Vorratsdatenspeicherung
Am nächsten Samstag, also am 20.6., findet der ominöse Parteikonvent der
SPD statt. Daß der Parteivorstand die VDS durchprügeln will, ist schon klar
und eigentlich nicht erwähnenswert. Aber mit welcher Demagogie dies
geschieht, da verschlägt es mir zumindest die Sprache.
Das fängt damit an, daß laut Meldungen von Netzpolitik und Heise die
SPD-Führung selber einen Antrag für den Konvent einbringt, in dem es heißt:
»Der SPD-Konvent spricht sich gegen eine Wiedereinführung der
Vorratsdatenspeicherung […] aus«. Was ich jetzt absichtlich mit den
Pünktchen weggelassen habe, ist der Zusatz »in der bisherigen Form«. Aber
auch mit dem Zusatz könnte man meinen, daß es ein Gegenantrag zu dem
jüngsten Gesetzentwurf sei. Ist es aber nicht. Dann folgen natürlich –
neben dem üblichen Sicherheitsgedöns – ewiglange Erläuterungen, warum die
neue VDS soviel besser ist und natürlich alle Auflagen des BVerfG, des EuGH
und – ganz wichtig – der SPD – erfüllt. Also das Beste seit der Erfindung
geschnittenen Brots. Ja, und es wird ein Datenschutzniveau erreicht, wie es
die Welt noch nicht gesehen hat (so eins wie gerade im Bundestag? Das hohe
Niveau, mit dem uns die Bundesregierung auch vor der NSA- und GCHQ-Spionage
schützt?). Die neue VDS sei mit Grundwerten der Sozialdemokratie vereinbar.
Ja, und die SPD ist ja sowieso die größte Datenschutzpartei überhaupt und
was sie nicht alles noch vorhat zur Rettung der Bürger gegen die Bösen im
Internet. So zum Beispiel mit dem Engagement bei der
EU-Datenschutzverordnung (siehe auch unten, Maas ist da mit im Boot!). Ich
krieg’s Kotzen!
Aber eigentlich die Katze aus dem Sack gelassen hat die Generalsekretärin
Fahimi, die sich ja auch sonst durch größtmögliche Ignoranz auszeichnet (da
wirkt die Grüne Claudia Roth ja noch philosophisch dagegen!). Sie glaubt,
daß der obige Antrag durchkommt, weil – und das muß man sich jetzt auf der
Zunge zergehen lassen – die SPD zu klug sei, um wegen der Auslegung
mehrerer Grundrechtsartikel ihre Regierungsfähigkeit aufs Spiel zu
setzen.
Also, ich formuliere das anders: Wir scheißen auf das Grundgesetz,
solange wir dadurch an der Macht bleiben.
So ein konzentrierte Müll fordert ja geradezu eine
Bashing/Shitstorm-Welle im Heise-Forum heraus. Nicht einmal die SPD-Trolle
wagen da, noch irgendetwas zu sagen. Lohnt sich, mal hereinzuschauen.
Nicht vergessen will ich den
bald obligatorischen Link zum
SPD-Song.
Nachtrag: Einer »Bild«-Meldung zufolge verknüpft Gabriel sein Amt
mit der Zustimmung des Konvents zur VDS. Dann sollten die Delegierten
gleich noch das Thema TTIP mitdiskutieren, dann finden sich bestimmt
genügend Stimmen, um ihn endlich loszuwerden!
Nachtrag II: Zu dem Konvent ist bei der
TAZ ein Artikel erschienen. Er
beschreibt, wie Gabriel taktiert und auch Maas als »Opfer« ausnutzt, um
seine Vorratsdatenspeicherung durchzubekommen. Der Dicke war mir schon
immer unsympathisch, aber das setzt ja die Krone auf.
Nachtrag III: Auch Sascha Lobo schreibt zu dem Thema.
EU-Datenschutzreform
Am Montag haben die Justiz- und Innenminister der EU-Staaten ihre Vision
des zukünftigen Datenschutzes verabschiedet. Nach diversen Meldungen (auch
hier im Blog zitiert) war eigentlich nichts gutes zu erwarten – die ersten
Meldungen (Heise, Zeit) waren jedoch positiv: »Nutzer müssen auch der
Weiterverarbeitung ihrer Daten ausdrücklich zustimmen«. Haben sich
Maizère und Maas nicht durchsetzen können? Warum sind die
beiden dann so zufrieden?
Tja, wie sich nun herausstellt, alles nur Schönfärberei und
Desinformation seitens der Politik, und die besagten Quellen hatten dies
ein bißchen voreilig übernommen. Heise klärt später selber auf:
Zweckbindung und Datensparsamkeit
ausgehebelt. Auch Netzpolitik schreibt: Verhandlungsabschluß zu EU-Datenschutzreform im Rat sieht für Bürger
nicht gut aus. Es reiche ein »guter Grund« des Unternehmens, dann könne
es die Daten der Kunden auch anderweitig nutzen, selbstverständlich auch
gegen den Willen der Kunden. Und die Schwelle muß wohl sehr niedrig sein –
Werbung soll schon so ein solcher »guter Grund« sein. Sprich, die
Merkel-Gabriel-Bande hat sich mit ihrer höchst wirtschaftsfreundlichen und
bürgerfeindlichen Position im EU-Ministerrat durchgesetzt. Es bleibt uns
nur die Hoffnung, daß das EU-Parlament und auch die Kommission in den
kommenden Verhandlungen mindestens den Schutz herausholt, den wir in
Deutschland bislang genießen. Sicher ist das aber nicht. Auch in Sachen
Datenschutz ist das EU-Parlament schon mehrfach umgefallen – ich denke da
z.B. an die ganzen PNR-Verträge.
EZB-Urteil zur Euro-Rettung
Das EuGH hat mal wieder ein fatales Urteil gesprochen. Sie hat die
Staatsanleihen-Aufkauf-Politik der EZB praktisch durchgewinkt. Da sich – ich zitiere mal Herrn
Schachtschneider – das EuGH als Integrationsinstrument der EU sieht, war
das nicht völlig unerwartet.
Das Bundesverfassungsgericht hatte seinen Fall an das EuGH weitergegeben
und hat jetzt nun den Salat, denn sie hatte vorher erklärt, daß sie die
Kompetenzen der EZB als überschritten ansieht. Wie der Kommentar in der FAZ
schreibt, hat Karlsruhe nun das letzte Wort, aber traut es sich auch, etwas
zu sagen? Ich sehe das so wie die meisten FAZ-Foristen – das BVerfG wird
sich dem EuGH-Urteil nicht ernsthaft entgegenstellen. Vielleicht noch ein
weiterer "Solange"-Spruch der Richter zur Gesichtswahrung derselben – hätte
ja schon Tradition. Aber nichts ernsthaftes, was irgendwelche Konsequenzen
für die Politik hätte.
Werner Sinn vom ifo-Institut und Peter Gauweiler, der auch Kläger in dem
BVerfG-Verfahren ist, sehen das EuGH-Urteil auch sehr kritisch. Auch Heribert Prantl von
der SZ meint, sich zu Wort melden zu müssen. Er sieht in dem Urteil eine positive Message, weil das Gericht
rechtliche Grenzen aufgezeigt hätte. Die werden uns viel helfen, wenn
nicht nur Griechenland, sondern ganz Europa bankrott ist.
Sonstiges
-
Doofbrindt schießt in Sachen PKW-Maut weiter um sich. Bedenklich
finde ich, daß er im Focus-Forum soviel Unterstützung bekommt. Leider
finde ich das Zitat nicht mehr wieder, das ich vor langer Zeit mal
gelesen hatte: Irgendeine Persönlichkeit hatte mal die Deutschen
kritisiert, weil sie im Vorfeld einer politischen Entscheidung völlig
dagegen und danach völlig dafür seien – wendehalsmäßig also. Wäre schade,
wenn an dem Vorwurf etwas dran wäre.
-
Habt Ihr die Geschichte um den Nobelpreisträger Tim Hunt mitbekommen?
Wegen der Meinungsdiktatur des Political Correctness und der
Feminismus-/Gender-Bewegung muß der 72jährige seine wissenschaftliche Karriere nun beenden.
Was hat der Mensch so böses gemacht? Er hat bei einem Vortrag gesagt, daß
seine Labor-Kolleginnen zu heulen anfingen, wenn man sie kritisieren
würde. Und wie kann man das nennen, wenn eine Frau das nun unbedingt im
Netz zitieren und sich beschweren muß? Genau, Herumheulerei – was seine
Lebenserfahrung nur bestätigt.
-
Meinungsfreiheit, Kritikfähigkeit? Nicht in Köln. (via
Fefe)
-
Ich bin ja schon ein längerer Warner vor dem vernetzten Auto, inklusive
e-call. Wenn ich die feuchten Träume dieses Strategieberaters lese über die Zukunft
des Automobils mit dem Fahrer/Halter als Cash Cow, wird mir so richtig
schlecht. Frazenbuch läßt grüßen. (Danke, S.)
PS: Meine Merkliste bezüglich TTIP-Meldungen quillt über. Ich denke,
ich mache demnächst mal wieder ein TTIP & Co.-Special, damit ich sie
mal wieder ein bißchen leeren kann. Ich schreibe das bloß, damit niemand
meint, es täte sich nichts mehr oder das Thema würde mich nicht mehr
interessieren.
Vorratsdatenspeicherung und Überwachung
Eigentlich wollte ich mal wieder einen Betrag schreiben, der das Thema
nicht behandelt, aber es geht momentan anscheinend nicht.
-
Offenbar soll das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung doch nicht mehr vor der Sommerpause durch den Bundestag
gepeitscht werden (wenn das nicht mal ein Täuschungsmanöver ist…).
Dennoch fand wie geplant die erste Lesung des Gesetzes statt.
Dabei hat die Opposition dem
Justizminister Maas seine eigene Kritik vorgehalten, die der
Wendehals vor seine Einnordung durch Gabriel gegen die VDS vorgebracht
hatte.
-
Nachdem ich dieses Interview mit dem Sprecher der SPD-Linken gelesen habe, zweifle
ich sehr, daß die SPD-Basis es schaffen könnte, die VDS zu kippen. Ich
lese da den Begriff »Kompromiß«, und das ist bei der SPD in der Regel ein
fauler, stinkender Kompromiß, dessen einziger Zweck es ist, den Anschein
zu wahren, daß man ja im Prinzip dagegen sei. Und bei der
Vorratsdatenspeicherung kann es nur ein solcher sein, denn es sind sich
alle einig, daß es eine Vorratsdatenspeicherung ohne tiefgreifende
Eingriffe in die Bürgerrechte nicht geben kann.
-
Ein Tag vor der Lesung hat übrigens das
Verfassungsgericht in Belgien die
dortige Vorratsdatenspeicherung gekippt – aber keine Sorgen: die
Scheuklappen der CDU-, CSU- und SPD-Politiker funktionieren
hervorragend!
-
Die Kritik an der VDS reißt nicht ab:
Die Bundesdatenschutzbeauftragte
Voßhoff erklärt nochmal klar den Entwurf als verfassungswidrig. Und
auch die Medienverbände und der
Deutsche Anwaltsverein protestieren scharf (siehe auch Spiegel). In der Reaktion fällt Maas nichts peinlicheres ein, als
mit dem Finger auf die privaten Sammler wie Google und WhatsApp zu
zeigen. Mag sein, daß die die größeren, gefährlicheren Datensammler sind
(was ich aber bezweifle). Als Jurist sollte er jedoch wissen, daß eine
Untat keine andere legitimiert. Das hört sich so an, daß im Angesicht des
millionenfachen Mordes der Nazis ein Diktator ein paar hunderttausend
doch töten dürfe…
Ebenso haben die Verbände der Internet- und
Telekommunikationswirtschaft nochmal
Kritik in Form eines Brandbriefes
geäußert.
Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags betrachtet den Entwurf als
verfassungswidrig und sieht die Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichts als nicht erfüllt an. Unter anderem seien die
Berufsgeheimnisträger unzureichend geschützt. Bereiche, für die das
Gericht normenklare Vorschriften verlangt habe, seien stattdessen unklar
formuliert.
-
Die schweizer Politiker sind auch nicht besser:
Sie sind für eine »präventive
Überwachung«. Aber die Schweiz ist ja noch eine echte Demokratie mit
Volksentscheiden: Ein solcher wird von den Gegnern jetzt auch in Angriff
genommen. (Nachtrag: Mehr dazu auch noch im
Heises »Was war. Was wird.«).
-
In Kanada hat das Big-Brother-Überwachungspaket nun das
Gesetzgebungsverfahren durchlaufen. Berichte bei
Engadget und Heise. Ebenso
in Frankreich das dortige, wie der Spiegel berichtet.
Digitales (jenseits der Überwachung)
-
Während man hier weiter an der eGK und dem eHealth-Gesetz herumfrickelt
und Datenschutz-Alibis bauen will,
ist man in Großbritannien mal wieder ein Stückchen weiter. Dort sind –
ganz versehentlich natürlich – Daten von 700.000 Patienten an Dritte
weitergegeben worden, obwohl diese
Patienten sich explizit dagegen entschieden hatten. Wieso
kommt mir gerade die Büchse der Pandora in den Sinn?
-
Gegen die Gesundheitskarte (eGK) wurde nach meinen Informationen eine
Verfassungsklage eingereicht (Aktenzeichen 1 BvR 864/15).
-
Den Österreichern fällt nichts dümmeres ein, als die
Speichermedienabgabe und das grandios
gescheiterte Leistungsschutzrecht der Deutschen nachzuäffen (siehe
auch Golem). Natürlich haben auch in der österreichischen Variante des
LSR die eigentlichen Urheber, also die Journalisten, nichts davon,
weshalb sich von deren Seite auch
großer Unmut regt. Da die diskutierte Variante noch schlimmer ist als
die spanische, die wiederum schlimmer als die deutsche ist, hat Google
den Protagonisten dieses Unternehmens
ziemlich unmißverständlich
klargemacht, daß Google unter diesen Bedingungen nicht nur wie in
Spanien Google News schließen würde, sondern möglicherweise die
Online-Publikationen auch aus der Google Suche entfernen würde. Gut
so!
Maut
-
Das hat man vorhersagen können wie das Ahmen in der Kirche: Gauck hätte
die Möglichkeit gehabt, diese unsägliche Maut zu stoppen, aber das tut er natürlich nicht – halt der Bundespräsident von
Merkels Gnaden.
-
Zuvor hatte schon der Bundesrat die Chance gehabt, die Maut zu stoppen
oder zumindest zu verzögern. Dank der Verräterpartei ist aber da nichts
daraus geworden (Focus, Spiegel, Heise)
-
Die EU hatte im Vorfeld der Unterzeichnung der Mautgesetze durch Gauck
angekündigt, gegen die Maut zu klagen (erste Berichte in Welt, FAZ, Stern). Doofbrindt weist erwartungsgemäß alle Vorwürfe zurück und beklagt die angebliche Pauschalierung
seitens der EU zurück. Das ist natürlich ein durchsichtiges und somit
oberpeinliches Manöver für ein paar Leichtgläubige, die bislang auf der
Rückseite des Mondes gelebt haben, denn die EU hat klipp und klar und
nicht nur einmal gesagt, was ihr nicht paßt.
Weitere Berichterstattung und Kommentare gibt es bei der Zeit, der Süddeutschen Zeitung, beim Focus und bei Heise.
Griechenland
Wer noch glaubt, Griechenland sei zu retten, der sollte sich mal den
langen Artikel in der FAZ durchlesen: »Griechenland im Würgegriff«
Bargeld
Nachdem Dänemark keine neuen Banknoten mehr drucken will und die
Annahmeverpflichtung von Bargeld zumindest teilweise zu lockern, um so
langsam das Bargeld abzuschaffen (siehe auch RP Online), ist auch der deutsche »Wirtschaftsweise« Peter Bofinger
auf den Zug aufgesprungen. Bei den deutschen Bürgern hat er sich
allerdings eine blutige Nase geholt und ist wieder ein Stückchen zurückgerudert. Es
hat sich zum Glück schon ziemlich herumgesprochen, was die wahren
Beweggründe für die Forderungen nach einer Abschaffung des Bargeldes sind.
(Leser meines Blogs wissen das natürlich auch.)
Politik
-
Auch das in Diskussion stehende Fracking-Gesetz könnte
verfassungswidrig sein. Es geht dabei um das zu gründende
Expertengremium, das Fracking-Projekte bewerten und darüber entscheiden
soll. Kritiker meinen, dem Bundestag würden damit illegal Kompetenzen
entzogen.
-
Sechs Blinde diskutieren über die Farben (siehe auch FAZ). Die CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen und Linke haben sich
zusammengeschlossen um festzustellen, warum die Wahlbeteiligung bei
Wahlen in Deutschland sinkt und sinkt. Auch sind Vorschläge gesucht, um
die Leute zum Wählen zu animieren. Erste Vorschläge sind schon da –
leider die gleichen dummen, die wir schon in der Vergangenheit gehört
haben. Besonders »pfiffig« finde ich den Vorschlag der ehemals
freiheitsliebenden »liberalen« Partei: Elektronische Stimmabgabe. Da
haben wohl die Pappköpfe der FDP geschlafen, als das
Bundesverfassungsgericht Wahlcomputer aus gutem Grund für
verfassungswidrig erklärt haben.
Da Selbstkritik nun mal keine Tugend eines Politikers ist (egal welcher
Couleur), ist nicht zu erwarten, daß sie auf des Rätsels Lösung kommen:
Die Politikverdrossenheit, ausgelöst zum Beispiel durch die ständige
Lügnerei und Desinformation, das Nichteinhalten von Wahlversprechen, das
Desinteresse an echten Problemen (Einkommensschere, Einwanderungspolitik,
Kriminalität mit Migrationshintergrund),
Korruption/Vetterleswirtschaft/Wirtschaftshörigkeit (Bankenrettung, TTIP,
CETA et al.), die Symbolpolitik oder die Verlogenheit (z.B. »westliche
Werte« versus Geschäfte mit Terrorregimes wie Saudi Arabien).
Sonstiges
-
Manchem, der die Anfänge des Desktop Publishing noch kennt, sind die
Schriften Palatino, Zapf Chancery Italic oder Zapf Dingbats bekannt, weil
sie zum Standard-Umfang der meisten Postscript-Drucker und -Belichter
gehörten. Der Schöpfer dieser und vieler anderer bekannter und markanter
Schriften, Hermann Zapf, ist jetzt im
gesegneten Alter von 96 Jahren gestorben (Nachruf von Heise).
-
Ich muß feststellen, daß ich doch mit
Dilbert in einigen Punkten
übereinstimme.
Lügenpresse
-
In Telepolis ist ein Interview mit einem Politikwissenschaftler
erschienen, der darin erklärt,
wieso es heute
in der Presse keine große Meinungsvielfalt mehr gibt.
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Zwei weitere Artikel diskutieren die Medienverdrossenheit: »Ärger mit der ›Lügenpresse‹« in der NZZ und eine »Internet-Installation« (ich weiß nicht, wie man das sonst nennen
könnte) des Spiegels.
-
Kennt Ihr Ken Jebsen? Nicht? Er ist ein unabhängiger und unbequemer
Journalist und eckt damit natürlich bei der Main-Stream-Presse gehörig
an, die daraufhin versucht, ihn auf die eine oder andere Art zu
diskreditieren. Fefe hat in seinem Blog schon mehrfach auf ihn verlinkt,
und daher kenne ich ihn auch. Er ist vielleicht nicht der sympatischste
Typ und man kann über ihn geteilter Meinung sein, aber man sollte meines
Erachtens mal gehört haben, was er zu sagen hat. In seinem YouTube-Kanal
habe
ich einen Clip gefunden, wo er als ehemaliger Waldorf-Schüler einen
Vortrag vor ebensolchen hält. Da er sich selber und seine Arbeit dort
auch vorstellt, ist der Clip vielleicht geeignet, ihn und seine Meinung
kennenzulernen. Der Vortrag dauert rund eine Stunde, aber man muß ihn
nicht unbedingt bis zum Ende schauen. Allerdings würde ich mir die
Seitenhiebe auf Gauck nicht entgehen lassen…
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
-
eine weitere Studie fordert die Abschaffung der Rundfunkgebühren und
Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Berichte bei
Heise, Golem und Stern).
-
Ein Journalist ist auf eine neue Idee gekommen, um (vorerst) um die
Zahlung der Rundfunkgebühren herumzukommen: Es gibt ein Gesetz (noch,
siehe oben zum Bargeld), das die Möglichkeit zur Barzahlung verlangt.
Der Beitragsservice bietet das aber nicht an.. Aufgrund des
Medienrummels hat sich der Beitragservice nun doch reagiert und zitiert
irgendwelche Regeln aus dem Rundfunkstaatsvertrag. Der Journalist ist aber der Meinung, daß diese Regeln nicht über
deutschem und europäischem Recht stehen kann. Bin mal gespannt, wie das
weitergeht… (Nachtrag: neuer Stand)
Man kann sich fragen, ob die Politiker weltweit sich Mittel in die Hand
geben wollen, um ihre Macht, ihre »freizügige« Interpretation der
Demokratie aufrecht zu erhalten, oder ob es bloß unendliche (dumme)
Technikgläubigkeit und Blauäugigkeit ist, wie Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne schreibt. Fakt ist aber, daß
wir alle wegen aberwitziger Versprechen in unserer Freiheit, in unseren
Grundrechten beschnitten werden, daß wir früher oder später bei uns die
Schere im Kopf ansetzen, und uns vieles nicht mehr sagen und tun trauen,
was eigentlich in einem freien Land selbstverständlich möglich sein
sollte.
Vorratsdatenspeicherung reloaded, Teil II
Jegliche Kritik ignorierend, als wäre sie nie ausgesprochen oder
niedergeschrieben worden, hat das Bundeskabinett den Entwurf von
Justizminister Maas durchgewunken, ganz gemäß dem vorher durchgesickerten
Zeitplans für das Durchprügeln der VDS durch’s Parlament.
-
Meldungen zu dem Beschluß bei
Heise, Zeit, Spiegel, Netzpolitik.
-
Golem zitiert zusätzlich noch die amtierende Bundesdatenschützerin
und ehemalige CDU-Abgeordnete Andrea Voßhoff, die die VDS inzwischen
für verfassungswidrig und falsch hält. Mittlerweile wird sie von ihrer
Partei geschnitten (s.u.). Voßhoff hat übrigens
gerade mal 30 Stunden Zeit
bekommen, um ihre Stellungnahme zu dem Enwurf abzugeben!
-
Wendehals Maas hält seinen Entwurf für
gerichtsfest (Artikel zitiert
Kritik der Grünen-Politikern Renate Künast sowie vom Rechstvorstand
Oliver Süme vom eco-Verband). Wer sich es wirklich antun will, wie Maas
wegen seines »Sinneswandels« in der Pressekonferenz herumeiert, kann das
in dem Transkript lesen, das Netzpolitik erstellt und veröffentlicht hat.
-
Bei soviel Kritik quer durch alle Schichten kommen jetzt die
Überwachungsfanatiker aus ihren Löchern gekrochen. Es fängt mit dem
Richterbund an.
Auch Patrik Sensburg geht die Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug.
Er sieht den jetzigen Entwurf lediglich als Startpunkt, den man dann salamimäßig Schritt für Schritt ausbauen
kann. Mit dieser Aussage disqualifiziert sich natürlich der Herr als
Vorsitzender des NSA-Untersuchungsausschusses. Aber hey! Wir wissen doch
alle, daß von vorneherein seine Aufgabe war und ist, den Skandal zu
vertuschen, die Arbeit des Ausschusses in die Länge zu ziehen und zu
boykottieren. Sonst hätte Snowden schon längst vor dem Ausschuß aussagen
können!
Ähnlich – lediglich als Schritt sieht das die Gewerkschaft der Polizei,
wie Heise berichtet (Artikel
weiter oben auch schon zitiert).
Den Vogel schießt jedoch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK),
meiner Überzeugung nach inoffizielle Nachfolgeorganisation der Gestapo
und Stasi, ab. Sie sprechen von einer »Pervertierung des
Grundrechtsschutzes«. »Auch die Beschränkung auf schwere Straftaten und
Terrorgefahr sei falsch: Telekommunikationsdaten würden heute auch bei
Alltagskriminalität wie dem Wohnungseinbruch und bei Betrugstaten
benötigt«, zitiert Golem den BDK. Die Urteile vom BVerfG und EuGH offenbar
nicht einmal im Ansatz verstanden!
-
Es gehen immer noch die Meinungen auseinander, ob es auf dem
bevorstehenden SPD-Parteikonvent noch eine Chance gibt, die VDS zu
kippen. Ein immer größer werdender Teil
der Basis ist freiheitsliebender als der Kopf der Partei und lehnt
sich dagegen auf. Auch der Spiegel berichtet. Langsam bekommt die CDU/CSU weiche Knie. Sie
diskreditiert die Kritik der Basis als »Hysterie« und fordert die
SPD-Führung auf, die Diskussion in der SPD beenden, was die dann auch
versucht. In solchen Momenten kann man mal wieder richtig sehen, was die
CDU/CSU von Demokratie – diesmal der innerparteilichen – hält.
-
Die Scheinheiligkeit der Politiker in Sachen VDS wird übrigens wieder
dadurch offensichtlich, daß nach dem Edathy-Skandal die Speicherfristen
im Bundestag nicht herauf-, sondern herabgesetzt wurden. Ich habe den Link in einem Beitrag
in einem Heise-Forum wiedergefunden.
-
Kommentar von Constanze Kurz (CCC) in einem Gastartikel bei der FAZ: »Vorratsdatenspeicherung: An der Grenze
des geltenden Rechts«
Weiteres in Deutschland
-
Eher im Hintergrund läuft die Reform des Verfassungsschutzes. Bei der
vorgesehenen Anhörung der Bundesdatenschutzbeauftragten und ehemaligen
CDU-Abgeordneten Voßhoff wurde diese kurzerhand von der CDU ausgeladen. Parlamentarische Demokratie
ist doch schon etwas lästiges, oder nicht, liebe CDU?
-
In
einem Gastbeitrag bei der Zeit beleuchtet Malte Spitz von den Grünen
den Datenschutz vom vernetzten Auto, auch bezüglich des demnächst
zwangsweise verbauten eCall-Systems und der Vorratsdatenspeicherung.
-
In Deutschland wird auch immer mehr
videoüberwacht. Die Kameras helfen
vielleicht zur Aufklärung, aber nicht, um irgendwelche Verbrechen zu
verhindern.
-
Telekotz läßt BND gegen Salär
Auslandsverbindungen abgreifen. Grünen-Politiker aus den
Nachbarländern wollen dagegen klagen.
-
Bei der ganzen Diskussion um NSA, BND, Vorratsdatenspeicherung usw.
geht an uns vorbei, daß eine weitere Behörde massiv schnüffeln und Rechte
verletzen darf: der Zoll! Schäuble will das sogar noch deutlich
ausbauen, da wird selbst die Gewerkschaft der Polizei neidisch!
Details & Links bei
Fefe.
-
Die Süddeutsche Zeitung berichtet über den Stand bei der Geschwindigkeits-Abschnitts-Kontrolle auf
Autobahnen in Deutschland, wie er in Österreich schon einige Jahre
existiert. Wie bei der Maut besteht die Gefahr, daß das System mißbraucht
wird und die Daten jenseits des ursprünglichen Zwecks genutzt werden. Vom
potentiellen Mißbrauch abgesehen wehre ich mich auch dagegen, immer und
überall diszipliniert zu werden.
-
Ein mittlerweile etwas älterer Artikel zum BND-Selektoren-Skandal in
der FAZ: »So handelt nur, wer Unangenehmes zu verbergen hat«
USA
-
In den USA geht es zur Zeit hoch her um die Verlängerung des Patriot
Acts, speziell, nachdem ein Gericht die US-Telefonüberwachung für illegal
erklärt hat (Süddeutsche Zeitung,
Heise, Engadget). Die Kontroverse liegt wohl auch daran, daß das Thema
Überwachung mittlerweile auch von den Amerikanern immer kritischer
betrachtet wird, wie
die
Zeit berichtet. Das FBI kann übrigens keinen Terrorfall nennen,
der durch die Befugnisse
gelöst werden konnte.
-
Die US-amerikanischen
Sicherheitsbehörden wollen jetzt auch massiv an die Kfz-Kennzeichen
heran, wollen sich aber selber nicht die Finger schmutzig machen. Sie
suchen private Firmen, die das für sie tun. Die üblichen Scheinargumente
wie »nationale Sicherheit« und »Kinderpornographie« müssen mal wieder
herhalten. Ach ja, die Daten sollen ohne Begrenzung, also bis in alle
Ewigkeit, gespeichert werden.
-
Philip Zimmermann, der Entwickler, der PGP geschrieben hat und somit
die Verschlüsselungstechnik für jedermann verfügbar gemacht hat, hat die
Schnauze voll und kehrt dem Big-Brother-Staat USA den Rücken zu.
Er zieht in die Schweiz. (via
Fefe)
Kanada
-
Ja, auch Kanada will nicht zurückbleiben im Wettbewerb um den
fortschrittlichsten Big Brother-Staat, und
beschließt neue
»Anti-Terror«-Gesetze (siehe auch Engadget). Der Rechtsstaat wird Stück für Stück abgeschafft: Die
freie Meinungsäußerung wird eingschränkt, denn eine falsche Äußerung kann
schon als terroristischer Akt gewertet werden, selbst wenn die Äußerung
nicht vorsätzlich gemacht wurde. Auch wer eine solche Äußerung Dritter
verbreitet, z.B. durch Social Media, oder auch nur im privaten Umfeld,
macht sich strafbar. In Kanada lebende Ausländer werden praktisch zum
Freiwild. Sie und ihre Anwälte bekommen keinen Einblick in die Vorwürfe,
wenn sie als Sicherheitsrisiko eingestuft werden. Generell bekommen die
Geheimdienste mehr Rechte zur Überwachung. Auch lesen einige die
Erlaubnis zur psychischen Folter aus den Gesetzen. Daß es zudem eine
geheime No-Fly-Liste geben wird, wirkt gegenüber den anderen Maßnahmen
noch als absolut harmlos.
Und eins noch: Ob Kanada, Deutschland oder Türkei: Massive Kritik aus
der Zivilgesellschaft wird einfach ignoriert. So funktioniert
»Demokratie« heute.
Großbritannien
Frankreich
-
Das Überwachungspaket, von dem ich früher schon berichtet habe, ist
jetzt durch. Berichte bei Heise,
Golem und Slashdot.
Seitdem die Ir(r)en in einer Volksabstimmung für die Homo-Ehe gestimmt
haben, wittern die Proponenten in Deutschland ihre Chance und haben eine
unvergleichliche Medienkampangne losgetreten. Dabei wird jeder, der nicht
in einer Millisekunde auf dem Homo-Ehen-Zug springt, als homophob,
intolerant und rückständig bezeichnet und ausgegrenzt (ich will ja nicht
Godwin’s Law in Gang setzen, sonst würde ich das mit einer überschäumenden
Begeisterung vor 80-90 Jahren vergleichen…). Das Recht, eine nicht
umfassend zustimmende Meinung zur Homo-Ehe und zur Homosexualität im
allgemeinen zu haben, wird zunehmend verweigert. Eine Minderheit aus wohl
5% versucht auf schamlose und aggressive Weise, der Mehrheit ihren Willen
aufzuzwingen. Und wie die Moslems fordern sie Toleranz, praktizieren sie
aber selber nicht. Das geht mir gewaltig auf die Nerven.
Selbst konservative Blätter reihen sich in den Reigen ein, wie zum
Beispiel die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Dort wird doch allen Ernstes die
Homo-Ehe damit begründet, daß die »Natur es bunt mag«. Es ist wohl so, daß
auch bei Tieren Homosexualität vorkommt. Aber dort schlägt nun mal Darwin
in vollem Umfang zu – sie vererbt sich nicht und wird so von der Natur
nicht gefördert. Zudem wird das übliche Cherry-Picking betrieben – der
Vergleich mit der Natur hinkt gewaltig. Es gibt Spinnenarten, bei denen das
Weibchen nach dem Akt das Männchen tötet und auffrißt. Ein Löwenmännchen
zwingt bisweilen ein Weibchen zur Partnerschaft und tötet zudem den
Nachwuchs des vertriebenen Vorgängers. Auch Prostitution, Vergewaltigungen
und Inzucht werden im Tierreich beobachtet. Folgt man der Logik der
Autorin, müßte man das alles legalisieren.
Und nicht nur im Tierreich gibt es andere soziale Gemeinschaften. Mir ist
aufgefallen, daß ich noch kein Argument für die Homo-Ehe gehört habe, das
nicht gleichzeitig auf Polygamie zutrifft. Wenn es angeblich
unproblematisch sein soll, daß zwei Männer oder zwei Frauen zusammenleben
und Kinder großziehen, warum nicht auch eine Gruppe von Frauen und/oder
Männern? Und es ist ja nicht so, daß Polygamie ein theoretisches Konstrukt
ist, sondern es wurde und wird praktiziert. Mich würde (ernsthaft!) mal die
Position der Proponenten dazu interessieren – das könnte entlarvend
werden!
Nebenbei, unabhängig von der Frage, ob gleichgeschlechtliche
Partnerschaften juristisch völlig der Partnerschaft zwischen einer Frau und
einem Mann gleichgestellt werden soll, sehe ich den Begriff »Ehe« nun
einfach per definitionem als letzeres und seit tausenden von Jahren im
Gebrauch. Und ich sehe keine Notwendigkeit, diese Definition zu ändern.
Inzwischen ist der Referentenentwurf für die neue Vorratsdatenspeicherung
veröffentlicht worden – nicht von der Bundesregierung, sondern von Netzpolitik, zusammen mit einem Aufruf, aktiv gegen die
Gesetzesinitiative zu werden. Die Autoren im Justizministerium haben sich
einen neuen Euphemismus für die VDS ausgedacht:
»Höchstspeicherfrist« !!! Da könnte man denken, das definiere eine
maximale Speicherdauer für die Verkehrsdaten, und dem Gesetz sei Genüge
getan, wenn der Provider überhaupt nichts speichern würde. Dem ist
natürlich nicht so.
Neben dem, was Maas und Maizière vorher schon schemenhaft angekündigt
hatten, manifestieren sich im Entwurf auch die im Vorfeld aufgedeckten
geheimen Absprachen zwischen Justiz- und Innenministerium um den
vereinfachten Zugriff auf die Bestandsdaten ohne richterliche Kontrolle.
Eine schäbige Lügnerei ohne Ende schon im Verfahren selbst – das ist
offenbar die Demokratie und Ehrlichkeit, wie die heutigen Politiker sie
verstehen.
Außerdem enthält der Gesetzenwurf im Huckepack Regelungen zur
(verschärften) Strafbarkeit der sogenannten Datenhehlerei, obwohl das Thema
mit der Vorratsdatenspeicherung absolut rein garnichts zu tun hat – eine in
den USA beliebte, aber dort genauso undemokratische Methode nimmt also
Einzug in das deutsche Gesetzgebungsverfahren. Es darf natürlich in dem
Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß das Gesetz den Behörden eine
großzügige Carte blanche mit wachsweichen Regelungen ausstellt, und damit
z.B. der Aufkauf von gestohlenen Bankkontendaten zur Ermittlung von
Steuersündern völlig legal wird.
Ein weiteres Thema ist, daß die Gesetzgebung durch’s Parlament gejagt
werden soll – wegen angeblicher Eilbedürftigkeit. Tatsächlich soll das
Gesetz laut Patrick Breyer (s.u.) aber erst 2017 in Kraft treten. Die
Eilbedürftigkeit ist also (scheinbar) überhaupt nicht gegeben. Tatsächlich
ist das aber ein doppelter Trick: Einerseits will man den Kritikern in den
eigenen Reihen (speziell in der SPD) und in der Zivilgesellschaft während
der Gesetzgebung sowenig Zeit wie möglich geben, den Widerstand zu
organisieren. Andererseits ist der Termin 2017 mit Bedacht gewählt, um das
Gesetz nach der Verabschiedung zu schützen. Der gemeine Bürger hat
nämlich nur ein Jahr lang die Möglichkeit, vor dem Bundesverfassungsgericht
direkt gegen ein Gesetz zu klagen, ohne die Instanzen durchlaufen zu
müssen. Dazu muß er aber gleichzeitig noch von dem Gesetz betroffen sein.
Wenn das Gesetz jedoch noch nicht in Kraft ist, dann ist er per
definitionem aber eben (noch) nicht betroffen. Und bis 2017 sind es –
potzblitz – noch eineinhalb Jahre… Je mehr ich darüber nachdenke, desto
mehr bekomme ich das Kotzen über diese Zwangsdemokraten von der CDU, CSU
und SPD!
Nun zu den Links:
Meldungen
(Juristische) Analysen
Sonstiges
-
Aus der Ecke der Netzbetreiber (von der Telekotz mal abgesehen)
kommt Kritik wegen den hohen Kosten möglicher Umsetzungen der VDS, was
vor allem kleine und mittlere Provider treffen würde und sie sogar zum
Konkurs führen könnte.
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Netzpolitik ruft auf, sich gegen die Vorratsdatenspeicherung zu engagieren.
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Noch bis zum 27.5. läuft eine Petition gegen die VDS. Offenbar wurde die nicht rechtzeitig
und umfassend unter’s Volk gebracht (habe sie selber auch sehr spät
entdeckt), sonst hätte ich mit einer hundertfachen Zahl Mitzeichnungen
gerechnet bzw. mir erhofft.
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Bei der re:publica15 gab es einen Vortrag von einem Mitglied des
Netzpolitk-Teams unter dem Titel »Lügen für die Vorratsdatenspeicherung«. Ich selber habe ihn
leider noch nicht angeschaut, könnte mir aber gut vorstellen, daß er
interessant ist.
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Irgendwo las ich (ich schätze mal in einem Kommentar im Heise-Forum),
daß sich das GCHQ auch über die VDS freuen dürfte. Nach britischer
Gesetzgebung darf er nämlich auf alle gesammelten Daten der britischen
Provider zugreifen, und der in Deutschland viel genutzte
Mobiltelefon-Provider Vodafone ist so einer. Das GCHQ bekommt die Daten
also auf einem Tablett serviert. Allerdings glaube ich, daß er die Daten
jetzt schon abgreift…
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Ich war am Samstag, den 23.5., in Hamburg auf der
»Freiheit-statt-Angst«-Demo (Beweisfoto hier, gemacht von den Piraten), die jetzt nicht mehr nur einmal im Jahr in Berlin
stattfindet, sondern dieses Jahr als eine
Tour durch
Deutschland organisiert wird. Hamburg war die zweite Station. Natürlich
waren nicht so viele Demonstranten zu erwarten wie bei der zentralen
Veranstaltung, und leider haben die Datenschützer mit dem allgemeinen
Abstumpfen der Bevölkerung zu kämpfen. So kamen nur 700-1.000 Leute
zusammen – zu wenig, um in der Presse und in den Staatsmedien Erwähnung
zu finden (auch dort gibt es ein bedauerliches Desinteresse).
Auf der positiven Seite ist aber zu vermelden, daß der Demozug durch
belebte Straßen ging, sodaß unsere Rufe nicht ungehört in den samstäglich
unbelebten Behörden- und Bürovierteln verhallten wie letztens in Berlin.
Zudem war neben Padeluun auch Patrick Breyer anwesend, der damals für den
AK Vorrat die Verfassungsbeschwerde gegen die erste Vorratsdatenspeicherung
mitverfaßte und sie damit zu Fall brachte. In seiner Rede erzählte er von
dem 2017-Problem (siehe oben). Er war aber zuversichtlich, auch dafür eine
Lösung zu finden. Daneben haben – soweit ich weiß – auch die Grünen und die
Linken angekündigt, vor dem BVerfG gegen die neue VDS zu klagen. Für sie
als Fraktion bzw. Abgeordnete gilt m.W. nicht die Voraussetzung der
persönlichen Betroffenheit, somit sollte für sie die Taktik der Groko
unerheblich sein.
Frei nach Murphy’s Law: Ein System macht immer dann Probleme, wenn
es für die nächste Zeit unerreichbar ist. So diesmal mein DSL-Router in
Zusammenarbeit mit meinem Provider. Nach den üblichen 24 Stunden ist die
Verbindung nicht richtig unterbrochen und neu aufgesetzt worden, sodaß
dieser Blog und andere auf dem gleichen System laufenden Webseiten nicht
mehr erreichbar waren, wobei mir letzteres aus bestimmten Gründen besonders
leid tut.
Aufgrund des Vorfalls konnte ich in den letzten 10 Tagen auch nicht meine
immer länger werdende Link-Liste zur VDS und anderen Themen in
Blog-Einträge umwandeln. Das werde ich aber noch nachholen, auch wenn
manches dann doch schon bißchen veraltet ist.
eCall
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Doppelt gemoppelt hält besser. Neben der Maut kommt jetzt die nächste
Überwachungsmöglichkeit für PKW. Die EU hat den letzten Schritt zur
Einführung von eCall getan: Das EU-Parlament hat den leicht
abgeänderten Entwurf des Rats nun final durchgewinkt. Zwar wird immer
wieder beteuert, ein Tracking sei nicht möglich, aber ein Blick in die
Foren der Medien, die bislang darüber berichtet haben, zeigt, daß niemand
mehr denen glaubt. Nach den Snowden-Enthüllungen und der Gewißheit, daß
es sich bei den EU-Behörden mehr um Lobbyistenbordelle als um
Institutionen handelt, die um das Wohl und die Freiheit der Bürger in der
EU bemüht sind, ist das auch nicht sonderlich verwunderlich.
Es fällt auch einem schwer zu glauben, daß der ganze Aufwand gemacht
wird, um angeblich 2.500 Menschenleben (oder gerade mal 10% der
Verkehrstoten) im Jahr zu retten, wobei ich davon ausgehe, daß diese
Zahlen wie üblich noch geschönt sind. Einige Foristen geben zum Beispiel
zu bedenken, daß allein in Deutschland rund 40.000 Menschen jährlich an
Infektionen in Krankenhäusern sterben. Das hinterläßt also eher den
Eindruck eines Totschlagarguments, um ein Produkt salonfähig zu machen
bzw. zu erzwingen, das dem Autofahrer eher wenig nutzt, aber bei Behörden
und in der Industrie auf großes Interesse stößt. Auch die Ablehnung der
Parlamentarier, das System abschaltbar zu machen, spricht hier Bände.
Ich hoffe, daß sich jetzt langsam mal die Datenschützer damit befassen,
auch wenn es eigentlich schon zu spät ist. Aus mir unverständlichen
Gründen hatten die das bislang nicht auf dem Radar. Vermutlich werden wir
aber bis zu den ersten Implementierungen warten müssen, bevor wir
wirklich wissen, was Sache ist.
Berichte gibt es bislang bei
Heise, Spiegel, FAZ und Golem.
Vorratsdatenspeicherung
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Nachdem Netzpolitik.org schon berichtet hatte, daß es offenbar
Nebenabsprachen innerhalb der Koalition gibt, den Richtervorbehalt für
Bestandsdatenabfragen zu streichen, und daß Maas und de Maizière gelogen
haben, liefern sie nun das entsprechende Dokument nach.
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Und als hätte es das EuGH-Urteil nicht gegeben, poltert nun der zur EU
ausrangierte Oettinger los und kündigt einen neuen Anlauf zur
Vorratsdatenspeicherung auf der EU-Ebene an, wie
Heise und Golem berichten.
Heise hat zwischenzeitlich seinen Artikel ergänzt. Es ist nicht
auszuschließen, daß Oettingers Vorpreschen ein nicht abgesprochener
Alleingang ist. Also nicht innerhalb der EU abgesprochen – als alter
Verschwörungstheoretiker schätze ich mal, daß der von der
Staatsratsvorsitzenden angestachelt wurde, damit sie dann in Deutschland
behaupten kann, daß da ein Konsens über die Legalität bestünde. Dagegen
spricht eine Meldung von vor zwei Wochen,
daß sich die EU wieder mit der
Vorratsdatenspeicherung beschäftigen wolle. Dann wäre aber das
Dementi gelogen.
Oettinger verhält sich zur Zeit sowieso wie ein Elefant im
Porzellanladen. Netzpolitik.org hat das Interview, in dem Oettinger auch seine
Bemühungen um die Vorratsdatenspeicherung darstellt, seziert. Ihnen
ist das Lachen im Halse steckengeblieben – u.a. auch wegen der abstrusen
und ver- und erlogenen Argumentation Oettingers.
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Die Grünen haben nun offiziell beschlossen,
gegen die Vorratsdatenspeicherung zu
kämpfen. Je mehr, desto besser. Als Bundestagsfraktion haben sie auch
mehr Möglichkeiten als die Normalsterblichen.
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Bei Netzpiloten.de gibt es ein recht interessantes Interview mit
Leutheusser-Schnarrenberger, der Vorgängerin von Maas, zu den jüngsten
Bestrebungen zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung.
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Die FAZ hat einen Artikel von der CCC-Sprecherin Constanze Kurz
veröffentlicht, in dem die praktische Rechtlosigkeit der Flugpassagiere
an den Flughäfen dargestellt wird, wenn es um ihre elektronischen Geräte und den darauf gespeicherten
Informationen geht.
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Die SZ analysiert die digitale Strategie der Bundesregierung und kommt
zum Schluß, daß diese das Internet
offenbar als die Ausgeburt des Bösen betrachtet.
BND-Skandal
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Die Links sind leider schon ein paar Tage alt, daher eigentlich nur für
Leser geeignet, die bislang im Tal der Ahnungslosen verweilten – aber
bevor ich sie wegschmeiße: Berichte bei Golem, beim Spiegel mit Kommentar und bei Heise.
Noch kocht das auf eher kleiner Flamme, aber das Feuer ist noch nicht
gelöscht, der Skandal hat noch Potential zum Überkochen!
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Zum BND-Skandal hat die Zeit einen schönen Zeitstrahl veröffentlicht mit den verschiedenen, bislang
bekannten Ereignissen sowie der zu diesen Zeitpunkten verantwortlichen
Personen. Da tauchen Namen wie Steinmeier, de Maizière und Pofalla auf.
Alles meine »Lieblinge«. Speziell Steinmeier sehe ich als schmierigen
Charakter, der leider als solcher bislang in der Öffentlichkeit nicht
wahrgenommen wird (im Gegensatz z.B. zu Schröder, dessen Stiefelputzer er
ja war).
Überwachung und Vorratsdatenspeicherung
Frankreich
Leider dreht es sich heute schon wieder hauptsächlich um Überwachung.
Bevor ich zur Vorratsdatenspeicherung komme, will ich erst noch über die
Pläne in Frankreich berichten, wie ich bei meinem letzten Beitrag schon
angekündigt hatte.
Frankreich ist also dabei, ein scharfes Abhörgesetz zu verabschieden, das
praktisch eine Totalüberwachung aller Bürger erlaubt. Liberté – adé –
Frankreich kann das bald aus seinem Motto streichen! Zwar sollen bestimmte
Bedingungen an die Erlaubnis geknüpft werden, die sind aber so umfänglich
und niedrig, daß sie praktisch permanent als erfüllt deklariert werden
können. Die Abhörerei soll zudem ohne echte juristische oder
parlamentarische Kontrolle erfolgen. Die französische
Bürgerrechtsorganisation »La Quadrature du Net« fordert zum Handeln und Widerstand auf (weiterer Bericht bei Golem).
Ich möchte an dieser Stelle auf zwei Punkte hinweisen: In Frankreich sind
die Sozialisten am Ruder, genau wie bei uns gilt dort: Links blinken,
rechts überholen. Zweitens sollte uns klar werden, daß die
Überwachungsfanatiker in Deutschland nach der Vorratsdatenspeicherung (wenn
sie die VDS am BVerfG vorbeibringen sollten) auch nicht aufhören werden.
Irgendeinen mörderischen Moslem, Piloten, Lokführer, Busfahrer oder einen
weiteren Edathy werden die schon aus der Tasche hervorzaubern.
Vorratsdatenspeicherung in Deutschland
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SPD-Verräter Heiko Maas ist nicht nur umgefallen, sondern hat
auch gelogen. In seiner Erklärung vor der Presse hatte er betont,
daß Daten vor massiven und unberechtigten Abfragen durch einen (sowie als
wertlos geltenden) Richtervorbehalt geschützt seien. Netzpolitik.org hat jedoch herausgefunden, daß dies für einen
Großteil der Daten, den Bestandsdaten, nach einer geheimen Nebenabrede
innerhalb der GroKo, nicht zutreffen soll. Was für ein dreckiges,
linkes Pack!
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Die Vorratsdatenspeicherung soll durch den Bundestag geprügelt werden –
möglichst noch vor der Sommerpause –, damit niemand Zeit hat
(insbesonders nicht die paar Widerspenstigen mit Restgewissen in der
SPD), sich den Gesetzestext durchzulesen und Widerstand zu organisieren.
Ausgeplaudert hat das der
CDU/CSU-Fraktionsvize und Schäuble-Schwiegersohn Thomas Strobl, von
dem ich noch nie ein intelligentes Wort gehört habe. In einer weiteren
Äußerung (siehe Artikel im nächsten Punkt) vergleicht Strobl die SPD mit
der KPdSU, weil einige SPDler die Position der SPD erstmal auf einem
Parteitag festlegen lassen wollen. Na ja, mit der CDU und CSU auf dem
Demokratieniveau von Diktaturen wie in Nordkorea oder Saudiarabien muß
man das ja schon als Lob sehen.
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Der erste SPD-Politiker verkündet, gegen die Vorratsdatenspeicherung zu stimmen.
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Selbst die Bundesdatenschützerin Voßhoff, die in ihrem früheren Leben
eine heiße Verfechterin der VDS war,
lehnt den neuen Entwurf wegen
Verletzung der Vorgaben des EuGHs ab.
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Die Polizei findet die VDS natürlich gut, aber auch die
Telekom. Wir kennen das ja schon,
die Großunternehmen gehen mit jedem ins Bett, wenn man nur Kasse machen
kann…
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Noch ein Hintergrundartikel bei
der Süddeutschen. Und ein weiterer beim Spiegel.
Und noch mehr Überwachung
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Unsere Geheimdienste wollen natürlich auch uns und den Rest der Welt
ausspionieren. Die Zeit berichtet, wie der Verfassungsschutz nach Vorbild NSA
schnüffeln will.
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Der deutsche, weltgrößte Internet-Austauschknoten DE-CIX will jetzt
gegen die erzwungene Überwachung durch
den Bundesnachrichtendienst klagen. Der Telekotz würde das nie
einfallen…
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Der Big Brother Award 2015 ist vergeben worden, u.a. an Mattel wegen
seiner neuen lauschenden Barbie-Puppe, an Amazon, an den BND
(Überwachung), an die Innenminister Maizière und Friedrich (Sabotage des
Datenschutzniveaus) und an den Gesundheitsminister Gröhe (eGK, eHealth).
Die lesenswerten Laudationes
finden sich auf den Seiten des Awards. Die Süddeutsche Zeitung hat
begleitend noch einen Artikel über den
Lauschangriff im Kinderzimmer
veröffentlicht.
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Wieviel Versprechen von Politikern, speziell solchen aus früheren
Legislaturperioden, wert sind – nämlich absolut gar nichts – kann man an
aktuellen Plänen der Bundesregierung sehen. Wurde uns nicht hochheilig
versprochen, daß die LKW-Maut-Daten nie und nimmer, bis zum Untergang der
Welt, die heiligen Mauern von TollCollect verlassen würden? Das könnte
bald Geschichte sein, denn die Bundesregierung will sie (anonymisiert) an
Dritte herausgeben, natürlich nur für Forschungszwecke und
Verkehrslenkung. Das ist halt die übliche Erosion der Grundrechte, die da
stattfindet, und leider haben das viele Bürger immer noch nicht
begriffen. Gestern überhaupt nicht, heute LKW, anonymisiert und für
Forschung, morgen PKW mit allen Details an Industrie und Behörden. Mehr
bei Golem und Heise.
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Die Firmen versuchen zwanghaft, alles zu vernetzen und mit der »Cloud«
zu verbinden – ob es einen Sinn hat oder nicht, ist dabei völlig egal.
Hauptsache möglichst ein Geräteleben lang dem Nutzer Geld abknöpfen, dann
noch Big Data (und Big Money) mit den Daten machen. Neuester
Protagonist auf der Bühne ist der Haushaltsgerätehersteller Miele, der
jetzt den Herd netztechnisch verkabeln will, damit Mutti den Herd vom
Tablett aus überwachen kann – vielleicht auch der »wann ist denn das
verdammte Mittagessen fertig« Papi. Die wahnsinnig pfiffige Idee
(Ironie!) ist, daß man die Herdeinstellung direkt aus dem Rezept
übernehmen kann! Gut, das war bisher so unheimlich schwierig, die
Backröhre auf 200°C zu stellen und den Wecker auf 60 Minuten. Auf der
anderen Seite würde mich schon interessieren, wie denn ein schönes
argentinisches Rinderfilet von so einem »intelligenten« Herd in ein Stück
Kohlebrikett umgeformt wird. Und die Hacker wird so ein neues
Betätigungsfeld auch interessieren. Einmal den Herd »durchglühen«. Von
hohem Stromverbrauch bis Wohnungsbrand ist da alles drin. Übrigens hat
Miele sich mit dem
»mir-fällt-kein-vernünftiges-Produkt-mehr-ein«-Hersteller Microsoft
verbündet, ein Garant für innovative, benutzerfreundliche und
standardkonforme Produkte… (Golem, Slashdot)
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Fefe hat ja mal so ungefähr geschrieben, der beste Schutz der Bürger
wäre die Inkompetenz der Regierung und der Behörden. So weit würde ich
nicht gehen, aber dran ist da schon etwas. Diesem Umstand haben wir
nämlich zu verdanken, daß wir im Moment noch ziemlich von den
Smart-Metern verschont bleiben, wie der Spiegel berichtet. Auch
Heise und Golem greifen das Thema auf. Von der Datenschutzproblematik mal
ganz abgesehen, finde ich es bedenklich, daß es immer noch Leute gibt,
die nicht begreifen, daß für den Bürger nichts billiger wird. Glaubt
jemand, die Stromkonzerne würden auch nur auf einen einzigen Cent
verzichten? Wofür?
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Den Stromverbrauch alleine messen reicht den Energieunternehmen
natürlich nicht. E.on will es schon ganz genau wissen wofür. Das Geschwafel von
E.on über den Datenschutz und »deutsche Server«, den der Artikel erwähnt,
ist einfach nur lächerlich. Das geht die einfach einen Scheißdreck an,
wann und was ich mache! Basta. (via S.)
Sonstiges
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Eine Islamisierung findet nicht statt. Kann ja nicht sein, was nicht
sein darf. Sonst hätte die Pegida ja recht. Also: Augen zu – oder besser:
Ohren zu, denn in Gladbeck ruft seit ein paar Tagen der Muezzin durch den
Lautsprecher. Angeblich mit nur 55 Dezibel, was der Lautstärke eines
einzelnen sprechenden Menschen entspräche. Dann bräuchte man aber keinen
Lautsprecher. Der Gebetsruf sei zudem ein Zeichen für die kulturelle
Vielfalt, so der Vorsitzende der dortigen Islamgemeinde. Ich muß aber dem
Leser-Kommentar #20 recht geben, der in dem üblicherweise im Ruf
enthaltenen Satz »Es gibt keine Gottheit außer Allah« gerade keine
Vielfalt sieht…
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Eine Islamisierung findet nicht statt. Die Absicht der in Deutschland
lebenden Salafisten, hier einen islamischen Staat zu errichten – wie es der Chef des Verfassungsschutzes, Maaßen, festgestellt haben
will, hat damit ja nun wirklich nichts zu tun. Oder?
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War mir nicht so bewußt: Fracking stellt nicht nur unter der Erde eine
Katastrophe an, sondern auch an der Oberfläche. Durch großen Flächenbedarf für
das engmaschige Netz aus Förderanlagen selber und durch die
Infrastruktur, die dieses Netz verbindet, wird die Natur zerschnitten und
verschandelt. Auch der hohe Wasserbedarf ist ein Riesenproblem. Resümee
der Autoren:
Im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien leistet Fracking somit
keinen Beitrag zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Energieversorgung,
sondern wäre ein Schritt zurück. Bestenfalls kann es sich um eine
Übergangslösung für wenige Jahre oder Jahrzehnte handeln – mit
erheblichen negativen Folgen für die Landschaft, mit denen sich
vermutlich noch Generationen nach uns befassen müssen.
Ein Grund mehr, der Bundesregierung mächtig auf die Finger zu
hauen.
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Die Fernsehunterhaltung ist am Ende, nicht nur in Deutschland, sie
ist implodiert.
Maßlos ist die Vorratsdatenspeicherung, weil sie jeden unter
Generalverdacht stellt, ohne wenn und aber, und uns die Freiheit nimmt,
unbekümmert zu kommunizieren. Egal, wie kurz oder lang die Daten
gespeichert werden.
Das hindert SPD-Vorzeige-Umfaller (und Arschkriecher, siehe
Zeit-Hintergrundinformation unten) Heiko Maas
(Bild aus
Twitter) nicht, die Vorratsdatenspeicherung auf Geheiß seines
Parteichefs und Oberpflaume (nicht nur wegen seiner Kopf- und Körperform)
Sigmar Gabriel weiterzutreiben. Bei der Recherche ist mir dieser SPD-Song von Marc-Uwe-Kling in die Hände gefallen, paßt schön.
Heute hat er die mit Mielke-Nachfolger Thomas DeMaizière abgesprochenen
Eckpunkte verkündet, sie stünden felsenfest (wollte wohl nicht das
»Alternativlos« der großen Staatsratsvorsitzenden nutzen). Das ganze soll
auch noch möglichst schnell durch den Bundestag geprügelt werden. Ach, und
das Ganze heißt jetzt »Höchstspeicherfrist« (nee, damit wird er in der
Presse nicht mehr durchkommen).
Meldungen mit Details u.a. bei Netzpolitik, Heise, Golem, Spiegel, Süddeutsche Zeitung
und FAZ.
Dazu gibt es noch ein paar Hintergrundinformationen:
Die ersten Kommentare sind auch schon da:
Laut Netzpolitik.org hat das Staatsfernsehen mal wieder seinen
Chef-Propagandisten Reinald Becker von der Leine gelassen. Die
Schönfärberei muß wohl haarsträubend sein.
Die ersten Kritiker haben den neuen Vorstoß schon als verfassungswidrig
eingestuft, und die Oppositionsparteien (inklusive der
außerparlamentarischen) haben auch schon Verfassungsklagen angekündigt.
Eine detailliertere Bewertung wird es vermutlich von den
Bürgerrechtsorganisationen, u.a. AK-Vorrat geben, speziell sobald die
Eckpunkte in ein konkretes Gesetz gegossen worden sind.
Ich kann nur jedem empfehlen, auf irgendeine Weise sich gegen die
Vorratsdatenspeicherung einzubringen, denn es ist nur der Anfang
(Frankreich ist dabei, den nächsten großen Schritt in Richtung 1984 zu
gehen, ich berichte demnächst). Entweder Briefe/E-Mails schreiben, wie
Sascha Lobo vorschlägt, auf Demos gehen oder Geld an die Aktivisten
spenden.
Sorry, irgendwie bin ich über Ostern nicht zum Schreiben gekommen. Am
fehlenden Material lag es nicht, die Welt ist nicht plötzlich besser
geworden…
TTIP
In den letzten Tagen gab es wieder vermehrt Meldungen zu TTIP und auch zu
der pazifischen Variante TTP. Bei den meisten dreht es sich wie bisher um
die Schiedsgerichte. Brandneu ist jedoch die Meldung, daß der eh schon
mickrige Wachstumseffekt von TTIP noch geringer ausfällt. (ich kann
dieses blöde Geschwafel um »Wachstum« sowieso nicht mehr hören – die
Wirtschaft muß endlich lernen, ohne Wachstum auszukommen. Die Natur hat es
auch nur deshalb geschafft, Milliarden Jahre zu überdauern, weil auch sie
zwar Wachstum liebt, aber nicht darauf angewiesen ist.)
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Auch dem Mittelstand geht mittlerweile ein Lichtlein auf, daß TTIP
vielleicht für sie doch nicht so ideal ist. Die Zeit hat ein Interview mit dem Präsidenten des Bundesverbands für mittelständische
Wirtschaft. Mario Ohoven, geführt. Der Mann antwortet aus meiner
Sicht unerwartet offen.
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An Mario Ohoven sollte sich der Präsident des Bundesverbands der
Deutschen Industrie, Ullrich Grillo, mal ein Beispiel nehmen. Grillo
fällt nichts besseres ein, als die
dumpfen, alten und falschen Parolen zu
wiederholen und uns Bürger Ignoranz vorzuwerfen. Aber wir wissen
mittlerweile, daß das Leute sind, die für die Vergrößerung ihres
Reichtums und ihrer Macht über Leichen und Demokratien gehen. Man muß
sich ja nur in Erinnerung rufen, wie damals die Großindustrie mit den
Nazis paktiert hat.
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Wie private Schiedsgerichte schon heute die Demokratie aushebeln,
dokumentiert die Zeit an einem Beispiel. Es geht um ein Kohlekraftwerk in Hamburg. Die Stadt hat sich vor
einem Schiedsgerichtsverfahren mit dem Betreiber Vattenfall verglichen
und muß jetzt EU-Recht brechen. Das provoziert nun ein
Vertragsverletzungsverfahren der EU. Die Zeit beschreibt weitere vier Fälle in einem älteren Artikel. Auch Fefe hat noch
einen Fall aus Rumänien
ausgegraben.
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Die TTIP-Gegner haben einen Erfolg
gegen die obskure Schönrechnerei von TTIP zu vermelden und die
EU-Kommission und die TTIP-Lobbyverbände blamiert! Daß der vermeintliche
Gehaltsbonus deutlich geringer ausfällt, weil bisher mit einem Haushalt
von vier Personen gerechnet wurde, tatsächlich der durchschnittliche
EU-Haushalt nur 2,4 Personen umfaßt, ist nur ein Aspekt. Foodwatch hat offenbar erreicht, daß die problematischen Studien
und die Aussagen daraus aus dem offiziellen »Propagandamaterial« entfernt
wurde.
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Die von Wikileaks veröffentlichten geheimen Verhandlungspapiere zu TPP,
der pazifischen Variante von TTIP, zeigen, daß die Schiedsgerichtsbarkeit
auch in die sog. »immateriellen« Güter hineinreicht und so
nationale Copyright- und
Patentregelungen aushebeln kann. Auch soll die Copyright-Schutzfrist
auf den US-amerikanischen »Standard« – die irrsinnig lange Zeit von 70
Jahre nach dem Tod des Urhebers(!!!) –
angehoben werden und Verletzungen
kriminalisiert werden, was zu Unmut führt.
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Die Amerikaner sehen wohl mittlerweile auch, daß die Schiedsgerichte in
Europa immer größerer Kritik ausgesetzt sind und bieten ihrem
europäischen Verhandlungspartner jetzt offenbar einen Tauschhandel an.
Das hört sich jetzt aber nach einer Wahl zwischen Pest und Cholera
an. Aber was will man sonst von den Amis erwarten?
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TTIP ist trotz massiven Protests der Bürger weiterhin Liebling der
Regierungen der EU-Staaten, wie Heise
ausführlich berichtet. Daß unser
Gabriel gerade mal wieder eine
»Kritikerversteher«-Position einnimmt, sollten wir meiner
bescheidenen Meinung nach einfach als Teil seiner
Beschwichtigungsstrategie betrachten – und ignorieren…
Überwachung
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Der Überwachungsfanatiker De Maizière kann das widerliche verlogene
Instrumentalisieren einfach nicht lassen: Der Absturz der
GermanWings-Maschine muß jetzt für die Forderung herhalten, daß die
Fluggesellschaften bei Flügen innerhalb des Schengenraums die Pässe der
Passagiere kontrollieren (und die Daten höchstwahrscheinlich auch
speichern) sollen, da bei dieser Katastrophe die deutschen Behörden
angeblich nicht genau gewußt hätten, wer sich an Bord befand. Dumm nur, daß die Spanier genau das machen. Also die ganze
Argumentation erstunken und erlogen… Ursprüngliche Berichte über den
Vorstoß auch bei der Süddeutschen
Zeitung und Zeit.
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Kaum besser, eher schlimmer ist der Kasper Gabriel. Der stellt die
dreiste Behauptung – natürlich ohne jeglichen Beweis – in den Raum, daß
mit der Vorratsdatenspeicherung sich einige der Morde des
Nationalsozialistischen Untergrunds hätten verhindern lassen. Zu
Recht ruft das Empörung hervor. Kritiker weisen darauf hin, daß damals
die Behörden schon alle erdenklichen Datenquellen angezapft hätten.
Insgesamt seien rund 32 Millionen Datensätze aufgehäuft worden,
wie die Süddeutsche Zeitung
berichtet. Das ist ja nun mal nach hinten losgegangen, wenn selbst der
ÖR darüber spottet.
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Captain Obvious: Überwachungsmöglichkeiten werden mißbraucht:
Deutsche Behörden greifen immer öfter
auf die Kontodaten deutscher Bürger zu. Von 2013 auf 2014 eine
Steigerung von 60%. Unsere Datenschützerin, die sich wider Erwarten nicht
ganz so Merkel-treu entwickelt, bemerkt: »Ursprünglich verfolgtes Ziel
war die Austrocknung der Finanzströme des Terrorismus. Die nunmehr
verfolgten Zwecke stehen hiermit in keiner Verbindung.« Und immer
schön daran denken: Bei der Vorratsdatenspeicherung würde es nicht
anders sein!
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Amnesty International verklagt
Großbritannien wegen Massenüberwachung vor dem Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte. Meine Prognose: selbst wenn sie erfolgreich sind,
wird sich nichts ändern. Leider.
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Dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist nicht
zu trauen. Diese Position habe ich schon immer vertreten. Schließlich
untersteht es dem Innenministerium und hat seinen Ursprung im
Geheimdienstmilieu. Jetzt endlich haben wir es aber Schwarz auf Weiß,
dank Netzpolitik. Das Amt hat absichtlich Leitfäden zur
Computersicherheit zurückgehalten, weil ihre Veröffentlichung die Chancen
für erfolgreiche Einsätze des Bundestrojaners verringert hätte.
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Der Oberfaschist der NSA hat nun erklärt,
wie er sich das mit den
Schlüsselhinterlegungen vorstellt: Der Schlüssel soll aufgeteilt und
bei verschiedenen Institutionen hinterlegt werden, u.a. beim Hersteller
selbst. Einfach nur lächerlich! Das macht das keinen Deut besser. Mit
seiner Möglichkeit der geheimen
National
Security Letters hat der US-Staat die Schlüssel sofort wieder
beisammen – auch in Massen –, ohne irgend jemandem Rechenschaft ablegen
zu müssen (insbesonders nicht den Zielpersonen). Das hat mit
Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun.
Ars Technica hat auch einen Artikel dazu. Ein Vertreter der
Industrie sieht das sehr kritisch:
I don’t believe that law enforcement has an absolute right to gain
access to every way in which two people may choose to communicate. [...]
And I don’t think our Founding Fathers would think so, either. The fact
that the Constitution offers a process for obtaining a search warrant
where there is probable cause is not support for the notion that it
should be illegal to make an unbreakable lock. These are two distinct
concepts.
Sonstiges