Cancel Culture, jeden Tag

Gefühlt wird mittlerweile jeden Tag eine Person irgendwo ge»cancel«t, weil sie etwas gesagt oder geschrieben hat, was der linke Mainstream nicht hören will, ob hier oder in den USA.

Einen Fall will ich mal kurz herauspicken, den der Star Wars-Schauspielerin und Anhängerin der Republikaner, Gina Carano, und zwar deshalb, weil es hier auch wieder um Nazi-Vergleiche geht.

Während es für Linke kein Problem ist, Rechte – ob Republikaner in den USA oder AfD-Mitglieder und -Wähler in Deutschland – völlig undifferenziert als Nazis zu bezeichnen, soll ein umgekehrter Vergleich, also in Richtung der Linken, eine Todsünde sein. Was hatte die Dame denn so Böses geschrieben?

Nun, sie schrieb sinngemäß, daß die Nationalsozialisten es geschafft hätten, ihren Haß auf die Juden auf die Bevölkerung zu übertragen, sodaß sie sich an der Judenverfolgung aktiv beteiligt hätten. Und sie sähe, daß die Linken in den USA ähnlich versuchen würden, Haß auf die Republikaner unter der Bevölkerung zu schüren.

Das wurde ihr übrigens als Antisemitismus ausgelegt und Lucasfilm, Produzent von Star Wars, hat deshalb eine weitere Zusammenarbeit mit ihr ausgeschlossen, was völlig absurd ist, egal, ob ihre Aussage nun richtig oder falsch ist.

Was sie gemacht hat, ist, einen bestimmten Aspekt herausgezogen – hier die Manipulation der Massen, die Indoktrination eines Weltbildes – und Vergleiche angestellt. Damit hat sie doch nicht zum Ausdruck gebracht, die Demokraten und die amerikanische Linke wollten die Republikaner abschlachten wie die Nazis die Juden (auch wenn es auf Twitter durchaus Postings in diese Richtung gegeben hat), oder die Situation der Juden im Dritten Reich auf die Situation der Republikaner in den USA heruntergespielt. Deshalb halte ich Vergleiche dieser Art für durchaus legitim. Und wenn man die Prämisse, es dürfe nie wieder soetwas geschehen, wie eine Monstranz vor sich herträgt wie all unsere Gutmenschen, dann, gerade dann, muß man jederzeit, überall und mit jedem, speziell mit Machthabern, Vergleiche mit dem Nazi-Regime durchführen, um die Wiederholung zu erkennen. Vergleichen heißt ja nicht Gleichsetzen, sondern feststellen, ob und inwiefern Gleichheit besteht. Nicht mehr und nicht weniger.

Und wie idiotisch die ganze Kritik an Nazi-Vergleichen ist, sei an einem Beispiel demonstriert: Die Nationalsozialisten haben den Muttertag und den Tag der Arbeit am 1. Mai eingeführt. Wir feiern also die beiden Tage wie die Nazis. Und? Habe ich jetzt den Holocaust verharmlost?