28. Februar 2026
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Jugendschutz als Einfallstor für Internet-Zugangskontrolle und totaler Überwachung

Die feuchten Träume der Überwachungsfanatiker sind ja schon länger bekannt und in totalitären Systemen wie China oder Nordkorea schon Realität. Gerade die Verhältnisse in Nordkorea müssen wohl schon eklatant sein: Erstens ist das sowieso ein völlig von dem Rest der Welt abgeschottetes »Internet«. Zweitens braucht man Privilegien, um es überhaupt nutzen zu können. Drittens werden die Nutzer ständig überwacht: Schon auf dem Rechner soll zwangsweise Software installiert sein, die alles aufzeichnet und nach illegalen Aktivitäten Ausschau hält. Bei den Servern sowieso. Und die Strafen sind drakonisch. China ist wohl noch nicht ganz so schlimm. Aber auch da gibt es Listen mit unerwünschten Begriffen. Und wer sie nutzt, fällt schnell auf und kann auch identifiziert werden.

Innerhalb der EU ist die Nutzung des Internets an sich noch nahezu völlig frei. Was am DSL-Router der Bürger rein- und rausgeht, ist im Moment noch nicht beschränkt. Provider müssen zwar für DNS-Resolver-Dienste, die sie betreiben, auf Druck der Unterhaltungsindustrie Sperrlisten einzusetzen, um das Auffinden von Servern mit illegalem urheberrechtlich geschützten Inhalten zu erschweren. Einen eigenen Resolver zu betreiben, ist jedoch gar nicht so schwer, außerdem lassen sich auch Resolver in den USA nutzen. Das wird nicht blockiert und ist auch völlig legal.

Bei den großen Social-Media-Diensten sieht es nicht mehr so rosig aus, hier ist schon eine deutliche Bevormundung zu spüren, und die EU macht soviel Druck, daß sie die USA auf den Plan ruft. Ich habe hier schon mehrfach berichtet bzw. verlinkt, darum will ich das jetzt nicht groß diskutieren.

Der Druck geht nun jedoch weiter, aus politischem Opportunismus. In der Welt der Politik ist es leider Gewißheit, daß wenn ein Land etwas sehr Dummes, Blödes, Hirnverbranntes macht, Politiker anderer Länder dies aufgreifen und für eine sehr tolle Idee halten – und insbesonders dann, wenn man das als Vehikel nutzen kann, um tatsächlich andere Ziele zu verfolgen. Und genau so verhält es sich mit der Sperrung von Social Media für Jugendliche, wie das nicht nur geographisch, sondern auch demokratisch-rechtsstaatlich ferne Australien es gerade vorgeführt hat.

Nein, natürlich läuft einiges schief bei der Nutzung von Social Media durch Kinder und Jugendliche. Aber ich sehe da einfach die Eltern in der Pflicht, den Zugang zu erschweren und zu kontrollieren, statt mit Brachialgewalt hier eine Schneise zu schlagen.

Jetzt komme ich aber zum eigentlichen Thema zurück: Für eine Altersbeschränkung muß man natürlich eine Alterskontrolle implementieren. Und die muß dann jeder durchlaufen: Vom gerade genug altgewordenen Jugendlichen über Erwachsene im mittleren Alter bis hin zu alten Leuten. Es betrifft also grundsätzlich alle und nicht nur Jugendliche. Während manche Dienste mit biometrischen Erkennungsmethoden, inklusive künstlicher Intelligenz experimentieren (also zum Beispiel durch Analyse von Videoaufnahmen der Webcam des Nutzers), um das Alter und halbwegs sicher und – zumindest theoretisch – auch anonym zu ermitteln, wollen manche Politiker offizielle Identifikationsmittel einsetzen, vor allem auch solche, die gerade von der EU geplant werden, aber noch kein Interesse bei der Bevölkerung gefunden haben. Dazu zählt die digitale Identität EUDI, die die EU gerade aufbaut. Aber gerade die (zwangsweise) Nutzung dieser Identität könnte der Einstieg in eine totale Überwachung bedeuten, denn nicht nur würden die EU-Behörden jeden Login-Vorgang oder zumindest jeden Registrierungsvorgang mitbekommen. Jedes Posting auf einem Social Media-Dienst wäre dann auch mit dieser Identität verknüpft. Ein gefundenes Fressen für unsere zensurgeilen Politiker und Behörden! Außerdem würde man den Nutzungszwang hoffähig machen und auf andere Bereiche ausdehnen.

Ein Artikel bei Nius führt die möglichen Konsequenzen noch weiter aus. Das sollte jeder mal gelesen haben und sich fragen, ob er das will.