16. Mai 2014
Mai 201416

Dies & Das

15. Mai 2014
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Firefox unterstützt DRM

Schlechte Nachrichten für alle Freunde des offenen Internets: Mozilla hat sich dazu entschlossen, wie alle anderen Browser-Hersteller auch, den neuen Standard des ebenfalls umgefallenen W3C zur Integration von DRM-Technologien in HTML 5 im Firefox umzusetzen. (Original-Meldung Mozilla/technische Beschreibung, Ars Technica, Heise.de)

Mozilla versucht, bei der Implementierung die ganze DRM-Scheiße aus dem eigentlichen Browser herauszuhalten: Einerseits will sie die DRM-Software aus dem Browser auslagern und in einer sogenannten Sandbox laufen lassen, die diese Software von Firefox und auch vom Betriebssystem trennt. Andererseits will sie die Entwicklung der DRM-Software nicht selber durchführen, sondern es Adobe überlassen, die auf diesem Gebiet ja auch sehr aktiv sind. Letzteres muß sie auch, denn DRM-Software läßt sich konzeptionell nicht als Open-Source-Software entwickeln (da sie zwangsweise mit Geheimnissen arbeiten muß). Auch solle die DRM-Software standardmäßig nicht mitinstalliert werden, sondern Firefox würde sie erst bei Bedarf und nach Benutzerbestätigung von Adobe herunterladen und installieren.

Mozilla glaubt, das machen zu müssen, weil sonst ihr Browser vom Markt gedrängt werden würde: Video-Streaming von DRM-geschützten Hollywood-Müll sei die Internet-Anwendung der Zeit schlechthin geworden, und wenn der Dumm-User das nicht anschauen könne, dann würde er zu anderen Browsern wechseln und nicht mehr zurückkommen.

Falsche Signale

Die Art und Weise, wie Mozilla den DRM-Müll integrieren will und damit sicherstellen will, daß Firefox weiterhin Open Source sein kann, mag zwar ehrenhaft sein, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die DRM-Unterstützung falsche Signale aussendet:

Erstens ist das ein Signal an die Content-Industrie, daß sie gewonnen haben, daß DRM etabliert ist, daß der Nutzer letztendlich DRM und alle damit verbundenen Nachteile akzeptiert habe, daß man Leute und Firmen von Alternativlosigkeiten, die so garnicht bestehen, überzeugen kann und ihnen das Zepter aus der Hand reißen kann (keiner will es, aber alle machen es, weil es angeblich alle machen).

Zweitens ist das ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die Firefox gerade deshalb nutzen, weil er bislang für ein Internet der offenen Standards und der Freiheit der Information stand. Wenn das für Mozilla nun jetzt nur noch zweitrangig ist und die Unterstützung des kruden Geschäftsmodells hinter DRM vorrangig ist, dann fällt für die nun ein gewichtiges Alleinstellungsmerkmal weg, warum sie ihn weiter nutzen sollten. Er ist dann nur noch ein Browser unter vielen, und Googles Chrome, Apples Safari oder Microsofts Internet Explorer sind technisch und vom Komfort nicht unbedingt schlechtere Browser. Ob sich letztendlich mit der Entscheidung die Nutzerzahlen halten oder gar verbessern lassen, ist daher fraglich.

Es wäre schön, wenn sich im Internet ein Momentum aufbaut, um Mozilla von dieser Idee wieder abzubringen und sie an die Werte, denen sich Mozilla einst verpflichtet fühlte, zu erinnern. Bei der Angelegenheit um Mozillas CEO Brendan Eich hatte es funktioniert. Allerdings habe ich meine Zweifel, daß von den Massen die Offenheit des Internets genauso hoch geschätzt wird wie anscheinend das grenzenlose Ausleben sexueller Orientierungen.

Lesenswerte Kritik zu dem Thema:

13. Mai 2014
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12. Mai 2014
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4. Mai 2014
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Dies & Das

4. Mai 2014

Snowden: Offenbarungseid der Bundesregierung, Teil 3

Wie der Spiegel und viele andere Medien berichten, will die Regierung die Herausgabe von Dokumenten an den NSA-Untersuchungsausschuß verweigern, obwohl sie eine Mitwirkungspflicht gegenüber dem Ausschuß hat. Es geht u.a. um Dokumente im Kontext des sogenannten No-Spy-Abkommens. Die Begründung ist sehr abenteuerlich: Es handele sich um ein »laufendes Verfahren«. Moment! Hat die Regierung nicht mehrfach erklärt, aus dem Abkommen werde nichts??? Ein weiterer Grund sei, daß es um einen »Kernbereich der exekutiven Eigenverantwortung« gehe, der »verfassungsrechtlich geschützt« sei. Rechtsfreier Raum im Kanzleramt? Das kann ja wohl nicht sein. Das hört sich mehr nach einem Totschlagargument an.

Für mich ist mittlerweile klar: Die Bundesregierung, in Persona Merkel und Gabriel, hat der Demokratie den Krieg erklärt!

2. Mai 2014
02

Snowden: Offenbarungseid der Bundesregierung, Teil 2

Es kommt noch schlimmer!!! Die Bundesregierung versucht nicht nur, eine Befragung von Snowden in Deutschland zu verhindern, sondern überhaupt eine Befragung irgendwo. Mit Hilfe der amerikanischen Freunde versucht sie, die Mitglieder des Untersuchungsausschusses zu kriminalisieren, und zwar nicht nicht nur jene, welche die Befragung durchführen würden, sondern auch schon die, die diese Befragung fordern und planen!

Wie der Spiegel berichtet, taucht die Bundesregierung mit einem Rechtsgutachten einer wohl bekannten US-Kanzlei auf. Dieses Gutachten untersucht die Strafbarkeit des Handelns der Mitglieder nach amerikanischen Recht und geht der Frage, ob die Immunität, die für Abgeordnete in Deutschland gilt, von USA anerkannt würde, wenn diese Leute in die USA reisen würden. Wie das bei bestellten Gutachten so ist, kommt nahezu der gewünschte Worst Case heraus.

Unklar ist in dem Artikel, wer dieses Gutachten letztendlich in Auftrag gegeben hat. Waren es die Deutschen selber (d.h. die deutsche Botschaft in Washington) oder war es ein Freundschaftsdienst der Amerikaner? Aber es ist letztendlich egal, es ist eine absolute Sauerei, mit welchen schmierigen Tricks Merkel & Co. hier arbeiten, das ist einer Demokratie nicht würdig.

In diesem Zusammenhang sei auch ein Kommentar vom Spiegel erwähnt, der Merkels Reise in die USA als politischen Fehler erklärt – sowohl für sich selbst als auch für die Diskussion um den Datenschutz. Mit ersterem kann ich aber sehr gut leben.

Passend dazu auch ein Beitrag im Satire-Blog Der Postillon: »Merkel reist in USA, um sich bei Obama für NSA-Skandal zu entschuldigen«. (Danke S.K.)

Nachtrag: Reaktion der Opposition.

Nachtrag 2: Bei Netzpolitik.org kann man sich das Gefälligkeitsgutachten herunterladen. Aus dem Gutachten wird klar, daß die deutsche Botschaft den Auftrag gegeben hat. In der Netzpolitik.org-Meldung gibt es auch weitere Informationen und Links. So hat die Bundesregierung ein ähnliches Gutachten auch in Großbritannien anfertigen lassen, mit umgekehrten Ergebnis.

1. Mai 2014
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Kein Snowden in Deutschland: Offenbarungseid der Bundesregierung

Es ist einfach unglaublich. Die Bundesregierung definiert, salopp gesagt, die Bespitzelung der Deutschen durch die Amerikaner zum Staatswohl, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Und deshalb ist Edward Snowden in Deutschland nicht willkommen, weder als Zeuge, noch als Asylant. Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte. Wieviel müssen wir uns eigentlich noch von diesen A....löchern gefallen lassen? Wieso gibt es in Deutschland immer noch Leute, die diese A....löcher wählen? Heribert Prantl von der SZ hat auch einen passenden, deftigen Kommentar.

Nachtrag: Kritik kommt auch von den Grünen: »Merkel zeigt Feigheit vor dem Freund USA«. Na, mein Freund ist die amerikanische Regierung schon lange nicht mehr.

28. April 2014
April 201428

Dies & Das

28. April 2014

Die Mythen der Vorratsdatenspeicherung

Der Anwalt und Blogger Thomas Stadler hat sich die Mühe gemacht, die immer wieder wiederholten Mythen der Vorratsdatenspeicherungsfreunde zu zerlegen. Ein paar Zitate:

Tatsächlich gibt es in keinem einzigen EU-Mitgliedsstaat (empirische) Belege dafür, daß die Vorratsdatenspeicherung zu einer erhöhten Aufklärungsquote geführt hat, obwohl sie in den meisten EU-Staaten über viele Jahre hinweg praktiziert worden ist.

[...]

Die Vorratsdatenspeicherung wird öffentlich mit der angeblichen Notwendigkeit der Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität begründet, obwohl man weiß, daß sie im Kern anderen Zwecken dient.

[...]

In einem Rechtsstaat gibt es keine Strafermittlung um jeden Preis. Darin besteht nämlich gerade der Unterschied zu Unrechtsstaaten wie der DDR, die jede Form der Überwachung und Kontrolle des Bürgers für legitim hielten. Der Rechtsstaat muß auf eine Totalüberwachung verzichten und damit evtl. einhergehende Defizite bei der Kriminalitätsbekämpfung in Kauf nehmen.

Danke für diesen hervorragenden Beitrag. Ich denke, den sollte man täglich den de Maizièrs, Bosbachs, Uhls und anderen Ewiggestrigen dieser Welt um die Ohren hauen.