sicher mit Rückendeckung
der Staatsratsvorsitzenden Merkel – haben sich laut FAZ mit Staatsrechtlern getroffen, um dem dank EU-Verträgen eh schon
schwächelnden Bundesverfassungsgericht den Garaus zu machen. Anlaß sind
die Urteile zu der Hürde für Parteien bei der EU-Parlamentswahl, bei dem
die Regierung und das Parlament in ihre Schranken gewiesen wurden. Diesen
in ihren Augen Affront wollen die Regierigen nicht so einfach hinnehmen und
die Einflußnahme für die Zukunft am liebsten eliminieren.
In diesem Zusammenhang bin ich übrigens auf eine interessante Bemerkung
bei Wikipedia gestoßen. Demnach sind wir jetzt schon lange von dem Ideal der Gewaltenteilung
entfernt.
Mozilla, der Entwickler des Open-Source-Browsers Firefox, sieht
sich gerade im Shitstorm der Gender-Politisch-Korrekten. Hintergrund ist,
daß die Meute herausgefunden hat, daß der Erfinder von JavaScript,
langjährige Mitarbeiter und neugewählte CEO von Mozilla, Brandon Eich, vor
ein paar Jahren zweimal 1000 Dollar an die Organisatoren einer
Volksabstimmung gegen die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien
gespendet hat. Daraus baut man jetzt einen Homophobie-Vorwurf und verlangt die
Absetzung. Das ist doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Was,
bitteschön, hat denn eine Ablehnung der Homo-Ehe mit einer Angst vor
Homosexuellen zu tun, was seine private Meinung, die er offenbar für sich
behalten hat, mit dem Unternehmen?
Ich finde es schon sehr bedenklich, daß hier eine kleine Minderheit (ich
habe mal von Schätzungen von maximal 5% Homosexueller in der Bevölkerung
gelesen) für sich Toleranz über allem Maße in Anspruch nimmt, selber aber
zusammen mit all den heterosexuellen Gutmenschen mittels ihrer
Meinungsdiktatur die Soziale Todesstrafe über jeden verhängt, der ihnen
nicht in allen Punkten zustimmt. Damit sind sie in ihrem Verhalten gar
nicht so weit weg von den Islamisten, die jeden Vorteil unserer Demokratie
und unseres Sozialstaats ausnutzen wollen, aber gleichzeitig jeden
»Ungläubigen« wegbomben möchten.
Statt den Herauswurf von Eich zu fordern, sollte die Meute lieber
Unterschriften für den Herauswurf von dem Mozilla-Mitarbeiter Eric Rescoria
sammeln. Der hat in seinem früheren Job bei RSA dafür gesorgt, daß in einem
Verschlüsselungsalgorithmus im Auftrag
der NSA eine Hintertür eingebaut wurde. Das besonders Schlimme dabei
ist, daß er auch bei Mozilla noch für Verschlüsselungsalgorithmen (im
Bereich SSL/TLS) zuständig ist. DAS ist unhaltbar!
Ergänzung (4.4.2014): Die Meute hat gewonnen, Brandon Eich ist zurückgetreten.
Ergänzung (7.4.2014): Gerade mal 10 von rund 1000
Mozilla-Entwicklern haben sich negativ zu Eich geäußert, wobei keiner von
ihnen ihn persönlich kennt. Auch ist herausgekommen, daß einer der Gründer
der Dating-Plattform, die den Protest gegen Eich initiiert und gefördert
hat, selbst $500 an einen erzkonservativen und bekannt
homosexuellen-hassenden republikanischen Abgeordneten gespendet hat…
Wenn man glaubte, man habe schon das unterste Niveau in Sachen
USA-Geheimdienste erreicht, dann kommt bestimmt eine Meldung, die das
Niveau noch unterbietet.
Vor ein paar Wochen war entdeckt worden, daß die CIA einen Ausschuß des
US-Senats bespitzelte, der gerade einen Bericht über sie anfertigte. Jetzt
ist ans Tageslicht gekommen, was in diesem Bericht drinsteht. Wie Spiegel und Heise berichten,
hat die CIA die amerikanische Regierung massiv über das Folterprogramm
belogen. Erfolge wurden übertrieben, das Ausmaß und Art und Weise der
Folterungen untertrieben.
Ähnlich mußte die NSA nun zugeben, daß sie natürlich auch gezielt
US-amerikanische Bürger ohne richterlichen Beschluß ausgeschnüffelt haben.
Siehe dazu Slashdot und Heise.
Interessant ist auch die im Heise-Artikel erwähnte Argumentationslinie: Das
Sammeln von Daten ist deren Meinung noch keine Überwachung, und daher
legal. Aber wenn das Sammeln legal ist, dann muß doch auch das Suchen darin
legal sein.
Überrascht? Nicht wirklich. Die amerikanischen Geheimdienste glauben,
über allem zu stehen. Deshalb sind auch die Rechtfertigungen so
dürftig.
Unter diesem Gesichtspunkt ist es natürlich höchstgradig naiv zu glauben,
daß das Terrornetzwerk NSA in Erwägung ziehen könnte, den Fragenkatalog der
Bundesregierung zu beantworten. Da passiert absolut nichts
(Heise & Netzpolitik.org). Na ja, so wirklich scheint zumindest die Große
Koalition auch nicht interessiert zu sein. Im frisch gegründeten
Untersuchungsausschuß bremst sie erst einmal aus, wie die Süddeutsche Zeitung gerade berichtet.
Eine zehnköpfige Arbeitsgruppe der
europäischen Statistikbehörde Eurostat ist nach einer dreimonatigen
Studie zu dem Ergebnis gekommen, daß die in Europa weitverbreiteten Scherze
am 1. April jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden zuletzt von rund
530 Millionen Euro verursachten, Tendenz steigend. Einerseits investierten
viele Firmen, insbesonders Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk
und Fernsehen erhebliche Ressourcen in die Erstellung von April-Scherzen,
andererseits seien am 1. April viele Arbeitnehmer von ihrer Arbeit
abgelenkt, da sie im Internet, Zeitschriften und Zeitungen nach Scherzen
suchten, oder, falls gefunden, diese mit ihren Kollegen austauschten. Dies
führe auch zu einem meßbaren Anstieg des Unfallrisikos an diesem Tag – die
durch die krankheitsbedingten Ausfälle und durch Heilung entstehenden
Kosten seien mit in die Berechnungen eingeflossen. Weitere Kosten
entstünden bei den Opfern der April-Scherze, z.B. durch Nachfragen von
Personen, die die Scherze als solche nicht erkannten.
Dies nimmt nun die
Europäische Kommission zum Anlaß, Mittel und Wege zu finden, dieses
kostspielige Brauchtum abzuschaffen, das auch durch seine häufige
Subversivität bei den Mächtigen in der Kritik steht. Die Kommissare für
Inneres, Cecilia Malmström, für Unternehmen und Industrie, Antonio Tajani,
sowie für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit,
László Andor, planen dazu eine neue Richtlinie. Sie soll die
EU-Mitgliedsländer bereits ab 2015 dazu verpflichten, eine
Vergnügungssteuer von anfangs 10 Cent pro potentiellen Rezipienten
zu erheben, zu zahlen von den Initiatoren und Verbreitern der
April-Scherze. Bis 2025 soll diese Steuer schrittweise auf 4€ angehoben
werden. Damit soll, ähnlich wie beim Tabakkonsum, ein Abgewöhnungseffekt
eintreten. Für das Internet sei auch eine Überwachung von Webseiten und des
E-Mail-Verkehrs vorgesehen, so Malmström, damit die April-Scherze nicht in
den digitalen Untergrund abwandern könnten. Datenschutzrechtliche Bedenken
gebe es nicht, die Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding,
habe auch schon ihr Placet dazu gegeben.
Wo bleiben der Shit Storm und die Boykottaufrufe, wenn man sie
braucht? Constantin Film, also das deutsche Unternehmen, das die
treibende Kraft hinter dem EuGH-Urteil ist, welches Internetsperren bei
Urheberrechtsverletzungen ermöglicht (wie hier im Blog berichtet), will laut einem Golem-Bericht das Thema jetzt durch die deutschen Gerichte treiben,
damit in Deutschland nicht nur theoretisch das Sperren möglich ist, sondern
damit wir auch tatsächlich eine Zensur-Infrastruktur bekommen. Was sind das
eigentlich für widerliche Parasiten? Das Gebaren solch eines Unternehmens
erinnert mich an die Unterstützung Hitlers durch die deutsche
Großindustrie: Man geht über Leichen, wenn es nur einem nutzt; Grundideen
der freien Gesellschaft werden torpediert, weil man den Rachen einfach
nicht vollkriegen kann.
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Focus berichtet: EU-Parlament beschließt Recht auf Bankkonto. Die Argumente dafür
sehen mehr nach Scheinargumenten aus. Eine Teilhabe am
wirtschaftlichen Leben kann eigentlich nur jemand haben, der auch
Geld hat, das er auf das Konto tun kann, oder? Und wer Geld hat, kommt
auch an ein Konto. Zudem soll es vorbezahlte Kreditkarten geben, mit dem
man im Internet auf Einkaufstour gehen kann. Und Bareinzahlungen gehen
doch auch noch.
Also was ist de wahre Grund? Als Verschwörungstheoretiker kenne ich die
Antwort: Nach dem Recht auf ein Bankkonto kommt die Pflicht, dann folgt die
Abschaffung des Bargelds, und wir Bürger sind endgültig in den Klauen der
Banken sowie des Überwachungs- und Enteignungsstaats.
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Jugendmedienschutz:
Alte
nutzlose Konzepte werden wieder aufgewärmt.
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Das Bundesverfassungsgericht, bislang starker Verfechter des als
unabhängig getarnten Staatsfernsehens, mußte nun doch aktiv werden, um
den Schein wiederherzustellen. Der Einfluß der Politik auf das ZDF
muß ein Quentchen reduziert werden, wie die Medien (u.a. Zeit) berichten. Daß das Gericht bloß den Schongang eingelegt
hat, denkt auch ein Journalist des Spiegels.
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Um den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk ging es auch vor einem anderen
Verfassungsgericht, nämlich dem bayerischen Verfassungsgerichtshof. Hier
ging es um die Frage, ob die Zwangs-Rundfunkabgabe verfassungswidrig ist.
Es war aber nur eine mündliche Verhandlung, das Urteil kommt
demnächst.
Hier gibt es übrigens eine Übersicht über die verschiedenen Klagen
gegen die Rundfunkabgabe.
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Es gibt eine Petition gegen die Sommerzeit. Meiner Meinung nach hat sich aber
der Initiator in dem Adressaten vertan. Soweit ich weiß, ist schon lange
nicht mehr die Bundesregierung/der Bundestag zuständig, sondern die EU,
die sich das Thema an sich gerissen hat.
Ja, was regen sich die Welt und insbesonders die Europäer über Erdoğan
auf, weil er erst Twitter und jetzt YouTube sperrt. Und was macht der
sogenannte Europäische Gerichtshof, dieses Pseudogericht und
Rechtfertigungsinstrument der EU-Diktatoren? Er erlaubt im Prinzip genau das: Internet-Zugangsprovider können
gezwungen werden, den Zugriff auf bestimmte Inhalte zu verhindern (weitere
Quellen: Heise, Golem, Zeit).
Noch allerdings gibt es qualitative Unterschiede: Es geht nicht um
politische Themen, nicht um (beschränkte) moralische Vorstellungen, nicht
um Sex, Drogen und Pornographie, sondern »nur« um
Urheberrechtsverletzungen, also um Schäden der Wirtschaft – das goldene
Kalb der EU, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Auch wurden einige
Hürden gesetzt – es dürfe keine Kollateralschäden geben, die Sperrmethode
müsse verhältnismäßig sein. Die Höhen dieser Hürden liegen aber im Auge des
Betrachters, oder besser, im Auge des Richters, der darüber zu entscheiden
hat. Und hat erstmal ein Richter eine Sperrmethode für akzeptabel gefunden
(vermutlich ohne Verstand der dahinterstehenden Technik) und alle
nennenswerten Provider verpflichtet, diese einzuführen, ist die
Zensurinfrastruktur da.
Es wird dann nur eine Frage von Wochen sein, bis die erzkonservativen
Saubermänner die Fährte aufnehmen und sich von so einem Urteil in ihren
Zensurphantasien beflügeln lassen, ob nun in den Bereichen
Kinderpornographie, Antisemitismus, politischer und religiöser Extremismus
(wie umfangreich der dann auch immer definiert wird), Kinder- und
Jugendschutz (da gibt es zur Zeit ja auch wider neue Bemühungen, wie
berichtet) bis hin zu Persönlichkeitsrechten von Promis und Politikern (wo
wir dann wieder bei Erdoğan wären) und so weiter und so fort.
Die ganze Mühe, die die Verfechter des freien Internets in die
Überzeugung der Politiker von dem Ansatz »Löschen statt Sperren«, der ja
nicht nur bei Kinderpornographie Wirkung zeigt, gesteckt haben, ist also
dahin. Was kann man machen? Vieles, z.B. das, was im verlinkten Artikel
steht, auf die Demos gehen (z.B. am 12. April in Köln), nicht die
CDU/CSU/SPD/FDP bei der EP-Wahl wählen, sondern besser Grüne/Piraten/AfD.
Bringt es etwas? Eher nicht, aber mehr, als sich mit seinem Schicksal
abzufinden.