Es geht immer weiter mit der Entrechtung der Bürger und deren
Totalüberwachung. Und die Vorgehensweise ist immer die gleiche. Erst
schafft man die Basis für den Terror (durch katastrophale Außenpolitik
inklusive der Förderung von Krieg und Elend in Krisenregionen und durch ein
grandioses Versagen in der Migrationsproblematik) und dann nutzt man ihn
zur Einschränkung der Rechte, Gängelung und Überwachung des
Otto-Normal-Bürgers.
Wie die Welt berichtet (siehe auch
Heise, Netzpolitik), will die EU ein neues Maßnahmenpaket vorstellen,
darunter auch die verpflichtende Speicherung von Fingerabdrücken (und
bislang weiteren, nicht näher spezifizierten biometrischen Daten) auf allen
Ausweisdokumenten. Bei Pässen ist es dank der Amerikaner eh schon Pflicht,
bei Personalausweisen bislang aber nicht. Vermutlich ist dann auch die
Löschung der Fingerabdrücke nach Fertigung des Ausweises dahin (wenn die
Daten nicht sowieso schon illegal weiter gespeichert bleiben). Laut
Netzpolitik ist übrigens einer Bundestagsanfrage nach die Fälschungsrate
selbst vor Einführung des Chips und der darauf gespeicherten Daten
vernachlässigbar gering gewesen, als daß dies als Argumentation hergenommen
werden kann.
Mal schauen, was für »Geschenke« noch in dem Paket enthalten sein
werden…
Mir ist heute morgen eine Notiz beim Spiegel aufgefallen. Es wurde neue eine Kolumnistin vorgestellt. Ihre Kolumne wird
»Heimatkunde« heißen. Sie ist auch Mitbegründerin der »Neuen deutschen
Medienmacher«.
Ferda Ataman heißt sie. Klingt jetzt nicht so recht nach… Heimat.
Ob sie einen deutschen Paß hat, weiß ich nicht, ist auch egal, mag also
de jure deutsch sein. Aber zum Deutsch-sein gehört mehr dazu. Zum Beispiel
Identifikation. Wenn ich mir ihren Verein so anschaue, sieht es nicht
danach aus. Das Hauptthema ist wohl das Einfordern von Teilhabe für
Migranten (und wohl auch für Frauen, denn die Seite bedient sich extensiv
der feministischen Schwachsinnsschreibung).
Noch als Hinweis für die, denen die Terminologie nicht ganz klar ist:
»Teilhabe« ist nicht »Gleichberechtigung«. Teilhabe bedeutet gleiche
Privilegien und Einkommen ohne adäquate Gegenleistung (wie Bildung,
Erfahrung und Arbeit), sondern nur aufgrund der Zugehörigkeit zu einer
irgendwie gearteten Gruppe.
Auch scheint sie ein besonderes, nicht sehr »heimatliches« Interesse am
Islam zu haben, sonst würde sie sich nicht damit brüsten, Teilnehmerin an
einer der früher von der Regierung veranstalteten Islamkonferenzen gewesen
zu sein.
Einen Debüt-Artikel gibt es auch schon: Er dreht sich wohl auch um den
Kümmeltürken, wenn ich das beim Überfliegen richtig mitbekommen habe. Woher
der Begriff kommt, weiß sie aber nicht. Sollte sie halt mal die Leute aus
ihrer türkischen Heimat fragen. Die wissen das. Mir hat einer mal
erzählt, daß sie deshalb so genannt werden, weil es bei ihnen Brauch sei,
bei der Beerdigung Kümmel in das Grab zu werfen, um Tiere vom Leichnam
fernzuhalten. Er empfand daher den Begriff nicht als besonders
ehrenrührig.
Das ganze reicht mir, um zu wissen, daß ich mir das Lesen zukünftiger
Artikel von ihr getrost sparen kann. Das wäre reine Zeitverschwendung.
Um auf meine Überschrift zu kommen: Ich finde die Bezeichnung ihres
Vereins schon interessant, um nicht zu sagen, anmaßend. Was ist daran
»deutsch«? Wollen die sich anmaßen zu definieren, was deutsch ist? Das
erinnert mich an die Partei »Allianz Deutscher Demokraten«, die auch
zur Bundestagswahl angetreten war. Bis auf paar Vorzeige-Deutschen besteht
sie fast ausschließlich aus Migranten, wobei diese wiederum hauptsächlich
türkischer Abstammung sind. Ist die Annektierung des Begriffs »deutsch« ein
Vorgeschmack auf das, was noch kommt? Gerade die Erdowahn-Treuen in
Deutschland denken ja auch gerne laut über eine tatsächliche Annektierung
nach.
Man sagt Verschwörungstheorien nach, daß bei jeder ein Fünkchen Wahrheit
dabei sei.
Eine aktuelle Verschwörungstheorie lautet, daß die Reichen und Mächtigen,
wie zum Beispiel der Finanzmogul George Soros, die Migration mit allen
legalen und illegalen Mitteln fördern würden.
Aus reiner Philantropie? Natürlich nicht. Nicht einmal ansatzweise. Die
Reichen und Mächtigen haben zwei Probleme: Das erste: Es gibt jede Menge
potentieller Konsumenten. Milliarden. Nur haben sie kein Geld, dort wo sie
sind. Also sorgt man dafür, daß sie dorthin kommen, wo es Geld gibt: In die
reichen Erste-Welt-Staaten – Nordamerika, Australien, verschiedene
asiatische Staaten und – natürlich – Europa. Daß die Leute nichts können,
spielt keine Rolle. Sie müssen von den Ländern, in die sie migrieren,
versorgt werden: Unterkünfte, Essen, medizinische Versorgung. Das zahlt der
Staat, der sich das Geld von den Bürgern durch Erhöhung der Steuern der
Unter- und Mittelschichten wieder hereinholt. Das Geld verschwindet
natürlich nicht: Es geht zurück in die Wirtschaft und erhöht so die Umsätze
und Gewinne.
Das zweite Problem: Demokratie und nationale Identität. Beide haben den
Bürger im Sinn, das Gemeinwohl, nicht selten zum Nachteil der Industrie.
Auch hier hilft die Migration: Vermischung der Ethnien, Auflösung von
nationalen Identitäten. Die Bevölkerung beschäftigt sich mit den
Integrationsproblemen, religiösen Konflikten, Verbrechen, und wird von den
Plänen für einen Weltstaat abgelenkt, in dem Großunternehmen und Banken
grenzenlos agieren können. Gleichzeitig können strenge Gesetze, Überwachung
und Zensur eingeführt werden, um ein zukünftiges Auflehnen der Bevölkerung
zu verhindern, sollte sie dazu überhaupt noch in der Lage sein.
Die Vermischung der Ethnien erzeugt kulturellen Einheitsbrei, in denen
Staatsgrenzen keine Rolle mehr spielen. Grenzenlos, speziell für die
Wirtschaft. Nichts anderes ist das Ziel der Europäischen Union, der
verschiedenen Handelsabkommen. Die Auflösung der Staaten bedeutet auch die
Auflösung ihrer Demokratien. Sie werden ersetzt durch Regierungskonstrukte,
die immer ferner, immer unkontrollierbarer vom Bürger sind, und die
empfänglich für die Order der Reichen und Mächtigen sind. Handelsabkommen
wie TTIP und CETA pervertieren dann noch die übrig gebliebenen Reste der
Demokratie.
Soweit die Verschwörungstheorie. Aber ist es nur eine Theorie oder
tatsächlich Praxis? Ist das Fünkchen Wahrheit vielleicht nicht schon ein
brennender Wald?
Der informierte Leser hat sicherlich die politischen Ereignisse in Israel
rund um die 39.000 afrikanischen Flüchtlinge mitbekommen. Über Ostern
machte die Meldung die Runde, daß Premier Netanyahu etwa die Hälfte der Migranten (16.000) auf die
westlichen Staaten verteilen wollte. Deutschland, Italien und Kanada
wurden genannt, auch wenn es sich nicht auf diese beschränken sollte. Ein
paar Tage später der Rückzug. Warum? Man wundert sich.
Vielleicht, weil dadurch etwas an die Öffentlichkeit gekommen ist, was im
Dunkeln hätte bleiben sollen? Nämlich, wie weit die erzwungene Verteilung
von Migranten inzwischen gediehen ist. Netanyahu hatte die westlichen
Länder gar nicht gefragt, ob sie die Flüchtlinge aufnehmen würden. Nein,
die UNO, speziell die Unterorganisation UNHCR, das
»Flüchtlingshilfswerk«, würde die Migranten den Ländern zuweisen.
Ja, zuweisen. Auf Presseanfragen erklärt unsere Bundesregierung, sie
habe von der UNHCR bislang keine Anfrage erhalten. Klar. Die UNHCR fragt
nicht an, sie weist zu. Wieso kann sie das? Deutschland macht bei den
sogenannten »Resettlement«-Programmen mit. (das BAMF schreibt selbst: »Der sogenannte Resettlementbedarf wird vom
UNHCR festgestellt. Die Resettlementflüchtlinge erhalten einen
Aufenthaltstitel nach §23 Abs. 4 Aufenthaltsgesetz und müssen kein
Asylverfahren durchlaufen.«).
Wurde das in der Öffentlichkeit, in den Medien diskutiert, gibt es einen
Bundestagsbeschluß dazu? Nein. Das macht »unsere« Regierung unter
der Hand. Übrigens: Die USA verabschiedet sich gerade aus dem Programm…
Nebenbei: Das »Resettlement«-Programm ist unter der Regie von Peter
Sutherland entstanden, einem ehemaligen Goldman-Sachs-Mitarbeiter. Man lese
seine Ansichten zur Migration bei
Wikipedia.
Klingelt's?
Wichtige Links:
Bitte weiterverbreiten!
Wie nicht schwer zu sehen, habe ich schon lange nichts mehr geschrieben.
Hintergrund ist nicht, daß ich prinzipiell keine Lust mehr hätte oder die
Welt so gut geworden wäre, daß es keine Aufreger mehr gäbe. Eine
tatsächliche Spaßbremse gibt es aber dadurch, daß die Blog-Software eben
eine solche ist, also verlangt, daß man immer schön (längere) Artikel
schreibt, mit Überschrift und dergleichen, und diese Artikel dann auch
schön linear und platzverschwendend angezeigt werden. Wer meine Beiträge
liest, erkennt unschwer, daß das aber nicht so recht meine Vorgehensweise
ist. Ich möchte in der Regel eigentlich Links publizieren und ein bisserl
darüber granteln, halt dem Motto meiner Seite entsprechend.
Um nicht in hunderten kleinen Artikeln zu enden, sammele ich nun diese
Links. Aber mit zunehmender Anzahl solcher Links dauert es eine nicht
unerhebliche Zeit, einen Artikel daraus zu machen. Die Vorstellung, den
halben oder gar ganzen Abend damit zu verbringen, motiviert mich dann doch
nicht so recht. Ich schiebe das auf, wodurch die Liste halt noch länger
wird. Mittlerweile sind in der Liste rund 400 Links enthalten, von denen
viele schon so alt sind, daß ich sie bestimmt nicht mehr verwende. Aber
auch dann müßte ich mir selber erst nochmal alle anschauen und darüber
entscheiden. Ich könnte regelmäßig einen »Kehraus« machen, wie ich es schon
mal getan habe, aber das erscheint mir nicht wirklich sinnvoll: Soetwas
erschlägt vermutlich den Leser, und ich könnte sie genauso gut einfach
löschen. Das bringt nichts, so weiterzumachen.
Was tun? Nun, als Informatiker bin ich nicht auf existierende Software
angewiesen, ich kann sie mir selber schreiben. Ich muß nur schauen, wie ich
den Aufwand in einem vertretbaren Maße halte. Die von mir verwendete
Blog-Software »Ghost« ist zwar einfach gestrickt, vor allem in der
Uralt-Version, die ich verwende, nichtsdestotrotz bietet sie einen
Online-Markdown-Editor, Preview-Funktion und ein paar nette Goodies. Das
ist nicht einfach mal schnell nachprogrammiert, vor allem, weil ich mich
auch nicht für den Experten für browser-seitige Programmierung
halte. Das ist noch ein bißchen der Knackpunkt, wie ich das ersetze. In dem
Rest, also die Datenhaltung und die Aufbereitung der Inhalte, sehe ich
weniger Probleme.
Eine weitere Aufgabe ist die Übernahme der alten Texte. Sie aus der
Blog-Software herauszubekommen ist kein großer Akt dank der eingebauten
Export-Funktion. Aber ich muß mir überlegen, wie ich mit den in Markdown
formatierten Texten umgehe, denn eigentlich will ich Markdown in meiner
eigenen Software nicht weiter verwenden: Die Syntax von Markdown stellt ein
ziemliches Korsett dar. Einfach schnell mal die Syntax zu erweitern, um zum
Beispiel Text als Kapitälchen auszeichnen zu können, geht nicht. Da ist man
beispielsweise mit XML einfach besser dran.
Probleme über Probleme!!! Die lassen sich nicht so schnell lösen, und
darum rufe ich erstmal eine Sendepause aus. Mein Wunsch ist, daß bis zum
Ende des Jahres die neue Software soweit gediehen ist, daß ich die alten
Artikel anzeigen und neue Artikel mit gleicher Funktionalität erstellen
kann. Dann kann ich anfangen, nach und nach im laufenden Betrieb meine
Ideen umzusetzen. Ob das alles so klappt, will ich aber erstmal nicht
versprechen.
Erst einmal ein paar positivere Nachrichten:
-
Wie Heise berichtet, wollen neben der Gesellschaft für
Freiheitsrechte (GFF) auch Baum und Leutheusser-Schnarrenberger im Namen
der FDP, abgesegnet von Lindner, gegen die letzte Woche beschlossene
starke Ausdehnung der Bundestrojaner-Nutzung vor dem
Bundesverfassungsgericht klagen. Ebenso will der Restrumpf der Piraten
gegen die beschlossene, nahezu grenzenlose Weitergabe unser aller
Paßbilder an die Polizei- und Sicherheitsbehörden und gegen die
verstärkte Videoüberwachung (Videoüberwachungsverbesserungsgesetz)
klagen.
-
In einem Kommentar bei Heise hat der ehemalige
Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar das Gesetz und insbesonders
Heiko Maas scharf kritisiert. Ich weiß zwar nicht, ob er das während
seiner Amtszeit auch gemacht hätte, aber bei seiner Kollegin Andrea
Voßhoff kann man das klar verneinen.
-
Wie im letzten Eintrag berichtet, hatte das Oberlandesgericht Münster
in einem Einzelfall die Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung ausgesetzt
(Spiegel, Zeit, Heise), bis das Bundesverfassungsgericht ein Urteil gefällt hat.
Nun hat die Bundesnetzagentur, die für die Umsetzung zuständig ist,
die Vorratsdatenspeicherung komplett für alle Firmen
ausgesetzt.
Ich bin ja ein wenig gespannt, ob das Bundesverfassungsgericht jetzt in
irgendeiner Form reagieren wird. Es hatte bekanntlich die Verhandlungen
und die Entscheidung auf die lange Bank geschoben – Termin unbekannt, auf
jeden Fall nicht mehr im Jahr 2017. Sollten jetzt plötzlich Aktivitäten
entstehen, wäre klar, daß das Gericht auch schon unter der Merkelknute
steht.
NetzDG
Kommen wir nun zu dem sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetz –
wieder mal so eine verschleiernde Gesetzesbezeichnung, damit bei der
Berichterstattung innerhalb der Propagandaschau von ARD und ZDF der
Zuschauer bloß nicht aus seinem politischen Delirium gerissen wird.
Bei einer Expertenanhörung vor einer guten Woche wurde das Gesetz in der
Luft zerrissen. Die Mehrheit der Experten hält es für verfassungswidrig. Da
sich die Parteien typischerweise »gewogene« Experten einladen, ist das
schon ein Schlag ins Gesicht. Einen Moment lang lag die Hoffnung in der
Luft, das Gesetz könnte noch platzen (Heise, Netzpolitik, Spiegel). Nicht aber mit den Betonköpfen der CDU, CSU und SPD.
Letztere will angeblich das Gesetz unbedingt durchbringen, weil Heiko
Maas ein Erfolgserlebnis bräuchte. Wie sollte das »Erfolgserlebnis« bei
der massiven Ablehnung in der Zivilgesellschaft denn bitteschön aussehen?
Weitere 2% Verlust oder mehr für die SPD bei den Umfragen? Wäre mir
recht.
Während nicht nur aus der Richtung des Europarats Warnungen vor dem
Gesetz kommen, sondern sogar vom Sonderberichterstatter für
Meinungsfreiheit der Vereinten Nationen (Golem, Heise), hat die EU zwischenzeitlich in dem Notifizierungsverfahren
ihr Einverständnis zu dem Gesetz gegeben. Wie jedoch durchgesickert ist,
sei das jedoch bei Weitem nicht aus fachlicher Überzeugung passiert,
sondern man wollte angeblich nicht in den Bundestagswahlkampf
eingreifen (haben wir denn einen?). Eigentlich ist das wieder ein
Armutszeugnis für die EU: Die eigenen Regeln, das eigene Recht werden
gedehnt, gestaucht und ignoriert, je nachdem, wie man es braucht. Es ist
wichtiger, Merkel und Schulz nicht zu verärgern, als zu den Menschenrechten
zu stehen. Wenn es jedoch gegen Ungarn oder Polen geht, dann ist allerdings
das Heben des moralischen Zeigefingers und die politische Einflußnahme
schon in Ordnung oder gar ein Imperativ.
Um nach dieser Kritik und auch nach einem ebenfalls vernichtenden
Gutachten des juristischen Dienstes des Bundestages das Gesicht zu wahren,
hat die GroKo nun das Gesetz doch noch abgeändert. Aber die beiden
wesentlichen Probleme bleiben bestehen: Einerseits wird die Entscheidung,
ob eine Äußerung strafbar ist oder nicht, weiterhin an den privaten
Betreiber delegiert, obwohl in einem Rechtsstaat dies ausschließlich
Gerichten vorbehalten ist. Auch die Androhung von horrenden Strafen bleibt,
womit das Problem des potentiellen Overblockings bestehen bleibt.
Andererseits bleibt die Auskunftspflicht des Betreibers über den Autor
gegenüber privaten Personen und Unternehmen erhalten, falls sich jemand
beleidigt fühlt und eventuell die Absicht hat,
Rechtsansprüche geltend zu machen – sprich, es wird nicht sonderlich
geprüft, ob der Auskunftsanspruch gerechtfertigt ist. Das hebelt das Recht
auf anonyme Meinungsäußerung aus und läßt sich auch mißbrauchen – radikale
Gruppen von rechts bis links, von Feminismus bis religiösen Fanatismus
könnten die Identitäten ihrer Kritiker aus dem gemäßigten Milieu ermitteln
und sie in der »realen« Welt bedrohen oder gar schädigen.
So ist auch nicht sonderlich überraschend, daß die Bürgerrechtler und Netz-Aktivisten ihre Meinung über die
Verfassungswidrigkeit des Gesetzes nicht geändert haben. Die letzten
Appelle werden ungehört im fast leeren Bundestag am nächsten Freitag
verhallen, wenn ein paar abgestellte Parlamentarier hirnlos im Auftrag
ihrer Parteien abstimmen werden. Ein kleiner Trost ist, daß davon
auszugehen ist, daß auch hier in den nächsten Wochen und Monaten Klagen
beim Bundesverfassungsgericht eintrudeln werden.
Heute hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, das in zweierlei
Hinsicht ein Skandal ist und zeigt, wie weit sich die Damen und Herren
Abgeordneten, Minister und Kanzler von CDU, CSU und SPD von der Demokratie,
die sich in unserem Grundgesetz manifestiert, entfernt haben. Man kann
sagen, sie treten das Grundgesetz mit den Füßen.
Zum einen geht es um das Gesetz selbst. Der Bundestrojaner, also
staatliche Spionage-Software, die durch Täuschung, bei der »Inspektion« am
Flughafen, aber auch durch Ausnutzen geheimer Sicherheitslücken auf die
Geräte der Bürger gebracht werden, darf nach Willen der Mehrheit des
Bundestages nun auch für weniger schwere Straftaten eingesetzt werden und
unter gewissen Umständen reicht auch schon ein Verdacht. Betroffen sind
also nicht nur Terroristen, Mörder und andere Schwerverbrecher, nein, auch
Sie und ich können Ziel eines Trojaners werden.
Man könnte der Auffassung sein, der Bundestag hätte das Recht, so ein
Gesetz zu verabschieden. Das Problem ist nur, daß das
Bundesverfassungsgericht schon mal darüber geurteilt hat und damals
festgestellt hat, daß der Trojaner nur unter sehr engen Grenzen eingesetzt
werden darf. Alle juristischen Experten und Bürgerrechtsorganisationen sind
der Ansicht, daß diese Grenzen deutlich überschritten sind, also daß das
neue Gesetz mit dem Grundgesetz in mehrfacher Hinsicht nicht vereinbar ist
(siehe Link unten zu Netzpolitik). Und Urteile des
Bundesverfassungsgerichts werden natürlich nicht durch neue Gesetze
aufgehoben, allein das Gericht kann in späteren Urteilen seine Meinung
revidieren. Die (mir etwas suspekte) »Gesellschaft für Freiheitsrechte« hat
bereits angekündigt, Verfassungsklage einzureichen. Ich hoffe, weitere
kommen noch hinzu.
Der zweite Punkt betrifft die Art und Weise, wie dieses Gesetz zustande
kam. Die Bundesregierung hat hier etwas neues ausprobiert, nur ist das
nicht im Sinne der Demokratie. Gesetze in Deutschland durchlaufen drei
Lesungen im Bundestag, bevor sie dann letztendlich mit einer einfachen
Mehrheit verabschiedet werden (bzw. 2/3-Mehrheit bei
Grundgesetzänderungen). Dabei gibt es Möglichkeiten, über das Gesetz zu
diskutieren, und auch Bürger und Presse erfahren so von den Vorhaben und
können – wenn auch im geringen Maße – über den öffentlichen Druck Einfluß
nehmen.
Wohl wissend um die Brisanz und Illegalität des Gesetzes wollte die
Merkel-Regierung offenbar darauf verzichten, und hat einen Trick
angewendet, dessen Prinzip aus den USA kommt: Man versteckt ein Gesetz in
einem anderen. In den USA ist einerseits dieser Trick namens »Rider«
wohlbekannt und andererseits wird dieses Huckepack-Verfahren auch gleich zu
Beginn und hochoffiziell aus taktischen Gründen gemacht. Nicht so die
Bundesregierung. Klammheimlich sollte der Bundestrojaner in ein Gesetz zur
Verbesserung der Strafprozeßordnung eingefügt werden. Tatsächlich ist das
auch erst am Dienstag, also zwei Tage vor der Verabschiedung – bei einem
über Monate gehenden Gesetzgebungsverfahren – von dem Justizausschuß
eingefügt worden. Ich wiederhole nochmal: zwei Tage!
Dieser Trick hatte auch den »Vorteil«, daß, falls die übliche
Expertenanhörung überhaupt stattgefunden hat, der Bundestrojaner nicht
Gegenstand war. Kritik an der Trojanererlaubnis war von dort also gar nicht
möglich. Selbst die Bundesdatenschutzbeauftragte, die auch üblicherweise zu
solchen Gesetzen eine Stellungnahme abgibt, wußte absolut nichts. Und auf
den Webseiten des Bundestages zur heutigen Tagesordnung war zum Zeitpunkt
der Abstimmung noch der alte Gesetzesentwurf vom Februar verlinkt. Nur
irgendwo tief im System konnte man etwas finden.
Der Entwurf kursierte – nur unter den Abgeordneten der Koalition,
versteht sich – allerdings schon länger. Er wurde von der Bundesregierung
als Formulierungshilfe deklariert, wohl in der Hoffnung, daß es
nicht sofort auffällt, worum es tatsächlich geht. Das ist auch – im Sinne
der Groko – eine Weile gutgegangen, jedoch ist das Papier dann doch
durchgesickert und an die Öffentlichkeit gekommen.
Diese schäbige Trickserei ist eine eklatante Mißachtung der
demokratischen Gepflogenheiten. Es wurde versucht, die Opposition und die
Bürger vollumfänglich zu täuschen. Für mich gehören alle Beteiligten dieses
Betrugs, angefangen von Merkel bis zu den Parteispitzen von CDU, CSU
und SPD, achtkantig herausgeschmissen. Irgendwo habe ich gelesen, daß auch
hier wohl das Bundesverfassungsgericht bemüht wird. Hoffentlich bekommt es
dieses Mal seinen Hintern hoch – nicht so, wie bei der
Vorratsdatenspeicherung, bei der zufälligerweise heute das OLG Münster eine
einstweilige Verfügung gegen die Umsetzung der VDS wegen des EuGH-Urteils
hinbekommen hat – im Gegensatz zu den hochnäsigen Richterinnen und Richtern
vom Bundesverfassungsgericht.
Meldungen dazu:
Hatte die SPD nicht hoch und heilig versprochen, mit ihr werde es keine
Privatisierung der Autobahnen geben? Laut Presseberichten
(Rubikon, Berliner Zeitung) soll heute die SPD-Führung versucht haben, ihre
Bundestagsabgeordneten einzunorden und ihnen einzureden, daß die
Grundgesetzänderungen, die Ende der Woche durch's Parlament gejagt werden
sollen, das auch nicht enthalten würden. Sie lädt dazu ein paar angebliche
Fachleute ein, die sie zwischenzeitlich (z.B. durch irgendwelche obskuren
Zugeständnisse oder weiß der Henker was) umgepolt hat, und läßt sie die
Fraktion totquatschen. Eine Form von Selbstbetrug oder Selbstverleugnung,
in der Hoffnung, der dumme Wähler merkt es nicht? Oder ist es gar viel
schlimmer, daß die Abgeordneten es selber nicht merken sollen?
Man könnte ja meinen, wir wären im Wahlkampf, und da würden die Parteien
versuchen, sich ein Profil herauszuarbeiten und Kontrapunkte zu setzen.
Nicht so die SPD. Sie will wohl nur willenloses Anhängsel der CDU/CSU
bleiben, zudem auch noch eine Verräterpartei, die zeigt, wieviel
Versprechen bei ihr wert sind, nämlich nichts. Und Martin Schulz wird als
Marionette – mit sinnleeren Sprechblasen versehen, die ihm der innere
Zirkel vorgekaut hat – verheizt (nicht, daß ich Mitleid mit ihm hätte).
Wer wählt so etwas?
Übrigens, Marianne Grimmenstein (ja, die mit ihrer CETA-Klage) hat noch
eine Petition auf change.org gestartet, hier kann man mitzeichnen. Bislang über 118.000 Unterschriften.
Wer noch ein bißchen Hintergrundinformation über Schäubles und Gabriels
Pläne haben möchte, der lese diesen Stern-Artikel.
Das ist nicht mehr die freie Welt, in die ich mal hineingeboren wurde.
Dauernd wird davon geredet, daß wir uns einem Überwachungsstaat nähern
würden. Das ist aber falsch, denn es wird die »rote Linie« einfach immer
weiter nach hinten verschoben, um nicht zugeben zu müssen, daß wir
tatsächlich eigentlich schon drin sind. Schließlich wird die
Vorratsdatenspeicherung in wenigen Wochen wieder aktiv (neben vielen
anderen bereits eingeführten Überwachungsmaßnahmen und Zugriffsrechten),
und es sind keine Anzeichen in Sicht, daß das noch aufzuhalten ist. Trotz
mehrfacher Klagen mit zehntausenden Mitzeichnern hat das
Bundesverfassungsgericht nicht die Absicht, sich dieses Jahr noch damit zu
beschäftigen – und weil das alles nicht so schlimm ist und die beiden sehr
eindeutigen Urteile des Europäischen Gerichtshofs wohl nichts gelten,
wurden auch die Anträge auf einstweilige Anordnungen niedergeschlagen
(Netzpolitik, Heise).
So motiviert macht die Bundesregierung im höchsten Gang weiter. Die CxU
und SPD versuchen, sich dabei gegenseitig zu überbieten. Man meint, man
könne damit bei den Wählern punkten, und womöglich ist das leider sogar
so.
Und das i-Tüpfelchen ist, daß die Koalition heute auch noch »den Tag des
Grundgesetzes« feiert. Netzpolitik schreibt zu recht:
»An Doppelmoral kaum zu überbieten«
Was ist jetzt zwischenzeitlich alles beschlossen worden?
-
Die Fotos von den Personalausweisen und Pässen dürfen von den Behörden
nun uneingeschränkt automatisiert abgerufen werden, bislang war das nur
in »Notfällen« erlaubt. Kritiker sehen die Gefahr, daß vor allem die
Geheimdienste die Bilder systematisch abziehen und eine Datenbank davon
aufbauen. Auch der automatisierten Gesichtserkennung sind dadurch Tür und
Tor geöffnet. (Heise, Golem, Spiegel)
-
Das tote Pferd namens »eID« (Online-Ausweisfunktion des
Personalausweises) soll neu beschlagen und besattelt werden: die
Aktivierung ist nun obligatorisch, man kann sie auch nicht mehr
abschalten lassen. Na ja, Mikrowelle und Induktionsherde wirken manchmal
wunder… (CCC
via Netzpolitik)
-
Wie abzusehen war, hat der Bundestag die Fluggastdatensammlung
durchgewinkt.
-
Behörden dürfen jetzt die Mobiltelefone auslesen, wenn die Herkunft
der Flüchtlinge unklar ist.
-
Die EU stellt das Verfahren gegen die PKW-Maut ein, somit kann
die Überwachung der Autofahrer als Nebenzweck der Maut eingeführt werden.
Einzig die Klagen von Anrainer-Staaten könnten das noch verhindern.
-
Obwohl die Grünen im Bundesrat quasi Veto-Recht besitzen, ist dort alles ohne Widerspruch durchgelaufen.
Was steht unmittelbar bevor?
-
Das Maassche Zensurgesetz (NetzDG) ist durch die erste Lesung im
Bundestag. Zwar gab es auch Änderungswünsche aus der Koalition (und den dummen Grünen geht es
immer noch nicht weit genug und schnell genug), aber ob es noch
abgewendet werden kann, ist fraglich. Einige Datenschutzorganisationen versuchen es nun über die EU,
damit diese sich negativ auf die notwendige Notifizierung im
Gesetzgebungsverfahren äußert. (Golem-Kommentar zu Heiko Maas)
-
Die Vorratsdatenspeicherung soll jetzt auch auf nicht so schwere
Straftaten ausgedehnt werden, entgegen allen Zusicherungen der
Koalitionspolitiker, inklusive des Ober-Fake-News-Produzenten Heiko Maas,
bei der damaligen Wiedereinführung. Als Vorwand dienen die vielen
unaufgeklärten Einbrüche, vorzugsweise von Diebesbanden. Zudem soll die
Funkzellenabfrage ausgedehnt werden, obwohl sie jetzt schon exzessiv
genutzt wird (im Durchschnitt landet jeder Berliner alle 11 Tage in einer
solchen!!!). (Netzpolitik, Golem, Heise, Zeit, Golem)
-
Auch will die Bundesregierung den Einsatz von Staatstrojanern massiv
erweitern. Dabei hatte das Bundesverfassungsgericht im letzten Urteil die
Nutzung auf sehr schwerwiegende Fälle beschränkt. Es sah den privaten Computer oder das Mobiltelefon als Teil des
Kernbereichs an, dessen Vertraulichkeit und Integrität gewahrt werden
müsse. Aber darauf scheißen nun unsere ach so honorigen Abgeordneten.
(Heise, Netzpolitik, Golem, Zeit)
Was steht demnächst bevor?
-
Die SPD hat sich etwas ganz perfides ausgedacht. Zur »Stärkung der
Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt« sollen Google, Facebook, Twitter
und Co. gezwungen werden, die Inhalte der öffentlich-rechtlichen
Propaganda-Medien und ähnlicher »Qualitätsmedien«, die uns auch bislang
schon mit regierungstreuen Fake-News versorgt haben oder an denen die SPD
beteiligt ist, prominent vor allen anderen Meinungen und Beiträgen
dargestellt werden. Also genau das Gegenteil soll erreicht werden, die
SPD will die Meinungshoheit wiedererlangen. Allein schon dafür wünsche
ich der SPD unter 10% bei der Bundestagswahl! (Tichy, FAZ, Heise, Nachtrag: Golem)
-
Nachdem die Vorratsdatenspeicherung für Fluggastdaten durch ist, plant
die EU, das für jeglichen Grenzübertritt – auch von EU-Bürgern – in den und
aus dem Schengenraum einzuführen, also auch per Auto, Eisenbahn, Schiff
oder zu Fuß.
Sonstiges
-
Eine Analyse des neuen Datenschutzes kommt zum Schluß, daß gerade datenschutz-sensible Bereiche, wie bei Ärzten oder Anwälten,
nicht mehr auf Einhaltung des Datenschutzes durch die
Datenschutzbeauftragten überprüft werden dürfen. Hacker und
Schlapphüte werden sich freuen…
-
Im wochenendlichen Was-war-was-wird von Heise finden sich noch
weitere interessante (und bedenkliche) Nachrichten im Kontext dieses
Blog-Eintrags.
-
Die EU sieht die Datenschutzreform von der Bundesregierung fehlerhaft
umgesetzt und droht mit einem Vertragsverletzungsverfahren. (Heise, Golem)
-
In Großbritannien gibt es keinen Zweifel mehr, daß die Regierung die
von Orwell beschriebene Überwachung nicht nur erreicht hat, sondern auch
noch überschreiten wird. Sie plant ein Gesetz zur Echtzeitüberwachung
ihrer Bürger. Britische Telekommunikationsunternehmen müssen die Technik
bereitstellen, um gleichzeitig die Online-Aktivitäten von 0,01% der
Bürger, also 6.500, an die Staatsorgane weiterzuleiten. Und ich gehe
jede Wette ein, daß diese Zahl sich laufend erhöhen wird. Gut, daß diese
Schweinepriester bald abhauen.
-
Am Bahnhof Berlin Südkreuz startet im Herbst ein Pilotprojekt zur
Video-Überwachung mit Gesichtserkennung (Netzpolitik, Heise). Na, bis dahin müssen aber alle Paßbilder übertragen
sein!!!
-
In Leipzig wird ein länderübergreifendes Abhörzentrum
aufgebaut.
Gemäß einer Umfrage (via Heise) wollen
also 70% der Bürger auf Facebook & Co. zensiert werden. Die Leute
wurden auch gefragt, ob sie darin eine Gefährdung der Meinungsfreiheit
sähen, und nur 26% sind dieser Ansicht (16% »eher ja«, 10% »auf jeden
Fall«). Es könnte natürlich sein, daß die Befragten nicht ausreichend
informiert gewesen waren, aber ich halte es für wahrscheinlicher, daß hier
der deutsche Michel wie üblich reagiert: Gottvertrauen in die Obrigkeit und
der Glaube, daß sie selbst nicht davon betroffen wären.
Nachdem Maas und Konsorten so einen Tamtam machen, könnte man doch
meinen, es gäbe wirklich Bedarf, speziell bezüglich der sogenannten
Fake-News, ein sowieso extrem schwammiger und dehnungsfähiger Begriff. Das
Justizministerium müßte doch existierende Fälle nennen können, die in die
angebliche Gesetzeslücke gefallen sind, die durch das
»Netzwerkdurchsetzungsgesetz« geschlossen werden soll. So dachte sich Golem
das und hat dort nachgefragt. Und, was kam heraus? Überraschung: es gibt keine.
Man muß also konstatieren: Die erste wirkliche Fake-News, die zu echtem
Schaden führen könnte (sobald das Gesetz beschlossen ist), sind die Lügen
von Maas und Co., daß es solche überhaupt gäbe. Bravo!
Tatsächlich ist die Lüge – als Basis der Fake-News – ja auch nicht
strafbar. Jeder darf, auch in der Öffentlichkeit, lügen. Natürlich gibt es
Einschränkungen, zum Beispiel, wenn es andere Leute betrifft (unter anderem
jemanden einer Tat bezichtigen oder sonst diskreditieren), oder vor Gericht
als Zeuge. Aber die Lüge als solche ist eben straffrei. Wäre das nicht so,
wären die Gefängnisse überfüllt mit Politikern…
Es gibt immer umfangreicheren Protest – im folgenden aufgelistet –,
jedoch gibt es bisher keine Anzeichen, daß das in die Wahrnehmungsblase der
Bundesregierung eindringt. Ich las irgendwo, daß der Gesetzentwurf die Tage
mit nur kleinen Änderungen im Bundeskabinett bestätigt worden sei. Ich
frage mich, was ist der Hintergrund dieser Kritikresistenz? Geht es
wirklich nur um die Angst der Groko vor der AfD? Oder findet hier eine
Orbanisierung und Erdogansierung unserer Demokratie statt, bei der man sich
generell der Kritik aus der Zivilgesellschaft entledigen will?
Bürgerrechte sind die elementare Basis für Demokratie. Dazu gehört die
Meinungsfreiheit, das Recht auf Anonymität und die Privatsphäre.
Alle drei werden auch in Deutschland abgeschafft. Nicht so offensichtlich
wie in der Türkei, aber hier und jetzt. Im Eilverfahren. Mit
Pro-Forma-Anhörungen von Fachleuten, wo von vorneherein klar ist, daß deren
Meinungen von der Politik ignoriert wird. Mit den drei notwendigen
Abstimmungen in einer Woche, zwei davon spätnachts mit einer Handvoll
Abgeordneter.
Und die »ehrenwerten« Journalisten interessiert das alles nicht. Es geht
kein Aufschrei durch die Presse, auf keiner Titelseite findet sich etwas
dazu. Lediglich die üblichen Verdächtigen – Heise-Verlag, Golem und
IT-Resort-Journalisten großer Tageszeitungen berichten – und gehen in der
Masse anderer Meldungen unter. Und der Staatsfunk wird sowieso nicht
berichten, erst hinterher, wenn alles gelaufen ist, dann natürlich
regierungswohlwollend mit einem Halbsatz, daß es auch Kritik gab – als
Alibi für die »kritische Berichterstattung«.
Wohlgemerkt berichten natürlich die diversen NGOs sehr ausführlich und
gut, aber halt mit geringer Reichweite in der Bevölkerung.
Zensur
Die Einschränkung der Meinungsfreiheit und Anonymität, zumindest im Netz,
ist das Hauptziel des SPD-Sunnyboys und Mr. Inkompetenz Heiko Maas. Er
bringt zur Zeit ein Gummigesetz auf den Weg, das Social Media wie Facebook
und Twitter zwingt, unliebsame Beiträge ihrer Nutzer herauszufiltern. Auf
Zuruf müssen sie auch die Identität von Nutzern preisgeben. Vordergründig
geht es um sogenannte Haß-Postings, ein tatsächlich unschönes Phänomen, das
mit der Nutzung des Internets quer durch die Gesellschaft enorm zugenommen
hat.
Aber hier kommen wir auch schon zum Kernproblem der Sache. Was,
bitteschön, ist Haß genau? Es gibt natürlich die rechtswidrige oder
strafbare Beleidigung und üble Nachrede bei Einzelpersonen, sowie
Beleidigung von Personengruppen, Amsträgern und Verfassungsorganen,
Volksverhetzung usw. Aber wann jetzt die Grenze zwischen einer vielleicht
üblen, aber durch die Meinungsfreiheit gedeckten Beschimpfung und einer
rechtswidrigen oder strafbaren Äußerung überschritten wurde, das war
bislang die Aufgabe von Richtern. Das ist der Gewaltenteilung, das
Fundament der Demokratie und des Rechtsstaats, geschuldet.
Dieses Prinzip der Gewaltenteilung wird jetzt – zumindest für die Social
Media-Dienste – abgeschafft. Der Richter ist demnächst Facebook und Twitter
selber. Nicht freiwillig, sondern aufgezwungen. Und damit sie parieren,
drohen hohe, wirklich hohe – bis in den Millionenbereich – Geldbußen für
die Unternehmen, wenn sie ihrer Pflicht – aus Sicht der Behörden – nicht
nachkommen, und zwar schnell, innerhalb von 24 Stunden. Und da ist die
Crux: Die Unternehmen werden also zu Handlangern der Exekutive. Und wenn
sie sonst nicht den Kopf aus der Schlinge bekommen, werden sie ihre Aufgabe
übererfüllen, damit sie ja nicht in die Gefahr kommen, Bußgelder zahlen zu
müssen.
Neben der Einschränkung der Meinungsfreiheit kommt auch noch die
Aufhebung der Anonymität. Die Social Media-Unternehmen sollen nämlich
zusätzlich auf Zuruf die Identität (Name, Adresse usw.) eines
vermeintlichen Haßschreibers preisgeben müssen. War dies bisher im Rahmen
eines Strafverfahrens auf richterliche Anordnung schon möglich, geht dies
demnächst völlig ohne richterliche Kontrolle. Privatleute sowie Behörden
sollen die Identität einfach anfordern können. Es reicht, sich in seinen
Rechten verletzt zu sehen.
Wer sich nicht gerade unter falschen Namen und Adresse bei diesen
Diensten angemeldet hat, kann also nicht sicher sein, daß seine Identität
nicht an Dritte weitergegeben wird, auch wenn er sich nach deutschem Recht
absolut nichts hat zu Schulden kommen lassen! Und selbst mit
gefälschten Daten könnte seine Identität noch über seine IP-Adressen
ermittelt werden, über die er die Dienste nutzt.
Welche Konsequenzen das haben wird, ist nicht abzusehen, auch in Hinblick
auf die Selbstzensur (der sogenannten Schere im Kopf). Kritiker befürchten
unter anderem, daß speziell in den Grabenkriegen zwischen Links und Rechts,
zwischen Feministen und ihren erklärten Feinden, Türken versus Kurden usw.
dieses neue Recht zu Denanonymisierung mißbraucht werden wird, um dem
Gegner im realen Leben Schaden zuzufügen (Anschwärzen im sozialen Umfeld
und beim Arbeitgeber, Sachbeschädigung vom Eigentum des Betroffenen bis hin
zum körperlichen Angriff).
Prima, oder?
Privatsphäre und Datenschutz
Ich habe ja schon mehrfach berichtet, daß das neue Credo der
Bundesregierung, speziell Merkel und der Unionsminister, ist, daß
Datensparsamkeit ein Relikt des letzten Jahrtausend ist und daß Daten das
Öl des 21. Jahrhunderts seien. Zweifel bestehen, ob sie wirklich wissen,
was sie da erzählen – ist ja sowieso alles Neuland –, und sie nur wieder
Handlanger der (IT-) Großindustrie sind (mit der BITCOM als
Lobbyverein).
Mit der anstehenden Umsetzung der EU-Datenschutzreform bietet sich nun
endlich die Gelegenheit, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Die
EU-Datenschutzreform selbst ist zwar auch nicht das Gelbe vom Ei und kommt
wohl auch nicht an den bisherigen deutschen Datenschutz heran, aber
Datenschützer verreißen sie zumindest nicht völlig.
Ein Teil der Datenschutzreform ist als Verordnung formuliert – dieser
Teil tritt automatisch ohne Zutun der Mitgliedsstaaten an einem Stichtag in
Kraft. Ein anderer Teil ist eine Richtlinie und muß von den
Mitgliedsstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Das Problem jedoch
ist, daß die EU bei dieser Umsetzung jede Menge Freiheitsgrade erlaubt. Und
unsere Bundesregierung hat sich in ihrem Gesetzentwurf die jeweils für den
Bürger übelste Variante entschieden. Schlimmer noch: Laut Kritikern
überschreiten sie dabei noch vielfach die von der EU gesetzten Grenzen bei
diesen Freiheitsgraden. Damit wird Deutschland gegen EU-Recht verstoßen
(gibt uns wenigstens noch eine Chance, daß das Ganze vor dem EuGH landet
– vom BVerfG können wir m.E. nichts mehr erwarten).
Was bedeutet das für uns? Kurz zusammengefaßt: die Zweckbindung der Daten
wird häufig aufgehoben und die bisherigen Auskunftsrechte der Bürger stark
eingeschränkt. Dazu kommt auch noch eine erhebliche Ausdehnung der
Videoüberwachung, auch von Unternehmen.
Das ist nicht alles…
Insgesamt versucht die Große Koalition zur Zeit, alle möglichen
unmöglichen Gesetze im Eilverfahren durchzubringen, so wie letzte
Woche die Maut oder wie demnächst wohl das Autobahnprivatisierungsgesetz
(der Bundesregierung wird bestimmt noch ein ähnlich euphemistischer Titel
wie bei der Maut einfallen…). Die (faktisch nicht notwendige) Eile ist
besonders interessant und ich muß zugeben, daß ich daraus noch nicht völlig
schlau geworden bin. Geht es nur darum, die Gesetze schnell
durchzubekommen, um sicherzugehen, daß unsere völlig verschnarchte Presse
nicht vielleicht doch mal aufwacht und Wind macht? Will man Fakten
schaffen, die eine (möglicherweise anders strukturierte) Nachfolgeregierung
gar nicht oder nur schwer wieder zurückdrehen kann? Was hätte dann aber die
mitmachende SPD davon? Oder will man sich schnell noch die Mittel in die
Hand geben, die Bundestagswahl im eigenen Sinne manipulieren zu können und
die kleinen, inbesonders die AfD, unbedeutend bleiben? So wie
Erdoğan?