4. Januar 2014
Januar 201404

Über die Abschaffung des Bargelds

In der FAZ gibt es einen Artikel über die langsame Abschaffung von Bargeld in Schweden, aber auch in Dänemark. Vielerorts kann man dort nicht mehr mit Bargeld bezahlen, etliche Bankfilialen geben auch kein Bargeld mehr heraus.

Leider arbeitet der Artikel die negativen Effekte zuwenig heraus. Die Abschaffung des Bargelds wird zwar wohl nicht vom Staat gefördert, aber ist sicherlich auch nicht unerwünscht: Gerade die Schweden haben bisweilen eine spezifische Sicht auf das gesellschaftliche Zusammenleben, und die Privatsphäre gehört wohl eher nicht dazu. Anonym bezahlen zu können, ist ein wichtiger Bestandteil der Privatsphäre, auch wenn es in der Regel im öffentlichen Raum passiert. Beim elektronischen Bezahlen wird gespeichert, wann, bei welchem Unternehmen und an welchem Ort man kauft, und es werden natürlich die Waren und Dienstleistungen mit dem Käufer assoziiert. Bei der fleißigen Zusammenarbeit der Schweden mit der NSA dürfte klar sein, daß die Buchungsdaten lange gespeichert (Stichwort »Vorratsdatenspeicherung«) und ausgiebig genutzt werden. Die Firmen freuen sich natürlich auch, soetwas wie »Payback«-Karten braucht man dann nicht mehr, um Kundenprofile erstellen zu können.

Neben der Privatsphäre steht auch ein Stück Eigentum und Freiheit auf dem Spiel. Mit ein paar Mausklicks kann jemand mit einem Schlag seines Barvermögens enteignet und vor allem handlungsunfähig gemacht werden. Er kann sich keine kleine finanzielle Sicherheit im Safe oder unter dem Kopfkissen anlegen – außer mit ausländischen Devisen oder Edelmetallen, mit denen er jedoch relativ wenig anfangen kann. Verwandte und Freunde können ihm nicht einmal Geld leihen, sie könnten ihm das ja höchstens überweisen! Das weckt auch Begehrlichkeiten, z.B. sich bei einer hohen Staatsverschuldung an den Privatvermögen zu bedienen. Um Bank-Runs braucht sich der Staat keine Sorgen mehr zu machen.

Schlußendlich habe ich auch noch meine Zweifel, daß durch die Abschaffung die Kriminalität zurückgeht. Vielleicht temporär, aber die Kriminellen werden sich neue Wege suchen: Im Bösen, seien es Krieg oder Verbrechen, sind die Menschen leider am kreativsten.

Also man muß schon grenzenloses Vertrauen in Staat und Banken haben und ein großes Stück Naivität, um das gut zu finden.