Maut
Die Maut ist beschlossen, CDU und CSU stimmten zu 100% dazu, nur bei der
SPD gab es 11 Neinstimmen und 6 Enthaltungen (Linke und Grüne haben
natürlich dagegengestimmt). Bei der SPD gab es Leute, die sich im Parlament
vorne hingestellt haben und gesagt haben, daß sie die Maut für totalen
Quatsch halten, aber aus Koalitionstreue mit »ja« stimmen würden. Ein
öffentlicher, disqualifizierender Tritt in den Hintern des Artikels 38,
Absatz 1, Satz 2 des Grundgesetzes…
-
In diesem Zeit-Artikel finden sich die marginalen Änderungen, die die SPD
noch kurz vor dem Beschluß erwirkt hat.
-
Berichte zur Abstimmung bei
Heise, Spiegel, FAZ und nochmal Heise.
-
Kommentar in der Süddeutschen Zeitung:
Murks für den Koalitionsfrieden.
-
Kommentar in dem Spiegel: Maut wird Gesetz: Die zerstörerischen Egoisten von der CSU.
-
Kommentar in der FAZ: Der Maut-Versuch.
-
Patrick Breyer, damaliger Kläger gegen die Vorratsdatenspeicherung und
jetziger Abgeordneter im Landtag von Schleswig-Holstein für die
Piratenpartei, kündigt eine Klage gegen die massenhafte Erfassung der KFZ-Kennzeichen an,
u.a. wegen der nicht existierenden Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen
und Eingriff in die Grundrechte. Mir ist in diesem Zusammenhang noch
nicht klar, wie Doofbrindt denn jetzt das mit dem Scannen handhaben will.
Im Herbst hatte er ja noch heruntergespielt, es würde »nur«
stichprobenartig durch mobile Scanner geprüft. Davon findet sich aber
beim Überfliegen des Gesetzes nichts… Es könnte also auch sein, daß die
Tollcollect-Mautbrücken oder gar neue verwendet werden!
-
Die Nachbarländer Deutschlands, die sich (zu recht) über die Maut
aufregen, haben es jetzt aber plötzlich doch nicht ganz so eilig. Sie
wollen erst einmal die Stellungnahme der EU abwarten, und die will
wiederum erst einmal warten, bis sie umgesetzt wird, wie
Heise berichtet. Daher ist als
nächstes erstmal interessant, wie sich der Bundesrat am 8. Mai
verhält.
-
Wozu das ganze KFZ-Kennzeichen-Scannen führt, kann man mal wieder in den USA sehen, die in negativen Aspekten
meist die Vorreiterrolle einnimmt. Und dank der dortigen kranken
Datenschutzregeln müssen die Behörden die Daten sogar noch an jedermann
herausrücken.
Überwachung
-
Der DE-CIX-Chef erhebt schwere Vorwürfe gegen den
Bundesnachrichtendienst über die Rechtmäßigkeit der angeordneten Überwachungsmaßnahmen und
die Unmöglichkeit, dies prüfen zu lassen.
-
Bundesregierung will
Geheimdienstbefugnisse deutlich
ausweiten. NSA? War da was?
-
Die Gegner der geplanten europäischen Fluggastdatensammlung (PNR)
machen mobil.
-
Ein guter Kommentar in der Zeit zur geplanten Wiedereinführung der
Vorratsdatenspeicherung in Deutschland: »Vorratsdatenspeicherung: Ein fast unmögliches Gesetz«.
-
Auch der Spiegel kommentiert gegen die VDS: »Vorratsdatenspeicherung: Lassen Sie sich nicht für dumm
abspeichern!«. Nette Erinnerung in der Unterzeile:
Die Regierung versucht mal wieder, mit fadenscheinigen Argumenten die
Vorratsdatenspeicherung durchzusetzen. Darum hier eine kleine
Erinnerung: Sie sind das Volk – und müssen sich so nicht behandeln
lassen.
-
Australien hat jetzt eine
zweijährige Vorratsdatenspeicherung bekommen. Polizei und
Geheimdienste dürfen in der Regel ohne Richtergenehmigung auf die Daten
zugreifen dürfen. Mit Richtergenehmigung auch auf die Daten von
Journalisten, um ihre Quellen zu enttarnen. Andere Geheimnisträger, wie
zum Beispiel Rechtsanwälte, die mit ihren Klienten kommunizieren,
bekommen dagegen überhaupt keinen besonderen Schutz, wie Ars Technica berichtet. Auch das in USA von einigen Firmen
praktizierte Kanarienvogel-Verfahren (sog. warrant canaries), das
indirekt nach außen bekannt gibt, ob sie einem geheimen
Überwachungsbefehl unterliegen, wird unter Strafe gestellt.
Im Heise-Forum wurde über die Zustimmung in der Bevölkerung diskutiert.
Angeblich befürworten 2/3 der Bevölkerung die Vorratsdatenspeicherung.
Foristen sehen diese hohe Zustimmung allerdings dem Terroranschlag in
Sydney und der darauf folgenden Propagandaschlacht geschuldet.
-
In Südafrika gibt es Bestrebungen, das Internet zu zensieren.
Lügenpresse
Zwei Artikel sind letztens erschienen, die sich mit dem Thema
»Lügenpresse« auseinandersetzen, einmal in der Neuen Züricher Zeitung (via
Fefe) und im Spiegel. Letzteres ist in Form einer »Multimedia-Kollage« (mir
fällt da kein besserer Begriff ein).
SPD
-
Wenn man meint, die SPD und Gabriel könnten nicht noch eins
draufsetzen, wird man eines Besseren belehrt: Als Wirtschaftsminister
macht er Dieter Gorny zum »Beauftragten für ›Kreative und Digitale
Ökonomie‹«. Für die, die es nicht wissen: Dieser Mann ist der
Vertreter schlechthin für das klassische Künstler- und
Konsumenten-Ausbeutemodell durch die Rechte-Verwerter-Industrie. Also
völlig rückwärtsgewandt und wirtschaftsfreundlich, diese Entscheidung.
Meldungen bei Netzpolitik.org, Heise und
Spiegel.
-
Ein Zeit-Blog-Eintrag berichtet, wie Andrea Nahles die Armut wegzudefinieren versucht. Wieder mal ein Verrat an der
SPD-Klientel. Statt die Probleme der Unterschichten zu beseitigen, sollen
sie nur versteckt werden – wie mit den Arbeitslosenzahlen.
Rechtschreibung
Auch wenn ich es manchmal selber nicht schaffe, meinen Ansprüchen an die
Rechtschreibung gerecht zu werden (und mich so dem Hohn und Spott meiner
Leser aussetze), fühle ich mich zum Glück weit entfernt von den
durchschnittlichen Rechtschreibkünsten im Internet. Daß dies in den
zukünftigen Generationen alles noch viel schlimmer wird, davon berichteten
die Medien in den letzten Wochen. Schuld sind die Zustände an den Schulen
und bei der Lehrerausbildung an den Universitäten, wie die folgenden
Artikel aufzeigen:
Sonstiges
Die SPD ist die neue FDP
(Links zu den entsprechenden Themen folgen weiter unten)
Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit der
Vorratsdatenspeicherung. SPD-Justizminister Maas hat jetzt auf Druck von
Dumpfbacke Gabriel eine 180°-Wende in Sachen Vorratsdatenspeicherung
vollzogen. Der hat halt nicht das Rückgrat von seiner Vorgängerin
Leutheusser-Schnarrenberger, eine der wenigen Lichtblicke der FDP in den
letzten Jahr(zehnt)en, sondern ist ein gewöhnlicher SPD-Umfaller und
-Verräter wie seine Genossen. Oberverräter Gabriel erklärt seine
VDS-Unterstützung damit, daß er das Feld nicht den CDU-Hardlinern
überlassen wolle. Was ist das eigentlich für eine dämliche Begründung? Wie
damals bei von der Leyens »Kinderpornofilter«, dem die SPD zugestimmt
hatte. Politische Überzeugung, Argumente, Verstand, Rechtsprechung (BVerfG,
EuGH), Grundgesetz – alles unnötiger Ballast, der Gabriel nur dabei stört,
die SPD zur Blockpartei der CDU/CSU zu machen.
Das Gabriel- und SPD-Prinzip ist dabei immer gleich und heißt
Kosmetik: Am Anfang wird sich massiv über ein Vorhaben der CDU
und/oder CSU beschwert. Nein, man könne da nie und nimmer zustimmen. Dann
hört man eine Zeitlang nichts, das Thema verschwindet erstmal in den
Schubladen. Später heißt es, die SPD sehe großen Änderungsbedarf für eine
Zustimmung. Es wird dann »mächtig« verhandelt. Am Ende kommen jedoch nur
ein paar kleine kosmetische Änderungen ohne wirkliche Bedeutung heraus, die
aber medial aufgebläht werden, und die prozentuale Zustimmung der
SPD-Abgeordneten im Bundestag überschreitet bei der Abstimmung sogar die
der CDU/CSU. Wie es sich halt für eine brave Blockpartei gehört.
Aktuell kann man das an zwei Themen sehen: TTIP und Ausländer-Maut. Bei
TTIP gibt es massiven Protest in der Bevölkerung, und was kommt von
Gabriel: Ein paar Versprechen (oder Versprecher…), aber nichts greifbares.
Kosmetik halt zum Übertünchen, mögen sich die blöden Bürger damit
zufriedengeben.
Ähnlich mit der Ausländermaut: Was ein Tamtam der SPD, als »Doofbrindt«
im Herbst letzten Jahres seine Maut vorgestellt hatte. Anfang März haben
sich dann gerade noch 14 SPD-Abgeordnete
dagegen ausgesprochen, vermutlich schon unter Argusaugen der
SPD-Führung, aber auf jeden Fall ohne große Unterstützung. Letzte Woche hat
die SPD noch Änderungen an den (thematisch ziemlich belanglosen) Preisen
für die von Ausländern zu kaufenden Vignetten und am Datenschutz gefordert,
wobei in den jüngsten Meldungen von letzterem auch nichts mehr zu hören
ist. Und am nächsten Freitag (27.3.), ein Tag später als von CDU/CSU
gewünscht, wird die SPD die Maut mit marginalen Änderungen durchwinken.
Aber das Konzept der SPD geht nicht auf, sie verharrt bei 25%. Die
potentiellen SPD-Wähler sind nicht so dumm, wie die SPD sie gerne hätte
(könnten aber auch schlauer sein, wie die Ex-FDP-Wähler). Zudem verzeihen
sie der SPD immer noch nicht Schröders Verrat durch die
Hartz-IV-Gesetzgebung und die anderen Schweinereien wie die sinnlose
Riester-Rente oder das ganze Gazprom-Thema.
Die Situation der SPD wird in vier Artikeln bei der
Süddeutschen Zeitung, beim Spiegel, bei der Welt und bei Telepolis analysiert.
Vorratsdatenspeicherung
-
SPD-Justizminister Maas kippt um: Monatelang vehementer Gegner der VDS,
muß er plötzlich auf Gerüchte über »Geheimverhandlungen« mit dem
CDU-geführten Justizministerium reagieren und lügt die Bürger an, wie sich jetzt herausstellt. Sein Chef und
dessen Gefolge trommelte hingegen schon etliche Tage vorher für die VDS
(Zeit, Netzpolitik.org, Süddeutsche Zeitung). Und – zack – kann es Maas plötzlich nicht
schnell genug gehen (Netzpoltik.org, Spiegel). Ja, so eine Peinlichkeit hätte ich auch schnell hinter
mir.
-
Debatte im Bundestag über die Vorratsdatenspeicherung nach dem
Umkippen, auf Antrag der Grünen; CDU-Abgeordnete demonstrieren ihre
Inkompetenz. (Heise, Netzpolitik.org)
-
Bundesgerichtshof-Präsidentin Limperg erklärt, daß sie auf die Grundrechte und Verfassung pfeift: Daß die
Strafverfolgung angeblich auf ausländische Information zurückgreife, ist
für die Frau wohl unschön, aber nicht wirklich ein Problem.
Unglaublich!
-
Sascha Lobo: Warum die Vorratsdatenspeicherung noch immer Fans hat
-
Zeit-Kommentar: Vorratsdatenspeicherung: Ein Schritt zur totalen Überwachung
-
FAZ: Datenlust und Datenfrust
-
Netzwirtschaft und Opposition gegen
Neuauflage der Vorratsdatenspeicherung
-
Kritik von den JUSOs: »Wir brauchen keinen Alleingang von Sigmar Gabriel«
Überwachung allgemein
Sonstige Netzpolitik
Maut
TTIP
Gentechnik
-
Wer hätte das gedacht: Die Pollen halten sich einfach nicht an die
EU-Vorgaben und fliegen tatsächlich weiter als die gedachten 30 Meter.
Nicht viel weiter, bloß 4,5 Kilometer.
-
Da hat wohl Monsanto nicht genügend geschmiert:
Die WHO bewertet das Monsanto-Pestizid
Glyposat alias »Roundup« neu als »wahrscheinlich krebserregend«. Wenn
man die Berichte über die kranke Landbevölkerung in Südamerika liest, die
mit dem Dreck tagtäglich in Berührung kommen, ist das auch nicht
verwunderlich. Roundup bildet ja zusammen mit dem genmanipulierten
Saatgut das Welt-Ausbeutungsmodell von Monsanto. Daher wird Monsanto
sicher seine Marionetten in der Politik aktivieren, damit diese
Einschätzung bloß nicht um sich greift.
Sonstiges
-
Ein bißchen Hintergrundinformation über die schwedische Staatsanwältin,
die Julian Assange wegen der angeblichen Vergewaltigung verfolgt, gibt es
beim Stern. Stimmt der Artikel, muß die Frau eine ziemlich ideologisch
verbrämte Feministin sein, die in dem Verfahren ihre Chance sah.
-
Rundfunkgebühren: Wer hätte das gedacht: 1,5 Mrd. Euro Mehreinnahmen. Zurückgeben? Oh nein! Dank der
Mehreinnahmen können die Gebühren stabil bleiben! Ist das nicht schön
euphemistisch? Wer so denkt, hat doch schon längst den Boden verlassen…
Und wo ein Selbstbedienungsladen ist, da ist die Korruption nicht fern:
Vermutete Postenklüngelei und liegenbleibende Arbeit beim
»Beitragsservice«. Griechische Verhältnisse…
-
Weil ich schon bei den Öffentlich-Rechtlichen bin: Ich habe einen Blog
gefunden namens
»Propagandaschau«,
der hart ins Gericht geht mit dem Müll, den der ÖR von sich gibt. Für
meinen Geschmack etwas zu rußlandfreundlich, wenn’s um die Ukraine geht,
aber trotzdem nicht uninteressant.
Datenschutzreform
Seit langem plant die EU eine Reform der Datenschutzgesetzgebung. Hierzu
muß die EU-Kommission einen Entwurf ausarbeiten und diesen mit dem
EU-Parlament verhandeln. Der erste Schritt ist nun getan und offenbart eine
fürchterliche Entwicklung: Von Datenschutz kann kaum noch die Rede
sein. Die Mitgliedsstaaten waren aufgefordert, Änderungswünsche anzumelden,
und sehr viele haben – offensichtlich lobby-getrieben – Änderungen
vorgeschlagen, die den Datenschutz massiv aufweichen. Und, was glaubt Ihr:
gehört Deutschland dazu? Na klar! Das ist dieses dreckige Spiel über
Bande, das die Bundesregierung mit uns hier wieder spielt. Unser
linkischer Bürgerterrorisierminister Thomas de Maizière stellt sich mit
geschwellter Brust als Retter der Daten vor das deutsche Publikum, und
hinter dessen Rücken betreibt er die Ausbeutung dieser Daten durch Behörden
und Industrie. Wäre das ganze nicht aufgedeckt worden, hätte er dann
hinterher wieder alle Schuld der EU in Schuhe schieben können. Natürlich
sieht er immer noch alles als eine Verbesserung zum Status Quo, bloß die
dummen Kritiker sehen das nicht…
Einzige Hoffnung gegen den Ausverkauf der Daten ist nun das EU-Parlament,
das, älteren Äußerungen zufolge, tatsächlich für eine Stärkung des
Datenschutzes plädiert. Am Ende wird es aber wieder nur darauf ankommen, ob
das Umfaller-Gen bei den Sozialisten wieder aktiv wird oder nicht.
Meldungen dazu:
Vorratsdatenspeicherung
Es nutzt nichts, daß jetzt auch in den
Niederlanden und in
Bulgarien die höchsten Gerichte ein
klares Nein zur Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen haben. Die Blockwarte
und Big Brother-Fans in der CDU und CSU lassen sich in ihrem Wahn nicht
beirren. Knackpunkt ist wie unter Schwarz-Geld, äh, -Gelb, das
Justizministerium, das sich noch geringfügig an die Urteile vom BVerfG und
EuGH gebunden fühlt. Wieder in die Presse haben das Thema Gerüchte
gebracht, nach denen es »Geheimverhandlungen« zwischen Innen- und
Justizministerium gäbe. Das wird jedoch vom Justizminister bestritten. Ein
Problem für die Überwachungsfanatiker ist, daß die EU momentan keinen
Neustart beim Thema VDS wagen möchte. Dafür bekommen sie unerwartet Hilfe
von dem sonst recht vernünftigen schleswig-holsteinischen
Landesdatenschützer Thilo Weichert, der sich eine einwöchige VDS vorstellen
könnte. Sie nutzen diese Aussage nun als Freibrief, daß eine
verfassungskonforme Vorratsdatenspeicherung doch ginge (fordern natürlich
gleichzeitig viel längere Speicherfristen).
Netzneutralität
Nicht überall, wo Netzneutralität draufsteht, ist auch eine solche drin.
Nachdem die Neuregelung in den USA im großen und ganzen ein "thumbs up"
(Daumen hoch) bekommen hat, versuchen Politiker in Europa ihren
lobbygetriebenen Mist, den sie unter dem gleichen Begriff verkaufen wollen,
den Bürgern der EU-Staaten schönzureden, mit allen Mitteln. Da werden von
Dumpfbacke Oettinger die Gegner dieser Netz»neutralität« schon mal mit den
Taliban verglichen.
Freies W-LAN
W-LAN, das von jedermann kostenlos und ohne Anmeldung genutzt werden
kann, ist im Gegensatz zum Rest der (industrialisierten) Welt in
Deutschland eine Seltenheit. Warum? Das liegt an der sogenannten
Störer-Haftung. Lädt sich jemand über ein offenes W-LAN urheberrechtlich
geschütztes Material herunter, so haftet der W-LAN-Betreiber mit, da er das
zugelassen hat. Kaum einer möchte dieses Risiko tragen. Netzaktivisten und
Gruppen, die gerne privat W-LAN-Zugänge oder -Netze aufbauen wollen,
drängen daher schon lange auf eine Änderung der Gesetze. Endlich, so
scheint es, werden sie erhört. Die Bundesregierung kreiste und gebar – ein
Häufchen Elend. Für Privatleute bringt es nicht das Gewünschte, außer einer
neuen Hürde. Sie müssen den Namen ihres Gastes kennen. Also kein anonymes,
zwangloses Verfahren. Und wie das dann genau geschehen soll, bleibt, wie
bei »modernen« Gesetzen so üblich, ziemlich im Schwammigen. Könnte man eine
elektronische Anmeldeprozedur machen, oder muß man sich den Ausweis zeigen
lassen? Und, wie lange müßte man die Daten aufheben (kleine
Vorratsdatenspeicherung, oder wie)? Interessant ist, daß dies für
kommerzielle Anbieter und Behörden nicht notwendig ist. Das steht schon
wieder voll unter Lobbyismusverdacht…
Mein Merksatz für heute
Erfolgreiche Bürgerproteste und Klagen gegen Beschlüsse der Regierung
sind bloß Pyrrhus-Siege. Die bekämpften Ziele bleiben natürlich weiter auf
der Agenda und tauchen nach einiger Zeit wieder auf, vielleicht an anderer
Stelle, vielleicht leicht abgewandelt. Wer wirklich etwas ändern will, muß
eine andere Regierung wählen, liebe CDU-, SPD- und CSU- und sonstige
Stamm-Wähler!!!
Sascha Lobo hat sich in seinem aktuellen Kommentar beim Spiegel über den Müll ausgelassen, den Politiker von sich geben, und das
paßt so wunderbar auf alle, die sich zu den hier erwähnten Themen geäußert
haben.
TTIP
Hatte ich mich letzte Woche darüber beschwert, daß das Thema aus dem
Fokus gerückt war, gibt es diese Woche doch ein paar Meldungen dazu. Es
stellt sich heraus, daß unser Wirtschaftsminister von der Verräterpartei
merk- und lernresistent ist. (Na ja, nicht wirklich neu, oder?) Den Gegnern
wirft er pauschal Unwissenheit über CETA & TTIP vor. Aber vielleicht
haben die sich einfach nur besser mit dem Thema beschäftigt als er?
-
SPD und die Handelsabkommen: Erst hieß es,
die EU-Sozialdemokraten wollten
nachbessern, wird kurz darauf wieder dementiert. Die SPD und ihre EU-Genossen wissen wohl selber
nicht, was sie wollen. Vielleicht ist das auch nur eine Verwirrungstaktik
gegenüber den Bürgern, damit ihnen niemand hinterher einen Verrat in die
eine oder andere Richtung vorwerfen kann!
-
Das Mißtrauen der deutschen Bürger gegenüber TTIP wächst weiter, wissen
der Spiegel und andere zu berichten. Innerhalb von knapp sechs
Monaten sank die Zustimmung von 48% auf 39%. Und das ist gut so!
Der Artikel erwähnt noch, wie sich der ehemalige Buchladenbesitzer und
jetzige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz vor die Demonstranten stellt
und abgebügelt wird! Aber mit aller Gewalt versuchen Schulz, Cecilia
Malmström und die anderen Akteure den Protest kleinzureden, als nicht
repräsentativ darzustellen und zu ignorieren.
-
In einem Video-Beitrag beschwert sich Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung über die Art und
Weise, wie TTIP verhandelt wird. Er meint, daß dies mit einer Demokratie
nicht vereinbar sei. Da stimme ich ihm voll zu. Aber haben wir denn noch
eine Demokratie (also nicht nur dem Namen nach)?
-
Die Zeit greift ein Thema auf, von dem ich kürzlich schon berichtet
habe: Nämlich die Konsequenzen von TTIP für Entwicklungsländer.
Demokratie
Weil ich gerade so kritisch gefragt habe, ob wir noch eine Demokratie
haben: Eine neue Umfrage ergibt, daß ich mich in Gesellschaft von der
Mehrheit der Deutschen, nämlich 60%, befinde, die meint, daß das,
was in Deutschland passiert, nicht mehr viel mit Demokratie zu tun hat.
Auch die Zeit berichtet davon. Demnach sind auch 25% der Meinung, wir
wären auf den Weg in die nächste Diktatur. Das sehe ich auch so,
auch wenn diese ein anderes Antlitz als die Nazi- oder SED-Diktatur haben
wird.
Laut Zeit betrachten übrigens die Forscher Leute, die die (offenbar
gescheiterte) parlamentarische Demokratie durch eine »echte« Demokratie
ersetzen möchten, als »Extremisten«. Was sind das denn für Extremisten?
Demokratie-Extremisten?
Übrigens, damit Ihr, meine Leser, das nicht in den falschen Hals bekommt.
Ich bin nicht für eine Abschaffung der parlamentarischen Demokratie. Ich
bin für eine echte parlamentarische Demokratie, die den Satz 2 von
Artikel 38, Absatz 1 des Grundgesetzes (»Sie [Anm.: die Abgeordneten]
sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden
und nur ihrem Gewissen unterworfen«) auch wirklich umsetzt, gepaart mit
Volksentscheiden (und nicht -begehren), die eine ziemlich niedrige
Einstiegshürde haben und somit zum Regelfall werden.
Eine andere Studie kommt zu den Schluß, daß die Mehrheit,
53%, der Bürger in der EU kein Vertrauen in eben diese EU mehr
haben. Auch der Euro wird mittlerweile sehr kritisch gesehen. Speziell in
Deutschland ist die Zustimmung auf 13% abgerutscht, 37% sind für die
Rückkehr zur D-Mark. Der hirngewaschene Autor des Spiegel-Artikels setzt
natürlich die EU mit Europa gleich, auch wenn er sonst nicht versucht, das
kleinzureden (er spricht von einem »Totalversagen der Politik«).
Datenschutz
-
Fefe berichtet, daß die
NSA gerne Hintertürchen in Kryptoalgorithmen haben möchte. Auch von ihm
stammt die Meldung, daß die Chinesen ihre Wirtschaft aufgefordert hat,
das gleiche zu tun, was bei
den Amerikanern zu Protesten
geführt hat. Alle Achtung: Soviel Doppeldenk und Realitätsverzerrung
muß man erstmal haben können! Das Thema ist wenige Tage später etwas
detaillierter von Heise aufgegriffen
worden.
-
Seit langem mal wieder etwas Positives aus USA: Die amerikanische
Aufsichtsbehörde FCC hat sich im neuen Anlauf zu einer
weitestgehenden Netzneutralität
durchringen können. Das sollte Vorbildcharakter für Deutschland und
Europa haben! Bei Heise haben sie wohl gelost, wer einen
Pro- und einen
Kontra-Artikel schreiben mußte.
Der Kontra-Artikel ist zu recht von den Forumsteilnehmern verrissen
worden.
-
Wie schon berichtet, will die EU auch Flugpassagierdaten sammeln. Jetzt
gibt es eine Arbeitsgruppe des Parlaments, geführt von einem britischen
Konservativen (oh Graus!). Die Daten sollen fünf Jahre gespeichert werden, und, laut Heise, auch für innereuropäische Flüge. Die Schwelle für den
Zugriff auf die Daten durch Behörden soll wohl auch nicht sonderlich hoch sein und über so schwammige Begriffe wie
»Computerbetrug« definiert sein. Au Backe! Angeblich soll ja das am
Ende dem EuGH vorgelegt werden, mit der Frage, ob das EU-konform ist,
speziell im Hinblick auf das kürzliche Vorratsdatenspeicherungs-Urteil
(das war wohl die Bedingung für das Umfallen des Parlaments).
-
Dank der konservativen Kräfte in der EU droht ein »Reload« von ACTA,
die damals unter amerikanischen Einfluß entstandene und auf Druck aus der
Bevölkerung gekippte Urheberechtsreform, wie Netzpolitik berichtet.
-
De-Mail ist bislang ein absoluter Mißerfolg, und das ist auch gut so!
Die Bundesregierung muß eingestehen, daß die »kritische Masse« noch nicht
erreicht sei, wie Heise und
Golem berichten. Es ist und bleibt halt ein bürokratisches,
technologisch gescheitertes Schwachsinnsprojekt.
-
Gematik behauptet, die elektronische Gesundheitskarte sei von dem
Geheimdienstangriff auf den
Kartenhersteller nicht betroffen. Da die Schlüssel, mit denen die
Patientendaten verschlüsselt sind, sowieso als Kopie auf den
Gematik-Servern liegen sollen, ist das sowieso irrelevant. Das ist alles
so sicher wie der Haustürschlüssel unter der Fußmatte…
Ausländer-Maut und andere »mobile« Ärgernisse
-
Diese Woche ist im Bundestag erstmals über das Mautgesetz diskutiert
worden, wie z.B. die Süddeutsche
Zeitung, die Zeit oder Heise berichten. Die SPD ziert sich noch ein bißchen, wird aber
am Ende doch umfallen (ich wette darauf!). Thema ist natürlich auch,
wieviel Geld am Ende von der Ausländer-Maut herauskommt und ob das nicht
alles schöngerechnet ist. Ein
Heise-Artikel beschäftigt sich
damit (siehe auch noch anderen
Heise-Artikel und diesen Zeit-Artikel über die Dobrindt-Kalkulation). Gegenwind kommt auch
weiterhin von der EU: Ein beauftragtes Gutachten kommt zum Schluß, daß
die Maut gegen EU-Recht verstößt.
Diese unsägliche Maut bringt auch einen Grünen-Politiker im Bundestag
in Rage; Ausschnitte beim Focus.
-
Der EU-Rat hat die finalen Eckpunkte
zum problematischen eCall-System beschlossen. Zwar heißt es dort:
(21) … in particular to guarantee that vehicles equipped with
112-based eCall in-vehicle systems, in their normal operational status
related to 112 eCall, are not traceable and are not subject to any
constant tracking and that the minimum set of data sent by the
112-based eCall in-vehicle system includes the minimum information
required for the appropriate handling of emergency calls.
Aber ich traue den Brüdern einfach nicht. Stille SMS,
Aufweck-Broadcasts von den Mobilfunkmasten oder dergleichen, die das
Mobilfunkmodul zum Funken bewegen, wird schon noch ein Tracking
ermöglichen. Und wenn man es abklemmt, dann muß man es für den TÜV wieder
dranklemmen, denn die EU wünscht, daß der Funktionstest des Systems
Bestandteil der Überprüfung ist.
-
Welches Bundesland hat die meisten Radarfallen? Laut »Mobil in
Deutschland e.V.« jenes, in dem Mercedes und Porsches gebaut werden. In Stuttgart
kommt auf 10.000 Autos ein festinstallierter Blitzer. (Da der Focus
praktisch nur abgeschrieben hat, habe ich direkt auf die Pressemitteilung
verlinkt.)
Sonstiges
-
Ob ich noch lange auf Artikel der Süddeutschen Zeitung verlinke, weiß
ich nicht. Wenn nicht, dann liegt es nicht unbedingt an mir. Die SZ meint
nämlich, eine sog. Paywall (eingedeutscht »Bezahlschranke«) für ihren
Webauftritt hochziehen zu müssen, wie
Heise berichtet. 1,99€ für einen
einzelnen Tag oder 30€ für einen Monat sind schon ziemlich happig!
-
Weil ich gerade bei der Vergütung von Presseerzeugnissen im Internet
bin: Es gab heute eine neue Anhörung, diesmal im Rechtsausschuß, zum
Leistungsschutzrecht. Grund war eine Gesetzesinitiative der Grünen
zur Abschaffung des LSR. Da Regierungsparteien aus Prinzip nicht
Initiativen der Opposition zustimmen können (das geht gar nicht, das wäre
ja Demokratie!), ist diese zum Scheitern verurteilt, auch wenn die
Tendenz der Sachverständigen ziemlich klar ist.
TTIP
Fast ein bißchen still geworden…
-
Netzpolitik hat einen sehr langen Artikel, wie TTIP und TISA den
europäischen Datenschutz aufweichen werden. Ideen wie »Schengen-Routing«
und »EU-Cloud« wären dann Handelshemmnisse, die beseitigt werden
müßten.
Überwachung, Datenschutz und Co.
-
Obama – grins – bittet Deutschland – ha – um –
gröll – Vertrauensvorschuß – ich schmeiß mich
weg!
Es geht um die NSA-Überwachung. Liebe Amerikaner: den Vorschuß, den ihr bislang
bekommen und übelst mißbraucht hattet, könnt ihr nie mehr im Rest eurer
erbärmlichen Existenz zurückzahlen. Eher noch haben die Griechen ihre
Schulden beglichen! Neuen Vorschuß gibt es nicht! Obama kann sich sein
Blabla sonstwohin stecken!
-
Vorratsdatenspeicherung: Nach jedem Attentat kann man auf die
Uhr schauen und die Minuten zählen, bis über die Presseticker die erste
Meldung zu Forderungen zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung
kommt. So auch nach dem Anschlag in
Kopenhagen. Netzpolitik hat diesen »Beißreflex« mal für die letzten
Attentate dokumentiert.
Um bei sich die Vorratsdatenspeicherung voranzutreiben, nimmt sich
derweil der australische Premierminister namens Tony Abbott heraus zu
behaupten, in Deutschland könne im
Gegensatz zu Großbritannien Kindesmißbrauch überhaupt nicht bekämpft
werden, da es bei uns keine Vorratsdatenspeicherung gebe. Wie sich
doch überall die Mechanismen der Propaganda gleichen, inklusive der Lüge
und des Mißbrauchs des Kindermißbrauchs (und somit nochmaligem Mißbrauch
der Kinder)! Abbott ist wohl eine ähnlich verbrämte, religiöse und rechte
Dumpfbacke wie Bush und die ganze Tea Party-Mischpoke und auf ziemlich
absteigendem Ast in seinem Lande, wie diverse Kommentare im Heise-Forum
und dort enthaltene Links suggerieren.
-
Die Schurkenstaaten Nr. 1 und 2 (ich meine die USA &
Großbritannien) haben sich wohl Zugang
zu den privaten Schlüsseln auf den SIM-Karten verschafft.
-
Weil ich bei Schurkenstaaten bin: Was machen sie, wenn sie etwas
Illegales machen wollen? Sie legalisieren es. Und was will die
Bundesregierung, speziell das Innenministerium? Die gesetzeswidrige BND-Schnüffelei legalisieren und ausbauen!
(Siehe auch Heise). Das wird
hoffentlich vor dem Bundesverfassungsgericht enden, sollte das vom
Bundestag durchgewinkt werden.
-
Das Faustrecht nimmt immer mehr überhand. Mexiko will jetzt wie die
Amerikaner auch an die Fluggastdaten (PNR) und erpreßt die Fluggesellschaften mittels Androhung hoher Geldstrafen zu
illegalem Handeln.
-
Generell sind wir dank der
umfallenden Sozis im EU-Parlament nach dem Terroranschlag in Paris
jetzt auch in der EU schon ein Stückchen weiter mit der Einführung der
jahrelangen Speicherung von Fluggastdaten. Das EU-Parlament hat damit
seinen prinzipiellen Widerstand aufgegeben, auch wenn sie noch ein paar
kleine Hürden daran gebunden haben. Unklar ist, ob sich die Datensammlung
nur auf Flüge aus der und in die EU beziehen soll, wie Golem und die Zeit berichten. In einem anderen Artikel, dessen Link ich mir
leider nicht gemerkt habe, las ich, daß auch die Speicherung für
innereuropäische Flüge noch nicht vom Tisch sei.
-
Die Franzosen sind ja neben den Briten auch ganz vorne dran, wenn es um
die Kontrolle des Internets geht. So
trat jetzt das Gesetz für Websperren in Kraft. Die Bürgerrechtler
wollen noch versuchen, das vor den Gerichten zu Fall zu bringen. Viel
Glück!
-
Wenn man den Bock zum Gärtner machen würde: Verfassungsschutz will ein Ende der verschlüsselten
Kommunikation. Ich will ein Ende eines solchen
»Verfassungsschutzes«.
-
Wieviel Vertrauen man der EU in Sachen Datenschutz schenken sollte,
kann man daran sehen, daß die EU die Weitergabe von Daten aus den Schengen-Datenbanken an Großbritannien
erlaubt, die ja bekanntlich eben nicht zum Schengen-Raum gehören.
(via Fefe)
-
Das Wirtschaftsministerium will Smartmeter flächendeckend einführen,
wie Heise und Golem berichten. Neu ist, daß der Einbau bei Neubauten vorerst
nicht mehr verpflichtend sein soll, wenn der Verbrauch unter 6.000 kWh
liegt. Das ändert aber natürlich nichts an der Gesamtproblematik.
-
Der amerikanische Senator Edward Markey hat alle Autohersteller, die in
USA Autos vertreiben, angeschrieben und gefragt, wie sie es denn mit der Datensammelei halten. Die Ergebnisse sind
eher erschreckend, aber nicht völlig unerwartet, wenn man sich mit der
Thematik beschäftigt hat. Der Senator hat zwar einen schönen Bericht veröffentlicht, leider aber ohne Hersteller explizit zu
nennen. Ich bin ja der Überzeugung, daß alle Daten, die auf Hardware, die
mir gehört (wie das Auto, das ich fahre), durch mein
Handeln erzeugt werden, ebenfalls mir gehören, und daß Hersteller
die erst nach meinem Einverständnis nutzen dürfen.
-
Ebenfalls um den Datenschutz rund um das Auto ging es beim
Safer Internet Day, wo sich
Justizminister Maas und die Industrie ausgetauscht haben. Auch die
deutsche Industrie will natürlich den Autofahrer ausspionieren bis zum
Abwinken, und vollständige Hilfe von der Politik ist wohl nicht zu
erwarten.
-
Samsung ist die Tage zweimal massiv in Kritik geraten: Ihre Fernseher
lauschen in Big-Brother-Manier mit und warten auf Kommandos. Sie behalten
die gesprochenen Worte aber nicht für sich, sondern schicken sie weiter
zu Samsung-Servern bzw. zu denen von Drittfirmen. Das steht wohl so in
den Datenschutz-Richtlinien drin, wie verschiedene Medien berichteten
(z.B. Stern, Spiegel, Zeit). Samsung beteuert aber, daß
dies nur für Suchanfragen gemacht
würde. Ein Trost?
Die zweite Geschichte ist, daß man sich über Samsung-Fernseher auch
Videostreams anschauen kann. Ein paar Zuschauer ärgerten sich über
Werbepausen beim Ansehen solcher Streams, und beschwerten sich beim
Anbieter, denn sie hätten ja schließlich für eine unterbrechungsfreie
Wiedergabe bezahlt. Wie sich dann herausstellte, war das nicht der
Streaming-Anbieter, sondern der Fernseher hat selbständig unterbrochen
und von Samsung bereitgestellte Werbung dargestellt.
Laut Samsung eine Option, die
versehentlich eingeschaltet war, obwohl sie standardmäßig hätte
ausgeschaltet sein sollen. Ja, ja…
Drohnenkrieg
Gentechnik
Integration
Sonstiges
TTIP
-
Ich hatte letztens schon berichtet, daß TTIP nicht nur durch die
Schiedsgerichte die Judikative der Demokratie unterwandern will, sondern
auch in die Legislative eingreifen will, indem die Wirtschaft
Gesetzesvorhaben absegnen dürfen soll, bevor sie die Parlamente überhaupt
erreichen. Die Wirtschaft soll sogar noch eigene Gesetzesvorschläge
einbringen können! Daß dies nicht zum Wohl der Bevölkerung sein wird,
kann sich jeder an seinen Fingern abzählen.
Campact hat jetzt
ein schönes Video herausgebracht, das diese Sauerei für jedermann
verständlich macht. Bitte weiterverbreiten!
-
Interessanter, lesenswerter Artikel bei Telepolis:
»Mit TTIP gegen
den Rest der Welt« – TTIP als Blaupause für Knebelverträge mit
Schwellen- und Dritte-Welt-Ländern und als Reaktion auf den Machtverlust
Amerikas und Europas bei der WTO, der Welthandelsorganisation.
-
Was ist, wenn sich eine europäische Regierung über TTIP informieren
will? Die USA ist so gnädig, zwei Beamten maximal zwei Stunden Einblick
in den Entwurf zu gewähren. In den Räumen der US-Botschaft. Ohne
elektronische Aufzeichnungsgeräte, nur mit Blatt und Bleistift. Unter
ständiger Beobachtung durch das Botschaftspersonal. Das ist doch die
brutalstmögliche Transparenz, oder? Der Tagesspiegel berichtet (via
Fefe).
-
Oh, es geht weiter mit den gekauften Artikeln in der Lügenpresse. Ein
weiterer Artikel in der FAZ, diesmal in der Form eines »Aufklärungsartikels«. Auch wird
die Mär von den vielen hunderttausend neuen Arbeitsplätzen und den
Vorteilen in Milliardenhöhe wiederholt. Hierzu gebe ich folgendes zu
bedenken: Selbst wenn durch den Abbau von Zöllen und Harmonisierung von
Standards der Handel steigen würde, ist das noch lange keine
Win-Win-Situation. Wachstumsmärkte gibt es kaum, die meisten Märkte sind
saturiert. Das heißt, es existiert dort ein Verdrängungswettbewerb. Wird
von einem Land ins andere mehr exportiert, gibt es auf der einen Seite
mehr, auf der anderen Seite weniger Arbeitsplätze. NAFTA sollte hier als
warnendes Beispiel gelten. Auch den Abbau von Zöllen sehe ich sehr
kritisch. Denn wohin fließen die Zölle? In den Staatshaushalt. Fallen die
nun geringer aus, wird der Staat sich das Geld anderswo holen, denn ich
gehe nicht davon aus, daß ein Staat seinen Etat verkleinern will. Am Ende
wird auch hier der Bürger die Zeche zahlen müssen.
Auch der Spiegel bringt einen TTIP-Promotion-Artikel, der TTIP einerseits kleinredet und
andererseits es als Notwendigkeit im Kampf in der globalen
Marktwirtschaft sieht (siehe auch den oben erwähnten Telepolis-Artikel,
der das aus anderer Perspektive beleuchtet).
Überwachung & Co.
Religion
-
»Gott ist total boshaft«, sagt der britische Schauspieler und Autor
Stephen Fry in einem Inteview, wie die FAZ berichtet. Es muß wohl ein bekannter, streitbarer Charakter
sein, der soetwas nicht zum ersten Mal getan hat. Ich komme nicht umhin,
ihm weitestgehend rechtzugeben.
Hier ist übrigens
das Video, von dem die FAZ spricht, aber nicht dorthin verlinkt.
-
Ich kann Alice Schwarzer überhaupt nicht ausstehen, eine grauenhafte
Person. Umso schwerer fällt es mir, ihrer Kritik an Merkel bezüglich ihrer Haltung zum Islam
zuzustimmen.
-
Um das Frauenbild im Islam ging es auch in einer Predigt eines Imam in
einer Berliner Moschee, die auch als Treffpunkt für Salafisten gilt.
Frauen gehörten eingesperrt und müßten immer für Sex zur Verfügung
stehen, so der Tenor. Auch wenn es nur ein Gastprediger war, ist doch
schon sehr befremdlich, daß so einem Radikalen hier von der Moschee eine
Plattform geboten wurde. Nicht nur der Verfassungsschutz wurde hellhörig,
auch der Türkische Bund Berlin-Brandenburg stellte wohl eine Anzeige.
-
Die Zeit hat einen recht interessanten Artikel
zu
dem Konflikt zwischen Islam und Christentum. Wobei ich dem Autor
insofern nicht zustimme, daß wir unsere abendländische Kultur besonders
dem Christentum zu verdanken hätten. Der Dank gebührt der Aufklärung,
gegen die sich die Kirche massiv gewehrt hat und es bis heute zum Teil
immer noch tut.
Sonstiges
-
Ein ehemaliger Reporter, ein Herr Fröhder, der jahrzehntelange als
freier Reporter für die Tagesschau und Tagesthemen gearbeitet hat,
rechnet mit diesen im Spiegel ab – und bestätigt voll und ganz
meine Meinung:
»Mich nervt diese sprachliche Verlotterung! In den Beiträgen wimmelt
es von Grammatikfehlern. Da ist die Anmoderation des Sprechers identisch
mit den ersten zwei Sätzen des Films. Und dann dieses ständige
Geduze!«
In Tagesschau und Tagesthemen würden »bloß scheinbar relevante Fakten
hintereinandergefügt, anstatt sie zu hinterfragen«, so Fröhder. »Wenn
ich diese Aufsager vor den Parteizentralen und dem Kanzleramt schon
sehe! Die kommen einfach von der Routine nicht weg.«
-
Gerade erst das schwachsinnige – weil äußerst schwammig und über das
Ziel hinausschießend – Edathy-Gesetz durchgesetzt, setzt der
Justizminister mit dem neuen Anti-Terror-Gesetz nach. Kommentatoren im
Spiegel und in der Süddeutschen
Zeitung sehen das als völlig überflüssig und daneben. Der Entwurf
diene zur Verfolgung von vermeintlicher Gesinnung statt von Straftaten
und kriminalisiere neutrale Handlungen. So verlasse er den Bereich der
Rechtsstaatlichkeit. Sie werfen Maas Symbolpolitik vor.
-
Der Bundesrat kritisiert Dobrindts
Ausländermaut (neuerdings auch als Pegida-Maut beschimpft)
scharf.
-
Das Kanzleramt verhindert mit allen Mitteln, daß die Presse Zugang zu
dem Briefwechsel Schröders und seinem damaligen griechischen Amtskollegen
Simitis im Vorfeld des Beitritts Griechenlands zum Euro erlangt. Da
liegen wohl ein paar Leichen im Keller.
Überwachung
-
Es ist jetzt herausgekommen, daß die US-Amerikaner massenweise
Autokennzeichen scannen und bevorraten. Ursprünglich gedacht, um im
Grenzgebiet zu Mexiko Drogenkuriere zu identifizieren, hat auch hier der
von Überwachungskritikern immer wieder befürchtete Ausweitungseffekt
zugeschlagen – hier räumlich wie auch von der Nutzung: Berichte bei
Engadget, Süddeutscher
Zeitung und Heise.
-
Nachdem, wie berichtet, Großbritannien und andere EU-Staaten
vorgeprescht sind, will die EU das Thema Fluggastdatenspeicherung
vorantreiben, wie z.B. Spiegel und Golem berichten. »Lustig« finde ich das ja mit der Anonymisierung
nach sieben Tagen. Das ist natürlich reines 1984er Neusprech, denn
anonymisiert wird da gar nichts. Einzig bekommt da ein Personenkreis nach
der Zeit nicht mehr alles zu sehen. Auch die Innenminister der EU-Staaten
machen bei diesem Müll mit (Süddeutsche
Zeitung, Heise).
-
Siri, die Spracherkennungssoftware auf Apples iPhones und iPads (und
vielleicht bald auch auf Apple-PCs)
plaudert die Kontaktdaten des
Gerätebesitzers an jeden, der fragt, aus – auch wenn das Gerät
gesperrt ist!!! Daß Siri cloud-basiert und damit somit sowieso
höchstkritisch ist, sei nur am Rande erwähnt.
-
Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne über Verschlüsselung: De Maizière erklärt sich selbst den Krypto-Krieg
-
Vorratsdatenspeicherung von der EU
nicht mehr weiter verfolgt? Das war dann doch wohl eher eine Finte,
wie Netzpolitik berichtet. Man weiß nur noch nicht genau, wie man das
anpacken will. Auf jeden Fall breiter. Nach deren
Wunschvorstellungen soll auch Social Media als zu bevorratenden Metadaten
deklariert werden.
-
Ein Appell, der in Brüssel und in den Hauptstädten ungehört verhallen
wird: Der Ex-Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung schreibt in
der Süddeutschen Zeitung: »Anschläge von
Paris dürfen nicht Europas 9/11 werden«
-
Auch der Europarat warnt: »Massenüberwachung ist eine grundlegende Bedrohung der
Menschenrechte«
-
Hat man ihr nicht zugetraut: Die aktuelle Bundesdatenschützerin Andrea
Voßhoff, die als nur ein schwacher Ersatz für ihren Vorgänger Peter
Schaar und als Merkel-hörig gilt, hat ihre Position zur Vorratsdatenspeicherung geändert.
-
Mega-Peinlichkeit für BMW: Die mittlerweile in fast allen Modellen
zwangsweise verbaute Überwachungswanze »ConnectedDrive« (der Nutzen für
den Kunden gegenüber einem Mobiltelefon ist ziemlich marginal) hatte eine
schwere Sicherheitslücke, die jedem das Öffnen der Türen oder Aktivieren
der Warnblinkanlage ermöglichte (und vielleicht auch noch mehr), wie
Focus und Heise berichten.
Wenn ich den Heise-Artikel lese, lief bislang die Kommunikation
unverschlüsselt ab! Erschreckend in diesem Zusammenhang ist auch die
Erkenntnis, daß BMW die Software von ConnectedDrive über das
Mobilfunknetz aktualisieren kann! Das ist für Polizei- und
Überwachungsstaaten bestimmt sehr wertvoll. Privacy-by-design oder auch
security-by-design ist da was anderes, BMW!
-
Immer wieder die gleichen Forderungen merkbefreiter Leute: Der
Präsident des Verkehrsgerichtstags will die Mautdaten für die Verbrechensaufklärung nutzen.
-
Peter Sunde, der gerade aus dem Gefängnis entlassene Mitbegründer von
The Pirate Bay, des größten P2P-Verzeichnisses urhebergeschützten
Materials, zieht eine ziemlich negative Bilanz des Kampfes um die Freiheit.
Auf einen Erfolg kämen zehn Niederlagen. Der Mensch werde zur wandelnden
Geldbörse degradiert. Ich muß ihm leider im großen und ganzen
rechtgeben.
-
Heise berichtet über die weitere
Diskussion um das Ausforschen verschlüsselter Kommunikation mittels
Quellen-TKÜ.
TTIP, CETA und Co.
-
Große Sauerei: EU und die USA wollen sich bei TTIP gegenseitig
das Recht geben, bei Gesetzgebungsverfahren einzugreifen. Alle
Gesetzesvorhaben müßten dem Partner angekündigt und ihm gegenüber auch
gerechtfertigt werden. Insbesonders sollen dadurch Gesetze verhindert
werden, die der Wirtschaft schaden (und vielleicht den Bürgern nutzen).
Das ist natürlich eine weitere Aushöhlung der Souveränität sowohl der
Bürger in der EU als auch in den USA. Unter anderen berichten der
Spiegel, die FAZ und die
Zeit.
-
TTIP-Auswirkungen in die andere Richtung: Die EU hat – auch wenn man's
nicht glaubt – offenbar eine viel schwächere Bankenregulierung als die
USA. Die TTIP-Gegner fürchten nun, daß in Folge eines TTIP-Abkommens die USA ihre Regulierung auf
EU-Niveau herunterschrauben müßte.
-
Eine Frau aus Lüdenscheid bereitet eine Klage gegen CETA vor dem
Bundesverfassungsgericht vor. Wer sie unterstützen will, ob durch
Unterschrift, Mitkläger oder Geldspender, findet hier weitere Informationen.
-
Oh, das riecht nach einem gesponserten Artikel, liebe FAZ! Wenn Obama und Merkel für TTIP sind, dann
müsse es doch richtig sein, schwingt es da mit. Und, oh Drama,
Deutschland sei Schlußlicht! Worin? In der Zustimmungsquote zu TTIP. Das
ist eine Standpunktfrage: Nein, lieber Autor, wir sind die Spitze! Das
sehen auch die meisten der Kommentatoren unter dem Artikel so. Einer von
ihnen hat bei Wikipedia über den Autor Frankenberger nachgelesen.
Dort wird er als so etwas wie ein vernetztes Sprachrohr der Elite
bezeichnet.
Maut
-
Die Zeit hat sich vor Gericht
erstritten, daß Dobrindt bzw. sein Ministerium im Detail offenlegen
muß, wie er/es auf die antizipierten dreistelligen Millioneneinnahmen
durch die Maut kommt. Wenn die sich so geweigert haben, wird wohl nicht
viel dran sein an deren Rechnung. Mal schauen, was die Zeit berichten
wird.
-
Das große Hindernis bei der Maut ist die EU, die eine
Ungleichbehandlung der Ausländer fürchtet. Die zuständige Kommissarin Violeta Bulc will dann lieber
mittelfristig eine universelle, einheitliche Maut in ganz Europa
(siehe auch Heise). Am besten
entfernungsbasiert, mit tollster Schnüffelhochtechnologie, die der Markt
so bietet. Am Ende kommt natürlich der obligatorische, nie ernst gemeinte
Spruch, daß alles datenschutzkonform passieren müsse.
-
Datenschutz steht auch bei der deutschen Lösung nicht wirklich auf der
Agenda. Heise berichtet, daß bis
heute keine technischen Details bekannt sind. Wenn aber schon seitens des
Ministeriums argumentiert wird, daß Mautdaten nicht ähnlich zu
Kommuniktationsverbindungsdaten seien (was aber natürlich so ist) und
Alternativen ohne elektronische Erfassung nicht bekannt seien, dann ist
da nicht mit einer Lösung zu rechnen, die von den Datenschützern
akzeptiert werden könnte.
-
Bei der Zeit gibt es auch noch Pappköpfe, die die Maut generell für
richtig halten. Daß die Mineralölsteuer bereits eine
entfernungsabhängige Maut darstellt (und sogar ökologisch differenziert,
weil Spritschleudern mehr zahlen), ist bei dem Schreiber noch nicht
angekommen.
Sonstiges
-
Wenigstens die Schweizer dürfen über die Finanzierung ihres öffentlich-rechtlichen Rundfunks
abstimmen.
-
Gegen die Finanzierung des deutschen ÖR gibt es eine schon länger laufende Petition mit immerhin schon über 540.000
Unterschriften. Dort findet sich auch ein Link zu einem
FAQ
rund um den Protest und um die Klagen gegen die Rundfunkabgabe. Eine
weitere Aktion ist die sogenannte
»Ständige
Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien«. Sie machen den
Rundfunkanstalten durch formale Beschwerden, die von diesen bearbeitet
werden müssen, das Leben schwer.
-
Was für ein Schwachsinn: Der
Verkehrsgerichtstag fordert 80 km/h auf
Landstraßen, sowohl für PKW als auch LKW, damit es keinen Grund mehr
gäbe, die LKW gefährlich zu überholen. Daß es dann schwerere Unfälle mit
LKW (wegen der höheren kinetischen Energie) gibt, ist wohl Nebensache.
Wenn es um Einschränkungen der Freiheit geht, dann ist natürlich
die Polizeigewerkschaft auch gleich dabei. In Nordrhein-Westfalen
bräuchte man übrigens gar nicht viel zu ändern. Hier darf man auf den
meisten Straßen eh nur 70 km/h fahren, selbst auf breiten, frisch
asphaltierten Straßen.
-
Der umstrittene Kopp-Verlag berichtet in seinem Blog von dem faulen EU-Kompromiß zur grünen Gentechnik, wo Monsanto & Co.
erfolgreich ein trojanisches Pferd eingebaut haben.
-
Lügenpresse: In Berlin ist wieder ein brutaler Ehrenmord durch einen
Türken passiert, und die politisch korrekte Presse unterdrückt die
Motivation und die Herkunft des Täters solange, bis es nicht mehr zu
verheimlichen ist. Ein anderer Beitrag im Blog des Kopp-Verlags
beleuchtet diese ganze Ehrenmord-Geschichten und enthält den Vorwurf, daß die Täter in
Deutschland auch noch einen Kulturbonus vor den Gerichten bekämen.
-
Václav Klaus, der ehemalige Präsident Tschechiens, war nie ein großer
Freund der EU. Dem Focus gab er ein Interview mit einem vernichtenden Urteil über
die EU. Vielem kann ich vollumfänglich zustimmen, z.B. diesen beiden
Aussagen:
»Ich lebe in einer Welt, die stark von oben herab bestimmt wird. Ich
habe damals gedacht, dieses Prinzip sei mit dem Fall des Kommunismus
gestorben. Doch jetzt sehen wir etwas sehr ähnliches.«
»… Andererseits gibt es die europäischen Institutionen. Da ist gar
nicht die Frage nach einem Demokratiedefizit, es geht um ein komplettes
Fehlen von Demokratie. Das als ›Defizit‹ zu bezeichnen, ist zu politisch
korrekt.«
-
Wolfgang Kubicki, FDP, sagt, wie immer, seine Meinung frei heraus:
Diesmal zu den USA-Absichten im Ukraine-Konflikt: »USA wollen Putin stürzen«. Glaube ich sofort. Die USA-treue
Pfeife Lindner ist natürlich not amused, aber wo wohnt der, den das
interessiert…
Ich mache da gerade meine ersten Erfahrungen. Die sind zum Glück bei
weitem noch nicht so schlimm wie die hier (Kommentare lesen!). Dazu kann man nur sagen: Wir leben in
einem tollen Rechtsstaat: Macht man von seinem Recht Gebrauch (z.B. dem
Klagerecht oder dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung), wird man
beschimpft, drangsaliert, genötigt und erpreßt. Und viele machen mit. Mir
soll noch jemand erklären, die Menschen hätten irgendetwas aus unseren zwei
totalitären Staatssystemen gelernt.
TTIP & Co.
-
Hmm, lecker: Babynahrung mit Pestiziden. Dank TTIP wird das absolute Verbot
von Pestiziden nicht zu halten sein.
-
Wenn in Deutschland ein Thema bei der Bevölkerung unten durch ist, dann
macht es Merkel zur Chefsache. Nun so
bei TTIP. Denn wenn Mutti es macht, dann wird alles gut – so muß sich
wohl Merkel in der Bevölkerung sehen, gestützt durch die hohen
Beliebtheitswerte der Staatsratsvorsitzenden, die ich mir beim besten
Willen nicht erklären kann.
-
Die EU will nicht nur die 95% negativen Einwendungen zu TTIP
ignorieren, sie hat auch Angst, daß ihr nationale Parlamente bei TTIP und
CETA querschießen. Die österreichische Sektion von Greenpeace hat nun
aufgedeckt, daß die zuständige Kommissarin Cecilia Malmström versucht, diese auszuhebeln, und
zwar dadurch, daß die EU mit den Amerikanern und Kanadiern die
»vorläufige Anwendung« vereinbart, noch bevor überhaupt TTIP und CETA
ratifiziert wird. Wahnsinn, oder? (via
Fefe)
-
Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Siegfried Broß,
sieht in den TTIP-Schiedsgerichten einen
klaren Verstoß gegen das Verfassungs-,
EU- und Völkerrecht.
-
Die Zeit hat ein Interview mit der Lobbykritikerin Pia Eberhardt zum
TTIP-Investorenschutz: »Die EU-Kommission verhöhnt die Demokratie«.
-
TISA wird geheim verhandelt. Und damit wirklich nichts herauskommt, in
der australischen Botschaft. Die Amerikaner möchten zudem, daß der
Vertragstext frühestens fünf Jahre nach Abschluß im vollen Umfang
bekannt wird. Mehr zu TISA in einem
Artikel der Süddeutschen Zeitung (via
Fefe).
Sonstige Politik
eGK/eHealth
Lügenpresse
Islam
Das Grundrecht, sich unbeobachtet zu bewegen, sei es in der realen Welt
oder im Internet, droht nun final unter die Räder zu kommen. Die Attentate
auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt kommen den Feinden der
Freiheit in den Politikerriegen der EU-Staaten und der EU selber gerade
recht, egal, ob die nun geforderten Maßnahmen diese hätten verhindern
können oder nicht.
Da wäre zum einen die nun wieder aufkommenden Forderungen nach der
Vorratsdatenspeicherung, wie ich auch schon berichtet habe. Merkel hat das
in ihrer Regierungserklärung nochmal betont. Schizophren dabei ist, daß sie
sagt, es verbiete sich der Generalverdacht gegen die Moslems, aber sie
gleichzeitig den Generalverdacht gegen alle durch die
Vorratsdatenspeicherung gutheißt. Und offenbar ist die SPD jetzt auch schon final umgefallen.
Sascha Lobo hat hierzu noch einen passenden Kommentar über die
Nutzlosigkeit der VDS veröffentlicht.
Neu sind aber die Forderungen, die Nutzung von
Verschlüsselungstechnologien zu verbieten oder so einzuschränken, daß der
Staat immer mitlesen kann, wann immer er es gerne möchte. David Cameron,
Regierungschef des Landes, in dem der Roman 1984 spielt und das heute dem
dortigen fiktiven Überwachungsstaat am nahesten kommt, startete die
öffentliche Diskussion. Auch davon hatte ich in einem früheren Beitrag
schon geschrieben.
Daß Großbritanniens bester Schnüffelpartner, die USA,
Camerons Vorschlag sofort aufgreift
(siehe auch Golem.de), ist nicht weiter verwunderlich. Nach Initiative des
EU-Anti-Terror-Koordinators Gilles de Kerchove findet
aber auch der EU-Rat Gefallen an dieser
blöden Idee, und Überwachungsfreund de Maizière ist ebenfalls auf den
Zug aufgesprungen, wie Heise.de und
Golem.de berichten. Erste Überlegungen hat das Innenministerium auch schon bekanntgegeben.
Das ganze stößt natürlich auf harsche Kritik. Verschlüsselung zu
verbieten, abzuschwächen oder auszuhebeln bietet nicht nur den Behörden die
Möglichkeit mitzulesen, sondern auch fremden, nicht »befreundeten«
Geheimdiensten wie China oder Rußland sowie Kriminellen. Geschwächte
Kryptographie beeinträchtigt nicht nur Privatpersonen, sondern auch
Wirtschaftsunternehmen (Stichwort Spionage von Wirtschaftsgeheimnissen) und
Banken und gefährdet die Sicherheit von (Atom-) Kraftwerken, Krankenhäusern
und sonstiger Infrastruktur.
Die Grünen kritisieren diese Idee vehement und konstatieren der Bundesregierung fast schon genüßlich
Schizophrenie, weil die Bundesregierung erst vor kurzem im Zuge der
Snowden-Affäre beschlossen hatte, Deutschland solle das
»Verschlüsselungsland Nummer eins« werden.
Kritik kommt nicht nur von den Grünen, selbst bei den Mitläufern der SPD
regt sich ein bißchen soetwas wie Ablehnung. Große Ablehnung kommt aus der
Wirtschaft, und natürlich von den Organisationen der Informatiker.
Heise.de faßt diese Kritik
zusammen.
Frank Rieger vom Chaos Computer Club
kommentiert bei Heise.de zudem die neue
Überwachungswut.
Mit dem Kryptographie-Verbot reicht es den Briten übrigens nicht. Da
ihnen die Diskussion um Flugpassagierdaten (PNR) in der EU zu langsam geht,
will sie mit den willigen Partnern
Belgien, Frankreich, Polen, Holland und Spanien ein Abkommen zum Austausch
treffen. Hierbei sollen nicht nur Daten von Flügen ausgetauscht werden,
die die Grenzen der EU passieren, sondern auch innereuropäische. Das ist
nämlich auf der EU-Ebene noch heftig umstritten.