Nein, diese Überschrift habe ich mir nicht ausgedacht. Sie kommt aus den
Propaganda-Kanonen, mit denen die Stasi- und Gestapo-Freunde aus allen
Rohren schießen, als ginge es um den Endsieg. Es ist hoffentlich jedoch ein
Stalingrad für die Verfechter der Vorratsdatenspeicherung, um im
martialischen Wortschatz zu bleiben.
Es werden alle Register gezogen: Im ersten
Heise.de-Artikel wird der
Stuttgarter CDU-Mann Thomas Strobel (bei Stuttgart-21-Gegnern bestens
bekannt) mit einer Forderung eines »nationalen Alleingangs« zitiert. Aha –
gilt dann das EuGH-Urteil nicht mehr, und auf das BVerfG-Urteil wird dann
wie üblich gesch…? In 268 von 1020 Ermittlungsverfahren bei
Kinderpornographie hätten wegen fehlender VDS die Täter nicht ermittelt
werden können. Ein Heise-Forist fragt zu recht, ob sich die Polizei nicht
besser um die bandenmäßige Clan-Kriminalität oder die No-Go-Areas in Berlin
kümmern sollte! Aus dem gleichen Dunstkreis wie Strobel, spricht
SPD-Kollege Reinhold Gall (Innenminister BaWü) von einer »offenen Flanke
der Verbrechensbekämpfung« – oh Hilfe, Hilfe, ich traue mich schon gar
nicht mehr ins Internet!!!
Weiter geht’s im nächsten Artikel:
Heike Raab (SPD-Staatssekretärin im Innenministerium Rh-Pf.) plaudert von
einem »Verfolgungsvakuum«. Vielleicht sollte man die Frau mal aufklären,
was ein Vakuum ist – die völlige Leere. Wird denn kein einziges Verbrechen
im Internet mehr aufgeklärt? Ich glaube eher, das Vakuum herrscht wo ganz
anders.
Auch im dritten Artikel bringen
die Befürworter keine neuen Argumente, höchstens neue Panikmache, wie
»immer größer werdende weiße Flecken in den Ermittlungsakten«.
Den Vogel schießt die FAZ in einem Kommentar ab: Auch hier wird wieder der Konsum(!) von
Kinderpornographie zum aller-aller-schlimmsten Verbrechen hochstilisiert,
noch schlimmer, gefährlicher und gesellschaftszersetzender als der
Terrorismus, der nicht einmal Erwähnung erfährt. Jedoch konnten in der
damaligen Debatte um den Internet-Sperrfilter gegen Kinderpornographie die
Gegner anhand von Studien darlegen, daß die Kinderpornographie nur ein
Nebenprodukt des eigentlichen Mißbrauchs ist. Nur in einem Prozent
werden Kinder beim Mißbrauch gefilmt und das Material anschließend
verbreitet. 99% der Kinder würden weiterhin mißbraucht, gäbe es eine
vollständige Aufklärung bei der Kinderpornographie! Auch die
Fokussierung auf die Konsumenten hilft den Kindern nicht – nach den Studien
gibt es keinen echten Markt, das meiste wird getauscht. Würde der Konsum
großflächig wegfallen, änderte sich für die Kinder praktisch nichts.
Es sollte damit jedem klar sein, daß das alles nur ein Vehikel ist, um
die Vorratsdatenspeicherung durchzubekommen. In Wirklichkeit geht es nicht
um die Kinder, es geht um die Umkehrung der Unschuldsvermutung (alle
sind schuldig, man hat es ihnen nur noch nicht nachgewiesen) und darum,
den Grundstein für eine ausufernde kontinuierliche Überwachung wie in USA
und China zu legen. Und dieser miese Journalist, der die mißbrauchten
Kinder nochmal für seine unsäglichen Überwachungsphantasien mißbraucht, ist
so dreist zu schreiben, daß die Netzaktivisten und Bürgerrechtler über
Leichen surfen würden! Was für eine erbärmliche Kreatur!
Da kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen
(Facepalm im
Fefe-Jargon): Eine Professorin für »transdisziplinäre Geschlechterstudien«
der Berliner Humboldt-Universität hat einen Leitfaden für gender-korrektes
Deutsch herausgebracht. Wer sich nach dem Lesen des Spiegel-Interviews und der beiden Focus-Artikel noch nicht übergeben hat, der sollte mal das verlinkte PDF
herunterladen und versuchen, es zu lesen – ja, nur lesen, von Verstehen ist
hier nicht die Rede! Schlimm ist, daß wir solch einen Müll aus
Steuermitteln finanzieren. (Danke, S.K.)
Da glaubt mal wieder ein Politiker, ganz schlau zu sein, und will eine
»Sonderabgabe« für die Reparatur unserer ungepflegten, maroden
Infrastruktur. Man braucht nur kurz in einen Artikel darüber hineinlesen, dann ist klar, der besagte
Politiker, der SPD-Ministerpräsident Thorsten Albig, will nichts anderes
als eine PKW-Maut, denn diese Sonderabgabe sollen nur Autofahrer bezahlen
und dies auch jährlich.
Und dann wieder dieses unsägliche »Versprechen«: »Es müsse den Bürgern
allerdings versichert werden, daß jeder Cent für ein solches
Investitionsprogramm nur für die Reparatur der Verkehrswege verwendet
werde.« Solange aber gleichzeitig Kfz-, Öko- und Kraftstoffsteuer
erhoben werden, ist das ein Taschenspielertrick. Denn von diesen Steuern
wird eh schon der Großteil für andere Zwecke abgezweigt, und dieser Anteil
ließe sich natürlich nach einer Maut auch noch erhöhen, sodaß am Ende
genausowenig oder gar noch weniger in die Instandhaltung fließen
könnte!
Meiner Meinung nach sollte man stattdessen dieses elendige Umverteilen
der Steuereinnahmen beenden. Zwar sind Steuern per definitionem nicht
zweckgebunden, aber der zweckfremde Einsatz – speziell in Verbindung mit
der dann aufkommenden Lüge, die spezifischen Steuereinnahmen wären zu
gering, wie in diesem Fall – nervt die Bürger meiner Beobachtung nach
ungemein. Die Steuereinnahmen, die direkt oder indirekt vom Autofahrer
eingenommen werden, müssen primär zum Erhalt und Ausbau des
Straßenverkehrs verwendet werden. Wenn der übrige Rest für andere
sachferne Dinge nicht ausreicht, müssen halt neue Steuern erfunden werden –
dieses Recht haben Bund und Länder.
Spiegel.de hat die Reaktionen ihrer Leser zu dem Vorschlag zusammengefaßt. Das
Resultat ist eindeutig.
Nachtrag: Der Spiegel hat noch zwei Redakteure ausgegraben,
die loben, daß der Staat dem Autofahrer noch weiter in die Tasche
greifen soll: »Autofahrer sind in Deutschland tabu«. »Tabu« –
das sehe ich jedes Mal an der Tankstelle! Ganz toll finde ich dabei ein
Zitat eines »Verkehrsexperten«:
Rechne man Umwelt- oder Unfallschäden ein, lägen die autobedingten
Kosten je nach Schätzung bei 50 bis 200 Milliarden Euro.
Zustätzlich also, neben den Bau- und Instandhaltungskosten. Das sei viel
mehr, als was an Steuern hereinkäme. Nur: Selbst wenn die Zahlen
stimmen würden – ich wüßte nicht, wo Bund und Länder für Umwelt- und
Unfallschäden, die durch den Straßenverkehr verursacht werden, aufkommen.
Speziell bei Unfallschäden sind es die Versicherungen, und die werden zu
100% von den Bürgern direkt bezahlt, ohne einen Cent aus Steuermitteln. Im
Gegenteil: Der Staat nimmt da auch noch zusätzlich Versicherungs- und
Umsatzsteuer ein! Also ziemlich dummes Argument. Auch, daß für die meisten
Straßen die Kommunen und nicht der Bund zuständig wären und nichts von den
Steuermilliarden abbekämen – das ist kein Einnahmenproblem, sondern ein
Steuerverteilungsproblem.
Nun, anderswo gibt es auch Experten, die sehen das ganz anders: »Politik nimmt Autofahrer nicht
ernst«.
Vorratsdatenspeicherung
-
LKA-»Experten« wollen weiterhin die Vorratsdatenspeicherung. Das
hat schon was von kleinen Kindern, die sich im Sandkasten um die Förmchen
streiten. Vor allem die gleichen und immer noch falschen Uralt-Argumente
wie der Enkeltrick oder daß man irgendeinen Fall nicht aufklären konnte.
Nochmal für Euch Ignoranten: DER ZWECK HEILIGT NICHT DIE MITTEL.
PUNKT. Vorratsdatenspeicherung widerspricht dem Verständnis der
Zivilation von Menschenrechten. Warum fordert Ihr nicht das Einführen von
Waterboarding, Scheinerschießungen, Streckbank, Eisernen Jungfrau oder
sonstigen perversen Foltermethoden aus der Vergangenheit? Egal, welchen
Orwellschen Überwachungsstaat man noch aufbaut, es wird immer Verbrechen
geben, die sich nicht aufklären lassen, auch Morde.
-
Nicht besser als die obigen »Experten« sind die Dumpfbacken der CDU/CSU
im Europäischen Parlament, wie Heise
zu berichten weiß. Hatte ich schon erwähnt, daß man die am 25. Mai
besser nicht wählen sollte?
-
Noch ein paar Leute mehr, die
eine Einsichtsfähigkeit haben wie Fliegen, die immer wieder vor die
Scheibe knallen. Die üblichen Täter: der zu spät geborene Uhl, Bosbach,
Polizeigewerkschaftler.
-
Golem.de hat zum Thema Vorratsdatenspeicherung und die Auswirkungen des
EuGH-Urteils einen meines Erachtens lesenswerten Artikel geschrieben.
Sonstiges
-
Soviel zur Zensurfreiheit des Westens: Twitter sperrt zwei Accounts, über die die Telefonmitschnitte von
Erdoğan veröffentlicht wurden. Sperrung wegen Verletzung von
Persönlichkeitsrechten heißt Zensur also jetzt euphemisch, soso.
-
TTIP: Netzpolitik.org berichtet: Die Amerikaner wollen den Datenschutz
verwässern, insbesonders wollen sie EU-Bürgern keinen Rechtsschutz bei
Datenschutzverletzungen in den USA gwähren.
-
Maas’ Anti-Nacktbilder-Pläne in der Kritik: Zu weitgehend, zu
unspezifisch für die Richter – wann jemand bloßgestellt ist, sei ein
Werturteil.
-
Industrie hat Vorrang vor den Bürgern: Französisches Dorf kämpft um seinen Namen, den ihm ein
Unternehmen »geklaut« hat.
-
Ein Telepolis-Artikel zur Parteiensituation in Österreich bei der Wahl
zum Europäischen Parlament: Auch dort gibt es eine Anti-EU-Bewegung,
auch, weil die Österreicher dank EU zunehmend ihre zugesicherte
Neutralität verlieren.
-
Der Chef des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner, weint sich
in der FAZ öffentlich über Google aus. Der beschwert sich also,
daß es ein Unternehmen gibt, das noch böser als sein eigenes ist…
Wenn es noch irgendein Beweis bräuchte, daß das teilweise gezeigte
Verständnis der CDU, CSU, SPD und FDP an der Kritik am TTIP-Abkommen
Heuchelei erster Kajüte ist, dann braucht man sich nur den Heise.de-Artikel
über die jüngste Abstimmung im
EU-Parlament durchlesen. Warum habe ich so ein harsches Wort in die
Überschrift gebraucht? Erstens ist das hier der Grantler-Blog, zweitens muß
man sich nur vergegenwärtigen, was das ist, dieser Investoren-Schutz. Es
geht darum, daß eine Firma klagen darf, wenn ein demokratisch
verabschiedetes Gesetz die Pläne und/oder die Geschäftsmodelle dieser Firma
durchkreuzt. Und das findet nicht vor einem ordentlichen Gericht (die
»judikative« Säule) statt, sondern von einem Schiedsgericht, das mit dem
vorherigen nicht mehr als den Namen gemein hat. Soetwas widerspricht
fundamental den Interessen der Bevölkerung und ist eine Beschädigung
und Einschränkung der Demokratie – es wird entweder die
Entscheidungsfreiheit der Bürger (via ihren sogenannten Vertretern in den
Paralamenten) eingeschränkt oder in den Geldbeutel der Bürger gegriffen.
Ohne massiven Lobbyismus würde so eine Regelung nicht zustandekommen.
Also: keine Stimme für CDU/CSU, SPD und FDP bei der nächsten
Europa-Parlament-Wahl am 25. Mai!
Ja, Snowden gibt Putin im russischen
Fernsehen eine Steilvorlage. Das war nicht schön. Aber man kann an den
Fingern einer Hand abzählen, daß das irgendwie nicht freiwillig war –
ich kann Snowden keinen Vorwurf machen.
Wem ich jedoch massive Vorwürfe mache, sind die Idioten, die sich an dem
beginnenden Shit Storm beteiligen. Wieviele von diesen feigen Leuten sind
für ihn auf die Straße gegangen, wieviele von den Journalisten und
Politikern, die nicht einen Bruchteil der Courage von Snwoden besitzen,
haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten für ihn gekämpft? Dafür, daß er in den
USA den verdienten Status als Wistleblower und Nationalheld bekommt, oder
dafür, daß er in Europa als politisch Verfolgter Aysl bekommt? Dann müßte
Snowden nicht in Rußland versauern und bei solchen Geschichten
mitmachen!
Vereinigte Staaten von Absurdistan
Snowden-Affäre
Bundesrepublik Absurdistan
-
Keine Ermittlungen gegen die
Beteiligten an dem Skandal um Gustl Mollath (via
Fefe). Nein, das ist ja
völlig abwegig, daß da Willkür oder Vorsatz im Spiel war.
-
Aktionismus des Justizministers wegen der Posing-Bilder (Edathy-Affäre)
in der Kritik (Süddeutsche Zeitung,
Zeit).
-
Ein deutsch-türkischer Schriftsteller kritisiert in einem neuen Buch
massiv die Türken, die Moslems und Claudia Roth (und ihre Brüder und
Schwestern im Geiste). Wird mit Sarrazin verglichen. Zumindest in
dem, was er in dem Interview sagt, hat er meiner Meinung nach recht.
-
Die beispiellos dumme Art und Weise, wie hier in Deutschlands
Grundschulen zur Zeit das Schreiben gelehrt (oder besser: eben nicht
gelehrt) wird, macht jetzt schon seine Runde in USA.
-
Hohe Feinstaubbelastung trotz Umweltzonen. Wer hätte das gedacht?
Wenn man mal auf die Kritiker der Umweltzonen gehört hätte, wäre das
keine Überraschung.
-
Manchmal erkennen sogar die Politiker, daß unser Bundestag nur noch
ein Abklatsch der Demokratie ist und zu einem (schlechten) Theater
degeneriert ist. Abschaffen der Fragestunde ist jedoch die falsche
Konsequenz, aber was will man von den Zwangsdemokraten auch erwarten?
-
Drei Blinde unterhalten sich, wer besser sehen kann: Die Zeit hat ein
Streitgespräch zwischen Olaf Scholz, Anton Hofreiter und Christian
Lindner organisiert um die Frage, welche der
Parteien das Liberale vertrete. Scholz bekommt natürlich (zu
recht) sein Fett weg und windet sich ziemlich dumm. Die beiden anderen
Parteien sind meiner Meinung nach aber auch nicht besser. In Zeiten der
Regierungsverantwortung waren Freiheitsrechte bei beiden
Verhandlungsmasse und kamen letztendlich unter die Räder.
-
Kein neues Gesetz zur
Vorratsdatenspeicherung. Nein, nur vorerst nicht. Wegen ungünstiger
Termine. Wo kämen wir denn hin, wenn man einsehen würde, daß das alles
Quatsch ist! Die üblichen Verdächtigen dürfen zum 1000. mal ihre
Verblendung zur Schau stellen.
-
Heise.de bringt einen Artikel,
in dem der Mythos »Fachkräftemangel in Deutschland« entzaubert wird,
zumindest, wenn man den Links folgt.
-
Schufa-Klägern will sich durch die Instanzen klagen. Recht hat
sie!
-
Mehdorn fährt BER langsam endgültig vor die Wand. Na ja, wieso
sollte er das jetzt auch anders machen als bei der DB AG und Air
Berlin?
Europa/EU
-
Die EU-Kommission will mit neuer Regelungswut den EU-kritischen
Parteien wohl ein bißchen unter die Arme greifen bei der bevorstehenden
Wahl: EU-Kommission stellt stromfressende Kaffeemaschinen kalt.
-
Bundesrat muß laut Gutachten TTIP zustimmen. Das ist gut. Nicht,
weil ich glaube, daß der Bundesrat nicht zustimmen wird, aber es geht ja
schon die ganze Zeit die Frage herum, ob die EU-Mitgliedsländer überhaupt
mit abstimmen dürfen oder ob der EU-Apparat (mit ihren Lobbyisten) das
Abkommen alleine abschließen darf. Und diese Aussage spricht halt
dagegen. Das gäbe die Chance, daß es vielleicht doch ein Land gibt, das
das ablehnt, oder wegen dessen das TTIP entschärft werden muß – sollte es
den Aktivisten nicht gelingen, den Mist ganz zu stoppen.
-
Hatte Schweden nicht mal das Image des Staates, in dem die Freiheit
wohnt? Das ist wohl längst nicht mehr der Fall. Seit der Geschichte mit
Assange bin ich nachdenklich geworden. In dem Interview in der FAZ geht es um das Verbot der Prostitution, das
in Schweden schon länger existiert und das hierzulande auch immer wieder
diskutiert wird. Ich habe dazu nicht wirklich eine Meinung und ich bringe
das auch aus einem ganz anderen Grund: Der interviewte Polizist erzählt
folgendes:
Wir können zum Beispiel bestimmte Wohnungen überwachen und so sehen, wie
viele Freier dort ein und aus gehen. Es ist in Schweden recht einfach,
Menschen zu identifizieren. Durch Nummernschilder etwa oder durch
Fotos.
[...]
Als Polizeioffizier in Schweden hat man das Recht, eine Überwachung ohne
richterliche Genehmigung zu starten. Wann wir Personen verfolgen,
Hausdurchsuchungen machen oder jemanden festnehmen, entscheiden wir
selbst. Wir sind da ziemlich frei. Nur wenn wir eine Telefonüberwachung in
einem größeren Ausmaß starten wollen, brauchen wir eine Erlaubnis vom
Richter.
Das sind Verhältnisse, die ich als Polizeistaat bezeichne. In Sachen
Vorratsdatenspeicherung und sonstigem Ausspionieren sind die Schweden ja
auch ganz weit vorne. Ebenfalls ist das ganze Thema Pirate Bay nicht
vergessen.
Noch eine Bemerkung zur Demo letzten Samstag in Köln: Zwar sind ein paar
hundert Leute gekommen, aber von einer »Großdemonstration« kann man leider
nicht reden. Ich finde das ziemlich schade. Der Kölner Raum, zusammen mit
dem Ruhrgebiet, umfaßt etliche Millionen Bürger, und dann kommt nur so eine
kleine Schar. Gerade in Köln, wo wegen so eines Schrotts wie Karneval oder
CSD Zehntausende auf die Straße gehen, ist das bedauerlich. In Berlin bei
der letzten »Freiheit-statt-Angst«-Demo ist wenigstens eine vierstellige
Zahl an Leuten zusammengekommen. Gut, man kann natürlich argumentieren, daß
die Veranstaltung nicht genügend beworben wurde, daß das Wetter zu gut oder
zu schlecht war oder daß das Problembewußtsein bei den Leuten einfach nicht
da ist, weder nach der NSA-Affäre,
noch nach dem jüngsten Heartbleed-Bug. Aber irgendwie werde ich den Verdacht nicht los,
daß die Ruhrgebietler noch weniger politisch und an ihren Bürgerrechten
interessiert sind als anderswo in der Republik.
Der deutsche Big Brother Award 2014 ist vergeben. In dem Bereich
Politik hat Merkel ihn für die zweifelhafte Rolle des Bundeskanzleramts in
der Überwachungsaffähre und Merkels mangelnden Aufklärungswillen
bekommen.
Im Bereich Technik hat ihn übrigens die Automobilindustrie bekommen für
die zunehmende Datensammlung und Überwachung im Auto (inklusive eCall),
unter der Überschrift »Spione im Auto«. Ich habe ja schon mehrfach darüber berichtet.
Ausführliche Artikel zum Award bei
Heise.de und Zeit. Weitere Pressemeldungen bei Golem.de und Stern.
Nicht vergessen, morgen, am 12.4.2014, ist in Köln am Heumarkt von 14:00
bis rund 17:00 Uhr eine
Großdemonstration gegen Überwachung.
Als zusätzliche Motivation sei erwähnt, daß natürlich die SPD anfängt,
den Bürgern in Sachen Vorratsdatenspeicherung in den Rücken zu fallen, wie
Heise.de berichtet. Irgendwo habe
ich die Hoffnung, daß der Heise.de-Forist mit den Details aus dem EuGH-Urteil recht hat, die Pappköpfe der
SPD und CDU das noch nicht verstanden haben und es ihnen einer, auf
den sie hören, nochmal erklärt (vielleicht ist das ja mit »Sorgfalt«
gemeint).