De mortuis nihil nisi bene – über Tote nichts außer wohl (zu
reden) heißt es eigentlich, und deshalb wollte ich eigentlich
schweigen. Aber wie der gestern verstorbene Wolfgang Schäuble heute über
den Klee gelobt wird, ist für mich unerträglich. Als Vorbild, als
Verteidiger der Demokratie – daß ich nicht lache. Nach außen mag er sich
als Demokrat gegeben haben, aber er war tatsächlich auch nur an seiner
persönlichen Macht interessiert. Ich denke da nur an seine Mitwirkung bei
Kohls Spendenaffäre, an das von ihm als Innenminister zu verantwortende
Abschußgesetz für entführte Flugzeuge, welches dann vom
Bundesverfassungsgericht kassiert wurde. Auch wollte er unbdingt die
Vorratsdatenspeicherung, wollte Klarnamenspflicht im Internet. Er war für
die Bargeldabschaffung aufgeschlossen. Laut dem Kabarettisten Volker
Pispers soll Schäuble mal gesagt haben, der Irakkrieg sei eine schlechte Lösung, aber
eine schlechtere Lösung sei eine gedemütigte Weltmacht USA. 500.000 Tote, damit die USA nicht gedemütigt wird: Wie widerlich
ist diese Denkweise! In der Corona-Krise sah er die Chance, die
»vereinigten Staaten von Europa«, also die weitere Entrechtung des
Souveräns, voranzutreiben. Das war aber keine neue Idee von ihm. Schon 2011
ließ er das Publikum
in einer Veranstaltung des European Banking Congress wissen, daß er
Deutschland seit 1945 für nicht mehr voll souverän hielt, und auch, daß er
nicht nur gar kein Problem damit habe, wenn Nationalstaaten nicht mehr ihre
volle Souveränität besitzen, sondern sie tatsächlich an Superstrukturen
abgeben sollten. Wer so denkt, ist kein Demokrat. Da gibt es nichts zu
diskutieren.
Nein, Wolfgang Schäuble ist wahrlich kein Mensch, dem ich in irgendeiner
Form nachtrauere. Tatsächlich hat er viel zu lange in der Politik
mitgemischt, mit fatalen Folgen für unser Land. Und sollte die
Deutschland-Abrißbirne Angela Merkel tatsächlich ihren Politikstil von
Schäuble erlernt haben, wie sie jetzt erklärt, dann wird meine Abneigung gegen diesen Menschen nur
noch größer.
Tja, wer hätte das gedacht: Der Blog ist heute 10 Jahre alt geworden.
1640 Artikel habe ich inzwischen veröffentlicht, dabei auf über 6400
externe Artikel, Videoclips und andere Webseiten verlinkt und mehr als 3,75
Millionen Zeichen getippt.
Hat sich das gelohnt? Ich weiß es nicht. Für mich insofern, daß ich
meinen Frust nicht in mich hineinfresse. Es ist doch irgendwie ein Ventil.
Aber ob ich jenseits dessen irgend etwas bewirke, da muß ich mich »ehrlich
machen« (wie man heute so sagt). Ich habe sie nicht gezählt, aber wenn ich
in das Log des Webservers hineinschaue, sind doch weiterhin die meisten
Besucher der Crawler der Suchmaschinen. Ja, ich weiß, ich habe ein paar
Leser, und ich bedanke mich an dieser Stelle dafür, daß meine Artikel nicht
völlig umsonst sind. Und am Ende bleibt ein bißchen Hoffnung auf die
Chaostheorie, nach der ein Flügelschlag eines Schmetterlings einen Sturm
auslösen kann.
Und wie geht es weiter? Erst einmal genauso wie bisher. Das
software-technische Provisorium des Blogs trifft das gleiche Schicksal wie
viele andere Provisorien: es bleibt länger als gedacht. Ich habe viele
Ideen für den Blog, und einiges habe ich schon experimentell ausprobiert.
Aber vor einer neuen Lösung bin ich noch ziemlich weit entfernt. Mein Beruf
und auch andere Interessen lassen mir auch nicht soviel Zeit dazu. Um das
alles aber nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag aufzuschieben, überlege ich
inzwischen, wie ich in Zwischenschritten Neuerungen einbauen kann.
Auch inhaltlich plane ich im Moment keine Änderungen. Irgendwie glaube
ich, meinen Stil halbwegs gefunden zu haben – was natürlich nicht sagt, ob
er nun gut, interessant ist und gefällt. Aber das liegt sowieso im Auge des
Betrachters – beziehungsweise des Lesers.
Bei Nuis ist noch ein weiterer Artikel zu dem sogenannten Asylkompromiß
erschienen. Einen interessanten Punkt bei dem geplanten Recht auf einen
Anwalt in der Abschiebehaft, den auch ich bislang übersehen habe,
formuliert laut Artikel der Chef der Bundespolizei-Gewerkschaft:
Menschen, die sich in Abschiebehaft oder Ausreisegewahrsam befinden,
haben das rechtsstaatliche Verfahren durch alle Instanzen durchlaufen.
Warum soll der Steuerzahler jetzt noch einen Rechtsbeistand bezahlen, wenn
alle Mittel ausgeschöpft sind? Es geht nur noch um den Vollzug einer
Rechtsfolge. Ein verurteilter Straftäter bekommt doch auch keinen
Pflichtverteidiger, wenn er in die Gefängniszelle einzieht, um seine
Strafe zu verbüßen.
Wo er recht hat, hat er recht.
Sowohl auf EU-Ebene als auch von der Bundesregierung werden uns gerade
Verschärfungen in den Migrationsverfahren versprochen. Doch scheint es
nicht mehr als heiße Luft zu sein.
Bezüglich der Pläne der Ampelregierung stellt Apollo News fest, daß weiterhin die »Seenotrettung« nicht
als kriminelle Schlepperei betrachtet wird. Und auch wenn Abschiebungen für
Migranten ohne Bleiberecht nun überraschender kommen können, wird das
dadurch sabotiert, daß ihm ein Recht auf einen Anwalt (auf Steuerkosten)
zusteht. Davon werden dann wohl alle Migranten in Abschiebegewahrsam
Gebrauch machen, was zusätzlich zu der langen Verfahrensdauer noch zu einem
Stau bei den Gerichten führen wird.
Und was die EU betrifft: Ein Kommentar beim Focus kommt zum Schluß, daß die Neuregelungen
nur für einen klitzekleinen Teil der Migranten gelten wird. Für den Rest
wird wohl alles so weiterlaufen wie bisher. Die Zahl der Migranten wird
sich nicht wesentlich verringern.
Nachtrag: siehe auch Bild, Tichys Einblick, Nius
Oh, Vollpfosten an den bayrischen Universitäten »rebellieren« gegen das
Genderverbot von Ministerpräsident Söder. Und die blöde Bild bezeichnet die noch als »Forschungselite«!
Ein Verbot sei ein Rückschritt und widerspräche grundgesetzlich
verankerten Prinzipien der Gleichbehandlung. Ja, wenn man natürlich so
strunzdoof ist, daß man die deutsche Sprache nicht versteht und sich mit
der Linguistik nicht einmal ansatzweise beschäftigt oder sich das mal
erklären läßt, dann kommt man vielleicht auf die dumme Idee, die Sprache
würde nicht alle Menschen gleichbehandeln. Solche Leute als »Elite« zu
bezeichnen wie die Bild, da dreht sich mir der Magen um. Elite in
Dummschwätzerei, oder was?
Die Ampelkoalition im Bundestag hat eine weitere Watsche durch das
Bundesverfassungsgericht bekommen. Der Umfang der Bundestagsneuwahl in
Berlin aufgrund der dortigen Pannenwahl im September 2021 wurde vom Gericht
erheblich ausgedehnt (31 statt 7 Wahlbezirke). Im Urteil steht unter anderem:
Der Beschluß des Deutschen Bundestages beruht auf einer
unzureichenden Aufklärung des Wahlgeschehens, da er die
Niederschriften der einzelnen Wahlbezirke weder selbst ausgewertet noch
deren Auswertung in sonstiger Weise veranlaßt hat.
Diese Auswertung war vorliegend aber geboten. Daß aus dem
Schweigen der Niederschriften nicht auf das Fehlen von Wahlfehlern
geschlossen werden kann, schließt nicht aus, daß in einzelnen
Niederschriften besondere Vorkommnisse ausgewiesen sind, die das Vorliegen
von Wahlfehlern dokumentieren. Der Bundestag wäre zur
Gewährleistung einer bestmöglichen Sachaufklärung daher verpflichtet
gewesen, die Niederschriften der einzelnen Wahlbezirke beizuziehen und
auszuwerten.
(Hervorhebungen von mir)
Also eine klare Unterlassung notwendiger Untersuchungen. Die hat dann das
Bundesverfassungsgericht ersatzweise durchgeführt!
Siehe auch Bild, Tichys Einblick, Nius.