Dysteuropäische Union

Ich glaube, ich habe einen großen Fehler gemacht, daß ich mir gerade eine Immobilie gekauft habe. Ich hatte gehofft, es würde noch bis zum Ende meines Lebens dauern. Aber es fängt jetzt schon langsam an, unerträglich zu werden. Ich hätte besser meine sieben Sachen packen sollen und irgendwohin verschwinden sollen. Nicht mehr warten, z.B. bis zur Pensionierung. Nein, besser sofort. In die Schweiz, nach Südamerika oder irgendwo in die hinterste Ecke von Tasmanien oder dem australischen Outback (auch weit weg von der durchgeknallten australischen »Zivilisation«). Hinter'm Mond, aber selbst da ist man dank der Chinesen nicht mehr allein.

Es vergeht kaum ein Tag mehr, an dem unsere Freiheit nicht weiter eingeschränkt wird, wir nicht weiter überwacht werden, wir nicht immer mehr wie kleine Kinder bevormundet werden und uns gesagt wird, was wir zu tun und zu lassen haben, wir nicht immer mehr in unseren Handlungen und Äußerungen eingeschränkt werden, uns das Geld nicht weiter aus den Taschen gezogen wird und unsere Demokratie nicht weiter bis zur Unkenntlichkeit entkernt wird.

Was noch verschlimmernd hinzukommt, ist, daß es die meisten Menschen einen Dreck interessiert. Hauptsache, sie haben ein Schnitzel auf dem Tisch oder können, mit der Flasche Bier in der Hand, vor der Glotze sitzen und Fußball schauen. Als hätte es all die Diktaturen nicht gegeben, in Deutschland, in Europa und in der Welt, und hätten nicht tausende, zehntausende, hundertausende Menschen ihr Leben gelassen, um frei zu sein. Für sie hatte das mehr bedeutet als verschiedene materielle Annehmlichkeiten, mit denen heute die Bürger ruhiggestellt werden. Billiges Mobiltelefon-Roaming und kein Währungsumtausch im Urlaub – das reicht heute schon, damit die Bürger von der EU begeistert sind.

Intellektuell sind wir in einer Phase der geistigen Rückentwicklung, der Verblödung. Man sieht das zum Beispiel am Feminismus/Genderismus oder dem bräsigen Gutmenschentum, mit dem wir uns auf die verschiedenste Art und Weise selber kaputtmachen. Ich habe von Philosophie kaum eine Ahnung, aber die paar Sätze, die Immanuel Kant vor über 230 Jahren zur Aufklärung schrieb, sind hängengeblieben und Triebfeder meines Denkens geworden. Bis vor zwanzig Jahren hatte ich den Eindruck, daß das auch für die meisten meiner Mitmenschen gilt. Inzwischen bin ich da geläutert.

Zur gewissen Ehrenrettung meiner Mitmenschen muß ich allerdings sagen, daß dies nicht zufällig passiert und sie nicht alleinig daran schuld sind. Der sogenannten Elite, gebildet aus Wirtschaftsbossen und Medienmogulen, mit den Politikern und Journalisten als ihre Handlanger, war der freie Wille des Plebs schon immer ein Dorn im Auge. Das Volk hat zu arbeiten, arm und dumm zu bleiben und nichts zu sagen.

Die Elite hat daher diese negative Entwicklung maßgeblich gefördert. Die Methoden des Dritten Reichs und des Kommunismus waren verbrannt, zu offensichtlich, die Erinnerungen noch frisch. An deren Stelle ist die Taktik der kleinen Schritte über einen langen Zeitraum getreten. Jean-Claude Juncker hat sich bekanntlich diesbezüglich mal verplappert. Bemerkt das Volk aus Versehen mal den Weg in die Unfreiheit, dann bleibt man stehen oder geht einen kleinen Schritt zurück, nur um später – vielleicht auf einer leicht abgewandelten Route, oder mit ein bißchen Ablenkung, à la Brot und Spiele – zum gleichen Ziel zu kommen.

Ein weiterer Schlüssel liegt in der Kindheit. Von klein an werden wir manipuliert. Das ist auch nicht neu und gab es schon früher. Aber auch hier geht man inzwischen subtiler vor. In der Schule wurde uns zwar die Greuel der Diktaturen erklärt, aber gleichzeitig uns weisgemacht, daß unsere eigenen Systeme (ob West oder Ost) die beste seien, die es auf der Welt gäbe. Viele haben das als Kind geglaubt, und glauben das auch noch als Erwachsene.

Die Elite macht sich dabei auch die Hirnwäsche zunutze, mit der die Religionen Menschen dazu zu bringen, an göttliche Wesen zu glauben, ohne, daß sie auch nur im Entferntesten ihre Existenz beweisen können. So konditioniert sind nämlich die Menschen auch für die Lügen der Eliten empfänglich, werden sie nur entsprechend aufgetischt – wie zum Beispiel die sogenannte repräsentative Demokratie. Sie ist vom Konzept her schon nur eine Fassade einer echten Demokratie, wie sie uns die alten Griechen vorgelebt haben. Aber selbst diese funktioniert heute nicht mehr. Das Parlament ist durch den Fraktionszwang zu einer belanglosen Theaterbühne verkommen und dank Übertragung der Souveränität des Bürgers zur EU zum Durchwinkverein von Gesetzen eines nicht demokratisch legitimierten, totalitären und korrupten Molochs geworden.

Ich muß sagen, diese ganze Entwicklung verbittert mich sehr, und trotz Brexit, trotz politischer Umorientierung eines Teils der Bevölkerung in Europa sehe ich wenig Perspektiven, daß diese furchtbare Entwicklung in Deutschland und in Europa aufgehalten werden kann. Die Technologien, die uns Ende des 20. Jahrhunderts soviel Freiheiten und Möglichkeiten brachten, und wir ein Utopia für möglich hielten (man denke nur an die Visionen von Startrek!) wenden sich zunehmend gegen uns. Nein, stattdessen wird 1984 real. Man bringt Massen fremder Leute nach Europa, schürt so soziale, ethnische und religöse Konflikte und begründet dann damit die Errichtung von totalitären Polizei- und Überwachungsstaaten. Selbst, wenn wir diese überwinden könnten, bleiben das »Erbe« und damit alle Konflikte hier. Und so, wie es aussieht, werden wir, »die hier schon länger sind«, die Verlierer sein.