ARD: Staatsfunk mit feinster DDR-Propaganda

Eine ganz, ganz üble Strategie wurde in den obersten Etagen des ARD ausgeheckt. Ein Dokument, das nie an die Öffentlichkeit gelangen sollte, dann erst an die Presse durchgesickert ist, bis es später von Netzpolitik publiziert wurde, offenbart eine perfide Methode, mit der die schlechte Meinung der Öffentlichkeit über die Zwangsfinanzierung des ÖR durch die Bürger aufgebessert werden soll(te).

Framing heißt das Mittel der Wahl, und das Schlimme dabei ist, daß hierbei Argumente, Fakten keine Rolle spielen, sondern, daß es auf Begriffe aufsetzt, die im Unterbewußtsein Assoziationen verursachen und so positive oder negative Wirkungen erzeugen. Und je konkreter, einfacher diese Begriffe sind und desto mehr sie mit körperlichen Empfindungen verknüpft sind (z.B. Bilder, Geschmack, Gefühle), umso besser wirken sie. Es ist also – das kann man ohne Einschränkung sagen – eine Form der Manipulation. Das Dokument selber gibt hierfür ein Beispiel: Würde die ARD seine Zuschauer als »Kunden« oder »Konsumenten« bezeichnen, wäre das schlecht, denn damit assoziiert man das Einkaufen in einem Laden, wo man sich etwas aussucht und am Ende nur genau das bezahlt, nicht aber alle anderen Waren, die sonst noch im Geschäft herumstehen. Dies würde also eine Erwartungshaltung erzeugen, die der ÖR nicht erfüllen kann und will. Jedes Wort wird bis in die größtmögliche Tiefe analysiert und nach Gut und Böse sortiert. Aus den guten Wörtern konstruiert man dann seine Statements, wobei es auf den Wahrheitsgehalt nicht sonderlich ankommt.

Um die Methoden des »Framings« kennenzulernen, hat die ARD 2017 einen Workshop veranstaltet, und im Zuge dieses Workshops ist das besagte Dokument von einer Beraterfirma erstellt worden. Lächerliche 120.000€ hat der Spaß gekostet (den natürlich die GEZ-Zahler bezahlen). Das i-Tüpfelchen auf der ganzen Sache ist, daß das damals der MDR organisiert hat, deren vorzüglichst bezahlte Chefin (1/4 Millionen €/Jahr) eine treue SED-Soldatin war und in ihrem Studium über den Klassenfeind in bestem DDR-Propaganda-Jargon herzog, wie man auf Wikipedia lesen kann. Die ist also vom Fach.

Nun, es empfiehlt sich, das Dokument mal zu überfliegen, speziell, weil die Vorschläge, die die Autorin macht, durch Fettdruck schnell zu finden sind. Grundtenor ist, daß der ÖR nur ja der verlängerte Arm des Bürger und durch ihn erst die Demokratie überhaupt möglich sei – im Gegensatz zu den bösen, einzig auf Gewinn ausgerichteten Anbietern, nicht nur beim Rundfunk, sondern auch bei den gedruckten Medien. Letztere Aussage hat hat die Presse natürlich ziemlich verstimmt, was die besonders intensive Berichterstattung erklärt (ich bin nicht so naiv zu glauben, es wäre die Sorge um den manipulierten Bürger…).

Ich will den Blogeintrag nicht abschließen, um ein paar besondere Highlights aus dem Dokument zu zitieren – welche, wie geschrieben, Vorschläge sind und nach meiner Kenntnis bislang so nicht von der ARD verwendet wurden. Die auch in die Kritik geratene Autorin zieht sich in einer Reaktion auch darauf zurück, daß sie überspitzt wurden, um den Effekt zu demonstrieren – eine Ausrede aus meiner Sicht. Nichtsdestotrotz sollte aber man ab nun jedes Wort der ARD auf die Goldwaage legen und prüfen, ob nicht doch die Lehren des Framings angewendet wurden, im Gegensatz zu den Beteuerungen der ARD. Hier sind sie:

  • »Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD«
  • »Unser freier Rundfunk, der Öffentlichkeit herstellt«
  • »Unser gemeinsames Rundfunkkapital«
  • Für die privaten Sender und Presse: »Medienkapitalistische Heuschrecken«, »profitwirtschaftliche Sender«, »Kommerzmedien«, »profitorientierte Medien«, »Ausgrenzung und Marginalisierung einiger Gruppen im kommerziellen nichtdemokratischen Rundfunk«, »[…] nichtdemokratischen und nichtselbstbestimmten Rundfunks«, »Profitzensur – das inhaltliche Selektieren nach dem Motto ›Günstigen Inhalt teuer verkaufen‹«
  • »von Bürgern ermöglichtes Rundfunksystem«
  • »ARD […] verwaltet […] das Rundfunkkapital der Bürger«
  • »freie mediale Infrastruktur«
  • »bildende und sinnstiftende Kultur– und Unterhaltungsformate«
  • »selbstbestimmte (da demokratisch entschiedene) Beteiligung der Bürger am gemeinsamen Rundfunk ARD«
  • »Die ARD ist von uns, mit uns und für uns geschaffen: Sie ist von uns beschlossen – denn die Entscheidung zu einem gemeinsamen, freien Rundfunk ist eine demokratische Mehrheitsentscheidung.«
  • »Sie [Anm.: die ARD] ist von uns [Anm.: die Autorin meint hier den Bürger] gestaltet, indem viele Bürger sich über die Beteiligung hinaus beruflich einbringen«
  • »Und die ARD existiert einzig und allein für uns, indem sie jenseits profitwirtschaftlicher oder demokratieferner Gelüste für ein informierendes, bildendes und sinnstiftendes Programm sorgt«
  • »die ARD ist die Gesellschaft: Wir sind Ihr!«
  • »gemeinsamen, freien Rundfunk ARD über den wir [Anm: wieder mal der Bürger] uns freien Zugang zu einer exzellenten medialen Infrastruktur auf höchstem inhaltlichen und technischen Niveau«
  • »Mit allen und zum Wohle aller eine exzellente mediale Infrastruktur zu schaffen, die für jeden frei zugänglich ist und jeden in gleicher Weise ernst nimmt und bedenkt«
  • »ein Rundfunk, der von allen finanziert wird, der ist auch für alle da«
  • »wahrhaft freie, stabile Information«
  • »gleichwertigen Anspruch aller Bürger, auf einem hohen inhaltlichen und technischen Niveau bildend und sinnstiftend unterhalten und frei informiert zu werden«
  • »Grundlage unseres privaten und wirtschaftlichen Wohlergehens«
  • »Rundfunkbeteiligung ist gelebte Eigenverantwortung für die deutsche Kultur, Wirtschaft und Demokratie«
  • »Nur in einem Land mit einer stabilen gemeinsamen Rundfunkinfrastruktur kann man frei und erfolgreiche leben und seinen Geschäften nachgehen.«
  • »ARD Programminfrastruktur für das private und wirtschaftliche Wohlergehen«
  • »[…] zu solider Information und demokratische, freier Berichterstattung über Politik und Wirtschaft in Deutschland und auf der Welt bis hin zu bildender und menschlicher, lebensnaher Unterhaltung«
  • »freie und kritische weltweite Informationsarbeit«
  • »in aller Schärfe und Genauigkeit zu erfassen, abseits von vorgefertigten Agenturmeldungen und der Seichtinformation kommerzieller Sender«
  • »Bei der ARD hat der Bürger seine eigenen, unabhängigen Beobachter, die geschützt vor dem Zugriff durch die Wirtschaft oder durch einzelne politische Akteure oder Gruppen für ihn arbeiten«
  • »Denn wir stiften sozialen Frieden und Verständigung durch das gemeinsame Rundfunkprogramm, das menschliches Wohlwollen, Freude an der Unterschiedlichkeit der Menschen und faires Miteinander in den Mittelpunkt stellt.«
  • »durch ihre finanzielle Beteiligung und darüber hinaus den gemeinsamen, freie Rundfunk ARD mitermöglichen und gestalten.«
  • »Wir [Anm.: der Bürger] beteiligen uns am gemeinsamen Rundfunk ARD um unserer selbst und unseres Landes willen«
  • »Unsere Eltern und Großeltern haben den gemeinsamen Rundfunk ARD demokratisch beschlossen und mit eigenen Händen aufgebaut«
  • »Bürger, die sich nicht gemäß der demokratischen Vereinbarung am gemeinsamen Rundfunk ARD beteiligen, sind wortbrüchig oder auch illoyal. Sie liegen nicht nur den anderen auf der Tasche, täuschen und betrügen und genießen weiterhin uneingeschränkten Zugang zur gemeinsamen medialen Infrastruktur ARD – sondern sie halten sich nicht an unsere demokratisch getroffenen und damit für alle verbindlichen Vereinbarungen und missachten den allgemeinen Willen des Volkes. Sie sind Beitragshinterzieher, sie begehen Wortbruch, machen sich des Loyalitätsbruchs schuldig.«
  • »Wer die ARD ›verkleinern‹ möchte, der stellt das Recht der Bürger an einer umfassenden und gründlichen Rundfunkversorgung infrage […] Sie fordert den Bürger auf, einen Teil seiner medialen Freiheit aufzugeben, einen Teil seiner Fürsorge für sein privates und wirtschaftliches Wohlergehen und dasjenige seiner Familie und Mitbürger aus den Händen zu geben.«

Daraus entwickelte Slogans:

  • Kontrollierte Demokratie statt jeder wie er will.
  • Exzellenz statt Umsatz.
  • Demokratie statt Umsatz.
  • Die ARD ist der verlängerte Arm der Bürgers.
  • Gemeinsamer Rundfunk statt Informationsanarchie.
  • Wir sind Ihr.
  • Rundfunkbeteiligung ist gelebte Eigenverantwortung.
  • Demokratie statt ideologischer Monopolisierung.
  • Demokratie statt rechenschaftsfreier Echokammern.
  • Am liebsten selbst denken. Dank stabiler Informationen.
  • Am freien Rundfunk zerplatzt jeden Tag um 20 Uhr die Filterbubble.
  • Kein entdemokratisiertes Rundfunksystem.

Was für Anmaßungen! Nicht ohne Grund wird das mit dem Neusprech aus 1984 verglichen. Es ist übrigens auch ein fieser Trick, sich als Vertreter einer Gruppe (hier: der zahlende Bürger) zu bezeichnen, ohne ein Mandat dafür zu haben.

Ich gehe jetzt erstmal eine Runde kotzen!

Weitere Quellen: