Seitdem die Ir(r)en in einer Volksabstimmung für die Homo-Ehe gestimmt
haben, wittern die Proponenten in Deutschland ihre Chance und haben eine
unvergleichliche Medienkampangne losgetreten. Dabei wird jeder, der nicht
in einer Millisekunde auf dem Homo-Ehen-Zug springt, als homophob,
intolerant und rückständig bezeichnet und ausgegrenzt (ich will ja nicht
Godwin’s Law in Gang setzen, sonst würde ich das mit einer überschäumenden
Begeisterung vor 80-90 Jahren vergleichen…). Das Recht, eine nicht
umfassend zustimmende Meinung zur Homo-Ehe und zur Homosexualität im
allgemeinen zu haben, wird zunehmend verweigert. Eine Minderheit aus wohl
5% versucht auf schamlose und aggressive Weise, der Mehrheit ihren Willen
aufzuzwingen. Und wie die Moslems fordern sie Toleranz, praktizieren sie
aber selber nicht. Das geht mir gewaltig auf die Nerven.
Selbst konservative Blätter reihen sich in den Reigen ein, wie zum
Beispiel die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Dort wird doch allen Ernstes die
Homo-Ehe damit begründet, daß die »Natur es bunt mag«. Es ist wohl so, daß
auch bei Tieren Homosexualität vorkommt. Aber dort schlägt nun mal Darwin
in vollem Umfang zu – sie vererbt sich nicht und wird so von der Natur
nicht gefördert. Zudem wird das übliche Cherry-Picking betrieben – der
Vergleich mit der Natur hinkt gewaltig. Es gibt Spinnenarten, bei denen das
Weibchen nach dem Akt das Männchen tötet und auffrißt. Ein Löwenmännchen
zwingt bisweilen ein Weibchen zur Partnerschaft und tötet zudem den
Nachwuchs des vertriebenen Vorgängers. Auch Prostitution, Vergewaltigungen
und Inzucht werden im Tierreich beobachtet. Folgt man der Logik der
Autorin, müßte man das alles legalisieren.
Und nicht nur im Tierreich gibt es andere soziale Gemeinschaften. Mir ist
aufgefallen, daß ich noch kein Argument für die Homo-Ehe gehört habe, das
nicht gleichzeitig auf Polygamie zutrifft. Wenn es angeblich
unproblematisch sein soll, daß zwei Männer oder zwei Frauen zusammenleben
und Kinder großziehen, warum nicht auch eine Gruppe von Frauen und/oder
Männern? Und es ist ja nicht so, daß Polygamie ein theoretisches Konstrukt
ist, sondern es wurde und wird praktiziert. Mich würde (ernsthaft!) mal die
Position der Proponenten dazu interessieren – das könnte entlarvend
werden!
Nebenbei, unabhängig von der Frage, ob gleichgeschlechtliche
Partnerschaften juristisch völlig der Partnerschaft zwischen einer Frau und
einem Mann gleichgestellt werden soll, sehe ich den Begriff »Ehe« nun
einfach per definitionem als letzeres und seit tausenden von Jahren im
Gebrauch. Und ich sehe keine Notwendigkeit, diese Definition zu ändern.
Inzwischen ist der Referentenentwurf für die neue Vorratsdatenspeicherung
veröffentlicht worden – nicht von der Bundesregierung, sondern von Netzpolitik, zusammen mit einem Aufruf, aktiv gegen die
Gesetzesinitiative zu werden. Die Autoren im Justizministerium haben sich
einen neuen Euphemismus für die VDS ausgedacht:
»Höchstspeicherfrist« !!! Da könnte man denken, das definiere eine
maximale Speicherdauer für die Verkehrsdaten, und dem Gesetz sei Genüge
getan, wenn der Provider überhaupt nichts speichern würde. Dem ist
natürlich nicht so.
Neben dem, was Maas und Maizière vorher schon schemenhaft angekündigt
hatten, manifestieren sich im Entwurf auch die im Vorfeld aufgedeckten
geheimen Absprachen zwischen Justiz- und Innenministerium um den
vereinfachten Zugriff auf die Bestandsdaten ohne richterliche Kontrolle.
Eine schäbige Lügnerei ohne Ende schon im Verfahren selbst – das ist
offenbar die Demokratie und Ehrlichkeit, wie die heutigen Politiker sie
verstehen.
Außerdem enthält der Gesetzenwurf im Huckepack Regelungen zur
(verschärften) Strafbarkeit der sogenannten Datenhehlerei, obwohl das Thema
mit der Vorratsdatenspeicherung absolut rein garnichts zu tun hat – eine in
den USA beliebte, aber dort genauso undemokratische Methode nimmt also
Einzug in das deutsche Gesetzgebungsverfahren. Es darf natürlich in dem
Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß das Gesetz den Behörden eine
großzügige Carte blanche mit wachsweichen Regelungen ausstellt, und damit
z.B. der Aufkauf von gestohlenen Bankkontendaten zur Ermittlung von
Steuersündern völlig legal wird.
Ein weiteres Thema ist, daß die Gesetzgebung durch’s Parlament gejagt
werden soll – wegen angeblicher Eilbedürftigkeit. Tatsächlich soll das
Gesetz laut Patrick Breyer (s.u.) aber erst 2017 in Kraft treten. Die
Eilbedürftigkeit ist also (scheinbar) überhaupt nicht gegeben. Tatsächlich
ist das aber ein doppelter Trick: Einerseits will man den Kritikern in den
eigenen Reihen (speziell in der SPD) und in der Zivilgesellschaft während
der Gesetzgebung sowenig Zeit wie möglich geben, den Widerstand zu
organisieren. Andererseits ist der Termin 2017 mit Bedacht gewählt, um das
Gesetz nach der Verabschiedung zu schützen. Der gemeine Bürger hat
nämlich nur ein Jahr lang die Möglichkeit, vor dem Bundesverfassungsgericht
direkt gegen ein Gesetz zu klagen, ohne die Instanzen durchlaufen zu
müssen. Dazu muß er aber gleichzeitig noch von dem Gesetz betroffen sein.
Wenn das Gesetz jedoch noch nicht in Kraft ist, dann ist er per
definitionem aber eben (noch) nicht betroffen. Und bis 2017 sind es –
potzblitz – noch eineinhalb Jahre… Je mehr ich darüber nachdenke, desto
mehr bekomme ich das Kotzen über diese Zwangsdemokraten von der CDU, CSU
und SPD!
Nun zu den Links:
Meldungen
(Juristische) Analysen
Sonstiges
-
Aus der Ecke der Netzbetreiber (von der Telekotz mal abgesehen)
kommt Kritik wegen den hohen Kosten möglicher Umsetzungen der VDS, was
vor allem kleine und mittlere Provider treffen würde und sie sogar zum
Konkurs führen könnte.
-
Netzpolitik ruft auf, sich gegen die Vorratsdatenspeicherung zu engagieren.
-
Noch bis zum 27.5. läuft eine Petition gegen die VDS. Offenbar wurde die nicht rechtzeitig
und umfassend unter’s Volk gebracht (habe sie selber auch sehr spät
entdeckt), sonst hätte ich mit einer hundertfachen Zahl Mitzeichnungen
gerechnet bzw. mir erhofft.
-
Bei der re:publica15 gab es einen Vortrag von einem Mitglied des
Netzpolitk-Teams unter dem Titel »Lügen für die Vorratsdatenspeicherung«. Ich selber habe ihn
leider noch nicht angeschaut, könnte mir aber gut vorstellen, daß er
interessant ist.
-
Irgendwo las ich (ich schätze mal in einem Kommentar im Heise-Forum),
daß sich das GCHQ auch über die VDS freuen dürfte. Nach britischer
Gesetzgebung darf er nämlich auf alle gesammelten Daten der britischen
Provider zugreifen, und der in Deutschland viel genutzte
Mobiltelefon-Provider Vodafone ist so einer. Das GCHQ bekommt die Daten
also auf einem Tablett serviert. Allerdings glaube ich, daß er die Daten
jetzt schon abgreift…
-
Ich war am Samstag, den 23.5., in Hamburg auf der
»Freiheit-statt-Angst«-Demo (Beweisfoto hier, gemacht von den Piraten), die jetzt nicht mehr nur einmal im Jahr in Berlin
stattfindet, sondern dieses Jahr als eine
Tour durch
Deutschland organisiert wird. Hamburg war die zweite Station. Natürlich
waren nicht so viele Demonstranten zu erwarten wie bei der zentralen
Veranstaltung, und leider haben die Datenschützer mit dem allgemeinen
Abstumpfen der Bevölkerung zu kämpfen. So kamen nur 700-1.000 Leute
zusammen – zu wenig, um in der Presse und in den Staatsmedien Erwähnung
zu finden (auch dort gibt es ein bedauerliches Desinteresse).
Auf der positiven Seite ist aber zu vermelden, daß der Demozug durch
belebte Straßen ging, sodaß unsere Rufe nicht ungehört in den samstäglich
unbelebten Behörden- und Bürovierteln verhallten wie letztens in Berlin.
Zudem war neben Padeluun auch Patrick Breyer anwesend, der damals für den
AK Vorrat die Verfassungsbeschwerde gegen die erste Vorratsdatenspeicherung
mitverfaßte und sie damit zu Fall brachte. In seiner Rede erzählte er von
dem 2017-Problem (siehe oben). Er war aber zuversichtlich, auch dafür eine
Lösung zu finden. Daneben haben – soweit ich weiß – auch die Grünen und die
Linken angekündigt, vor dem BVerfG gegen die neue VDS zu klagen. Für sie
als Fraktion bzw. Abgeordnete gilt m.W. nicht die Voraussetzung der
persönlichen Betroffenheit, somit sollte für sie die Taktik der Groko
unerheblich sein.
Frei nach Murphy’s Law: Ein System macht immer dann Probleme, wenn
es für die nächste Zeit unerreichbar ist. So diesmal mein DSL-Router in
Zusammenarbeit mit meinem Provider. Nach den üblichen 24 Stunden ist die
Verbindung nicht richtig unterbrochen und neu aufgesetzt worden, sodaß
dieser Blog und andere auf dem gleichen System laufenden Webseiten nicht
mehr erreichbar waren, wobei mir letzteres aus bestimmten Gründen besonders
leid tut.
Aufgrund des Vorfalls konnte ich in den letzten 10 Tagen auch nicht meine
immer länger werdende Link-Liste zur VDS und anderen Themen in
Blog-Einträge umwandeln. Das werde ich aber noch nachholen, auch wenn
manches dann doch schon bißchen veraltet ist.
eCall
-
Doppelt gemoppelt hält besser. Neben der Maut kommt jetzt die nächste
Überwachungsmöglichkeit für PKW. Die EU hat den letzten Schritt zur
Einführung von eCall getan: Das EU-Parlament hat den leicht
abgeänderten Entwurf des Rats nun final durchgewinkt. Zwar wird immer
wieder beteuert, ein Tracking sei nicht möglich, aber ein Blick in die
Foren der Medien, die bislang darüber berichtet haben, zeigt, daß niemand
mehr denen glaubt. Nach den Snowden-Enthüllungen und der Gewißheit, daß
es sich bei den EU-Behörden mehr um Lobbyistenbordelle als um
Institutionen handelt, die um das Wohl und die Freiheit der Bürger in der
EU bemüht sind, ist das auch nicht sonderlich verwunderlich.
Es fällt auch einem schwer zu glauben, daß der ganze Aufwand gemacht
wird, um angeblich 2.500 Menschenleben (oder gerade mal 10% der
Verkehrstoten) im Jahr zu retten, wobei ich davon ausgehe, daß diese
Zahlen wie üblich noch geschönt sind. Einige Foristen geben zum Beispiel
zu bedenken, daß allein in Deutschland rund 40.000 Menschen jährlich an
Infektionen in Krankenhäusern sterben. Das hinterläßt also eher den
Eindruck eines Totschlagarguments, um ein Produkt salonfähig zu machen
bzw. zu erzwingen, das dem Autofahrer eher wenig nutzt, aber bei Behörden
und in der Industrie auf großes Interesse stößt. Auch die Ablehnung der
Parlamentarier, das System abschaltbar zu machen, spricht hier Bände.
Ich hoffe, daß sich jetzt langsam mal die Datenschützer damit befassen,
auch wenn es eigentlich schon zu spät ist. Aus mir unverständlichen
Gründen hatten die das bislang nicht auf dem Radar. Vermutlich werden wir
aber bis zu den ersten Implementierungen warten müssen, bevor wir
wirklich wissen, was Sache ist.
Berichte gibt es bislang bei
Heise, Spiegel, FAZ und Golem.
Vorratsdatenspeicherung
-
Nachdem Netzpolitik.org schon berichtet hatte, daß es offenbar
Nebenabsprachen innerhalb der Koalition gibt, den Richtervorbehalt für
Bestandsdatenabfragen zu streichen, und daß Maas und de Maizière gelogen
haben, liefern sie nun das entsprechende Dokument nach.
-
Und als hätte es das EuGH-Urteil nicht gegeben, poltert nun der zur EU
ausrangierte Oettinger los und kündigt einen neuen Anlauf zur
Vorratsdatenspeicherung auf der EU-Ebene an, wie
Heise und Golem berichten.
Heise hat zwischenzeitlich seinen Artikel ergänzt. Es ist nicht
auszuschließen, daß Oettingers Vorpreschen ein nicht abgesprochener
Alleingang ist. Also nicht innerhalb der EU abgesprochen – als alter
Verschwörungstheoretiker schätze ich mal, daß der von der
Staatsratsvorsitzenden angestachelt wurde, damit sie dann in Deutschland
behaupten kann, daß da ein Konsens über die Legalität bestünde. Dagegen
spricht eine Meldung von vor zwei Wochen,
daß sich die EU wieder mit der
Vorratsdatenspeicherung beschäftigen wolle. Dann wäre aber das
Dementi gelogen.
Oettinger verhält sich zur Zeit sowieso wie ein Elefant im
Porzellanladen. Netzpolitik.org hat das Interview, in dem Oettinger auch seine
Bemühungen um die Vorratsdatenspeicherung darstellt, seziert. Ihnen
ist das Lachen im Halse steckengeblieben – u.a. auch wegen der abstrusen
und ver- und erlogenen Argumentation Oettingers.
-
Die Grünen haben nun offiziell beschlossen,
gegen die Vorratsdatenspeicherung zu
kämpfen. Je mehr, desto besser. Als Bundestagsfraktion haben sie auch
mehr Möglichkeiten als die Normalsterblichen.
-
Bei Netzpiloten.de gibt es ein recht interessantes Interview mit
Leutheusser-Schnarrenberger, der Vorgängerin von Maas, zu den jüngsten
Bestrebungen zur Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung.
-
Die FAZ hat einen Artikel von der CCC-Sprecherin Constanze Kurz
veröffentlicht, in dem die praktische Rechtlosigkeit der Flugpassagiere
an den Flughäfen dargestellt wird, wenn es um ihre elektronischen Geräte und den darauf gespeicherten
Informationen geht.
-
Die SZ analysiert die digitale Strategie der Bundesregierung und kommt
zum Schluß, daß diese das Internet
offenbar als die Ausgeburt des Bösen betrachtet.
BND-Skandal
-
Die Links sind leider schon ein paar Tage alt, daher eigentlich nur für
Leser geeignet, die bislang im Tal der Ahnungslosen verweilten – aber
bevor ich sie wegschmeiße: Berichte bei Golem, beim Spiegel mit Kommentar und bei Heise.
Noch kocht das auf eher kleiner Flamme, aber das Feuer ist noch nicht
gelöscht, der Skandal hat noch Potential zum Überkochen!
-
Zum BND-Skandal hat die Zeit einen schönen Zeitstrahl veröffentlicht mit den verschiedenen, bislang
bekannten Ereignissen sowie der zu diesen Zeitpunkten verantwortlichen
Personen. Da tauchen Namen wie Steinmeier, de Maizière und Pofalla auf.
Alles meine »Lieblinge«. Speziell Steinmeier sehe ich als schmierigen
Charakter, der leider als solcher bislang in der Öffentlichkeit nicht
wahrgenommen wird (im Gegensatz z.B. zu Schröder, dessen Stiefelputzer er
ja war).
Überwachung und Vorratsdatenspeicherung
Frankreich
Leider dreht es sich heute schon wieder hauptsächlich um Überwachung.
Bevor ich zur Vorratsdatenspeicherung komme, will ich erst noch über die
Pläne in Frankreich berichten, wie ich bei meinem letzten Beitrag schon
angekündigt hatte.
Frankreich ist also dabei, ein scharfes Abhörgesetz zu verabschieden, das
praktisch eine Totalüberwachung aller Bürger erlaubt. Liberté – adé –
Frankreich kann das bald aus seinem Motto streichen! Zwar sollen bestimmte
Bedingungen an die Erlaubnis geknüpft werden, die sind aber so umfänglich
und niedrig, daß sie praktisch permanent als erfüllt deklariert werden
können. Die Abhörerei soll zudem ohne echte juristische oder
parlamentarische Kontrolle erfolgen. Die französische
Bürgerrechtsorganisation »La Quadrature du Net« fordert zum Handeln und Widerstand auf (weiterer Bericht bei Golem).
Ich möchte an dieser Stelle auf zwei Punkte hinweisen: In Frankreich sind
die Sozialisten am Ruder, genau wie bei uns gilt dort: Links blinken,
rechts überholen. Zweitens sollte uns klar werden, daß die
Überwachungsfanatiker in Deutschland nach der Vorratsdatenspeicherung (wenn
sie die VDS am BVerfG vorbeibringen sollten) auch nicht aufhören werden.
Irgendeinen mörderischen Moslem, Piloten, Lokführer, Busfahrer oder einen
weiteren Edathy werden die schon aus der Tasche hervorzaubern.
Vorratsdatenspeicherung in Deutschland
-
SPD-Verräter Heiko Maas ist nicht nur umgefallen, sondern hat
auch gelogen. In seiner Erklärung vor der Presse hatte er betont,
daß Daten vor massiven und unberechtigten Abfragen durch einen (sowie als
wertlos geltenden) Richtervorbehalt geschützt seien. Netzpolitik.org hat jedoch herausgefunden, daß dies für einen
Großteil der Daten, den Bestandsdaten, nach einer geheimen Nebenabrede
innerhalb der GroKo, nicht zutreffen soll. Was für ein dreckiges,
linkes Pack!
-
Die Vorratsdatenspeicherung soll durch den Bundestag geprügelt werden –
möglichst noch vor der Sommerpause –, damit niemand Zeit hat
(insbesonders nicht die paar Widerspenstigen mit Restgewissen in der
SPD), sich den Gesetzestext durchzulesen und Widerstand zu organisieren.
Ausgeplaudert hat das der
CDU/CSU-Fraktionsvize und Schäuble-Schwiegersohn Thomas Strobl, von
dem ich noch nie ein intelligentes Wort gehört habe. In einer weiteren
Äußerung (siehe Artikel im nächsten Punkt) vergleicht Strobl die SPD mit
der KPdSU, weil einige SPDler die Position der SPD erstmal auf einem
Parteitag festlegen lassen wollen. Na ja, mit der CDU und CSU auf dem
Demokratieniveau von Diktaturen wie in Nordkorea oder Saudiarabien muß
man das ja schon als Lob sehen.
-
Der erste SPD-Politiker verkündet, gegen die Vorratsdatenspeicherung zu stimmen.
-
Selbst die Bundesdatenschützerin Voßhoff, die in ihrem früheren Leben
eine heiße Verfechterin der VDS war,
lehnt den neuen Entwurf wegen
Verletzung der Vorgaben des EuGHs ab.
-
Die Polizei findet die VDS natürlich gut, aber auch die
Telekom. Wir kennen das ja schon,
die Großunternehmen gehen mit jedem ins Bett, wenn man nur Kasse machen
kann…
-
Noch ein Hintergrundartikel bei
der Süddeutschen. Und ein weiterer beim Spiegel.
Und noch mehr Überwachung
-
Unsere Geheimdienste wollen natürlich auch uns und den Rest der Welt
ausspionieren. Die Zeit berichtet, wie der Verfassungsschutz nach Vorbild NSA
schnüffeln will.
-
Der deutsche, weltgrößte Internet-Austauschknoten DE-CIX will jetzt
gegen die erzwungene Überwachung durch
den Bundesnachrichtendienst klagen. Der Telekotz würde das nie
einfallen…
-
Der Big Brother Award 2015 ist vergeben worden, u.a. an Mattel wegen
seiner neuen lauschenden Barbie-Puppe, an Amazon, an den BND
(Überwachung), an die Innenminister Maizière und Friedrich (Sabotage des
Datenschutzniveaus) und an den Gesundheitsminister Gröhe (eGK, eHealth).
Die lesenswerten Laudationes
finden sich auf den Seiten des Awards. Die Süddeutsche Zeitung hat
begleitend noch einen Artikel über den
Lauschangriff im Kinderzimmer
veröffentlicht.
-
Wieviel Versprechen von Politikern, speziell solchen aus früheren
Legislaturperioden, wert sind – nämlich absolut gar nichts – kann man an
aktuellen Plänen der Bundesregierung sehen. Wurde uns nicht hochheilig
versprochen, daß die LKW-Maut-Daten nie und nimmer, bis zum Untergang der
Welt, die heiligen Mauern von TollCollect verlassen würden? Das könnte
bald Geschichte sein, denn die Bundesregierung will sie (anonymisiert) an
Dritte herausgeben, natürlich nur für Forschungszwecke und
Verkehrslenkung. Das ist halt die übliche Erosion der Grundrechte, die da
stattfindet, und leider haben das viele Bürger immer noch nicht
begriffen. Gestern überhaupt nicht, heute LKW, anonymisiert und für
Forschung, morgen PKW mit allen Details an Industrie und Behörden. Mehr
bei Golem und Heise.
-
Die Firmen versuchen zwanghaft, alles zu vernetzen und mit der »Cloud«
zu verbinden – ob es einen Sinn hat oder nicht, ist dabei völlig egal.
Hauptsache möglichst ein Geräteleben lang dem Nutzer Geld abknöpfen, dann
noch Big Data (und Big Money) mit den Daten machen. Neuester
Protagonist auf der Bühne ist der Haushaltsgerätehersteller Miele, der
jetzt den Herd netztechnisch verkabeln will, damit Mutti den Herd vom
Tablett aus überwachen kann – vielleicht auch der »wann ist denn das
verdammte Mittagessen fertig« Papi. Die wahnsinnig pfiffige Idee
(Ironie!) ist, daß man die Herdeinstellung direkt aus dem Rezept
übernehmen kann! Gut, das war bisher so unheimlich schwierig, die
Backröhre auf 200°C zu stellen und den Wecker auf 60 Minuten. Auf der
anderen Seite würde mich schon interessieren, wie denn ein schönes
argentinisches Rinderfilet von so einem »intelligenten« Herd in ein Stück
Kohlebrikett umgeformt wird. Und die Hacker wird so ein neues
Betätigungsfeld auch interessieren. Einmal den Herd »durchglühen«. Von
hohem Stromverbrauch bis Wohnungsbrand ist da alles drin. Übrigens hat
Miele sich mit dem
»mir-fällt-kein-vernünftiges-Produkt-mehr-ein«-Hersteller Microsoft
verbündet, ein Garant für innovative, benutzerfreundliche und
standardkonforme Produkte… (Golem, Slashdot)
-
Fefe hat ja mal so ungefähr geschrieben, der beste Schutz der Bürger
wäre die Inkompetenz der Regierung und der Behörden. So weit würde ich
nicht gehen, aber dran ist da schon etwas. Diesem Umstand haben wir
nämlich zu verdanken, daß wir im Moment noch ziemlich von den
Smart-Metern verschont bleiben, wie der Spiegel berichtet. Auch
Heise und Golem greifen das Thema auf. Von der Datenschutzproblematik mal
ganz abgesehen, finde ich es bedenklich, daß es immer noch Leute gibt,
die nicht begreifen, daß für den Bürger nichts billiger wird. Glaubt
jemand, die Stromkonzerne würden auch nur auf einen einzigen Cent
verzichten? Wofür?
-
Den Stromverbrauch alleine messen reicht den Energieunternehmen
natürlich nicht. E.on will es schon ganz genau wissen wofür. Das Geschwafel von
E.on über den Datenschutz und »deutsche Server«, den der Artikel erwähnt,
ist einfach nur lächerlich. Das geht die einfach einen Scheißdreck an,
wann und was ich mache! Basta. (via S.)
Sonstiges
-
Eine Islamisierung findet nicht statt. Kann ja nicht sein, was nicht
sein darf. Sonst hätte die Pegida ja recht. Also: Augen zu – oder besser:
Ohren zu, denn in Gladbeck ruft seit ein paar Tagen der Muezzin durch den
Lautsprecher. Angeblich mit nur 55 Dezibel, was der Lautstärke eines
einzelnen sprechenden Menschen entspräche. Dann bräuchte man aber keinen
Lautsprecher. Der Gebetsruf sei zudem ein Zeichen für die kulturelle
Vielfalt, so der Vorsitzende der dortigen Islamgemeinde. Ich muß aber dem
Leser-Kommentar #20 recht geben, der in dem üblicherweise im Ruf
enthaltenen Satz »Es gibt keine Gottheit außer Allah« gerade keine
Vielfalt sieht…
-
Eine Islamisierung findet nicht statt. Die Absicht der in Deutschland
lebenden Salafisten, hier einen islamischen Staat zu errichten – wie es der Chef des Verfassungsschutzes, Maaßen, festgestellt haben
will, hat damit ja nun wirklich nichts zu tun. Oder?
-
War mir nicht so bewußt: Fracking stellt nicht nur unter der Erde eine
Katastrophe an, sondern auch an der Oberfläche. Durch großen Flächenbedarf für
das engmaschige Netz aus Förderanlagen selber und durch die
Infrastruktur, die dieses Netz verbindet, wird die Natur zerschnitten und
verschandelt. Auch der hohe Wasserbedarf ist ein Riesenproblem. Resümee
der Autoren:
Im Gegensatz zu den erneuerbaren Energien leistet Fracking somit
keinen Beitrag zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Energieversorgung,
sondern wäre ein Schritt zurück. Bestenfalls kann es sich um eine
Übergangslösung für wenige Jahre oder Jahrzehnte handeln – mit
erheblichen negativen Folgen für die Landschaft, mit denen sich
vermutlich noch Generationen nach uns befassen müssen.
Ein Grund mehr, der Bundesregierung mächtig auf die Finger zu
hauen.
-
Die Fernsehunterhaltung ist am Ende, nicht nur in Deutschland, sie
ist implodiert.
Maßlos ist die Vorratsdatenspeicherung, weil sie jeden unter
Generalverdacht stellt, ohne wenn und aber, und uns die Freiheit nimmt,
unbekümmert zu kommunizieren. Egal, wie kurz oder lang die Daten
gespeichert werden.
Das hindert SPD-Vorzeige-Umfaller (und Arschkriecher, siehe
Zeit-Hintergrundinformation unten) Heiko Maas
(Bild aus
Twitter) nicht, die Vorratsdatenspeicherung auf Geheiß seines
Parteichefs und Oberpflaume (nicht nur wegen seiner Kopf- und Körperform)
Sigmar Gabriel weiterzutreiben. Bei der Recherche ist mir dieser SPD-Song von Marc-Uwe-Kling in die Hände gefallen, paßt schön.
Heute hat er die mit Mielke-Nachfolger Thomas DeMaizière abgesprochenen
Eckpunkte verkündet, sie stünden felsenfest (wollte wohl nicht das
»Alternativlos« der großen Staatsratsvorsitzenden nutzen). Das ganze soll
auch noch möglichst schnell durch den Bundestag geprügelt werden. Ach, und
das Ganze heißt jetzt »Höchstspeicherfrist« (nee, damit wird er in der
Presse nicht mehr durchkommen).
Meldungen mit Details u.a. bei Netzpolitik, Heise, Golem, Spiegel, Süddeutsche Zeitung
und FAZ.
Dazu gibt es noch ein paar Hintergrundinformationen:
Die ersten Kommentare sind auch schon da:
Laut Netzpolitik.org hat das Staatsfernsehen mal wieder seinen
Chef-Propagandisten Reinald Becker von der Leine gelassen. Die
Schönfärberei muß wohl haarsträubend sein.
Die ersten Kritiker haben den neuen Vorstoß schon als verfassungswidrig
eingestuft, und die Oppositionsparteien (inklusive der
außerparlamentarischen) haben auch schon Verfassungsklagen angekündigt.
Eine detailliertere Bewertung wird es vermutlich von den
Bürgerrechtsorganisationen, u.a. AK-Vorrat geben, speziell sobald die
Eckpunkte in ein konkretes Gesetz gegossen worden sind.
Ich kann nur jedem empfehlen, auf irgendeine Weise sich gegen die
Vorratsdatenspeicherung einzubringen, denn es ist nur der Anfang
(Frankreich ist dabei, den nächsten großen Schritt in Richtung 1984 zu
gehen, ich berichte demnächst). Entweder Briefe/E-Mails schreiben, wie
Sascha Lobo vorschlägt, auf Demos gehen oder Geld an die Aktivisten
spenden.
Sorry, irgendwie bin ich über Ostern nicht zum Schreiben gekommen. Am
fehlenden Material lag es nicht, die Welt ist nicht plötzlich besser
geworden…
TTIP
In den letzten Tagen gab es wieder vermehrt Meldungen zu TTIP und auch zu
der pazifischen Variante TTP. Bei den meisten dreht es sich wie bisher um
die Schiedsgerichte. Brandneu ist jedoch die Meldung, daß der eh schon
mickrige Wachstumseffekt von TTIP noch geringer ausfällt. (ich kann
dieses blöde Geschwafel um »Wachstum« sowieso nicht mehr hören – die
Wirtschaft muß endlich lernen, ohne Wachstum auszukommen. Die Natur hat es
auch nur deshalb geschafft, Milliarden Jahre zu überdauern, weil auch sie
zwar Wachstum liebt, aber nicht darauf angewiesen ist.)
-
Auch dem Mittelstand geht mittlerweile ein Lichtlein auf, daß TTIP
vielleicht für sie doch nicht so ideal ist. Die Zeit hat ein Interview mit dem Präsidenten des Bundesverbands für mittelständische
Wirtschaft. Mario Ohoven, geführt. Der Mann antwortet aus meiner
Sicht unerwartet offen.
-
An Mario Ohoven sollte sich der Präsident des Bundesverbands der
Deutschen Industrie, Ullrich Grillo, mal ein Beispiel nehmen. Grillo
fällt nichts besseres ein, als die
dumpfen, alten und falschen Parolen zu
wiederholen und uns Bürger Ignoranz vorzuwerfen. Aber wir wissen
mittlerweile, daß das Leute sind, die für die Vergrößerung ihres
Reichtums und ihrer Macht über Leichen und Demokratien gehen. Man muß
sich ja nur in Erinnerung rufen, wie damals die Großindustrie mit den
Nazis paktiert hat.
-
Wie private Schiedsgerichte schon heute die Demokratie aushebeln,
dokumentiert die Zeit an einem Beispiel. Es geht um ein Kohlekraftwerk in Hamburg. Die Stadt hat sich vor
einem Schiedsgerichtsverfahren mit dem Betreiber Vattenfall verglichen
und muß jetzt EU-Recht brechen. Das provoziert nun ein
Vertragsverletzungsverfahren der EU. Die Zeit beschreibt weitere vier Fälle in einem älteren Artikel. Auch Fefe hat noch
einen Fall aus Rumänien
ausgegraben.
-
Die TTIP-Gegner haben einen Erfolg
gegen die obskure Schönrechnerei von TTIP zu vermelden und die
EU-Kommission und die TTIP-Lobbyverbände blamiert! Daß der vermeintliche
Gehaltsbonus deutlich geringer ausfällt, weil bisher mit einem Haushalt
von vier Personen gerechnet wurde, tatsächlich der durchschnittliche
EU-Haushalt nur 2,4 Personen umfaßt, ist nur ein Aspekt. Foodwatch hat offenbar erreicht, daß die problematischen Studien
und die Aussagen daraus aus dem offiziellen »Propagandamaterial« entfernt
wurde.
-
Die von Wikileaks veröffentlichten geheimen Verhandlungspapiere zu TPP,
der pazifischen Variante von TTIP, zeigen, daß die Schiedsgerichtsbarkeit
auch in die sog. »immateriellen« Güter hineinreicht und so
nationale Copyright- und
Patentregelungen aushebeln kann. Auch soll die Copyright-Schutzfrist
auf den US-amerikanischen »Standard« – die irrsinnig lange Zeit von 70
Jahre nach dem Tod des Urhebers(!!!) –
angehoben werden und Verletzungen
kriminalisiert werden, was zu Unmut führt.
-
Die Amerikaner sehen wohl mittlerweile auch, daß die Schiedsgerichte in
Europa immer größerer Kritik ausgesetzt sind und bieten ihrem
europäischen Verhandlungspartner jetzt offenbar einen Tauschhandel an.
Das hört sich jetzt aber nach einer Wahl zwischen Pest und Cholera
an. Aber was will man sonst von den Amis erwarten?
-
TTIP ist trotz massiven Protests der Bürger weiterhin Liebling der
Regierungen der EU-Staaten, wie Heise
ausführlich berichtet. Daß unser
Gabriel gerade mal wieder eine
»Kritikerversteher«-Position einnimmt, sollten wir meiner
bescheidenen Meinung nach einfach als Teil seiner
Beschwichtigungsstrategie betrachten – und ignorieren…
Überwachung
-
Der Überwachungsfanatiker De Maizière kann das widerliche verlogene
Instrumentalisieren einfach nicht lassen: Der Absturz der
GermanWings-Maschine muß jetzt für die Forderung herhalten, daß die
Fluggesellschaften bei Flügen innerhalb des Schengenraums die Pässe der
Passagiere kontrollieren (und die Daten höchstwahrscheinlich auch
speichern) sollen, da bei dieser Katastrophe die deutschen Behörden
angeblich nicht genau gewußt hätten, wer sich an Bord befand. Dumm nur, daß die Spanier genau das machen. Also die ganze
Argumentation erstunken und erlogen… Ursprüngliche Berichte über den
Vorstoß auch bei der Süddeutschen
Zeitung und Zeit.
-
Kaum besser, eher schlimmer ist der Kasper Gabriel. Der stellt die
dreiste Behauptung – natürlich ohne jeglichen Beweis – in den Raum, daß
mit der Vorratsdatenspeicherung sich einige der Morde des
Nationalsozialistischen Untergrunds hätten verhindern lassen. Zu
Recht ruft das Empörung hervor. Kritiker weisen darauf hin, daß damals
die Behörden schon alle erdenklichen Datenquellen angezapft hätten.
Insgesamt seien rund 32 Millionen Datensätze aufgehäuft worden,
wie die Süddeutsche Zeitung
berichtet. Das ist ja nun mal nach hinten losgegangen, wenn selbst der
ÖR darüber spottet.
-
Captain Obvious: Überwachungsmöglichkeiten werden mißbraucht:
Deutsche Behörden greifen immer öfter
auf die Kontodaten deutscher Bürger zu. Von 2013 auf 2014 eine
Steigerung von 60%. Unsere Datenschützerin, die sich wider Erwarten nicht
ganz so Merkel-treu entwickelt, bemerkt: »Ursprünglich verfolgtes Ziel
war die Austrocknung der Finanzströme des Terrorismus. Die nunmehr
verfolgten Zwecke stehen hiermit in keiner Verbindung.« Und immer
schön daran denken: Bei der Vorratsdatenspeicherung würde es nicht
anders sein!
-
Amnesty International verklagt
Großbritannien wegen Massenüberwachung vor dem Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte. Meine Prognose: selbst wenn sie erfolgreich sind,
wird sich nichts ändern. Leider.
-
Dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist nicht
zu trauen. Diese Position habe ich schon immer vertreten. Schließlich
untersteht es dem Innenministerium und hat seinen Ursprung im
Geheimdienstmilieu. Jetzt endlich haben wir es aber Schwarz auf Weiß,
dank Netzpolitik. Das Amt hat absichtlich Leitfäden zur
Computersicherheit zurückgehalten, weil ihre Veröffentlichung die Chancen
für erfolgreiche Einsätze des Bundestrojaners verringert hätte.
-
Der Oberfaschist der NSA hat nun erklärt,
wie er sich das mit den
Schlüsselhinterlegungen vorstellt: Der Schlüssel soll aufgeteilt und
bei verschiedenen Institutionen hinterlegt werden, u.a. beim Hersteller
selbst. Einfach nur lächerlich! Das macht das keinen Deut besser. Mit
seiner Möglichkeit der geheimen
National
Security Letters hat der US-Staat die Schlüssel sofort wieder
beisammen – auch in Massen –, ohne irgend jemandem Rechenschaft ablegen
zu müssen (insbesonders nicht den Zielpersonen). Das hat mit
Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun.
Ars Technica hat auch einen Artikel dazu. Ein Vertreter der
Industrie sieht das sehr kritisch:
I don’t believe that law enforcement has an absolute right to gain
access to every way in which two people may choose to communicate. [...]
And I don’t think our Founding Fathers would think so, either. The fact
that the Constitution offers a process for obtaining a search warrant
where there is probable cause is not support for the notion that it
should be illegal to make an unbreakable lock. These are two distinct
concepts.
Sonstiges
Maut
Die Maut ist beschlossen, CDU und CSU stimmten zu 100% dazu, nur bei der
SPD gab es 11 Neinstimmen und 6 Enthaltungen (Linke und Grüne haben
natürlich dagegengestimmt). Bei der SPD gab es Leute, die sich im Parlament
vorne hingestellt haben und gesagt haben, daß sie die Maut für totalen
Quatsch halten, aber aus Koalitionstreue mit »ja« stimmen würden. Ein
öffentlicher, disqualifizierender Tritt in den Hintern des Artikels 38,
Absatz 1, Satz 2 des Grundgesetzes…
-
In diesem Zeit-Artikel finden sich die marginalen Änderungen, die die SPD
noch kurz vor dem Beschluß erwirkt hat.
-
Berichte zur Abstimmung bei
Heise, Spiegel, FAZ und nochmal Heise.
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Kommentar in der Süddeutschen Zeitung:
Murks für den Koalitionsfrieden.
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Kommentar in dem Spiegel: Maut wird Gesetz: Die zerstörerischen Egoisten von der CSU.
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Kommentar in der FAZ: Der Maut-Versuch.
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Patrick Breyer, damaliger Kläger gegen die Vorratsdatenspeicherung und
jetziger Abgeordneter im Landtag von Schleswig-Holstein für die
Piratenpartei, kündigt eine Klage gegen die massenhafte Erfassung der KFZ-Kennzeichen an,
u.a. wegen der nicht existierenden Verhältnismäßigkeit zwischen Nutzen
und Eingriff in die Grundrechte. Mir ist in diesem Zusammenhang noch
nicht klar, wie Doofbrindt denn jetzt das mit dem Scannen handhaben will.
Im Herbst hatte er ja noch heruntergespielt, es würde »nur«
stichprobenartig durch mobile Scanner geprüft. Davon findet sich aber
beim Überfliegen des Gesetzes nichts… Es könnte also auch sein, daß die
Tollcollect-Mautbrücken oder gar neue verwendet werden!
-
Die Nachbarländer Deutschlands, die sich (zu recht) über die Maut
aufregen, haben es jetzt aber plötzlich doch nicht ganz so eilig. Sie
wollen erst einmal die Stellungnahme der EU abwarten, und die will
wiederum erst einmal warten, bis sie umgesetzt wird, wie
Heise berichtet. Daher ist als
nächstes erstmal interessant, wie sich der Bundesrat am 8. Mai
verhält.
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Wozu das ganze KFZ-Kennzeichen-Scannen führt, kann man mal wieder in den USA sehen, die in negativen Aspekten
meist die Vorreiterrolle einnimmt. Und dank der dortigen kranken
Datenschutzregeln müssen die Behörden die Daten sogar noch an jedermann
herausrücken.
Überwachung
-
Der DE-CIX-Chef erhebt schwere Vorwürfe gegen den
Bundesnachrichtendienst über die Rechtmäßigkeit der angeordneten Überwachungsmaßnahmen und
die Unmöglichkeit, dies prüfen zu lassen.
-
Bundesregierung will
Geheimdienstbefugnisse deutlich
ausweiten. NSA? War da was?
-
Die Gegner der geplanten europäischen Fluggastdatensammlung (PNR)
machen mobil.
-
Ein guter Kommentar in der Zeit zur geplanten Wiedereinführung der
Vorratsdatenspeicherung in Deutschland: »Vorratsdatenspeicherung: Ein fast unmögliches Gesetz«.
-
Auch der Spiegel kommentiert gegen die VDS: »Vorratsdatenspeicherung: Lassen Sie sich nicht für dumm
abspeichern!«. Nette Erinnerung in der Unterzeile:
Die Regierung versucht mal wieder, mit fadenscheinigen Argumenten die
Vorratsdatenspeicherung durchzusetzen. Darum hier eine kleine
Erinnerung: Sie sind das Volk – und müssen sich so nicht behandeln
lassen.
-
Australien hat jetzt eine
zweijährige Vorratsdatenspeicherung bekommen. Polizei und
Geheimdienste dürfen in der Regel ohne Richtergenehmigung auf die Daten
zugreifen dürfen. Mit Richtergenehmigung auch auf die Daten von
Journalisten, um ihre Quellen zu enttarnen. Andere Geheimnisträger, wie
zum Beispiel Rechtsanwälte, die mit ihren Klienten kommunizieren,
bekommen dagegen überhaupt keinen besonderen Schutz, wie Ars Technica berichtet. Auch das in USA von einigen Firmen
praktizierte Kanarienvogel-Verfahren (sog. warrant canaries), das
indirekt nach außen bekannt gibt, ob sie einem geheimen
Überwachungsbefehl unterliegen, wird unter Strafe gestellt.
Im Heise-Forum wurde über die Zustimmung in der Bevölkerung diskutiert.
Angeblich befürworten 2/3 der Bevölkerung die Vorratsdatenspeicherung.
Foristen sehen diese hohe Zustimmung allerdings dem Terroranschlag in
Sydney und der darauf folgenden Propagandaschlacht geschuldet.
-
In Südafrika gibt es Bestrebungen, das Internet zu zensieren.
Lügenpresse
Zwei Artikel sind letztens erschienen, die sich mit dem Thema
»Lügenpresse« auseinandersetzen, einmal in der Neuen Züricher Zeitung (via
Fefe) und im Spiegel. Letzteres ist in Form einer »Multimedia-Kollage« (mir
fällt da kein besserer Begriff ein).
SPD
-
Wenn man meint, die SPD und Gabriel könnten nicht noch eins
draufsetzen, wird man eines Besseren belehrt: Als Wirtschaftsminister
macht er Dieter Gorny zum »Beauftragten für ›Kreative und Digitale
Ökonomie‹«. Für die, die es nicht wissen: Dieser Mann ist der
Vertreter schlechthin für das klassische Künstler- und
Konsumenten-Ausbeutemodell durch die Rechte-Verwerter-Industrie. Also
völlig rückwärtsgewandt und wirtschaftsfreundlich, diese Entscheidung.
Meldungen bei Netzpolitik.org, Heise und
Spiegel.
-
Ein Zeit-Blog-Eintrag berichtet, wie Andrea Nahles die Armut wegzudefinieren versucht. Wieder mal ein Verrat an der
SPD-Klientel. Statt die Probleme der Unterschichten zu beseitigen, sollen
sie nur versteckt werden – wie mit den Arbeitslosenzahlen.
Rechtschreibung
Auch wenn ich es manchmal selber nicht schaffe, meinen Ansprüchen an die
Rechtschreibung gerecht zu werden (und mich so dem Hohn und Spott meiner
Leser aussetze), fühle ich mich zum Glück weit entfernt von den
durchschnittlichen Rechtschreibkünsten im Internet. Daß dies in den
zukünftigen Generationen alles noch viel schlimmer wird, davon berichteten
die Medien in den letzten Wochen. Schuld sind die Zustände an den Schulen
und bei der Lehrerausbildung an den Universitäten, wie die folgenden
Artikel aufzeigen:
Sonstiges
Die SPD ist die neue FDP
(Links zu den entsprechenden Themen folgen weiter unten)
Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit der
Vorratsdatenspeicherung. SPD-Justizminister Maas hat jetzt auf Druck von
Dumpfbacke Gabriel eine 180°-Wende in Sachen Vorratsdatenspeicherung
vollzogen. Der hat halt nicht das Rückgrat von seiner Vorgängerin
Leutheusser-Schnarrenberger, eine der wenigen Lichtblicke der FDP in den
letzten Jahr(zehnt)en, sondern ist ein gewöhnlicher SPD-Umfaller und
-Verräter wie seine Genossen. Oberverräter Gabriel erklärt seine
VDS-Unterstützung damit, daß er das Feld nicht den CDU-Hardlinern
überlassen wolle. Was ist das eigentlich für eine dämliche Begründung? Wie
damals bei von der Leyens »Kinderpornofilter«, dem die SPD zugestimmt
hatte. Politische Überzeugung, Argumente, Verstand, Rechtsprechung (BVerfG,
EuGH), Grundgesetz – alles unnötiger Ballast, der Gabriel nur dabei stört,
die SPD zur Blockpartei der CDU/CSU zu machen.
Das Gabriel- und SPD-Prinzip ist dabei immer gleich und heißt
Kosmetik: Am Anfang wird sich massiv über ein Vorhaben der CDU
und/oder CSU beschwert. Nein, man könne da nie und nimmer zustimmen. Dann
hört man eine Zeitlang nichts, das Thema verschwindet erstmal in den
Schubladen. Später heißt es, die SPD sehe großen Änderungsbedarf für eine
Zustimmung. Es wird dann »mächtig« verhandelt. Am Ende kommen jedoch nur
ein paar kleine kosmetische Änderungen ohne wirkliche Bedeutung heraus, die
aber medial aufgebläht werden, und die prozentuale Zustimmung der
SPD-Abgeordneten im Bundestag überschreitet bei der Abstimmung sogar die
der CDU/CSU. Wie es sich halt für eine brave Blockpartei gehört.
Aktuell kann man das an zwei Themen sehen: TTIP und Ausländer-Maut. Bei
TTIP gibt es massiven Protest in der Bevölkerung, und was kommt von
Gabriel: Ein paar Versprechen (oder Versprecher…), aber nichts greifbares.
Kosmetik halt zum Übertünchen, mögen sich die blöden Bürger damit
zufriedengeben.
Ähnlich mit der Ausländermaut: Was ein Tamtam der SPD, als »Doofbrindt«
im Herbst letzten Jahres seine Maut vorgestellt hatte. Anfang März haben
sich dann gerade noch 14 SPD-Abgeordnete
dagegen ausgesprochen, vermutlich schon unter Argusaugen der
SPD-Führung, aber auf jeden Fall ohne große Unterstützung. Letzte Woche hat
die SPD noch Änderungen an den (thematisch ziemlich belanglosen) Preisen
für die von Ausländern zu kaufenden Vignetten und am Datenschutz gefordert,
wobei in den jüngsten Meldungen von letzterem auch nichts mehr zu hören
ist. Und am nächsten Freitag (27.3.), ein Tag später als von CDU/CSU
gewünscht, wird die SPD die Maut mit marginalen Änderungen durchwinken.
Aber das Konzept der SPD geht nicht auf, sie verharrt bei 25%. Die
potentiellen SPD-Wähler sind nicht so dumm, wie die SPD sie gerne hätte
(könnten aber auch schlauer sein, wie die Ex-FDP-Wähler). Zudem verzeihen
sie der SPD immer noch nicht Schröders Verrat durch die
Hartz-IV-Gesetzgebung und die anderen Schweinereien wie die sinnlose
Riester-Rente oder das ganze Gazprom-Thema.
Die Situation der SPD wird in vier Artikeln bei der
Süddeutschen Zeitung, beim Spiegel, bei der Welt und bei Telepolis analysiert.
Vorratsdatenspeicherung
-
SPD-Justizminister Maas kippt um: Monatelang vehementer Gegner der VDS,
muß er plötzlich auf Gerüchte über »Geheimverhandlungen« mit dem
CDU-geführten Justizministerium reagieren und lügt die Bürger an, wie sich jetzt herausstellt. Sein Chef und
dessen Gefolge trommelte hingegen schon etliche Tage vorher für die VDS
(Zeit, Netzpolitik.org, Süddeutsche Zeitung). Und – zack – kann es Maas plötzlich nicht
schnell genug gehen (Netzpoltik.org, Spiegel). Ja, so eine Peinlichkeit hätte ich auch schnell hinter
mir.
-
Debatte im Bundestag über die Vorratsdatenspeicherung nach dem
Umkippen, auf Antrag der Grünen; CDU-Abgeordnete demonstrieren ihre
Inkompetenz. (Heise, Netzpolitik.org)
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Bundesgerichtshof-Präsidentin Limperg erklärt, daß sie auf die Grundrechte und Verfassung pfeift: Daß die
Strafverfolgung angeblich auf ausländische Information zurückgreife, ist
für die Frau wohl unschön, aber nicht wirklich ein Problem.
Unglaublich!
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Sascha Lobo: Warum die Vorratsdatenspeicherung noch immer Fans hat
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Zeit-Kommentar: Vorratsdatenspeicherung: Ein Schritt zur totalen Überwachung
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FAZ: Datenlust und Datenfrust
-
Netzwirtschaft und Opposition gegen
Neuauflage der Vorratsdatenspeicherung
-
Kritik von den JUSOs: »Wir brauchen keinen Alleingang von Sigmar Gabriel«
Überwachung allgemein
Sonstige Netzpolitik
Maut
TTIP
Gentechnik
-
Wer hätte das gedacht: Die Pollen halten sich einfach nicht an die
EU-Vorgaben und fliegen tatsächlich weiter als die gedachten 30 Meter.
Nicht viel weiter, bloß 4,5 Kilometer.
-
Da hat wohl Monsanto nicht genügend geschmiert:
Die WHO bewertet das Monsanto-Pestizid
Glyposat alias »Roundup« neu als »wahrscheinlich krebserregend«. Wenn
man die Berichte über die kranke Landbevölkerung in Südamerika liest, die
mit dem Dreck tagtäglich in Berührung kommen, ist das auch nicht
verwunderlich. Roundup bildet ja zusammen mit dem genmanipulierten
Saatgut das Welt-Ausbeutungsmodell von Monsanto. Daher wird Monsanto
sicher seine Marionetten in der Politik aktivieren, damit diese
Einschätzung bloß nicht um sich greift.
Sonstiges
-
Ein bißchen Hintergrundinformation über die schwedische Staatsanwältin,
die Julian Assange wegen der angeblichen Vergewaltigung verfolgt, gibt es
beim Stern. Stimmt der Artikel, muß die Frau eine ziemlich ideologisch
verbrämte Feministin sein, die in dem Verfahren ihre Chance sah.
-
Rundfunkgebühren: Wer hätte das gedacht: 1,5 Mrd. Euro Mehreinnahmen. Zurückgeben? Oh nein! Dank der
Mehreinnahmen können die Gebühren stabil bleiben! Ist das nicht schön
euphemistisch? Wer so denkt, hat doch schon längst den Boden verlassen…
Und wo ein Selbstbedienungsladen ist, da ist die Korruption nicht fern:
Vermutete Postenklüngelei und liegenbleibende Arbeit beim
»Beitragsservice«. Griechische Verhältnisse…
-
Weil ich schon bei den Öffentlich-Rechtlichen bin: Ich habe einen Blog
gefunden namens
»Propagandaschau«,
der hart ins Gericht geht mit dem Müll, den der ÖR von sich gibt. Für
meinen Geschmack etwas zu rußlandfreundlich, wenn’s um die Ukraine geht,
aber trotzdem nicht uninteressant.
Datenschutzreform
Seit langem plant die EU eine Reform der Datenschutzgesetzgebung. Hierzu
muß die EU-Kommission einen Entwurf ausarbeiten und diesen mit dem
EU-Parlament verhandeln. Der erste Schritt ist nun getan und offenbart eine
fürchterliche Entwicklung: Von Datenschutz kann kaum noch die Rede
sein. Die Mitgliedsstaaten waren aufgefordert, Änderungswünsche anzumelden,
und sehr viele haben – offensichtlich lobby-getrieben – Änderungen
vorgeschlagen, die den Datenschutz massiv aufweichen. Und, was glaubt Ihr:
gehört Deutschland dazu? Na klar! Das ist dieses dreckige Spiel über
Bande, das die Bundesregierung mit uns hier wieder spielt. Unser
linkischer Bürgerterrorisierminister Thomas de Maizière stellt sich mit
geschwellter Brust als Retter der Daten vor das deutsche Publikum, und
hinter dessen Rücken betreibt er die Ausbeutung dieser Daten durch Behörden
und Industrie. Wäre das ganze nicht aufgedeckt worden, hätte er dann
hinterher wieder alle Schuld der EU in Schuhe schieben können. Natürlich
sieht er immer noch alles als eine Verbesserung zum Status Quo, bloß die
dummen Kritiker sehen das nicht…
Einzige Hoffnung gegen den Ausverkauf der Daten ist nun das EU-Parlament,
das, älteren Äußerungen zufolge, tatsächlich für eine Stärkung des
Datenschutzes plädiert. Am Ende wird es aber wieder nur darauf ankommen, ob
das Umfaller-Gen bei den Sozialisten wieder aktiv wird oder nicht.
Meldungen dazu:
Vorratsdatenspeicherung
Es nutzt nichts, daß jetzt auch in den
Niederlanden und in
Bulgarien die höchsten Gerichte ein
klares Nein zur Vorratsdatenspeicherung ausgesprochen haben. Die Blockwarte
und Big Brother-Fans in der CDU und CSU lassen sich in ihrem Wahn nicht
beirren. Knackpunkt ist wie unter Schwarz-Geld, äh, -Gelb, das
Justizministerium, das sich noch geringfügig an die Urteile vom BVerfG und
EuGH gebunden fühlt. Wieder in die Presse haben das Thema Gerüchte
gebracht, nach denen es »Geheimverhandlungen« zwischen Innen- und
Justizministerium gäbe. Das wird jedoch vom Justizminister bestritten. Ein
Problem für die Überwachungsfanatiker ist, daß die EU momentan keinen
Neustart beim Thema VDS wagen möchte. Dafür bekommen sie unerwartet Hilfe
von dem sonst recht vernünftigen schleswig-holsteinischen
Landesdatenschützer Thilo Weichert, der sich eine einwöchige VDS vorstellen
könnte. Sie nutzen diese Aussage nun als Freibrief, daß eine
verfassungskonforme Vorratsdatenspeicherung doch ginge (fordern natürlich
gleichzeitig viel längere Speicherfristen).
Netzneutralität
Nicht überall, wo Netzneutralität draufsteht, ist auch eine solche drin.
Nachdem die Neuregelung in den USA im großen und ganzen ein "thumbs up"
(Daumen hoch) bekommen hat, versuchen Politiker in Europa ihren
lobbygetriebenen Mist, den sie unter dem gleichen Begriff verkaufen wollen,
den Bürgern der EU-Staaten schönzureden, mit allen Mitteln. Da werden von
Dumpfbacke Oettinger die Gegner dieser Netz»neutralität« schon mal mit den
Taliban verglichen.
Freies W-LAN
W-LAN, das von jedermann kostenlos und ohne Anmeldung genutzt werden
kann, ist im Gegensatz zum Rest der (industrialisierten) Welt in
Deutschland eine Seltenheit. Warum? Das liegt an der sogenannten
Störer-Haftung. Lädt sich jemand über ein offenes W-LAN urheberrechtlich
geschütztes Material herunter, so haftet der W-LAN-Betreiber mit, da er das
zugelassen hat. Kaum einer möchte dieses Risiko tragen. Netzaktivisten und
Gruppen, die gerne privat W-LAN-Zugänge oder -Netze aufbauen wollen,
drängen daher schon lange auf eine Änderung der Gesetze. Endlich, so
scheint es, werden sie erhört. Die Bundesregierung kreiste und gebar – ein
Häufchen Elend. Für Privatleute bringt es nicht das Gewünschte, außer einer
neuen Hürde. Sie müssen den Namen ihres Gastes kennen. Also kein anonymes,
zwangloses Verfahren. Und wie das dann genau geschehen soll, bleibt, wie
bei »modernen« Gesetzen so üblich, ziemlich im Schwammigen. Könnte man eine
elektronische Anmeldeprozedur machen, oder muß man sich den Ausweis zeigen
lassen? Und, wie lange müßte man die Daten aufheben (kleine
Vorratsdatenspeicherung, oder wie)? Interessant ist, daß dies für
kommerzielle Anbieter und Behörden nicht notwendig ist. Das steht schon
wieder voll unter Lobbyismusverdacht…
Mein Merksatz für heute
Erfolgreiche Bürgerproteste und Klagen gegen Beschlüsse der Regierung
sind bloß Pyrrhus-Siege. Die bekämpften Ziele bleiben natürlich weiter auf
der Agenda und tauchen nach einiger Zeit wieder auf, vielleicht an anderer
Stelle, vielleicht leicht abgewandelt. Wer wirklich etwas ändern will, muß
eine andere Regierung wählen, liebe CDU-, SPD- und CSU- und sonstige
Stamm-Wähler!!!
Sascha Lobo hat sich in seinem aktuellen Kommentar beim Spiegel über den Müll ausgelassen, den Politiker von sich geben, und das
paßt so wunderbar auf alle, die sich zu den hier erwähnten Themen geäußert
haben.