Wie befürchtet, passiert der neue Vorschlag der »freiwilligen
Chatkontrolle« nahezu unverändert und vor allem geräuschlos das Gremium der
EU-Botschafter der Mitgliedsstaaten. Tichys Einblick sieht darin eine schwere Niederlage der Gegner. Es
ist aber nicht die letzte Schlacht, die in dieser Sache geschlagen wird. Ob
die folgenden für die Gegner besser verlaufen werden, ist schwer abzusehen.
Ich weiß nicht wirklich, wie zum Beispiel das EU-»Parlament« dazu
steht.
Ich hatte mir gestern den Vortrag von Prof. Murswiek angeschaut und ich
sehe da Parallelen zu den Zensurbemühungen. Wie er ausgeführt hat, betreibt
die EU offiziell keine Zensur. Aber die Daumenschrauben, die sie den Social
Media-Betreibern anlegt, sind so eng, sprich, Strafzahlungen so dermaßen
exorbitant, daß den Firmen gar nichts anderes übrigbleibt. Die Gefahr,
echte, rechtswidrige Inhalte zu übersehen und dafür Strafen bezahlen zu
müssen, führt zu einem Overblocking.
Genauso wird es mit der »freiwilligen« Chatkontrolle kommen. Die
Betreiber von Instant-Messaging-Diensten wie Whatsapp werden offiziell
nicht gezwungen werden. Die Drohungen sind aber schon in dem Papier
enthalten: Die Betreiber sollen geeignete – bislang unspezifische –
Maßnahmen ergreifen, um den vorgeblichen Kindesmißbrauch einzudämmen. Auch
hier dürften dann wieder drakonische Strafen drohen. Und man kann die
Schrauben immer weiter anziehen, daß die Alternativen ausgehen. Der Autor
des Tichy-Artikels sieht das übrigens so ähnlich.
Tatsächlich ist der indirekte Zwang ein in der EU schon länger
eingespieltes Prinzip. Auch jenseits der elektronischen Kommunikation hat
er schon längst Einzug gehalten. Man denke bloß an die Abgasnormen für
Verbrennerautos. Völlig übertriebene Grenzwerte dienen dazu, die Mobilität
einzuschränken und die Hersteller kaputtzumachen, ohne, daß es
offensichtlich ist wie echte Verbote. Auch bei vielen anderen Grenzwerten,
ob Nahrung, Umwelt oder was weiß ich, wird das so praktiziert. Es bleibt
dann meist unter dem Radar, und einfältigen Bürgern kann man leicht
weismachen, daß die von den Gegnern gemachten Vorwürfe gar nicht stimmen
(diese wird man aber bald erst gar nicht mehr zu lesen oder zu hören
bekommen…).
Jean-Claude Juncker hatte die zugrunde liegende Taktik bereits vor einem
Vierteljahrhundert in einem unbedachten (und vermutlich
alkoholgeschwängerten) Moment ja mal herausgelassen: »Wir beschließen
etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was
passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil
die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir
weiter.« Unklar bis heute ist, was das eigentliche Ziel ist. Eins ist
nur sicher: Es ist nicht das Wohl der Menschen in der EU, nicht die
Demokratie und nicht die Freiheit.
Nachtrag: Siehe auch Apollo News.
Nach der heftigen Kritik um Meinungsfreiheit, auch durch seinen
Stellvertreter J.D. Vance, äußert er jetzt große Bedenken zur
Massenmigration, die die Europäer nicht in Griff bekommen – und in Teilen
auch gar nicht wollen. Er setzt jetzt Europa unter schärferer Beobachtung und will auch Druck
ausüben, wie die Bild berichtet.
Sicher macht er das nicht aus Selbstlosigkeit, aber das ist auch egal,
solange es auch im meinen Sinne ist. Ich denke, er hat einfach – und zwar
zurecht – Angst, daß Europa in Chaos, Gewalt, Islamismus, wirtschaftlichen
Niedergang, Antidemokratie und Totalitarismus verfällt und als verläßlicher
und starker Partner gegen China und Rußland wegfallen könnte.
Nachtrag: Siehe auch Apollo News, Tichys Einblick.
Nachtrag 2: Weiterer Artikel bei Tichys Einblick.
Bei Microsoft, Apple und Google ist man ja sowieso schon nicht mehr Herr
über sein Eigentum. Jetzt wird es noch schlimmer: Im Namen des
Jugendschutzes verlangen die Bundesländer nun per Gesetz, daß die
Betriebssysteme mit einem Jugendschutzfilter ausgestattet werden. Dann
sollen auch Programme nicht mehr ausgeführt werden können, die selber
keinen anerkannten Jugendschutzfilter besitzen. Zwar soll nach meinem
Verständnis der Filter standardmäßig nicht eingeschaltet sein und von den
Eltern aktiviert werden können, aber mich stört, daß überhaupt so eine
Software zwangsweise auf dem Rechner vorhanden sein soll. Der Schritt zur
totalen Überwachung des Rechners, wie er in Nordkorea stattfindet und
vielleicht auch schon in China, ist dann nicht mehr weit.
Heise berichtet über den Beschluß (via Danisch), verweist auch selber auf einen früheren Artikel, der die
Kritik daran zusammenfaßt. Auch ich hatte schon vor knapp einem
Jahr darüber
berichtet, basierend auf einem anderen Heise-Artikel.
Linux ist übrigens außen vor, denn es gibt in dem Sinne keinen
Hersteller. Und die Distributionen werden sich vermutlich einen Dreck darum
kümmern, zumindest, wenn sie nicht aus Deutschland und/oder der EU kommen.
Und das tun alle mir bekannten. Im Notfall kann man sich sein Linux auch
selber zusammenbauen (»Linux from Scratch«).
Richtiger wäre aber, so eine Gesetzgebung von vorneherein zu unterbinden,
beziehungsweise wieder abzuschaffen. Erziehung ist primär in der
Verantwortung der Eltern und nicht des Staates. Leider zweifele ich auch
daran, daß jemand diese Gesetzgebung juristisch angreifen wird.
»Unsere Demokratie« wieder am Werk: Es wird solange gewählt, bis das
Ergebnis stimmt. Nachdem in Bad Salzuflen »versehentlich« das
AfD-Ratsmitglied Sabine Reinknecht in einer geheimen Abstimmung zur
stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt worden war, mußte diese
unverzeihliche Wahl (Merkel-Sprech) natürlich rückgängig gemacht werden.
Damit nicht wieder jemand aus der Reihe springt, wurde eine geheime Wahl
abgelehnt. Das hat wirklich DDR-Niveau. Unter anderen berichten die
Junge Freiheit und Tichys Einblick (und weiterer Kommentar).