TTIP
Hatte ich mich letzte Woche darüber beschwert, daß das Thema aus dem
Fokus gerückt war, gibt es diese Woche doch ein paar Meldungen dazu. Es
stellt sich heraus, daß unser Wirtschaftsminister von der Verräterpartei
merk- und lernresistent ist. (Na ja, nicht wirklich neu, oder?) Den Gegnern
wirft er pauschal Unwissenheit über CETA & TTIP vor. Aber vielleicht
haben die sich einfach nur besser mit dem Thema beschäftigt als er?
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SPD und die Handelsabkommen: Erst hieß es,
die EU-Sozialdemokraten wollten
nachbessern, wird kurz darauf wieder dementiert. Die SPD und ihre EU-Genossen wissen wohl selber
nicht, was sie wollen. Vielleicht ist das auch nur eine Verwirrungstaktik
gegenüber den Bürgern, damit ihnen niemand hinterher einen Verrat in die
eine oder andere Richtung vorwerfen kann!
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Das Mißtrauen der deutschen Bürger gegenüber TTIP wächst weiter, wissen
der Spiegel und andere zu berichten. Innerhalb von knapp sechs
Monaten sank die Zustimmung von 48% auf 39%. Und das ist gut so!
Der Artikel erwähnt noch, wie sich der ehemalige Buchladenbesitzer und
jetzige EU-Parlamentspräsident Martin Schulz vor die Demonstranten stellt
und abgebügelt wird! Aber mit aller Gewalt versuchen Schulz, Cecilia
Malmström und die anderen Akteure den Protest kleinzureden, als nicht
repräsentativ darzustellen und zu ignorieren.
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In einem Video-Beitrag beschwert sich Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung über die Art und
Weise, wie TTIP verhandelt wird. Er meint, daß dies mit einer Demokratie
nicht vereinbar sei. Da stimme ich ihm voll zu. Aber haben wir denn noch
eine Demokratie (also nicht nur dem Namen nach)?
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Die Zeit greift ein Thema auf, von dem ich kürzlich schon berichtet
habe: Nämlich die Konsequenzen von TTIP für Entwicklungsländer.
Demokratie
Weil ich gerade so kritisch gefragt habe, ob wir noch eine Demokratie
haben: Eine neue Umfrage ergibt, daß ich mich in Gesellschaft von der
Mehrheit der Deutschen, nämlich 60%, befinde, die meint, daß das,
was in Deutschland passiert, nicht mehr viel mit Demokratie zu tun hat.
Auch die Zeit berichtet davon. Demnach sind auch 25% der Meinung, wir
wären auf den Weg in die nächste Diktatur. Das sehe ich auch so,
auch wenn diese ein anderes Antlitz als die Nazi- oder SED-Diktatur haben
wird.
Laut Zeit betrachten übrigens die Forscher Leute, die die (offenbar
gescheiterte) parlamentarische Demokratie durch eine »echte« Demokratie
ersetzen möchten, als »Extremisten«. Was sind das denn für Extremisten?
Demokratie-Extremisten?
Übrigens, damit Ihr, meine Leser, das nicht in den falschen Hals bekommt.
Ich bin nicht für eine Abschaffung der parlamentarischen Demokratie. Ich
bin für eine echte parlamentarische Demokratie, die den Satz 2 von
Artikel 38, Absatz 1 des Grundgesetzes (»Sie [Anm.: die Abgeordneten]
sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden
und nur ihrem Gewissen unterworfen«) auch wirklich umsetzt, gepaart mit
Volksentscheiden (und nicht -begehren), die eine ziemlich niedrige
Einstiegshürde haben und somit zum Regelfall werden.
Eine andere Studie kommt zu den Schluß, daß die Mehrheit,
53%, der Bürger in der EU kein Vertrauen in eben diese EU mehr
haben. Auch der Euro wird mittlerweile sehr kritisch gesehen. Speziell in
Deutschland ist die Zustimmung auf 13% abgerutscht, 37% sind für die
Rückkehr zur D-Mark. Der hirngewaschene Autor des Spiegel-Artikels setzt
natürlich die EU mit Europa gleich, auch wenn er sonst nicht versucht, das
kleinzureden (er spricht von einem »Totalversagen der Politik«).
Datenschutz
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Fefe berichtet, daß die
NSA gerne Hintertürchen in Kryptoalgorithmen haben möchte. Auch von ihm
stammt die Meldung, daß die Chinesen ihre Wirtschaft aufgefordert hat,
das gleiche zu tun, was bei
den Amerikanern zu Protesten
geführt hat. Alle Achtung: Soviel Doppeldenk und Realitätsverzerrung
muß man erstmal haben können! Das Thema ist wenige Tage später etwas
detaillierter von Heise aufgegriffen
worden.
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Seit langem mal wieder etwas Positives aus USA: Die amerikanische
Aufsichtsbehörde FCC hat sich im neuen Anlauf zu einer
weitestgehenden Netzneutralität
durchringen können. Das sollte Vorbildcharakter für Deutschland und
Europa haben! Bei Heise haben sie wohl gelost, wer einen
Pro- und einen
Kontra-Artikel schreiben mußte.
Der Kontra-Artikel ist zu recht von den Forumsteilnehmern verrissen
worden.
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Wie schon berichtet, will die EU auch Flugpassagierdaten sammeln. Jetzt
gibt es eine Arbeitsgruppe des Parlaments, geführt von einem britischen
Konservativen (oh Graus!). Die Daten sollen fünf Jahre gespeichert werden, und, laut Heise, auch für innereuropäische Flüge. Die Schwelle für den
Zugriff auf die Daten durch Behörden soll wohl auch nicht sonderlich hoch sein und über so schwammige Begriffe wie
»Computerbetrug« definiert sein. Au Backe! Angeblich soll ja das am
Ende dem EuGH vorgelegt werden, mit der Frage, ob das EU-konform ist,
speziell im Hinblick auf das kürzliche Vorratsdatenspeicherungs-Urteil
(das war wohl die Bedingung für das Umfallen des Parlaments).
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Dank der konservativen Kräfte in der EU droht ein »Reload« von ACTA,
die damals unter amerikanischen Einfluß entstandene und auf Druck aus der
Bevölkerung gekippte Urheberechtsreform, wie Netzpolitik berichtet.
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De-Mail ist bislang ein absoluter Mißerfolg, und das ist auch gut so!
Die Bundesregierung muß eingestehen, daß die »kritische Masse« noch nicht
erreicht sei, wie Heise und
Golem berichten. Es ist und bleibt halt ein bürokratisches,
technologisch gescheitertes Schwachsinnsprojekt.
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Gematik behauptet, die elektronische Gesundheitskarte sei von dem
Geheimdienstangriff auf den
Kartenhersteller nicht betroffen. Da die Schlüssel, mit denen die
Patientendaten verschlüsselt sind, sowieso als Kopie auf den
Gematik-Servern liegen sollen, ist das sowieso irrelevant. Das ist alles
so sicher wie der Haustürschlüssel unter der Fußmatte…
Ausländer-Maut und andere »mobile« Ärgernisse
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Diese Woche ist im Bundestag erstmals über das Mautgesetz diskutiert
worden, wie z.B. die Süddeutsche
Zeitung, die Zeit oder Heise berichten. Die SPD ziert sich noch ein bißchen, wird aber
am Ende doch umfallen (ich wette darauf!). Thema ist natürlich auch,
wieviel Geld am Ende von der Ausländer-Maut herauskommt und ob das nicht
alles schöngerechnet ist. Ein
Heise-Artikel beschäftigt sich
damit (siehe auch noch anderen
Heise-Artikel und diesen Zeit-Artikel über die Dobrindt-Kalkulation). Gegenwind kommt auch
weiterhin von der EU: Ein beauftragtes Gutachten kommt zum Schluß, daß
die Maut gegen EU-Recht verstößt.
Diese unsägliche Maut bringt auch einen Grünen-Politiker im Bundestag
in Rage; Ausschnitte beim Focus.
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Der EU-Rat hat die finalen Eckpunkte
zum problematischen eCall-System beschlossen. Zwar heißt es dort:
(21) … in particular to guarantee that vehicles equipped with
112-based eCall in-vehicle systems, in their normal operational status
related to 112 eCall, are not traceable and are not subject to any
constant tracking and that the minimum set of data sent by the
112-based eCall in-vehicle system includes the minimum information
required for the appropriate handling of emergency calls.
Aber ich traue den Brüdern einfach nicht. Stille SMS,
Aufweck-Broadcasts von den Mobilfunkmasten oder dergleichen, die das
Mobilfunkmodul zum Funken bewegen, wird schon noch ein Tracking
ermöglichen. Und wenn man es abklemmt, dann muß man es für den TÜV wieder
dranklemmen, denn die EU wünscht, daß der Funktionstest des Systems
Bestandteil der Überprüfung ist.
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Welches Bundesland hat die meisten Radarfallen? Laut »Mobil in
Deutschland e.V.« jenes, in dem Mercedes und Porsches gebaut werden. In Stuttgart
kommt auf 10.000 Autos ein festinstallierter Blitzer. (Da der Focus
praktisch nur abgeschrieben hat, habe ich direkt auf die Pressemitteilung
verlinkt.)
Sonstiges
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Ob ich noch lange auf Artikel der Süddeutschen Zeitung verlinke, weiß
ich nicht. Wenn nicht, dann liegt es nicht unbedingt an mir. Die SZ meint
nämlich, eine sog. Paywall (eingedeutscht »Bezahlschranke«) für ihren
Webauftritt hochziehen zu müssen, wie
Heise berichtet. 1,99€ für einen
einzelnen Tag oder 30€ für einen Monat sind schon ziemlich happig!
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Weil ich gerade bei der Vergütung von Presseerzeugnissen im Internet
bin: Es gab heute eine neue Anhörung, diesmal im Rechtsausschuß, zum
Leistungsschutzrecht. Grund war eine Gesetzesinitiative der Grünen
zur Abschaffung des LSR. Da Regierungsparteien aus Prinzip nicht
Initiativen der Opposition zustimmen können (das geht gar nicht, das wäre
ja Demokratie!), ist diese zum Scheitern verurteilt, auch wenn die
Tendenz der Sachverständigen ziemlich klar ist.
TTIP
Fast ein bißchen still geworden…
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Netzpolitik hat einen sehr langen Artikel, wie TTIP und TISA den
europäischen Datenschutz aufweichen werden. Ideen wie »Schengen-Routing«
und »EU-Cloud« wären dann Handelshemmnisse, die beseitigt werden
müßten.
Überwachung, Datenschutz und Co.
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Obama – grins – bittet Deutschland – ha – um –
gröll – Vertrauensvorschuß – ich schmeiß mich
weg!
Es geht um die NSA-Überwachung. Liebe Amerikaner: den Vorschuß, den ihr bislang
bekommen und übelst mißbraucht hattet, könnt ihr nie mehr im Rest eurer
erbärmlichen Existenz zurückzahlen. Eher noch haben die Griechen ihre
Schulden beglichen! Neuen Vorschuß gibt es nicht! Obama kann sich sein
Blabla sonstwohin stecken!
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Vorratsdatenspeicherung: Nach jedem Attentat kann man auf die
Uhr schauen und die Minuten zählen, bis über die Presseticker die erste
Meldung zu Forderungen zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung
kommt. So auch nach dem Anschlag in
Kopenhagen. Netzpolitik hat diesen »Beißreflex« mal für die letzten
Attentate dokumentiert.
Um bei sich die Vorratsdatenspeicherung voranzutreiben, nimmt sich
derweil der australische Premierminister namens Tony Abbott heraus zu
behaupten, in Deutschland könne im
Gegensatz zu Großbritannien Kindesmißbrauch überhaupt nicht bekämpft
werden, da es bei uns keine Vorratsdatenspeicherung gebe. Wie sich
doch überall die Mechanismen der Propaganda gleichen, inklusive der Lüge
und des Mißbrauchs des Kindermißbrauchs (und somit nochmaligem Mißbrauch
der Kinder)! Abbott ist wohl eine ähnlich verbrämte, religiöse und rechte
Dumpfbacke wie Bush und die ganze Tea Party-Mischpoke und auf ziemlich
absteigendem Ast in seinem Lande, wie diverse Kommentare im Heise-Forum
und dort enthaltene Links suggerieren.
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Die Schurkenstaaten Nr. 1 und 2 (ich meine die USA &
Großbritannien) haben sich wohl Zugang
zu den privaten Schlüsseln auf den SIM-Karten verschafft.
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Weil ich bei Schurkenstaaten bin: Was machen sie, wenn sie etwas
Illegales machen wollen? Sie legalisieren es. Und was will die
Bundesregierung, speziell das Innenministerium? Die gesetzeswidrige BND-Schnüffelei legalisieren und ausbauen!
(Siehe auch Heise). Das wird
hoffentlich vor dem Bundesverfassungsgericht enden, sollte das vom
Bundestag durchgewinkt werden.
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Das Faustrecht nimmt immer mehr überhand. Mexiko will jetzt wie die
Amerikaner auch an die Fluggastdaten (PNR) und erpreßt die Fluggesellschaften mittels Androhung hoher Geldstrafen zu
illegalem Handeln.
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Generell sind wir dank der
umfallenden Sozis im EU-Parlament nach dem Terroranschlag in Paris
jetzt auch in der EU schon ein Stückchen weiter mit der Einführung der
jahrelangen Speicherung von Fluggastdaten. Das EU-Parlament hat damit
seinen prinzipiellen Widerstand aufgegeben, auch wenn sie noch ein paar
kleine Hürden daran gebunden haben. Unklar ist, ob sich die Datensammlung
nur auf Flüge aus der und in die EU beziehen soll, wie Golem und die Zeit berichten. In einem anderen Artikel, dessen Link ich mir
leider nicht gemerkt habe, las ich, daß auch die Speicherung für
innereuropäische Flüge noch nicht vom Tisch sei.
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Die Franzosen sind ja neben den Briten auch ganz vorne dran, wenn es um
die Kontrolle des Internets geht. So
trat jetzt das Gesetz für Websperren in Kraft. Die Bürgerrechtler
wollen noch versuchen, das vor den Gerichten zu Fall zu bringen. Viel
Glück!
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Wenn man den Bock zum Gärtner machen würde: Verfassungsschutz will ein Ende der verschlüsselten
Kommunikation. Ich will ein Ende eines solchen
»Verfassungsschutzes«.
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Wieviel Vertrauen man der EU in Sachen Datenschutz schenken sollte,
kann man daran sehen, daß die EU die Weitergabe von Daten aus den Schengen-Datenbanken an Großbritannien
erlaubt, die ja bekanntlich eben nicht zum Schengen-Raum gehören.
(via Fefe)
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Das Wirtschaftsministerium will Smartmeter flächendeckend einführen,
wie Heise und Golem berichten. Neu ist, daß der Einbau bei Neubauten vorerst
nicht mehr verpflichtend sein soll, wenn der Verbrauch unter 6.000 kWh
liegt. Das ändert aber natürlich nichts an der Gesamtproblematik.
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Der amerikanische Senator Edward Markey hat alle Autohersteller, die in
USA Autos vertreiben, angeschrieben und gefragt, wie sie es denn mit der Datensammelei halten. Die Ergebnisse sind
eher erschreckend, aber nicht völlig unerwartet, wenn man sich mit der
Thematik beschäftigt hat. Der Senator hat zwar einen schönen Bericht veröffentlicht, leider aber ohne Hersteller explizit zu
nennen. Ich bin ja der Überzeugung, daß alle Daten, die auf Hardware, die
mir gehört (wie das Auto, das ich fahre), durch mein
Handeln erzeugt werden, ebenfalls mir gehören, und daß Hersteller
die erst nach meinem Einverständnis nutzen dürfen.
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Ebenfalls um den Datenschutz rund um das Auto ging es beim
Safer Internet Day, wo sich
Justizminister Maas und die Industrie ausgetauscht haben. Auch die
deutsche Industrie will natürlich den Autofahrer ausspionieren bis zum
Abwinken, und vollständige Hilfe von der Politik ist wohl nicht zu
erwarten.
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Samsung ist die Tage zweimal massiv in Kritik geraten: Ihre Fernseher
lauschen in Big-Brother-Manier mit und warten auf Kommandos. Sie behalten
die gesprochenen Worte aber nicht für sich, sondern schicken sie weiter
zu Samsung-Servern bzw. zu denen von Drittfirmen. Das steht wohl so in
den Datenschutz-Richtlinien drin, wie verschiedene Medien berichteten
(z.B. Stern, Spiegel, Zeit). Samsung beteuert aber, daß
dies nur für Suchanfragen gemacht
würde. Ein Trost?
Die zweite Geschichte ist, daß man sich über Samsung-Fernseher auch
Videostreams anschauen kann. Ein paar Zuschauer ärgerten sich über
Werbepausen beim Ansehen solcher Streams, und beschwerten sich beim
Anbieter, denn sie hätten ja schließlich für eine unterbrechungsfreie
Wiedergabe bezahlt. Wie sich dann herausstellte, war das nicht der
Streaming-Anbieter, sondern der Fernseher hat selbständig unterbrochen
und von Samsung bereitgestellte Werbung dargestellt.
Laut Samsung eine Option, die
versehentlich eingeschaltet war, obwohl sie standardmäßig hätte
ausgeschaltet sein sollen. Ja, ja…
Drohnenkrieg
Gentechnik
Integration
Sonstiges
TTIP
-
Ich hatte letztens schon berichtet, daß TTIP nicht nur durch die
Schiedsgerichte die Judikative der Demokratie unterwandern will, sondern
auch in die Legislative eingreifen will, indem die Wirtschaft
Gesetzesvorhaben absegnen dürfen soll, bevor sie die Parlamente überhaupt
erreichen. Die Wirtschaft soll sogar noch eigene Gesetzesvorschläge
einbringen können! Daß dies nicht zum Wohl der Bevölkerung sein wird,
kann sich jeder an seinen Fingern abzählen.
Campact hat jetzt
ein schönes Video herausgebracht, das diese Sauerei für jedermann
verständlich macht. Bitte weiterverbreiten!
-
Interessanter, lesenswerter Artikel bei Telepolis:
»Mit TTIP gegen
den Rest der Welt« – TTIP als Blaupause für Knebelverträge mit
Schwellen- und Dritte-Welt-Ländern und als Reaktion auf den Machtverlust
Amerikas und Europas bei der WTO, der Welthandelsorganisation.
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Was ist, wenn sich eine europäische Regierung über TTIP informieren
will? Die USA ist so gnädig, zwei Beamten maximal zwei Stunden Einblick
in den Entwurf zu gewähren. In den Räumen der US-Botschaft. Ohne
elektronische Aufzeichnungsgeräte, nur mit Blatt und Bleistift. Unter
ständiger Beobachtung durch das Botschaftspersonal. Das ist doch die
brutalstmögliche Transparenz, oder? Der Tagesspiegel berichtet (via
Fefe).
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Oh, es geht weiter mit den gekauften Artikeln in der Lügenpresse. Ein
weiterer Artikel in der FAZ, diesmal in der Form eines »Aufklärungsartikels«. Auch wird
die Mär von den vielen hunderttausend neuen Arbeitsplätzen und den
Vorteilen in Milliardenhöhe wiederholt. Hierzu gebe ich folgendes zu
bedenken: Selbst wenn durch den Abbau von Zöllen und Harmonisierung von
Standards der Handel steigen würde, ist das noch lange keine
Win-Win-Situation. Wachstumsmärkte gibt es kaum, die meisten Märkte sind
saturiert. Das heißt, es existiert dort ein Verdrängungswettbewerb. Wird
von einem Land ins andere mehr exportiert, gibt es auf der einen Seite
mehr, auf der anderen Seite weniger Arbeitsplätze. NAFTA sollte hier als
warnendes Beispiel gelten. Auch den Abbau von Zöllen sehe ich sehr
kritisch. Denn wohin fließen die Zölle? In den Staatshaushalt. Fallen die
nun geringer aus, wird der Staat sich das Geld anderswo holen, denn ich
gehe nicht davon aus, daß ein Staat seinen Etat verkleinern will. Am Ende
wird auch hier der Bürger die Zeche zahlen müssen.
Auch der Spiegel bringt einen TTIP-Promotion-Artikel, der TTIP einerseits kleinredet und
andererseits es als Notwendigkeit im Kampf in der globalen
Marktwirtschaft sieht (siehe auch den oben erwähnten Telepolis-Artikel,
der das aus anderer Perspektive beleuchtet).
Überwachung & Co.
Religion
-
»Gott ist total boshaft«, sagt der britische Schauspieler und Autor
Stephen Fry in einem Inteview, wie die FAZ berichtet. Es muß wohl ein bekannter, streitbarer Charakter
sein, der soetwas nicht zum ersten Mal getan hat. Ich komme nicht umhin,
ihm weitestgehend rechtzugeben.
Hier ist übrigens
das Video, von dem die FAZ spricht, aber nicht dorthin verlinkt.
-
Ich kann Alice Schwarzer überhaupt nicht ausstehen, eine grauenhafte
Person. Umso schwerer fällt es mir, ihrer Kritik an Merkel bezüglich ihrer Haltung zum Islam
zuzustimmen.
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Um das Frauenbild im Islam ging es auch in einer Predigt eines Imam in
einer Berliner Moschee, die auch als Treffpunkt für Salafisten gilt.
Frauen gehörten eingesperrt und müßten immer für Sex zur Verfügung
stehen, so der Tenor. Auch wenn es nur ein Gastprediger war, ist doch
schon sehr befremdlich, daß so einem Radikalen hier von der Moschee eine
Plattform geboten wurde. Nicht nur der Verfassungsschutz wurde hellhörig,
auch der Türkische Bund Berlin-Brandenburg stellte wohl eine Anzeige.
-
Die Zeit hat einen recht interessanten Artikel
zu
dem Konflikt zwischen Islam und Christentum. Wobei ich dem Autor
insofern nicht zustimme, daß wir unsere abendländische Kultur besonders
dem Christentum zu verdanken hätten. Der Dank gebührt der Aufklärung,
gegen die sich die Kirche massiv gewehrt hat und es bis heute zum Teil
immer noch tut.
Sonstiges
-
Ein ehemaliger Reporter, ein Herr Fröhder, der jahrzehntelange als
freier Reporter für die Tagesschau und Tagesthemen gearbeitet hat,
rechnet mit diesen im Spiegel ab – und bestätigt voll und ganz
meine Meinung:
»Mich nervt diese sprachliche Verlotterung! In den Beiträgen wimmelt
es von Grammatikfehlern. Da ist die Anmoderation des Sprechers identisch
mit den ersten zwei Sätzen des Films. Und dann dieses ständige
Geduze!«
In Tagesschau und Tagesthemen würden »bloß scheinbar relevante Fakten
hintereinandergefügt, anstatt sie zu hinterfragen«, so Fröhder. »Wenn
ich diese Aufsager vor den Parteizentralen und dem Kanzleramt schon
sehe! Die kommen einfach von der Routine nicht weg.«
-
Gerade erst das schwachsinnige – weil äußerst schwammig und über das
Ziel hinausschießend – Edathy-Gesetz durchgesetzt, setzt der
Justizminister mit dem neuen Anti-Terror-Gesetz nach. Kommentatoren im
Spiegel und in der Süddeutschen
Zeitung sehen das als völlig überflüssig und daneben. Der Entwurf
diene zur Verfolgung von vermeintlicher Gesinnung statt von Straftaten
und kriminalisiere neutrale Handlungen. So verlasse er den Bereich der
Rechtsstaatlichkeit. Sie werfen Maas Symbolpolitik vor.
-
Der Bundesrat kritisiert Dobrindts
Ausländermaut (neuerdings auch als Pegida-Maut beschimpft)
scharf.
-
Das Kanzleramt verhindert mit allen Mitteln, daß die Presse Zugang zu
dem Briefwechsel Schröders und seinem damaligen griechischen Amtskollegen
Simitis im Vorfeld des Beitritts Griechenlands zum Euro erlangt. Da
liegen wohl ein paar Leichen im Keller.
Überwachung
-
Es ist jetzt herausgekommen, daß die US-Amerikaner massenweise
Autokennzeichen scannen und bevorraten. Ursprünglich gedacht, um im
Grenzgebiet zu Mexiko Drogenkuriere zu identifizieren, hat auch hier der
von Überwachungskritikern immer wieder befürchtete Ausweitungseffekt
zugeschlagen – hier räumlich wie auch von der Nutzung: Berichte bei
Engadget, Süddeutscher
Zeitung und Heise.
-
Nachdem, wie berichtet, Großbritannien und andere EU-Staaten
vorgeprescht sind, will die EU das Thema Fluggastdatenspeicherung
vorantreiben, wie z.B. Spiegel und Golem berichten. »Lustig« finde ich das ja mit der Anonymisierung
nach sieben Tagen. Das ist natürlich reines 1984er Neusprech, denn
anonymisiert wird da gar nichts. Einzig bekommt da ein Personenkreis nach
der Zeit nicht mehr alles zu sehen. Auch die Innenminister der EU-Staaten
machen bei diesem Müll mit (Süddeutsche
Zeitung, Heise).
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Siri, die Spracherkennungssoftware auf Apples iPhones und iPads (und
vielleicht bald auch auf Apple-PCs)
plaudert die Kontaktdaten des
Gerätebesitzers an jeden, der fragt, aus – auch wenn das Gerät
gesperrt ist!!! Daß Siri cloud-basiert und damit somit sowieso
höchstkritisch ist, sei nur am Rande erwähnt.
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Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne über Verschlüsselung: De Maizière erklärt sich selbst den Krypto-Krieg
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Vorratsdatenspeicherung von der EU
nicht mehr weiter verfolgt? Das war dann doch wohl eher eine Finte,
wie Netzpolitik berichtet. Man weiß nur noch nicht genau, wie man das
anpacken will. Auf jeden Fall breiter. Nach deren
Wunschvorstellungen soll auch Social Media als zu bevorratenden Metadaten
deklariert werden.
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Ein Appell, der in Brüssel und in den Hauptstädten ungehört verhallen
wird: Der Ex-Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung schreibt in
der Süddeutschen Zeitung: »Anschläge von
Paris dürfen nicht Europas 9/11 werden«
-
Auch der Europarat warnt: »Massenüberwachung ist eine grundlegende Bedrohung der
Menschenrechte«
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Hat man ihr nicht zugetraut: Die aktuelle Bundesdatenschützerin Andrea
Voßhoff, die als nur ein schwacher Ersatz für ihren Vorgänger Peter
Schaar und als Merkel-hörig gilt, hat ihre Position zur Vorratsdatenspeicherung geändert.
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Mega-Peinlichkeit für BMW: Die mittlerweile in fast allen Modellen
zwangsweise verbaute Überwachungswanze »ConnectedDrive« (der Nutzen für
den Kunden gegenüber einem Mobiltelefon ist ziemlich marginal) hatte eine
schwere Sicherheitslücke, die jedem das Öffnen der Türen oder Aktivieren
der Warnblinkanlage ermöglichte (und vielleicht auch noch mehr), wie
Focus und Heise berichten.
Wenn ich den Heise-Artikel lese, lief bislang die Kommunikation
unverschlüsselt ab! Erschreckend in diesem Zusammenhang ist auch die
Erkenntnis, daß BMW die Software von ConnectedDrive über das
Mobilfunknetz aktualisieren kann! Das ist für Polizei- und
Überwachungsstaaten bestimmt sehr wertvoll. Privacy-by-design oder auch
security-by-design ist da was anderes, BMW!
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Immer wieder die gleichen Forderungen merkbefreiter Leute: Der
Präsident des Verkehrsgerichtstags will die Mautdaten für die Verbrechensaufklärung nutzen.
-
Peter Sunde, der gerade aus dem Gefängnis entlassene Mitbegründer von
The Pirate Bay, des größten P2P-Verzeichnisses urhebergeschützten
Materials, zieht eine ziemlich negative Bilanz des Kampfes um die Freiheit.
Auf einen Erfolg kämen zehn Niederlagen. Der Mensch werde zur wandelnden
Geldbörse degradiert. Ich muß ihm leider im großen und ganzen
rechtgeben.
-
Heise berichtet über die weitere
Diskussion um das Ausforschen verschlüsselter Kommunikation mittels
Quellen-TKÜ.
TTIP, CETA und Co.
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Große Sauerei: EU und die USA wollen sich bei TTIP gegenseitig
das Recht geben, bei Gesetzgebungsverfahren einzugreifen. Alle
Gesetzesvorhaben müßten dem Partner angekündigt und ihm gegenüber auch
gerechtfertigt werden. Insbesonders sollen dadurch Gesetze verhindert
werden, die der Wirtschaft schaden (und vielleicht den Bürgern nutzen).
Das ist natürlich eine weitere Aushöhlung der Souveränität sowohl der
Bürger in der EU als auch in den USA. Unter anderen berichten der
Spiegel, die FAZ und die
Zeit.
-
TTIP-Auswirkungen in die andere Richtung: Die EU hat – auch wenn man's
nicht glaubt – offenbar eine viel schwächere Bankenregulierung als die
USA. Die TTIP-Gegner fürchten nun, daß in Folge eines TTIP-Abkommens die USA ihre Regulierung auf
EU-Niveau herunterschrauben müßte.
-
Eine Frau aus Lüdenscheid bereitet eine Klage gegen CETA vor dem
Bundesverfassungsgericht vor. Wer sie unterstützen will, ob durch
Unterschrift, Mitkläger oder Geldspender, findet hier weitere Informationen.
-
Oh, das riecht nach einem gesponserten Artikel, liebe FAZ! Wenn Obama und Merkel für TTIP sind, dann
müsse es doch richtig sein, schwingt es da mit. Und, oh Drama,
Deutschland sei Schlußlicht! Worin? In der Zustimmungsquote zu TTIP. Das
ist eine Standpunktfrage: Nein, lieber Autor, wir sind die Spitze! Das
sehen auch die meisten der Kommentatoren unter dem Artikel so. Einer von
ihnen hat bei Wikipedia über den Autor Frankenberger nachgelesen.
Dort wird er als so etwas wie ein vernetztes Sprachrohr der Elite
bezeichnet.
Maut
-
Die Zeit hat sich vor Gericht
erstritten, daß Dobrindt bzw. sein Ministerium im Detail offenlegen
muß, wie er/es auf die antizipierten dreistelligen Millioneneinnahmen
durch die Maut kommt. Wenn die sich so geweigert haben, wird wohl nicht
viel dran sein an deren Rechnung. Mal schauen, was die Zeit berichten
wird.
-
Das große Hindernis bei der Maut ist die EU, die eine
Ungleichbehandlung der Ausländer fürchtet. Die zuständige Kommissarin Violeta Bulc will dann lieber
mittelfristig eine universelle, einheitliche Maut in ganz Europa
(siehe auch Heise). Am besten
entfernungsbasiert, mit tollster Schnüffelhochtechnologie, die der Markt
so bietet. Am Ende kommt natürlich der obligatorische, nie ernst gemeinte
Spruch, daß alles datenschutzkonform passieren müsse.
-
Datenschutz steht auch bei der deutschen Lösung nicht wirklich auf der
Agenda. Heise berichtet, daß bis
heute keine technischen Details bekannt sind. Wenn aber schon seitens des
Ministeriums argumentiert wird, daß Mautdaten nicht ähnlich zu
Kommuniktationsverbindungsdaten seien (was aber natürlich so ist) und
Alternativen ohne elektronische Erfassung nicht bekannt seien, dann ist
da nicht mit einer Lösung zu rechnen, die von den Datenschützern
akzeptiert werden könnte.
-
Bei der Zeit gibt es auch noch Pappköpfe, die die Maut generell für
richtig halten. Daß die Mineralölsteuer bereits eine
entfernungsabhängige Maut darstellt (und sogar ökologisch differenziert,
weil Spritschleudern mehr zahlen), ist bei dem Schreiber noch nicht
angekommen.
Sonstiges
-
Wenigstens die Schweizer dürfen über die Finanzierung ihres öffentlich-rechtlichen Rundfunks
abstimmen.
-
Gegen die Finanzierung des deutschen ÖR gibt es eine schon länger laufende Petition mit immerhin schon über 540.000
Unterschriften. Dort findet sich auch ein Link zu einem
FAQ
rund um den Protest und um die Klagen gegen die Rundfunkabgabe. Eine
weitere Aktion ist die sogenannte
»Ständige
Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien«. Sie machen den
Rundfunkanstalten durch formale Beschwerden, die von diesen bearbeitet
werden müssen, das Leben schwer.
-
Was für ein Schwachsinn: Der
Verkehrsgerichtstag fordert 80 km/h auf
Landstraßen, sowohl für PKW als auch LKW, damit es keinen Grund mehr
gäbe, die LKW gefährlich zu überholen. Daß es dann schwerere Unfälle mit
LKW (wegen der höheren kinetischen Energie) gibt, ist wohl Nebensache.
Wenn es um Einschränkungen der Freiheit geht, dann ist natürlich
die Polizeigewerkschaft auch gleich dabei. In Nordrhein-Westfalen
bräuchte man übrigens gar nicht viel zu ändern. Hier darf man auf den
meisten Straßen eh nur 70 km/h fahren, selbst auf breiten, frisch
asphaltierten Straßen.
-
Der umstrittene Kopp-Verlag berichtet in seinem Blog von dem faulen EU-Kompromiß zur grünen Gentechnik, wo Monsanto & Co.
erfolgreich ein trojanisches Pferd eingebaut haben.
-
Lügenpresse: In Berlin ist wieder ein brutaler Ehrenmord durch einen
Türken passiert, und die politisch korrekte Presse unterdrückt die
Motivation und die Herkunft des Täters solange, bis es nicht mehr zu
verheimlichen ist. Ein anderer Beitrag im Blog des Kopp-Verlags
beleuchtet diese ganze Ehrenmord-Geschichten und enthält den Vorwurf, daß die Täter in
Deutschland auch noch einen Kulturbonus vor den Gerichten bekämen.
-
Václav Klaus, der ehemalige Präsident Tschechiens, war nie ein großer
Freund der EU. Dem Focus gab er ein Interview mit einem vernichtenden Urteil über
die EU. Vielem kann ich vollumfänglich zustimmen, z.B. diesen beiden
Aussagen:
»Ich lebe in einer Welt, die stark von oben herab bestimmt wird. Ich
habe damals gedacht, dieses Prinzip sei mit dem Fall des Kommunismus
gestorben. Doch jetzt sehen wir etwas sehr ähnliches.«
»… Andererseits gibt es die europäischen Institutionen. Da ist gar
nicht die Frage nach einem Demokratiedefizit, es geht um ein komplettes
Fehlen von Demokratie. Das als ›Defizit‹ zu bezeichnen, ist zu politisch
korrekt.«
-
Wolfgang Kubicki, FDP, sagt, wie immer, seine Meinung frei heraus:
Diesmal zu den USA-Absichten im Ukraine-Konflikt: »USA wollen Putin stürzen«. Glaube ich sofort. Die USA-treue
Pfeife Lindner ist natürlich not amused, aber wo wohnt der, den das
interessiert…
Ich mache da gerade meine ersten Erfahrungen. Die sind zum Glück bei
weitem noch nicht so schlimm wie die hier (Kommentare lesen!). Dazu kann man nur sagen: Wir leben in
einem tollen Rechtsstaat: Macht man von seinem Recht Gebrauch (z.B. dem
Klagerecht oder dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung), wird man
beschimpft, drangsaliert, genötigt und erpreßt. Und viele machen mit. Mir
soll noch jemand erklären, die Menschen hätten irgendetwas aus unseren zwei
totalitären Staatssystemen gelernt.
TTIP & Co.
-
Hmm, lecker: Babynahrung mit Pestiziden. Dank TTIP wird das absolute Verbot
von Pestiziden nicht zu halten sein.
-
Wenn in Deutschland ein Thema bei der Bevölkerung unten durch ist, dann
macht es Merkel zur Chefsache. Nun so
bei TTIP. Denn wenn Mutti es macht, dann wird alles gut – so muß sich
wohl Merkel in der Bevölkerung sehen, gestützt durch die hohen
Beliebtheitswerte der Staatsratsvorsitzenden, die ich mir beim besten
Willen nicht erklären kann.
-
Die EU will nicht nur die 95% negativen Einwendungen zu TTIP
ignorieren, sie hat auch Angst, daß ihr nationale Parlamente bei TTIP und
CETA querschießen. Die österreichische Sektion von Greenpeace hat nun
aufgedeckt, daß die zuständige Kommissarin Cecilia Malmström versucht, diese auszuhebeln, und
zwar dadurch, daß die EU mit den Amerikanern und Kanadiern die
»vorläufige Anwendung« vereinbart, noch bevor überhaupt TTIP und CETA
ratifiziert wird. Wahnsinn, oder? (via
Fefe)
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Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Siegfried Broß,
sieht in den TTIP-Schiedsgerichten einen
klaren Verstoß gegen das Verfassungs-,
EU- und Völkerrecht.
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Die Zeit hat ein Interview mit der Lobbykritikerin Pia Eberhardt zum
TTIP-Investorenschutz: »Die EU-Kommission verhöhnt die Demokratie«.
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TISA wird geheim verhandelt. Und damit wirklich nichts herauskommt, in
der australischen Botschaft. Die Amerikaner möchten zudem, daß der
Vertragstext frühestens fünf Jahre nach Abschluß im vollen Umfang
bekannt wird. Mehr zu TISA in einem
Artikel der Süddeutschen Zeitung (via
Fefe).
Sonstige Politik
eGK/eHealth
Lügenpresse
Islam
Das Grundrecht, sich unbeobachtet zu bewegen, sei es in der realen Welt
oder im Internet, droht nun final unter die Räder zu kommen. Die Attentate
auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt kommen den Feinden der
Freiheit in den Politikerriegen der EU-Staaten und der EU selber gerade
recht, egal, ob die nun geforderten Maßnahmen diese hätten verhindern
können oder nicht.
Da wäre zum einen die nun wieder aufkommenden Forderungen nach der
Vorratsdatenspeicherung, wie ich auch schon berichtet habe. Merkel hat das
in ihrer Regierungserklärung nochmal betont. Schizophren dabei ist, daß sie
sagt, es verbiete sich der Generalverdacht gegen die Moslems, aber sie
gleichzeitig den Generalverdacht gegen alle durch die
Vorratsdatenspeicherung gutheißt. Und offenbar ist die SPD jetzt auch schon final umgefallen.
Sascha Lobo hat hierzu noch einen passenden Kommentar über die
Nutzlosigkeit der VDS veröffentlicht.
Neu sind aber die Forderungen, die Nutzung von
Verschlüsselungstechnologien zu verbieten oder so einzuschränken, daß der
Staat immer mitlesen kann, wann immer er es gerne möchte. David Cameron,
Regierungschef des Landes, in dem der Roman 1984 spielt und das heute dem
dortigen fiktiven Überwachungsstaat am nahesten kommt, startete die
öffentliche Diskussion. Auch davon hatte ich in einem früheren Beitrag
schon geschrieben.
Daß Großbritanniens bester Schnüffelpartner, die USA,
Camerons Vorschlag sofort aufgreift
(siehe auch Golem.de), ist nicht weiter verwunderlich. Nach Initiative des
EU-Anti-Terror-Koordinators Gilles de Kerchove findet
aber auch der EU-Rat Gefallen an dieser
blöden Idee, und Überwachungsfreund de Maizière ist ebenfalls auf den
Zug aufgesprungen, wie Heise.de und
Golem.de berichten. Erste Überlegungen hat das Innenministerium auch schon bekanntgegeben.
Das ganze stößt natürlich auf harsche Kritik. Verschlüsselung zu
verbieten, abzuschwächen oder auszuhebeln bietet nicht nur den Behörden die
Möglichkeit mitzulesen, sondern auch fremden, nicht »befreundeten«
Geheimdiensten wie China oder Rußland sowie Kriminellen. Geschwächte
Kryptographie beeinträchtigt nicht nur Privatpersonen, sondern auch
Wirtschaftsunternehmen (Stichwort Spionage von Wirtschaftsgeheimnissen) und
Banken und gefährdet die Sicherheit von (Atom-) Kraftwerken, Krankenhäusern
und sonstiger Infrastruktur.
Die Grünen kritisieren diese Idee vehement und konstatieren der Bundesregierung fast schon genüßlich
Schizophrenie, weil die Bundesregierung erst vor kurzem im Zuge der
Snowden-Affäre beschlossen hatte, Deutschland solle das
»Verschlüsselungsland Nummer eins« werden.
Kritik kommt nicht nur von den Grünen, selbst bei den Mitläufern der SPD
regt sich ein bißchen soetwas wie Ablehnung. Große Ablehnung kommt aus der
Wirtschaft, und natürlich von den Organisationen der Informatiker.
Heise.de faßt diese Kritik
zusammen.
Frank Rieger vom Chaos Computer Club
kommentiert bei Heise.de zudem die neue
Überwachungswut.
Mit dem Kryptographie-Verbot reicht es den Briten übrigens nicht. Da
ihnen die Diskussion um Flugpassagierdaten (PNR) in der EU zu langsam geht,
will sie mit den willigen Partnern
Belgien, Frankreich, Polen, Holland und Spanien ein Abkommen zum Austausch
treffen. Hierbei sollen nicht nur Daten von Flügen ausgetauscht werden,
die die Grenzen der EU passieren, sondern auch innereuropäische. Das ist
nämlich auf der EU-Ebene noch heftig umstritten.
Einschränkungen der Grundrechte
Es sind vielleicht noch nicht einmal alle Opfer unter der Erde, da wird
der Terrorakt gnadenlos ausgeschlachtet.
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In Deutschland entbrennt der Ruf nach der Vorratsdatenspeicherung.
Inzwischen auch von Merkel und
Gabriel. Einzig Justizminister Maas,
in dessen Ressort das fällt, scheint noch dagegen zu sein – die Frage
ist, wie lange er sich da noch halten kann. Netzpolitik.org berichtet,
was sonst noch geplant ist – zusätzlich zu den existierenden 239
Anti-Terror-Maßnahmen, mit denen wir seit dem 11. September 2001
beglückt wurden.
Mehrere deutsche Organisationen haben dagegen eine Erklärung
veröffentlicht. Sie mahnen zur Wahrung freiheitlicher Werte.
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Schon länger in der Mache ist das Gesetz zum Ausweisentzug, welches
heute das Kabinett passiert hat. Zwar werden hier nur die
Grundrechte weniger eingeschränkt, aber das wohl ohne richterlichen
Beschluß und Beschwerdeweg. Das erinnert dann doch sehr an die DDR und
dessen Ausreiseverbot (»Republikflucht«). Es ist nur eine Frage der Zeit,
bis das peu à peu auf den Rest der Bevölkerung ausgedehnt und so zum
weiteren Puzzle-Teil von DDR 2.0 wird. Die Staatsratsvorsitzende
haben wir ja schon.
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Die Briten, in persona der Premier David Cameron, spinnt noch viel mehr
herum als der Rest der Europäer: Er fabuliert darüber,
Zugriff auf sämtliche Kommunikation
haben zu wollen, was praktisch einem Verbot von Verschlüsselung
gleichkommt. Unterstützung erhält er von Parteigenossen und Londons
Bürgermeister Boris Johnson: »Ich interessiere mich nicht besonders
für dieses ganze Grundrechtszeug, wenn es um die E-Mails und
Telefonanrufe dieser Leute geht. Wenn sie eine Gefahr für unsere
Gesellschaft sind, möchte ich, daß die ordentlich mitgehört werden.«
Großbritannien ist mittlerweile auf dem Niveau des
Rechtsstaatsverständnisses von Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei oder
Viktor Orbán in Ungarn angekommen – oder liegt vielleicht schon darunter.
(Siehe auch Spiegel, Engadget, The Independent und The Guardian)
TTIP
Die Europäische Kommission hat die rund 150.000 Eingaben nun ausgewertet.
Rund 97% haben sich dagegen
ausgesprochen oder Bedenken geäußert. Wirklich beeindrucken läßt sie
sich durch die Bürger natürlich nicht, sie ist ja schließlich ihre
Vertretung, und will an dem Abkommen festhalten. (Siehe auch
Süddeutsche Zeitung). Ich hoffe, das
wird noch etwas mit dem Volksbegehren. Auch die Zeit fordert in einem
Kommentar auf: »Nicht nachlassen!«.
Am Samstag ist übrigens
Demo gegen
TTIP in Berlin. Wer kann, sollte hin!
Gen-Food
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Umweltministerin Hendriks will
gentechnikfreies Deutschland. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir
fehlt der Glaube. Selbst wenn sie es ernst meinen würde, fehlt ihr
vermutlich der Rückhalt von den Bestechlichen in der Bundesregierung und
im Bundestag, und außerdem würde sie mit den eher gentechnik-freundlichen
EU-Regelungen, die wir mittlerweile haben, in Konflikt kommen.
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Greenpeace hat einen Einkaufsratgeber »Essen ohne Gentechnik« (PDF) herausgebracht. Er
enthält auch eine Liste von Herstellern, die sich freiwillig zu
gentechnik-freien Produkten (Milchprodukte, Eier, Fleischprodukte)
verpflichtet haben.
Sonstiges
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So werden wir verarscht:
Das
Gruppenfoto der Politprominenz bei der Massenveranstaltung letzten
Sonntag in Paris war gestellt (via
Fefe, auch
hier), abseits des Zuges.
Aus »Sicherheitsgründen«… Das kommt natürlich erst später heraus. Und
unsere Presse wundert sich, als Lügenpresse bezeichnet zu werden?
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Viel schlimmer als das Bild selbst sind die Teilnehmer. Im Internet hat
jemand eine Liste der Heuchler aufgestellt, die selber Meinungs- und
Pressefreiheit mit Füßen treten (via
Fefe). Der Stern hat die
Liste auch mitbekommen (lesen die auch Fefe?) und hat einen Artikel daraus erstellt. Ganz grotesk wirkt die Teilnahme von dem
türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu, nachdem heute die Türkei Internet-Seiten wegen »Charlie Hebdo«-Karikaturen gesperrt
hat.
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Von dem Gutmenschentum hat auch eine überlebender »Charlie
Hebdo«-Zeichner die Schnauze voll: »Wir kotzen auf unsere neuen Freunde«.
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Auch die Berliner Mahnwache war eine Show-Veranstaltung: Der Stern
titelt: »Fast mehr Minister als Moslems«, Unterüberschrift: »Nur
10.000 Menschen nahmen an der Mahnwache in Berlin teil, dafür drängten
sich Politiker auf der Bühne. Aus der Kundgebung der Muslime wurde eine
Luxuskundgebung der gutmeinenden Elite Deutschlands.«
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Apropos Lügenpresse: Der Begriff ist jetzt zum Unwort des Jahres 2014
»gewählt« worden. Irgendeine Zeitung schrieb (Link leider nicht
gespeichert), darüber würden sich jetzt die PEGIDA-Anhänger bestimmt
mächtig ärgern. Das sehe ich ganz im Gegenteil: Sie werden sich bestimmt
bestätigt fühlen, weil sie die Jury als Teil des Systems der
»Lügenpresse« sehen. Und damit lägen sie gar nicht so falsch. Die Jury
hat schon immer politisch (»korrekt«) agiert und sich einen Dreck darum
gekümmmert, welcher Begriff am häufigsten bei den Eingaben genannt wurde
– sonst hätte damals auch der Begriff »Rechtschreibreform« gewählt werden
müssen, was aber politisch nicht opportun war. Die Rechtschreibreform war
übrigens das Thema, wo ich erstmals die Presse als Lügenpresse
wahrgenommen habe. Damals wurden Unwahrheiten über die Gegner verbreitet
und die (falschen – wie wir heute wissen) Aussagen politischer Amtsträger
ungefiltert, unkritisch durchgereicht, abgesehen von einer kleineren Zahl
echter Journalisten, die versuchten, das Thema objektiv darzustellen –
wie heute. Und das geht bestimmt schon Jahrzehnte länger.
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Und weil die Lügenpresse und die Gutmenschen die PEGIDA-Teilnehmer als
Dumpfbacken hinstellen: Eine Studie zeigt jetzt, daß Dreiviertel der Teilnehmer aus der Mittelschicht kommen und gebildet
sind. Auch das Thema Islam spielt nur eine untergeordnete Rolle.
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Es ist schon immer besonders peinlich, wenn ein Gutachten des
Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags der offiziellen
Regierungslinie widerspricht. So diesmal bei der geplanten Ausländer-Maut.
Der deutsche Mainstream hat jetzt offenbar den Propaganda-Krieg gegen
PEGIDA erweitert. Er hat französische Karikaturisten überredet, ein
Flugblatt zu entwerfen gegen die Vereinnahmung des Terroranschlags
durch die Pegida:
»Wir lehnen es ab, daß Pegida das Gedenken an unsere Kollegen
vereinnahmen will«, sagte ein Mitorganisator und Sprecher der Aktion der
Deutschen Presse-Agentur. Wegen des Anschlags auf die französische
Satirezeitschrift »Charlie Hebdo« mit zwölf Toten haben die
Pegida-Organisatoren ihre Anhänger aufgefordert, bei der Kundgebung an
diesem Montag in Dresden Trauerflor zu tragen. Pegida stehe für all das,
was die Kollegen von «Charlie Hebdo« durch ihr Werk bekämpft hätten, hieß
es.
Also, Vereinnahmung des Terroranschlags durch Politik und Medien gegen
die Vereinnahmung des Terroranschlags durch PEGIDA. Klasse! Ich frage mich
auch, ob die beteiligten Leute wirklich wissen, was PEGIDA will (und zum
Beispiel das Positionspapier kennen), oder ob den nur zugeflüstert wurde,
das seien alles ganz böse Nazis.
Hier der Aufruf PEGIDAs vom 7. Januar, kopiert von deren Facebook-Seite,
weil bis auf das letzte Wort nichts von dem Text in der Presse zitiert
wird:
Liebe Freunde,
auch wenn der heutige feige Anschlag in Paris, ein Anschlag auf
Meinungsfreiheit, Demokratie, auf Europa, letztlich auf uns alle, Wasser
auf unsere Mühlen zu sein scheint, nehmen wir dies nicht zum Anlaß, uns
damit zu brüsten, wir hätten es ja schon immer gewußt. Nein, eben weil wir
keine Schreihälse sind, als die wir verunglimpft werden, keine Claqueure
sind wie diejenigen, die uns reflexartig mit „Nie-wieder-Deutschland –
hindern wollen, uns mit unseren Abendspaziergängen meistens schweigend zu
artikulieren, lassen wir diejenigen aufschreien, die es immer tun, wenn
sich aktuell etwas Außergewöhnliches, Furchtbares ereignet. Wir schweigen
in Trauer und Demut und in Solidarität mit den Familien der französischen
Redakteure, die jetzt erste Opfer wurden. Wir schweigen und werden am
Montag wieder spazieren gehen: schweigend und mit einem Trauerflor!
Übrigens, Trauer zu zeigen ist auch eine Form der Meinungsäußerung. Und
auch die Opfer, deren Angehörigen und deren Gesinnungsgenossen müssen das
ertragen, ob es ihnen paßt oder nicht. Sonst ist die Meinungsfreiheit nur
ein Wort auf einem Stück Papier.
Als die ersten PEGIDA-Anhänger dem Sinne nach »da seht Ihr es!« gerufen
haben, war die Entrüstung gleich da. Es sei doch unerhört, daß das Attentat
instrumentalisiert wird.
Nur – die anderen machen es ganz genau so.
Da sind zum einen die rechten und bürgerrechtsfeindlichen Gestalten in
der CSU, CDU, SPD und der Polizei-Gewerkschaft. Wie kaum anders zu
erwarten, kommt – mit dem Hinweis auf das Attentat im Gepäck – wieder der
Ruf nach der Vorratsdatenspeicherung, wie z.B. Golem.de und Heise.de
vermelden. Nicht nur, daß die Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des
Europäische Gerichtshofs dagegensprechen (letzteres hat laut Rechtsgutachten des juristischen Dienstes des Bundestags auch
Wirkung auf die nationalen Gesetzgebungen): Frankreich hat seit vielen
Jahren die Vorratsdatenspeicherung, und sie konnte das Attentat, wie wir
nun sehen, auch nicht verhindern. Aber das sind nur störende Fakten… Auch
wird juste au moment die Ausweitung der Video-Überwachung gefordert. Der bekannte
Internet-Anwalt und Blogger Thomas Stadtler nennt beides irrational, unseriös und beängstigend. Auch der
Datenschutzbeauftragte von NRW warnt vor blindem Aktionismus. Doch nicht nur von den ȟblichen
Verdächtigen«, sondern auch von Innenpolitikern kommt
Kritik an den erneuten
Forderungen.
Zum anderen versucht die Presse selbst, das Attentat für sich zu
instrumentalisieren. Sie deutet das Attentat als Angriff gegen die
Pressefreiheit um, es ist jedoch ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Der
Blogger Hadmut Danisch beschreibt das in seiner üblichen Klarheit und
Direktheit. Speziell geht es um diese Aktion des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger.
[…] mit der die Presse versucht, sich […] als Opfer darzustellen und
versucht, bei jeder Gelegenheit, bei der es Opfer gibt, etwas vom – Je
suis Charlie – Opferstatus und Mitleid für sich mitzunehmen. Vorher das
Maul nicht aufkriegen, aber hinterher auch wackerer Kämpfer für die
Pressefreiheit sein wollen, wenn’s gerade mal Heldenstatus hat. Helden des
Augenblicks, die nach dem Glück herbeigerannt kommen, um sich mit auf’s
Foto zu stellen.
[…]
Journalisten glauben, daß Pressefreiheit ein (Grund-/Menschen-)Recht
wäre, das einer bestimmten geschlossenen Personengruppe zusteht, aber
inhaltlich nicht näher bestimmt ist. Als sei Pressefreiheit ein
Sonder-Recht der Journalisten, zu tun, was sie wollen. Quasi eine Elite,
die mit einer Art Sonderrechtsblaulicht auf dem Dach herumfährt, so wie
die Polizei im Straßenverkehr Sonderrechte hat. Deshalb stellen sich
Journalisten auch so gerne in ihren Rechten verletzt dar.
Dabei ist es genau umgekehrt:
Pressefreiheit ist ein Recht, das jedem zusteht, nicht nur einer
Auswahl, geschlossenen Gruppe oder Elite, das jedoch nur zu bestimmten
Handlungen berechtigt.
[…]
Es geht denen auch gar nicht um Pressefreiheit, sondern um eine
Gelegenheit, sich als Personenstand als Opfer zu stilisieren, denn das hat
sich ja (siehe Feminismus) bewährt: Nur niemals eine Gelegenheit
auslassen, Opfer zu sein. Es rentiert sich, Opfer zu sein, vor allem, wenn
man bei der Tat nicht dabei war und erst nachträglich, wenn die Gefahr
vorbei ist, dem Opferkollektiv durch billige und mühelose Symbolik
beitreten kann. 12 Leute wurden ermordet, und die Meute kommt in
betroffenheitsindustriellem Ausmaß daher und ruft »Wir wollen aber auch
Opfer sein!«
Es ist grotesk, aber: Die wenigsten Journalisten machen heute noch das,
was inhaltlich unter Pressefreiheit fällt: Nämlich das Recherchieren.
Ausgerechnet die, die Pressefreiheit schon lange nicht mehr verwenden,
beschweren sich am lautesten über deren Verletzung. Als ob sich der Blinde
beschwert, daß ihm jemand das Licht ausgeschaltet hat.
Ich hoffe, Herr Danisch ist mir nicht böse, daß ich soviel von ihm
zitiere. Ich kann nur empfehlen, den Blog-Eintrag zu lesen.
In die gleiche Kerbe haut der Blogger Stefan Niggemeier. Wie er kritisiert er die Aktion des BDZV, darin speziell den Versuch der
Gleichsetzung der PEGIDA mit den Terroristen in ihrem Verständnis der
freien Presse.
Der Vorwurf, der darin steckt, ist perfide und falsch. Er ist perfide,
weil er Menschen, die friedlich demonstrieren, mit einem Verbrechen in
Verbindung bringt, das sie nicht befürworten, nicht gutheißen und das
nicht in ihrem Namen begangen worden ist. Und er ist falsch, weil die
Zeitschrift »Charlie Hebdo« aus Sicht der Pegida-Leute genau das Gegenteil
dessen ist, was sie als »Lügenpresse« beschimpfen.
[…]
Aber die Parallele, die die Karikatur zwischen den Worten der
Pegida-Anhänger und den Taten des islamistischen Terroristen zieht, ist
falsch. Und ihre Wirkung ist verheerend. Wiederum aus Sicht dieser Leute
formuliert: Die deutsche »Lügenpresse« ist nicht nur zu feige, die
Wahrheit zu sagen. Sie erklärt sich nach den Attentaten sogar für
solidarisch, wenn nicht identisch mit denen, die dafür nicht zu feige
waren. Und erklärt stattdessen ihre Kritiker zu Komplizen der Täter.
Die Presse bestätigt aus Pegida-Sicht so, auf kaum zu übertreffende
Weise, den Vorwurf von der »Lügenpresse«.
Auch hier kann ich nur empfehlen, den ganzen Artikel zu lesen.
Um das Verhalten der Presse geht es auch in einem Artikel von Glenn
Greenwald, der mit der Snowden-Affäre bekannt wurde. Er beschäftigt sich
mit der Thematik, daß Meinungs- und Pressefreiheit immer dann hochgehalten
werde, wenn es gegen den Islam geht. Wenn es gegen das Judentum oder gegen
den Westen ginge, dann sind alle schnell mit der Kritik, mit Beschimpfung
als Antisemitismus, mit Zensur, mit Verhaftungen dabei. Aus diesem Grund
fügt er als Solidarität mit Charlie Hebdo nicht anti-islamische Karikaturen
ein, sondern auch anti-jüdische und anti-israelische: In Solidarity With a Free Press: Some More Blasphemous
Cartoons.