Reichelt for Kanzler?
Bei seinem Format »Achtung Reichelt!« hält Julian Reichelt eine Wahlkampf-Ansprache als vorgeblicher Kanzlerkandidat einer neuen Partei. Von der Richtung her ist es die von Javier Milei: Der aktuelle Staat wird immer fetter und erdrückt uns alle, Wirtschaft, Forschung, freie Entfaltung des Bürgers. Er fordert drastischen Rückbau des Staates und natürlich das Ende der törichten Klima- und Energieideologie. Auch deutliche Ellenbogen gegenüber der EU sind Teil seiner Forderungen. Ich glaube, neben meiner Wenigkeit wird ihm ein nicht kleiner Teil der Deutschen zustimmen.
Wenn man ihm zuhört, könnte man meinen, Reichelt habe wirkliche politische Ambitionen. Und vielleicht ist das ja tatsächlich auch ein Testballon, mit dem er Reaktionen provozieren möchte. Ich halte das zwar für möglich, aber im Moment für nicht sehr wahrscheinlich. Interessant ist aber auch noch etwas anderes: Neben dem frustrierten, rationalen Teil der Bevölkerung, den er vorrangig immer adressiert, weiß Reichelt, daß auch etliche Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion zu seinen Zuschauern/Zuhörern zählt. Während er schon in mehreren Folgen seines Formats ihnen doch implizit bis explizit etwas auf den Weg gegeben hat, ist das hier definitiv nicht der Fall. Ganz im Gegenteil: Anfangs schreibt er nicht nur die SPD ab, sondern auch die CDU. Er wiederholt, was er in den letzten Tagen schon in seiner Talk-Runde gesagt hat: Die CDU werde nie wieder eine Wahl in Deutschland gewinnen. Vielleicht hat er deshalb auch stilistische Mittel einer Wahlkampfrede gewählt, um ganz klar zu sagen: Ich habe keine Hoffnung mehr, daß die CDU die Wende schafft. Die CDU ist politisch am Ende, sie hat keine Kraft mehr, keine Ideen und keinen Mut mehr, das Richtige und Notwendige zu tun. Sie ist die Ursache des Niedergangs unseres Landes und kein Teil der Lösung.