24. April 2014
April 201424

»Über Leichen surfen«

Nein, diese Überschrift habe ich mir nicht ausgedacht. Sie kommt aus den Propaganda-Kanonen, mit denen die Stasi- und Gestapo-Freunde aus allen Rohren schießen, als ginge es um den Endsieg. Es ist hoffentlich jedoch ein Stalingrad für die Verfechter der Vorratsdatenspeicherung, um im martialischen Wortschatz zu bleiben.

Es werden alle Register gezogen: Im ersten Heise.de-Artikel wird der Stuttgarter CDU-Mann Thomas Strobel (bei Stuttgart-21-Gegnern bestens bekannt) mit einer Forderung eines »nationalen Alleingangs« zitiert. Aha – gilt dann das EuGH-Urteil nicht mehr, und auf das BVerfG-Urteil wird dann wie üblich gesch…? In 268 von 1020 Ermittlungsverfahren bei Kinderpornographie hätten wegen fehlender VDS die Täter nicht ermittelt werden können. Ein Heise-Forist fragt zu recht, ob sich die Polizei nicht besser um die bandenmäßige Clan-Kriminalität oder die No-Go-Areas in Berlin kümmern sollte! Aus dem gleichen Dunstkreis wie Strobel, spricht SPD-Kollege Reinhold Gall (Innenminister BaWü) von einer »offenen Flanke der Verbrechensbekämpfung« – oh Hilfe, Hilfe, ich traue mich schon gar nicht mehr ins Internet!!!

Weiter geht’s im nächsten Artikel: Heike Raab (SPD-Staatssekretärin im Innenministerium Rh-Pf.) plaudert von einem »Verfolgungsvakuum«. Vielleicht sollte man die Frau mal aufklären, was ein Vakuum ist – die völlige Leere. Wird denn kein einziges Verbrechen im Internet mehr aufgeklärt? Ich glaube eher, das Vakuum herrscht wo ganz anders.

Auch im dritten Artikel bringen die Befürworter keine neuen Argumente, höchstens neue Panikmache, wie »immer größer werdende weiße Flecken in den Ermittlungsakten«.

Den Vogel schießt die FAZ in einem Kommentar ab: Auch hier wird wieder der Konsum(!) von Kinderpornographie zum aller-aller-schlimmsten Verbrechen hochstilisiert, noch schlimmer, gefährlicher und gesellschaftszersetzender als der Terrorismus, der nicht einmal Erwähnung erfährt. Jedoch konnten in der damaligen Debatte um den Internet-Sperrfilter gegen Kinderpornographie die Gegner anhand von Studien darlegen, daß die Kinderpornographie nur ein Nebenprodukt des eigentlichen Mißbrauchs ist. Nur in einem Prozent werden Kinder beim Mißbrauch gefilmt und das Material anschließend verbreitet. 99% der Kinder würden weiterhin mißbraucht, gäbe es eine vollständige Aufklärung bei der Kinderpornographie! Auch die Fokussierung auf die Konsumenten hilft den Kindern nicht – nach den Studien gibt es keinen echten Markt, das meiste wird getauscht. Würde der Konsum großflächig wegfallen, änderte sich für die Kinder praktisch nichts.

Es sollte damit jedem klar sein, daß das alles nur ein Vehikel ist, um die Vorratsdatenspeicherung durchzubekommen. In Wirklichkeit geht es nicht um die Kinder, es geht um die Umkehrung der Unschuldsvermutung (alle sind schuldig, man hat es ihnen nur noch nicht nachgewiesen) und darum, den Grundstein für eine ausufernde kontinuierliche Überwachung wie in USA und China zu legen. Und dieser miese Journalist, der die mißbrauchten Kinder nochmal für seine unsäglichen Überwachungsphantasien mißbraucht, ist so dreist zu schreiben, daß die Netzaktivisten und Bürgerrechtler über Leichen surfen würden! Was für eine erbärmliche Kreatur!

24. April 2014

Neues von den Gender-Fanatikern und -Fanatikerinnen

Da kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (Facepalm im Fefe-Jargon): Eine Professorin für »transdisziplinäre Geschlechterstudien« der Berliner Humboldt-Universität hat einen Leitfaden für gender-korrektes Deutsch herausgebracht. Wer sich nach dem Lesen des Spiegel-Interviews und der beiden Focus-Artikel noch nicht übergeben hat, der sollte mal das verlinkte PDF herunterladen und versuchen, es zu lesen – ja, nur lesen, von Verstehen ist hier nicht die Rede! Schlimm ist, daß wir solch einen Müll aus Steuermitteln finanzieren. (Danke, S.K.)

21. April 2014
21

Alter Wein in neuem Schlauch

Da glaubt mal wieder ein Politiker, ganz schlau zu sein, und will eine »Sonderabgabe« für die Reparatur unserer ungepflegten, maroden Infrastruktur. Man braucht nur kurz in einen Artikel darüber hineinlesen, dann ist klar, der besagte Politiker, der SPD-Ministerpräsident Thorsten Albig, will nichts anderes als eine PKW-Maut, denn diese Sonderabgabe sollen nur Autofahrer bezahlen und dies auch jährlich.

Und dann wieder dieses unsägliche »Versprechen«: »Es müsse den Bürgern allerdings versichert werden, daß jeder Cent für ein solches Investitionsprogramm nur für die Reparatur der Verkehrswege verwendet werde.« Solange aber gleichzeitig Kfz-, Öko- und Kraftstoffsteuer erhoben werden, ist das ein Taschenspielertrick. Denn von diesen Steuern wird eh schon der Großteil für andere Zwecke abgezweigt, und dieser Anteil ließe sich natürlich nach einer Maut auch noch erhöhen, sodaß am Ende genausowenig oder gar noch weniger in die Instandhaltung fließen könnte!

Meiner Meinung nach sollte man stattdessen dieses elendige Umverteilen der Steuereinnahmen beenden. Zwar sind Steuern per definitionem nicht zweckgebunden, aber der zweckfremde Einsatz – speziell in Verbindung mit der dann aufkommenden Lüge, die spezifischen Steuereinnahmen wären zu gering, wie in diesem Fall – nervt die Bürger meiner Beobachtung nach ungemein. Die Steuereinnahmen, die direkt oder indirekt vom Autofahrer eingenommen werden, müssen primär zum Erhalt und Ausbau des Straßenverkehrs verwendet werden. Wenn der übrige Rest für andere sachferne Dinge nicht ausreicht, müssen halt neue Steuern erfunden werden – dieses Recht haben Bund und Länder.

Spiegel.de hat die Reaktionen ihrer Leser zu dem Vorschlag zusammengefaßt. Das Resultat ist eindeutig.

Nachtrag: Der Spiegel hat noch zwei Redakteure ausgegraben, die loben, daß der Staat dem Autofahrer noch weiter in die Tasche greifen soll: »Autofahrer sind in Deutschland tabu«. »Tabu« – das sehe ich jedes Mal an der Tankstelle! Ganz toll finde ich dabei ein Zitat eines »Verkehrsexperten«:

Rechne man Umwelt- oder Unfallschäden ein, lägen die autobedingten Kosten je nach Schätzung bei 50 bis 200 Milliarden Euro.

Zustätzlich also, neben den Bau- und Instandhaltungskosten. Das sei viel mehr, als was an Steuern hereinkäme. Nur: Selbst wenn die Zahlen stimmen würden – ich wüßte nicht, wo Bund und Länder für Umwelt- und Unfallschäden, die durch den Straßenverkehr verursacht werden, aufkommen. Speziell bei Unfallschäden sind es die Versicherungen, und die werden zu 100% von den Bürgern direkt bezahlt, ohne einen Cent aus Steuermitteln. Im Gegenteil: Der Staat nimmt da auch noch zusätzlich Versicherungs- und Umsatzsteuer ein! Also ziemlich dummes Argument. Auch, daß für die meisten Straßen die Kommunen und nicht der Bund zuständig wären und nichts von den Steuermilliarden abbekämen – das ist kein Einnahmenproblem, sondern ein Steuerverteilungsproblem.

Nun, anderswo gibt es auch Experten, die sehen das ganz anders: »Politik nimmt Autofahrer nicht ernst«.

21. April 2014

Dies & Das

Vorratsdatenspeicherung

Sonstiges

19. April 2014
19

EU-Lobby-Huren winken TTIP-Kernpunkt auf EU-Ebene durch

Wenn es noch irgendein Beweis bräuchte, daß das teilweise gezeigte Verständnis der CDU, CSU, SPD und FDP an der Kritik am TTIP-Abkommen Heuchelei erster Kajüte ist, dann braucht man sich nur den Heise.de-Artikel über die jüngste Abstimmung im EU-Parlament durchlesen. Warum habe ich so ein harsches Wort in die Überschrift gebraucht? Erstens ist das hier der Grantler-Blog, zweitens muß man sich nur vergegenwärtigen, was das ist, dieser Investoren-Schutz. Es geht darum, daß eine Firma klagen darf, wenn ein demokratisch verabschiedetes Gesetz die Pläne und/oder die Geschäftsmodelle dieser Firma durchkreuzt. Und das findet nicht vor einem ordentlichen Gericht (die »judikative« Säule) statt, sondern von einem Schiedsgericht, das mit dem vorherigen nicht mehr als den Namen gemein hat. Soetwas widerspricht fundamental den Interessen der Bevölkerung und ist eine Beschädigung und Einschränkung der Demokratie – es wird entweder die Entscheidungsfreiheit der Bürger (via ihren sogenannten Vertretern in den Paralamenten) eingeschränkt oder in den Geldbeutel der Bürger gegriffen. Ohne massiven Lobbyismus würde so eine Regelung nicht zustandekommen.

Also: keine Stimme für CDU/CSU, SPD und FDP bei der nächsten Europa-Parlament-Wahl am 25. Mai!

18. April 2014
18

Snowden, Putin und der westliche Abschaum

Ja, Snowden gibt Putin im russischen Fernsehen eine Steilvorlage. Das war nicht schön. Aber man kann an den Fingern einer Hand abzählen, daß das irgendwie nicht freiwillig war – ich kann Snowden keinen Vorwurf machen.

Wem ich jedoch massive Vorwürfe mache, sind die Idioten, die sich an dem beginnenden Shit Storm beteiligen. Wieviele von diesen feigen Leuten sind für ihn auf die Straße gegangen, wieviele von den Journalisten und Politikern, die nicht einen Bruchteil der Courage von Snwoden besitzen, haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten für ihn gekämpft? Dafür, daß er in den USA den verdienten Status als Wistleblower und Nationalheld bekommt, oder dafür, daß er in Europa als politisch Verfolgter Aysl bekommt? Dann müßte Snowden nicht in Rußland versauern und bei solchen Geschichten mitmachen!

15. April 2014
15

Dies & Das

Vereinigte Staaten von Absurdistan

Snowden-Affäre

Bundesrepublik Absurdistan

Europa/EU

Wir können zum Beispiel bestimmte Wohnungen überwachen und so sehen, wie viele Freier dort ein und aus gehen. Es ist in Schweden recht einfach, Menschen zu identifizieren. Durch Nummernschilder etwa oder durch Fotos.

[...]

Als Polizeioffizier in Schweden hat man das Recht, eine Überwachung ohne richterliche Genehmigung zu starten. Wann wir Personen verfolgen, Hausdurchsuchungen machen oder jemanden festnehmen, entscheiden wir selbst. Wir sind da ziemlich frei. Nur wenn wir eine Telefonüberwachung in einem größeren Ausmaß starten wollen, brauchen wir eine Erlaubnis vom Richter.

Das sind Verhältnisse, die ich als Polizeistaat bezeichne. In Sachen Vorratsdatenspeicherung und sonstigem Ausspionieren sind die Schweden ja auch ganz weit vorne. Ebenfalls ist das ganze Thema Pirate Bay nicht vergessen.

15. April 2014

Nachtrag zu #StopWatchingUs

Noch eine Bemerkung zur Demo letzten Samstag in Köln: Zwar sind ein paar hundert Leute gekommen, aber von einer »Großdemonstration« kann man leider nicht reden. Ich finde das ziemlich schade. Der Kölner Raum, zusammen mit dem Ruhrgebiet, umfaßt etliche Millionen Bürger, und dann kommt nur so eine kleine Schar. Gerade in Köln, wo wegen so eines Schrotts wie Karneval oder CSD Zehntausende auf die Straße gehen, ist das bedauerlich. In Berlin bei der letzten »Freiheit-statt-Angst«-Demo ist wenigstens eine vierstellige Zahl an Leuten zusammengekommen. Gut, man kann natürlich argumentieren, daß die Veranstaltung nicht genügend beworben wurde, daß das Wetter zu gut oder zu schlecht war oder daß das Problembewußtsein bei den Leuten einfach nicht da ist, weder nach der NSA-Affäre, noch nach dem jüngsten Heartbleed-Bug. Aber irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, daß die Ruhrgebietler noch weniger politisch und an ihren Bürgerrechten interessiert sind als anderswo in der Republik.

11. April 2014
11

Big Brother Award 2014 verliehen

Der deutsche Big Brother Award 2014 ist vergeben. In dem Bereich Politik hat Merkel ihn für die zweifelhafte Rolle des Bundeskanzleramts in der Überwachungsaffähre und Merkels mangelnden Aufklärungswillen bekommen.

Im Bereich Technik hat ihn übrigens die Automobilindustrie bekommen für die zunehmende Datensammlung und Überwachung im Auto (inklusive eCall), unter der Überschrift »Spione im Auto«. Ich habe ja schon mehrfach darüber berichtet.

Ausführliche Artikel zum Award bei Heise.de und Zeit. Weitere Pressemeldungen bei Golem.de und Stern.

11. April 2014

#StopWatchingUs

Nicht vergessen, morgen, am 12.4.2014, ist in Köln am Heumarkt von 14:00 bis rund 17:00 Uhr eine Großdemonstration gegen Überwachung.

Als zusätzliche Motivation sei erwähnt, daß natürlich die SPD anfängt, den Bürgern in Sachen Vorratsdatenspeicherung in den Rücken zu fallen, wie Heise.de berichtet. Irgendwo habe ich die Hoffnung, daß der Heise.de-Forist mit den Details aus dem EuGH-Urteil recht hat, die Pappköpfe der SPD und CDU das noch nicht verstanden haben und es ihnen einer, auf den sie hören, nochmal erklärt (vielleicht ist das ja mit »Sorgfalt« gemeint).