Die Kritiker sind sich leider ziemlich einig. Die ARD bzw. der NDR hat es
vermasselt. Da haben sie die Chance, Snowden zu interviewen, und was machen
sie daraus? Nichts. Hauptkritikpunkt ist, daß sie das Interview erst am
Sonntag abend um 23:15 Uhr gezeigt haben. Dann also, wenn die arbeitende
Bevölkerung schon im Bett ist oder zumindest auf dem Weg dahin.
Zweiter Kritikpunkt ist die Jauch(e)-Sendung davor. Zum einen kannten die
Zuschauer (und womöglich die Gäste auch) das Interview nur bruchstückhaft,
zum anderen waren die Gegner der Überwachung nicht wirklich bissig (da wäre
mehr gegangen) und zum Schluß war Jauch als Moderator unfähig und
unvorbereitet – wie eigentlich immer. Die Abwiegler (Ex-US-Botschafter und
ein Bild-Redakteur) konnten so ihren Müll relativ ungehindert
verbreiten.
Dritter Kritikpunkt ist, daß das Interview im Internet nur in Deutschland
und mit deutscher Übersetzung im Internet verfügbar war. Das wurde dann
aber abgestellt. Angeblich habe der NDR selber nicht die internationalen
Rechte an dem Interview, das sie selber (über Tochterfirmen) hat
produzieren lassen, gehabt (nebenbei wieder ein gelungenes Beispiel für das
Tarnfirmen-Netzwerk des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens).
Inhaltlich gab es auch nicht soviel neues, aber das liegt in der
Strategie Snowdens begründet, sich an der Aufarbeitung der Dokumente nicht
zu beteiligen, und darin, daß er seinen Asylstatus vermutlich nicht
gefährden will.
Hier ein paar Kommentare aus dem Netz:
Lanz und kein Ende
Die ganze Geschichte nimmt langsam bizarre Züge an: Die Zahl von 200.000
Unterschriften bei der Petition ist überschritten worden. Und was macht Lanz bei der
Sendung »Wetten, daß…«? Er gießt auch noch Öl ins Feuer, wie der Spiegel berichtet. Auf diese Art bekommt er die Kuh bestimmt
nicht vom Eis.
Und neue Fronten werden eröffnet: Der beim Wagenknecht-Bashing
mitwirkende Stern-Journalist Jörges fühlte sich zwischenzeitlich genötigt,
Lanz beizustehen, und brachte auf der Stern-Homepage einen
»Video-Zwischenruf«. Damit zog er jetzt den Zorn auch auf sich, wie der
Stern selber berichtet. Unter anderem wurde auch gegen ihn eine
Online-Petition auf dem gleichen Portal gestartet, mit schon fast
1.000 Mitzeichnern.
Oberflächlich könnte man meinen, dieser ganze Hick-Hack sei doch mehr ein
Thema für die Yellow Press. Ich bin aber, wie viele andere auch, der
Meinung, daß das ein Symptom eines viel größeren Problems ist, nämlich das
eines äußerst arroganten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, der schon lange
seine Aufgabe der unabhängigen, kritischen Berichterstattung aufgegeben hat
(falls er das jemals getan hat), und uns stattdessen mit regierungs- und
EU-konformen Dummquatsch einzulullen versucht.
Dennoch darf man sich bei der Angelegenheit auch ein bißchen amüsieren.
So müssen Lanz’ Moderationsfähigkeiten schon früher einen bleibenden
Eindruck hinterlassen haben, wie zum Beispiel das
Lanz-Trinkspiel zeigt.
Terror-Netzwerk NSA/Snowden-Affäre
Hier gibt es einiges neues. Edward Snowden gab ein Twitter-Interview
(hier von seiner
Unterstützergruppe in englisch, beim Spiegel eine Art Protokoll mit teilweisen Übersetzungen). Ich bin
noch nicht dazu gekommen, es ganz durchzulesen. Soweit jedoch: Er glaubt
nicht, daß er in den USA ein faires Verfahren bekommen würde. Ich glaube
das auch nicht. Einen Blick auf eine mögliche Rückkehr Snowdens in die USA
nimmt auch die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel.
Daneben hat er auch ein Interview mit der ARD/NDR gemacht, mit dem jetzt
die ARD hausiert. Sonntag abend soll es ausgestrahlt werden. Viel hat die
ARD noch nicht aus dem Sack gelassen, außer daß die NSA natürlich auch
Wirtschaftsspionage betreibt, wie alle es schon vermutet haben. Wenn jetzt
von Greenwald & Co. zeitnah noch ein paar Slides auf den Tisch kommen,
wird vielleicht die deutsche Industrie mal ein bißchen Druck machen, daß
die Regierung aus ihrer eid-verletzenden Starre herauskommt. Aber ich
zweifele, daß das wirklich passieren würde, denn ein Artikel in der
Süddeutschen Zeitung zeigt auf, daß die USA die Bundesregierung
mindestens zwei mal ganz klar belogen hat, was die Überwachung der
deutschen Regierung betrifft, und trotzdem tut sich nichts. Der
Verschwörungstheoretiker in mir sagt, daß die Amerikaner gewichtiges
Erpressungsmaterial in der Tasche haben müssen.
An anderer Front gibt es leicht positive Nachrichten: Das Verfahren gegen
die GCHQ wegen ihrer Abschnorchelei in Europa vor dem Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte wird zum Schnellverfahren, wie netzpolitik.org berichtet. Man sieht dort offenbar dringenderen
Handlungsbedarf.
Derweil beschäftigt sich ein juristischer Artikel auf der Technik-Magazin Golem.de mit der
theoretischen Frage, ob Notwehr gegen Spionage aufgrund der Untätigkeit
unserer Regierung rechtmäßig sei. Interessantes Ergebnis: JA.
Sonstiges
-
Nach der Entdeckung eines Briten, daß Smart-TVs von LG nach hause (zum
Hersteller) telefonieren, hat sich die c’t vom Heise-Verlag des Themas
angenommen. Und was stellen sie fest?
Die Fernseher aller Hersteller
machen das. Und noch mehr: Mit Hilfe eines web-basierten TV-Guides
(HbbTV) bekommen die Sender mit, wenn ein Zuschauer ihr Programm
einschaltet, und wohl unter Umständen auch, wann er es wieder verläßt.
Durch Cookies kann zudem ein Gerät eindeutig identifiziert werden. Nach
meinem Verständnis des Artikels handelt es sich hierbei mehr um einen
Mißbrauch einer Funktion des HbbTV als um ein inhärentes Verhalten dieses
Dienstes. Befragte Datenschutzexperten halten das für gesetzeswidrig. Und
wer macht da natürlich auch mit? Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk.
-
Die Polizei, Dein Freund und Helfer. Die Bewachung vor Merkels Wohnhaus
läßt einen Einbrecher passieren, der räumt die Nachbarwohnung auf
der selben Etage aus und klaut auch noch das Auto.
-
Es gibt eine (weitere?) Petition
gegen die Vorratsdatenspeicherung. Kleiner Sicherheitshinweis: Die
Petition läuft über change.org, die in USA sitzt und nicht frei von Kritik ist. Auch der Initiator ist eine etwas
verruchte
Persönlichkeit. Im Vergleich zu den 168.000 Antiali-lanz-ern (kleines
Wortspiel :-) ) sind leider die bislang 33.000 Unterschriften etwas
mickrig. Aber steter Tropfen höhlt den Stein.
-
Man glaubt’s kaum, aber die USA haben tatsächlich soetwas wie eine
Datenschutzbehörde. Und die bezeichnet die
Telefonüberwachung durch das
Terror-Netzwerk NSA als illegal. Es kommt hier und da die Vermutung
auf, daß Obama seine Rede extra vor den Veröffentlichungstermin gelegt
haben soll.
-
Die Petition gegen Lanz geht weiter. Seit meinem letzten Bericht hat
sich die Zahl der Unterzeichner mehr als verdoppelt, momentan sind es
mehr als 168.000! In der Zeit gibt es ein relativ aufschlußreiches
Interview mit einem Medienforscher. Der bezeichnet Lanz als
Vertreter des »Flachland-Entertainments«. Bei Focus findet sich ein
Interview mit der Initiatorin der Petition.
-
Ich berichtete ja schon von der neuen Online-Zeitung »The World Post«,
in der sogenannte Prominente wie Bill Gates, Eric Schmidt oder Tony Blair
ihren Sermon abgeben wollen. Die ist nun da. Der Focus berichtet darüber – man muß aber wissen, daß der
Burda-Verlag, zu dem Focus gehört, auch seine Finger in der deutschen
Ausgabe der Huffington-Post hat, die wiederum an The World Post beteiligt
ist. Daher eher als Promotion-Artikel zu betrachten. Optisch sieht das
nach Tratsch- und Klatsch-Blatt aus, und wie ich schon schrieb, kann ich
auf die Meinung dieser Art von Prominenten gerne verzichten.
-
Wir sind die Krankheit Facebook bald los! Wie Golem und Slashdot berichten, haben Forscher ein Epedemiemodell für
ansteckbare Krankheiten auf Social Media angesetzt. An dem Gedanken ist
ja durchaus etwas dran, denn die Leute werden durch ihr soziales Umfeld
dazu angeregt, bei diesen Diensten auch mitzumachen, was irgendwo
Ähnlichkeiten mit einer Ansteckung besitzt. Anhand der Historie eines
bereits gescheiterten Dienstes haben sie nun Indikatoren festgelegt, die
sie für Modell brauchen, und dann auf Facebook angewendet. Dann zeigt das
Modell, daß Facebook bereits seinen Höhepunkt überschritten hat und beim
Abklingen ist. Die Forscher geben sogar schon ein Datum an: Im Jahr 2017
wird Facebook irrelevant geworden sein.
-
Der deutsche Staat versucht, unliebsames öffentliches Material mittels
Urheberrecht von der breiten Masse fernzuhalten.
Netzpolitik.org berichtet von dieser Posse auf Kosten der
Steuerzahler, ebenso heise.de.
Das ist übrigens nicht das erste Mal.
-
Ein ähnlicher Konflikt entsteht gerade durch die Veröffentlichung von
Durchwahlnummern von Jobcenter-Mitarbeitern durch die Piratenpartei, wie
der Spiegel berichtet.
-
Ist die teilweise Aussetzung des Freihandelsabkommens TTIP nur ein
reines Ablenkungsmanöver zur EU-Parlamentswahl? Diesen Verdacht fand ich
einerseits im Blog von Campact, andererseits auch auf dem EU-kritischen
Online-Magazin Deutsche Wirtschaftsnachrichten.
Die Geschichte um Lanz geht weiter. Während die Zahl der Mitzeichnungen
auf über 68.000 gestiegen ist, ist das ZDF beim Lügen erwischt worden.
Gegenüber sich beschwerenden Zuschauern hatte das ZDF behauptet
(Quelle):
Unmittelbar nach der Sendung haben Sahra Wagenknecht und Markus Lanz ihr
Gespräch ohne Kameras noch fortgesetzt. Und wir können insofern
versichern, daß Sahra Wagenknecht mit der, wenngleich sehr intensiven,
Auseinandersetzung in der Sendung zufrieden war und nicht den Eindruck
hatte, ihre Positionen nicht ausreichend darlegen zu können.
Irgendwann ist diese Aussage zu Sahra Wagenknecht durchgedrungen, die
sich zu einer
Gegendarstelleng auf Twitter genötigt fühlte:
Liebes ZDF, nach dem breiten Protest gegen Markus #Lanz´ Gesprächsstil
zu behaupten, ich sei zufrieden gewesen, ist doch etwas arg frech.
Das ZDF machte daraufhin einen Rückzieher und stellte das als
Mißverständnis dar…
Weil Lanz so nach dem Gehalt von Wagenknecht als EU-Abgeordnete bohrte,
sei zu erwähnen, daß laut Süddeutscher Zeitung Branchenkenner von einem Jahresgehalt von
375.000 Euro für Lanz’ Aktivitäten beim ZDF ausgehen. Das sind rund 31.000
Euro pro Monat und somit ungefähr viermal soviel wie tatsächlich ein
EU-Abgeordneter bekommt (8.000 Euro) – für dieses primitive Geplapper!
-
Was mit Patientendaten passiert, wenn sie erst einmal zentral
gespeichert werden, sieht man gerade in Großbritannien: [Der NHS, d.h.
das staatliche Gesundheitssystem, will die gesammelten Daten an die
Wirtschaft
verkaufen](http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/neue-online-datenbank-patientendaten-aller-briten-werden-verkauft-12760319.html
http://heise.de/-2090164). Laut dem Artikel sollen die Daten
pseudonymisiert werden. Das stimmt aber wohl nicht. Ein Forist namens
»Fohgel« im heise.de-Forum verweist auf den Originalartikel von The Guardian, in dem steht, daß die sog. NHS-Nummer mit zu den zu
verkaufenden Daten gehört. Das ist die Versichertennummer des Patienten!
Nur zur Erinnerung: Die sogenannte Patientenakte bei der neuen
elektronischen Gesundheitskarte (eGK) wird auch zentral gespeichert, und
sie ist bei weitem nicht so geschützt, wie es uns versprochen wurde.
Falls der Patient von seiner Noch-Möglichkeit des Opt-Outs gebrauch
machen sollte, lassen sich selbst dann auch noch eine Menge Rückschlüsse
durch die Abrechnungskennziffern der Ärzte ziehen.
-
zum Terror-Netzwerk NSA:
-
ein Interview mit Bruce Schneier, ein sehr bekannter amerikanischer
Kryptographie-Experte.
-
die Meinung von Human Rights Watch
zur Schnüffelaffäre – zu recht niederschmetternde Kritik.
-
Bericht über einen Versuch des US-Außenministeriums, einen Blogger für eine PR-Offensive
zu gewinnen.
-
Transatlantisches Handelsabkommen (TTIP): Trägt die massive Kritik
erste Früchte? [Gespräche werden teilweise
ausgesetzt](http://www.golem.de/news/ttip-eu-setzt-gespraeche-ueber-abkommen-mit-usa-teilweise-aus-1401-104051.html
http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-01/eu-usa-freihandelsabkommen-gespraeche-teilweise-ausgesetzt).
Merkt man bei der EU langsam, in welche defensive Rechtsposition sich die
EU gegenüber der Wirtschaft begibt?
-
Im Internet läuft eine Petition, um Markus Lanz aus dem ZDF zu schmeißen – mit mittlerweile 38.000
Unterstützern, Tendenz stark steigend! Siehe auch z.B. Focus.
Hintergrund ist die Lanz-Sendung vom 16.1., in der Lanz (teilweise mit
Unterstützung der Stern-Nervensäge Jörges) verbal auf die Sahra Wagenknecht
der Linken einprügelt. Wie ich nach zehnminütigen Reinschauen bestätigen
kann, fällt er ihr relativ schnell nach seinen ziemlich dummen Fragen ins
Wort und insistiert auf der Beantwortung, weil er ihr intellektuell nichts
entgegenzusetzen hat. Eine Peinlichkeit. Beim Blogger Stefan Niggemeier gibt es Ausschnitte als Wortprotokoll samt
köstlicher Kommentierung. Da das offenbar nicht die erste Entgleisung von
Lanz gegenüber Wagenknecht ist, fühlte sich jetzt eine Frau genötigt, diese
Petition zu initiieren. Bin gespannt, ob die Pappnasen vom ZDF darauf
reagieren werden.
-
Ging heute durch die Presse: BSI
meldet 16 Millionen gehackter deutscher E-Mail-Konten. Das BSI gibt
aber nicht die Liste dieser Adressen heraus, sondern bietet einen Service
an, damit jeder seine Adresse testen kann. Der bricht kurz nach der
Meldung zusammen. Informationstechnologie made in Germany, einmal mit
Profis arbeiten! Verschwörungstheoretiker sehen das Verfahren nicht
unkritisch, kann doch das BSI eine Vielzahl E-Mail-Adressen (auch nicht
betroffener) Bürger sammeln, auch wenn das BSI die sofortige Löschung
verspricht. Nicht vergessen: das BSI untersteht dem Innenministerium!
-
Tja, wie das halt in frauenverachtenden islamischen Staaten so ist:
Österreicherin wird nach Vergewaltigung wegen Sex angeklagt.
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Ein bißchen Hoffnung keimt auf bezüglich Netzneutralität in der EU:
EU-Ausschuß gegen Zwei-Klassen-Internet.
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Amazon hat sich ein Verfahren patentieren lassen, bei dem die Waren an den Kunden schon verschickt werden, bevor sie
bestellt wurden – zumindest schon mal an ein Auslieferungszentrum in
der Nähe des Kunden.
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Kühlschränke sind schon seit langem im Verruf als Brutstätte unschöner
Dinge, seit neuestem auch für E-Mail-Spam. Seit einiger Zeit werden
Kühlschränke angeboten, die ein Display besitzen und ans Internet
angeschlossen sind. Wozu man das braucht, hat sich mir noch nicht
wirklich erschlossen, aber es gibt sie halt nun mal. Irgendwie war es
dann auch abzusehen, daß sie ins Visier von Hackern kommen und die
eingebauten Computer für andere Zwecke mißbraucht werden. Das hat man
jetzt erstmals in freier Wildbahn beobachtet, wie an verschiedenen
Medien, z.B. der
Spiegel,
berichten. Sie haben auch schon einen Begriff für solche gekaperten
Geräte gefunden: Thingbots. Ich glaube, das sogenannte Internet
der Dinge wird uns noch viel »Spaß« bereiten…
-
Auf Hinweis eines Kollegen: In Essen spielt sich derzeit mal wieder ein
Lehrstück bezüglich des Demokratieverständnisses unserer Politiker ab:
Dort wollte der Rat der Stadt die Messehallen für lächerliche 123
Millionen Euro aufpolieren. Natürlich war das alles wieder alternativlos,
wurde heftigst beworben. Jetzt gab es einen Bürgerentscheid, und der hat
das Projekt mit knapper Mehrheit (50,4%) gekippt. Wie ist die Reaktion
des Oberbürgermeisters? Er warf die Frage auf, »wo Bürgerentscheide ihre Grenze haben«. Panikmache obenauf:
Das Ergebnis bedeute für Essen eine Weichenstellung »in Richtung
Abwärts – mit ungewissen Ausgang«. Demokratie ist also nur solange
gut, wie sie den Göttern im Olymp nicht in die Quere kommt. Abtreten!
-
Nachtrag: An anderer Stelle demonstriert Essens OB noch, daß er das
demokratische Prinzip nicht verstanden hat: »Wenn 70 Prozent der
Essener nicht abstimmen, heißt das ja nicht, daß es eine Mehrheit gegen
den Messeumbau gibt, sondern daß es eine unentschlossene Mehrheit
gibt«. Nein, das heißt es nicht. Nicht wählen heißt, nicht am
demokratischen Prozeß teilzunehmen, warum auch immer. Irgendetwas da
hineinzuinterpretieren ist unlauter.
-
Obamas Ankündigungen zu der Überwachung durch das Terror-Netzwerk NSA
sind im allgemeinen in Deutschland als ziemlich unzureichend wahrgenommen
worden, selbst von Politikern der GroKo. Eine Ausnahme ist unser
Innenminister de Maizière, [der sie gut und wichtig fand](gute und
wichtige Rede). Dann wirft er noch als Ablenkungsmanöver ein paar
Nebelkerzen und warnt vor Sanktionen. Zusammen mit seinen Äußerungen zur
Vorratsdatenspeicherung letzte Woche muß man schon von
Realitätsverweigerung und Pflichtverletzung sprechen.
-
Fefe über De Maizière und
seinen Reinwaschversuch der Vorratsdatenspeicherung, bezugnehmend auf
ein FAZ-Interview »Der Staat und die Internetnutzer sind Verbündete«. Fefe bezieht
sich auch auf die jüngsten Äußerungen Obamas. Die habe ich mir noch nicht
im Detail angeschaut, sollen wohl aber ziemlich substanzlos sein.
-
Es ist schon schlimm für die Bürger, wenn die Behörden soviele Daten
über sie sammeln und sie EU-weit austauschen, noch schlimmer ist es, wenn
diese Daten auch noch geklaut werden, wie bei der Schengen-Datenbank SIS. Keine Sorge, das läßt sich noch steigern:
Die Daten wurden von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen verwaltet,
das eine Tochter des amerikanischen Unternehmens CSC ist. Diese arbeitet
wiederum eng mit dem Terror-Netzwerk NSA zusammen. Das nährt letztendlich
den Verdacht, daß die Daten sowieso schon in Richtung USA abhanden
gekommen sein könnten, jenseits des Hackerangriffs.
-
Gelegentlich schaue ich die Tagesschau mit, und bin jedesmal irritiert,
wenn über die Demonstrationen in Thailand berichtet wird. Gut, meine
Erwartungshaltung an die Tagesschau ist sowieso nicht hoch, aber da es
sich um ein nicht-deutsches Problem handelt, hätte ich selbst von denen
deutlichere Kritik erwartet, nämlich, daß die Demonstranten keineswegs
rechtschaffene Absichten haben. Tatsächlich wollen sie nicht weniger, als
die Demokratie abschaffen und sie durch eine Despotie ersetzen, die die
Wünsche der Elite im Land bedient. Einen Überblick gibt ein Artikel in der NZZ.
-
Wie ernst es die Mitglieder des Terror-Netzwerks NSA mit der
Rechtsstaatlichkeit nehmen, kann man beim Stern lesen: »US-Spione wollen Edward Snowdens Tod«. Für mich sind das
Psychopaten, die nicht im geringsten die Unrechtmäßigkeit und den Mangel
an Ethik ihres Handelns realisieren.
-
Gauck versteht nicht, daß der Begriff »Neoliberalismus« negativ
besetzt ist. Nun ja, wenn man in seinem selbstgebauten Elfenbeinturm
lebt, dann ist das nicht verwunderlich. Der Link ist übrigens nur als
Referenz da, es lohnt sich m.E. nicht, sich weiter mit der Rede zu
befassen.
-
USA probiert neue Giftcocktails für Hinrichtungen, da die EU den
bisherigen nicht mehr exportieren läßt. Dumm nur, wenn sie nicht so richtig funktionieren. Die amerikanische Verfassung
verbietet aber grausame Bestrafung. Das sieht der verantwortliche
Staatsanwalt natürlich anders: es gebe kein Recht auf schmerzfreien
Tod. Nun ja, nach der Verfassung dürfte es meiner Meinung nach auch
keinen elektrischen Stuhl geben, seitdem ich mal gelesen habe, was bei
einer solchen Exekution passiert. Übrigens hat sich der im allgemeinen –
aber nicht mehr von mir – so hochgeschätzte Thomas Edison sehr dafür
eingesetzt. Einfach alles Barbaren, diese US-Amerikaner.
-
Wenn die Lobby kommt, dann werden hehre Ziele Makulatur: EU will auf Gesetze gegen Fracking weitestgehend verzichten.
Sonst findet sich in jedem zweiten Satz das Buzzword »Nachhaltigkeit«,
aber wenn’s darauf ankommt: Pustekuchen. Wie mit der Gentechnik in der
Nahrungskette.
-
Deshalb gehen wir nicht in die Politik – ein Zeit-Artikel, warum
politisch engagierte Prominente nicht in die Politik wollen.
Verständliche Argumente.
-
Weil ich kürzlich über HH-Kfz-Kennzeichen berichtet habe: Nürnberg hadert jetzt mit N-SU. Grmpf. Man liest, wie die
Behörden sich da hineinsteigern: N-AH geht, solange die Zahl nicht 88
ist. Bei 99,9973% der Bürger kommt doch die vermeintliche Message der
Rechtsradikalen eh nicht an.
-
Erst hat Deutschland seinen Datenschützer verloren, jetzt auch die EU. Von mir aus könnte doch jetzt der Schaar den Posten
übernehmen. Das dürfte aber Illusion bleiben: Es wird befürchtet, daß das
gleiche passiert wie in Deutschland, nämlich, daß der Posten mit einem
inkompetenten und kritiklosen Politiker, der noch ein Pöstchen braucht,
neu besetzt wird.
-
Unser täglich NSA gib uns heute: Pro Tag werden 200 Millionen SMS-Mitteilungen vom
Terror-Netzwerk NSA abgeschnorchelt. Natürlich werden sie auf ewig
gespeichert (irgendwo las ich von fünf Jahren, aber wer glaubt denn das
noch?) Die NSA bezeichnet das als »Goldgrube«.
-
Die Berliner Polizei nutzt übrigens ebenfalls SMS zum Ausschnüffeln.
Rund 146.000 stille SMS zum Bestimmen des Aufenthaltsortes der
Zielpersonen wurden 2013 verschickt. Und die Berliner werden nicht
die einzigen in Deutschland sein, die das machen.
-
Cartoon: Der Gesellschaftstrend erreicht Rom.
Zumindest das EU-Parlament (und
hier) ist weiter als unsere Bundesregierung in der Frage nach
Sanktionen gegen die USA. Sie wollen das Safe Habour-Abkommen auf Eis
legen. Das wäre ein erster Schritt. Das Abkommen erlaubt den Transfer
privater Daten an US-amerikanische Unternehmen, wenn sie einen
Mindeststandard an Datenschutz einhalten. Daran hat zwar kein vernünftiger
Mensch je geglaubt, aber auch nicht, daß das selbst der amerikanische Staat
so schamlos ignoriert.
Daß die EU-Kommission da (noch) nicht mitspielt, liegt sicher auch darin,
daß diese ja im Einfluß der Länderregierungen (und somit auch der
deutschen) ist. Mal schauen, wie sich das entwickelt.
PS: Ich denke, ich werde bis auf weiteres bei dem Begriff
»Terror-Netzwerk NSA« bleiben, denn der Begriff Terror umfaßt ja nicht nur
physische Gewalt.